SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
A Plague Tale: Requiem · Erlebe ein tolles neues Abenteuer für Hoffnung · ab 57,99 € bei gameware Dying Light 2 [uncut] · Stay Human · ab 64,99 € bei gameware

Die Nacht der reitenden Leichen

Originaltitel: Noche del terror ciego, La

Herstellungsland:Spanien, Portugal (1971)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung
Genre:Horror, Trash
Alternativtitel:Blind Dead, The
Crypt of the Blind Dead
Mark of the Devil, Part 4: Tombs of the Blind Dead
Night of the Blind Dead
Noche de la muerta ciega, La
Noite do Terror Cego, A
Tombs of the Blind Dead
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,03 (62 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Ein junges Pärchen verbringt den Urlaub in der Hügellandschaft von Portugal wo einst ein Orden von Templern Jungfrauen opferten um das ewige Leben zu erlangen. Als es zu einem Streit zwischen den beiden kommt schlafen beide getrennt. Doch Nachts erwachen die Templer und sind auf der Suche nach frischem Blut... ()

eine kritik von martyrs666:

Manche Horrorfilme kennen die meisten Menschen, die sich für das Genre interessieren, zumindest dem Namen nach. DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN gehört mit Sicherheit dazu. Der Film ist einer, wenn nicht der bekannteste spanische Horrorstreifen und zog in relativ kurzer Zeit drei Fortsetzungen nach sich.

Der Originalfilm sowie deren Fortsetzungen wurden von Regisseur Amando de Ossorio erschaffen, einem 1918 im nordwestspanischen A Coruña geborenen Filmemacher. De Ossorio arbeitet ursprünglich als Journalist, wandte sich dann aber zuerst dem Schreiben von Drehbücher zu und drehte 1963 seinen ersten Spielfilm, LA TUMBA DEL PISTOLERO, einen Italowestern. Nach Versuchen in verschiedenen Genres landete er schließlich beim Horrorfilm, und erschuf mit den Reitenden Leichen eine durch geschichtliche Ereignisse "inspirierte" Eigenkreation. Der geschichtliche Hintergrund beschränkt sich freilich darauf, dass es die Tempelritter wirklich gab und dass ihnen, vor allem von der katholischen Kirche, unterstellt wurde, dass sie den Teufel anbeten würden. Dieser Vorwurf wird im Film als Tatsache übernommen. Allerdings liegt der Fokus sowieso nicht auf irgendwelchen, auch nur rudimentären, geschichtlichen Hintergründen, sondern darauf, das Ganze möglichst unheimlich und teils auch spekulativ und exploitativ umzusetzen. So wird die einzige Rückblende zu den lebenden Templern für eine Opferungsszene verwendet, die gleichzeitig zu den brutalsten Sequenzen des Films gehört.

Insgesamt ist der Film für sein Alter, immerhin ist er von 1971, also stolze 45 Jahre alt, recht explizit geraten und nimmt einiges voraus, was in den 80ern dann vollends in Mode kommen würde. Gerade im Bereich des Zombiefilms kann man, zusammen mit DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN, durchaus von Pioniercharakter sprechen, obwohl die Templer natürlich streng genommen keine Zombies sind. Aber Parallelen sind auf jeden Fall nicht zu verleugnen. Zusätzlich ist De Ossorios Werk aber auch noch tief im klassischen Gruselfilm verwurzelt. Die langen Aufnahmen von nebelverhangenen Ruinen und Friedhöfen würden auch einem Film à la FRANKENSTEIN gut zu Gesicht stehen. So nimmt DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN eine Schnittstelle zwischen klassischem und modernem Horror ein, die ich äußerst faszinierend finde.

Die Schauplätze sind gut gewählt und auch die gebotenen filmischen Stilmittel (die Reitszenen der Leichen werden z.B. nur in Zeitlupe dargeboten, um deren "untotes" Verhalten zu unterstreichen) tragen einiges zur Atmosphäre bei. Selbst heute noch empfinde ich die Masken der Untoten als sehr gelungen, während andere Effekte, wie die steifen Knochenhände der Templer, doch eher schlecht gealtert sind. Die Splattersequenzen sind zweckdienlich und, wie schon erwähnt, teils recht explizit.

Wie für einen Film diesen Alters oft zutreffend, vor allem, wenn er wie dieser hier eher dem Low-Budget-Bereich zuzuordnen ist, sind einige der schauspielerischen Leistungen recht hölzern. Dies wird durch eine deutsche Synchronisation unterstützt, die das Geschehen noch etwas steifer wirken lässt. Aber auch das dürfte dem geneigten Filmfan aus Filmen dieser Altersepoche durchaus nichts Neues sein. Die alte Vertonung ist aber dennoch eine wahre Meisterleistung, wenn man sie mit der Nachsynchronisation der damals fehlenden Szenen vergleicht, die man z.B. auf der ungekürzten DVD von XT-Video findet, die ansonsten eine sehr gute Qualität aufweist. Da habe ich mir doch glatt die untertitelte Originalsprache der damaligen ASTRO-VHS zurückgewünscht. 

