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Green Room

Herstellungsland:USA (2015)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,93 (47 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Ein absolutes Worst-Case-Szenario: Mit dem letzten Tropfen Benzin und völlig abgebrannt, schafft es die Punkband „Ain't Rights“ gerade noch zu ihrem Gig in einer entlegenen Kneipe im amerikanischen Nirgendwo. Das Publikum besteht ausschließlich aus Nazi-Skinheads und der Plan, sofort nach dem Auftritt abzuhauen, scheitert, als sie unfreiwillig Zeuge eines brutalen Mordes werden. Der gnadenlose Anführer der Nazi-Gang, Darcy Banker (Patrick Stewart), befiehlt seiner Kampftruppe, alle Zeugen des Verbrechens zu eliminieren. Die Band verbarrikadiert sich gemeinsam mit der Skin-Braut Amber (Imogen Poots) im Backstageraum. Es folgt ein erbarmungsloser Showdown Skins vs. Punks. Als der Bodycount steigt, müssen sich die Überlebenden etwas einfallen lassen, um dem grausamen Katz-und-Maus-Spiel ein Ende zu bereiten... (Universum Film)

eine kritik von martyrs666:

Einen guten Regisseur zeichnet es in meinen Augen u.a. aus, wenn er in der Lage ist, unterschiedliche Stoffe in gleichbleibend ansprechender Qualität zu inszenieren. Jeremy Saulnier, seines Zeichnens Regisseur des hier besprochenen GREEN ROOM sowie des empfehlenswerten BLUE RUIN von 2014, hat dies bisher bravourös gemeistert. Zwar hat er bisher nur drei Filme (die beiden o.g. sowie MURDER PARTY VON 2007) inszeniert, jedoch ist sein Talent bei der internationalen Kritik unbestritten. Nun gebe ich zwar bei der Wahl meiner Favoriten meist nichts auf Kritikerstimmen, muss in diesem Fall aber in den allgemeinen Kanon des Lobes einstimmen. War BLUE RUIN noch ein elegischer, langsam inszenierter Revenge-Movie von ungeheuerer Intensität, präsentiert sich sein Nachfolger wesentlich actionorientierter, wenngleich er in ähnlich düsteren Gefilden schwelgt.

Allein die Grundstory, eine Punkband muss sich nach einem Konzert einer Bande Neo-Nazis erwehren, finde ich äußerst ansprechend. Sie ist zwar im Grunde nichts Neues, haben sich ähnliche Szenarien bereits seit den 70ern in Filmen wie ASSAULT - ANSCHLAG BEI NACHT abgespielt, dennoch gibt Saulnier dem Ganzen durch die Figurenkonstellation (Punkband vs. Neo-Nazis habe ich bisher zumindest noch nicht gehört) einen gewissen Drive. GREEN ROOM ist zudem deutlich "schneller" inszeniert als sein Vorgänger, ohne in eine einzige "Schnittorgie" auszuarten.

Ein weiterer, ganz grosser Pluspunkt ist in jedem Fall die Darstellerriege. Der vor kurzem tragisch und viel zu jung verstorbene Anton Yelchin (STAR TREK, ODD THOMAS) gibt in einer seiner letzten Rollen eine tadellose Performance ab und Imogen Poots, die schon Filme wie NEED FOR SPEED und FRIGHT NIGHT 3D ungemein aufgewertet hat, brilliert als Skinhead-Girl Amber. Die Schauspiel-Krone dieses Films geht allerdings an Patrick Stewart (Captain Picard aus STAR TREK: THE NEXT GENERATION). Seine Interpretation des Nazi-Anführers kann man nur mit zwei Worten beschreiben: beängstigend gut!