Insgesamt ist die Schauspielleistung jedoch gut genug, um den Film relativ störungsfrei geniessen zu können. Den besten Job macht Lone Fleming, eine dänische Darstellerin, die später auch noch in De Ossorios DER EXORZIST UND DIE KINDHEXE von 1975 zu sehen war. Aber auch María Elena Arpón, Fans des iberischen Horrorfilms vielleicht bekannt aus Paul Naschy's DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN (1973) und César Burner, der männliche Hauptdarsteller, sind zumindest akzeptabel. Einige Nebendarsteller überschreiten die Grenze des Erträglichen zwar etwas, sind sind aber zum Glück jeweils nur kurz zu sehen!

Fazit

Einen Film wie DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN zu bewerten, ist nicht ganz so leicht. Er hat auf jeden Fall Kultcharakter, und diesen, meiner Meinung nach, zurecht. Er ist unheimlich, die Masken sind auch heute noch richtig creepy und der Blutgehalt ist ordentlich. Zudem hat das Werk in der finalen Zug-Szene zumindest eine äußerst unbequeme und nachhaltig schockierende Sequenz zu bieten. Welche? Das will ich hier nicht spoilern! Für heutige Sehgewohnheiten ist die Inszenierung langsam, fast schon behäbig. Dies würde ich aber nicht negativ bewerten, denn 1.) ist es einfach eine Frage der Epoche, in der der Film gedreht wurde, und 2.) empfinde ich diese Herangehensweise manchmal als willkommene Abwechslung zu heutigen Art der Inszenierung (temporeicher, schnelle Schnitte etc.)! Allerdings sind einige Effekte schlecht gealtert und die schauspielerischen Leistungen sowie die Synchronisation eher durchschnittlich.

Nichtsdestotrotz kann ich DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN empfehlen, zumindest für alle, die gerne ab und zu ältere Horrorfilme anschauen. Er ist unheimlich, blutig und hat einige wunderschön-gruselige Kameraeinstellungen zu bieten. Die oben beschrieben Mankos fielen, zumindest in meinem Empfinden, nicht so sehr ins Gewicht, als dass sie den Filmgenuss schädigen würden.

Deshalb vergebe ich

8/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Starry
Martyrs666
10/10
Glimmer
Martyrs666
8/10
You
Martyrs666
8/10
Prey
Martyrs666
7/10
die neuesten reviews
From
TheMovieStar
9/10
Lizenz
Phyliinx
7/10
Jeepers
Randolph Carter
3/10
Manitou,
cecil b
6/10
Slaxx
Ghostfacelooker
Born
TheMovieStar
6/10

Kommentare

19.10.2016 08:06 Uhr - dicker Hund
2x
User-Level von dicker Hund 17
Erfahrungspunkte von dicker Hund 5.253
Pointierte Kritik zu einem absoluten Genreklassiker. Mir gefiel der Gruselfaktor sogar besser als das bißchen Gekröse, wenn ich dieses auch nicht missen wollte.

19.10.2016 08:41 Uhr - Intofilms
1x
Da ist dir eine fabelhafte Kritik gelungen, MARTYRS666, ganz großes Kompliment! :D

Ich habe diese Reihe schon so lange nicht mehr gesehen, weil ich die Filme leider immer noch nicht in meiner Sammlung habe.
Wenn die mal gut restauriert in HD kommen, wäre das für mich eine absolute Pflichtanschaffung.
Mir hat v.a. gefallen, wie sehr du dich bemüht hast, die Filme zu verorten. Und das ist dir wirklich hervorragend gelungen!
Mir hat ja, ähnlich wie dir und dem dicken Hund, der atmosphärische Gruselfaktor auch schon immer am besten gefallen. Das sind im besten Sinne altmodische Horrorfilme. :D

19.10.2016 10:03 Uhr - NoCutsPlease
1x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 23
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 12.137
Ich muss hier vor allem die Herangehensweise im filmhistorischen Kontext loben, denn das ist einfach nur fair!

19.10.2016 10:19 Uhr - cecil b
1x
Moderator
User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.504
Eine sehr gute Rezension, in jeder Hinsicht!

Ich halte diesen Film für überbewertet, obwohl der heute noch schocken kann, und er zu seiner Zeit sicher Maßstäbe setzte. Die Storie hätte mehr in Richtung Kirche ätzen können, die Effekte: Na, ja, Die Dialoge sind oft lächerlich, das Drehbuch ist mittelmäßig, mMn auch die Schauspieler. Und die harte Szene im Finale ist für mich eine bllige Variante, die reinste Effekthascherei. Aber es funktioniert, und der Film sollte im Lexikon schon bei Klassiker stehen, denke ich. Die reitenden Skelette haben durchaus was, und die Inszenierung macht was her.


19.10.2016 15:15 Uhr - Martyrs666
2x
DB-Helfer
User-Level von Martyrs666 5
Erfahrungspunkte von Martyrs666 369
Erstmal Dank an alle für die positiven Rückmeldungen! Hat mich sehr gefreut!

@Intofilms & NoCutsPlease:
Ich finde, dass man Filme in der Bewertung stets in Relation zu der Epoche setzen sollte, in der sie gedreht wurden. Grade eine schlechtere Synchro, durchschaubarere Effekte, behäbige Inszenierung sind zum Teil ein Kind ihrer Zeit und sollten auch so bewertet werden. Das habe ich versucht, in diesem Review zu transportieren, was mir glücklicherweise, wenn man eure netten Kommentare betrachtet, auch gelungen ist! Merci beaucoup! ;-)

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)