Beängstigend gut und vor allem teils wirklich extrem heftig sind die Gewaltszenen, die zwar nie über Gebühr ausgewalzt werden, jedoch auch mit blutigen Details nicht geizen. Sie ordnen sich allerdings jederzeit der Handlung unter, die spannend inszeniert und temporeich vorangetrieben wird, wobei Regisseur Saulnier immer wieder auch ruhige Momente einstreut, welche die Qualität des Films ungemein aufwerten, da sie entscheidend zur Charakterisierung der Hauptpersonen beitragen. Bei all der Gewalt gehen die Nazis, die die unglückselige Band belagern, dabei zwar äußerst brutal, aber vor allem strategisch und berechnend vor, was den Film von vielen anderen gleicher Machart abhebt, in dem die "Bösen" nur stur gegen das Versteck anrennen. Dieses planvolle Vorgehen verdanken sie allerdings vor allem dem von Stewart dargestellten Darcy Banker, der einfach ein eiskalter und berechnender Psychpath ist, was die anfangs sehr kultivierte Darstellung Stewarts' nur unterstreicht.

Aber auch die eingekesselte Band hat einige Ideen auf Lager (besonders gut: die Rückkopplung! Wer den Film gesehen hat, weiß, was ich meine!), so dass der Film vor allem eines niemals ist: langweilig! Im Gegenteil, ich habe schon lange keinen Film mehr gesehen, der durchgängig so spannend war und selbst in den ruhigeren Momenten, wie bereits erwähnt, die Handlung so konsequent vorangetrieben hat. Dazu ist er, sowohl was Kameraführung als auch die fast schon schmerzhaft realistischen Effekte angeht, äusserst professionell inszeniert und übertrifft in diesem Punkt den Vorgänger BLUE RUIN nochmals deutlich.

Fazit

GREEN ROOM ist auf jeden Fall einer der Filme, bei denen es mir schwer fällt, überhaupt Kritikpunkte zu finden, denn der Film hat mich von anfang bis Ende ausgezeichnet unterhalten, er war hart, brutal, düster und hatte hervorragende schauspielerische Leistungen zu bieten. Zur Höchstwertung fehlt dennoch das Quentchen Begeisterung, die solch ein Film in mir auslösen muss. Und dafür war die Story von GREEN ROOM etwas zu beliebig und schon recht oft, dagewesen, wenn auch mit anderen Protagonisten (z.B. Polizei vs. Gangs in ASSAULT - ANSCHLAG BEI NACHT). Dennoch ein rundum gelungener Film, den ich mir sicher noch das eine oder andere Mal anschauen werde.

Ich vergebe

9/10
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Kommentare

19.10.2016 09:24 Uhr - Dissection78
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Du hast es toll auf den Punkt gebracht, Martyrs! Ich war nach den Vorschusslorbeeren, die der Streifen zum großen Teil erhielt, sehr gespannt und wurde nicht enttäuscht.

Eine Actionorgie darf man nicht erwarten, und das ist gut so. Hervorragende Darsteller (vor allem Patrick Stewart hat mich als berechnender Anführer der White-Supremacy-Gruppe beeindruckt, eben weil er zurückgenommen agiert und nicht wie ein klischeehafter Rassisten-Berserker vor der Kamera wütet... und Imogen Poots war schon in "28 Weeks Later" ein talentierter Schnuckel!); eine meist unaufgeregte Machart, die den Geist des US-amerikanischen Independentkinos atmet, aus dessen Umfeld der Film ja auch entstammt; und die Kämpfe zwischen den verfeindeten Gruppen kommen durchaus realistisch rüber. Das heißt, sie sind ein eher unästhetisches, manchmal unübersichtliches Durcheinander, das kaum choreographiert erscheint (obwohl es natürlich mit Sicherheit eine Choreographie gab), was so jedoch viel näher an der Realität ist, als es uns zahllose Actionfilme aus dem Kampfsport- bzw. Kampfkunst-Bereich suggerieren. Dazu läuft im Hintergrund meist energetischer Hardcore Punk und Metal von den Dead Kennedys, den Bad Brains, Slayer, Midnight etc.

Man kann sich als Zuschauer vielleicht über manche Aktionen und (Fehl-)Entscheidungen der Protagonisten streiten, aber selbst diese finde ich nicht sonderlich unrealistisch. Fehleinschätzungen trifft schließlich ein jeder. Und das Beste ist, dass die teils äußerst heftigen, effekttechnisch exzellent umgesetzten Gewaltszenen nie selbstzweckhaft erscheinen, sondern nur kurz angeschnitten sowie schockierend und hässlich dargeboten werden - eben das Wesen der Gewalt in all seiner Abscheulichkeit. Außerdem ist das Setting des abgelegenen Nazischuppens in den weiten Wäldern des amerikanischen Nordwestens gleichfalls formidabel wie stimmungsvoll. Gut, die deutsche Synchro ist in meinen Augen bzw. Ohren weniger geglückt, aber dafür gibt's den O-Ton.

Meiner unmaßgeblichen Meinung nach ist "Green Room" alles in allem ein sehr gelungener Thriller, der ab und zu an der Grenze zum Horrorgenre kratzt. Das aber nur marginal. Zuerst entschleunigt, anschließend düster, dreckig, kühl, brutal, kaum berechenbar und spannend, gewürzt mit einem Quäntchen schwarzen Humors. 8,5 - 9 "Nazi Punks Fuck Off!" von mir. Sehr gut!

PS:
Dass der äußerst sympathische Anton Yelchin (ich mag vor allem "Hearts in Atlantis", "Der Biber" und "Odd Thomas" sehr) vor einiger Zeit unter tragischen Umständen verstarb, ist einfach nur traurig.

19.10.2016 10:41 Uhr - cecil b
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Wieder eine sehr gut gelungene Review!

Kann sein, dass ich dem Film ähnlich viel abgewinnen kann, wie ihr Beiden, an dieser Stelle, aber die Storie kann ich theoretisch nicht wirklich ernst nehmen. Punkband vs. Neo-Nazis: Kicher. Aber ich kenne den Film ja nicht, und habe daher ja nur eine Theorie. Ich sollte mich wohl davon überraschen lassen, dass mir der Film sehrwohl gefallen kann. :)

19.10.2016 11:55 Uhr - Watchman013
1x
Sehr lesenswertes Review. Ich habe mir letzte Woche die Disc zugelegt, nachdem ich die beiden positiven Reviews deiner Mitstreiter gelesen hatte. Leider musste ich feststellen, dass der Film mich nicht annähernd so gefesselt hat wie ich es nach den Besprechungen erwartet hatte.

ACHTUNG SPOILER:
Eine Punk Band die einen Auftritt in einem Hinterwäldler Nazi Schuppen spielt... na gut, damit kann ich zur Not noch leben. Aber nachdem die Band ihren Set mit "Nazi Punks fuck off" eröffnet hatte, war der Film für mich durch. Vor der Bühne eine Horde Glatzköpfe, die sich mehr oder weniger gelassen diesen Song anhören, ohne die Bühne zu stürmen? No way!

SPOILER ENDE

Versteh mich nicht falsch, ich habe schon Filme mit dünneren Plots gesehen, aber gerade in einem so eigentlich realistischem Setting hat mir das echt die Ernte verhagelt. Da konnten auch die wirklich guten Darsteller nicht mehr alles rausreissen.
Ich würde letzen Endes bei 5-6 Punkten landen.

19.10.2016 15:08 Uhr - Calahan
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Nicht Spoilerfrei^^
Super Review, danke. Habe den Film nach den positiven Kritiken mit hohen Erwartungen angeschaut.
Aber der *Green Room* in dem sich die Punkband verbarrikadiert war sowas von lächerlich und die Handlungsweise der Protagonisten(wer gibt schon seine einzige Waffe raus) hat mir den Filmspaß verhagelt.

Sorry klares nein.

4/10 wenn ich werten müsste.

19.10.2016 17:27 Uhr - Der DVD Sammler
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Sehr gute Kritik zu einen meiner Filme 2016. Ich hab viele positives von dem Film gehört und gelesen und so habe ich ihn mir auf DVD gekauft. Ich fand den Film auch sehr gut auch wenn er etwas braucht bis es so richtig losgeht aber dann kann das absolut überzeugen.

Sir Patrick Stewart ist hier einfach nur unfassbar böse und sehr kaltherzig. Er war auch sehr traurig als er erfuhr das Anton Yelchin verstarb. Eine seiner besten Schurken Rollen. Anton Yelchin kenne ich nur noch aus dem Film Star Trek: Into Darkness wo er eine richtig gute große Nebenrolle spielte und auch dort überzeugte.

Ich finde den Drehort in Oregon auch sehr gut gewählt da war es so nebelig das man teilweise nichts sah was sich wunderbar für viele Szenen im Film einbauen ließ.

Punktemässig kriegt der Film von mir 8/10.

19.10.2016 18:29 Uhr - NoCutsPlease
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Sehr gutes Review.
Allerdings stelle ich mir die Frage, warum eine Punk-Band vor einem Neo-Nazi-Publikum überhaupt erst mit ihrem Programm anfängt und nicht gleich abhaut?!
Vielleicht erklärt sich das ja nach einer Sichtung des Films, denn die kontroverse Diskussion hier macht mich schon sehr neugierig.

19.10.2016 20:05 Uhr - NICOTERO
1x
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Respekt für Deine Abhandlung Dude...! Da steckt viel Arbeit dahinter. Einfach toll.
Aber: Wirklich 9von10....?
Für mich an der Grenze zu einem kompletten Totalausfall. Irgendwie zieht sich die schlecht getimte Handlung wie Kaugummi. Die gelegentlichen, aber guten handmade Effekte trösten zwar über vieles hinweg was den eigentlichen Spannungsbogen anbelangt, aber wirklich mitgerissen hat mich dieses Werk leider in keinster Art und Weise. Der gross angekündigte Patrick Stewart oder Yelchin werden schlicht komplett verschenkt wie Anton:)! Und ja NoCutsPlease: Warum spielt eine linke Punkband überhaupt vor einem ganz offensichtlich rechten Nazi-Skins Publikum? Der Mangel an finanziellen Mitteln kann es nicht wirklich gwesen sein.
Ach was solls! Meine Meinung. (5/10)

19.10.2016 22:49 Uhr - cecil b
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Moderator
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Das nenne ich ja mal wieder einen Austausch, der mich dazu animiert, diese Seite zu besuchen. (Und glücklicherweise einen kleinen Teil davon zu gestalten. Das macht ihr ja auch) ;)

20.10.2016 02:46 Uhr - NICOTERO
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@ cecil b
Absolut! Wie wahr! Schön gesagt....! Good night

20.10.2016 19:25 Uhr - Martyrs666
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Danke schön für die tollen Kommentare! Freut ich wenn ich zur Konversation anregen konnte. Ich bleibe bei meinen 9/10, denn mich hat GREEN ROOM sehr gut unterhalten, und etwaige inhaltliche Unzulänglichkeiten haben mich wenig gestört, vor allem da ich

SPOILER

es gar nicht so abwegig fand, dass eine Band, die augenscheinlich saudringend Kohle (sonst würden sie kein Benzin klauen) braucht, auf so nem Konzert spielt, vor allem, da sie über das wahre Ausmass der anwesenden Neo-Nazis vorher gar nicht Bescheid wussten. Ihr Kontakt hatte schließlich nur was von Skins mit "eher rechter Gesinnung" gesprochen. Vielleicht hatten sie ihre politische Gesinnung auch nicht wirklich verinnerlicht und es war ihnen schlicht egal...

SPOILER ENDE

Who cares? Es war in meinen Augen ein Aufhänger zu einem sauspannenden Film. Aber natürlich respektiere ich auch jedwede andere Meinung, vor allem, wenn sie zu solch angeregten Diskussionen führt... :-)

21.10.2016 22:21 Uhr - Präsident Clinton
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Tolles Review und sehr schöne Diskussion - ich freu mich sehr auf den Film, habe ihn im Kino leider verpasst...
BLUE RUIN war zwar etwas anstrengend, aber äußerst sehenswert :-).
Wird gekauft.

22.10.2016 00:58 Uhr - Calahan
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19.10.2016 20:05 Uhr - NICOTERO

Danke, unterschreibe ich.

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