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Texas Chainsaw - The Legend Is Back

(Originaltitel: Texas Chainsaw 3D)
Herstellungsland:USA (2013)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Thriller
Alternativtitel:Texas Chainsaw Massacre 3D
Texas Chainsaw Massacre 2D
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,48 (108 Stimmen) Details
inhalt:
TEXAS CHAINSAW 3D führt die legendäre Geschichte der mörderischen Familie Sawyer fort, der damals so viele Menschen zum Opfer fielen. Jahrzehnte später und hundert Meilen von den grausigen Tatorten entfernt, erfährt die junge Heather, dass sie ein Anwesen in Texas von ihrer Großmutter, von der sie bislang nichts wusste, geerbt hat. Nachdem sie sich mit ihren Freunden auf den Weg gemacht hat, um ihre Wurzeln zu erkunden, findet sie heraus, dass sie die neue und einzige Besitzerin einer aufwendigen abgesonderten viktorianischen Villa ist. Was sie noch nicht weiß ist, dass tief unten im Keller ihres neuen Besitzes bereits etwas Grauenhaftes auf sie wartet ...
eine kritik von dicker hund:

Mit Ausnutzung der 3D-Technik sollte unter der Leitung des No-Name-Regisseurs John Luessenhop im Jahre 2013 die bisher letzte Auskoppelung des Franchises das Licht der Welt erblicken.

Zu Beginn kommt eine Idee zum Tragen, die erstaunlicherweise zuvor niemand hatte: Gestartet wird mit einer in HD aufpolierten Montage der meisten Gewaltszenen des Originals. Dann setzt der Film exakt am Ende des Ursprungswerks an und bietet ein Shootout, das ein wenig an "The Devil's Rejects" erinnert - nur dass bei dem hier die Backwood-Familie weitgehend umkommt. "Texas Chainsaw" bricht an dieser Stelle bereits mit den drei bisherigen Sequels. Jene hatten nämlich mehrere Generationen der verwandten Schlachter beim munteren Fortgang des schlimmen Treibens gezeigt. Und auch die durch den Start suggerierte Nähe zum Original wird in vielerlei Hinsicht nicht geliefert. Das ist gewissermaßen schade, weil der stringente Auftakt eine interessante Weiterentwicklung der klassischen Geschehnisse zugelassen hätte. 

Stattdessen bekommt der Zuschauer erst einmal innerhalb eines Supermarktes in gewöhnungsbedürftiger Bonbon-Optik die Protagonistin Heather vorgestellt (Alexandra Daddario, die Amy Macdonald verblüffend ähnlich sieht). Diese hat hassenswerte Eltern, liebt aber ihren dunkelhäutigen Partner Ryan (Trey Songz), auf den auch ihre notgeile Freundin Nikki (Tania Raymonde) ein Auge geworfen hat. Gemeinsam mit Kumpel Kenny (Keram Malicki-Sánchez) machen sich die drei auf die Reise in eine abgelegene Villa in Texas, die Heather unverhofft von einer Tante geerbt hat. Dieses Haus lockt mit sujetfremder Ästhetik, weil es in helle, freundliche Farben getaucht und in einem verblüffend sauberen und gepflegten Zustand ist. Dennoch lauert in ihm - schauspielerisch solide begleitet - das Grauen.

Nun dürfte niemanden überraschen, dass es sich bei der Ursache des zu erwartenden Schreckens um die Galionsfigur der Reihe "Leatherface" handelt. Dessen plötzliche, springteufelhafte Auftritte aus den dunklen Gängen des Anwesens heraus wissen zu schocken. Zudem hat er seinen Maskierungs-Fetisch nicht verlernt, was das Hinsehen in mindestens einer Szene schwer macht (Horror 6/10). Die Schauwerte sollte man sich in Gestalt der eingestreuten Goreszenen aber nicht entgehen lassen, zumal Kettensäge und andere Werkzeuge drastischen und handwerklich versierten Einsatz finden (Gewalt 7/10). Nur ab und zu trübt eine Überdosis durchsichtiger CGI ein wenig das Bild. 

Um die blutigen Ereignisse herum wird eine Geschichte erzählt, die sich mehr wie eine Neuinterpretation von Stuart Gordons Trashwerk "Castle Freak" mit einer Portion "Halloween" und "Nightmare on Elm Street" als wie der jüngste Ableger der mittlerweile schon recht kinderreichen Reihe anfühlt. Das mag einerseits innovativ sein, andererseits finden sich kaum noch Wiedererkennungswerte. Eine Tradition greift Luessenhop allerdings auf, nämlich die nicht enden wollende Unsitte, Sexszenen (2/10) anzureißen und dann doch so gut wie nichts zu zeigen. An einigen entscheidenderen Stellen wird die Hautoberfläche ebenfalls nicht erreicht, geschweige denn Regionen darunter. Wenn Heather etwa über die Geschichte des Ortes unangenehme Wahrheiten erfährt, wird das simpel-geschwätzig über die Einblendung mitgelesener Zeitungsausschnitte kommuniziert. Später bekommt der Zuschauer noch einen Brief der Erbtante vorgelesen, der angesichts des Inhalts in unpassend gepflegter Rhetorik verfasst ist. Noch deplatzierter erscheint die erzählerische political correctness, durch die mal eben das offensive Gegenteil der bisherigen Geschichten aus dem Motorsägen-Universum etabliert wird. Leatherface als missverstandenes Individuum einer intoleranten und feindseligen Gesellschaft ist schon eine schwer verdauliche Umdeutung des texanisch-massakrösen Gesamtplots. Obendrein irritiert ein klobiger Seitenhieb auf "Saw" durch platten Humor (2/10). Andererseits wird die fragwürdige Kleinstadtumgebung durch die ziemlich spannenden Streitigkeiten zwischen Sheriff und Bürgermeister ansprechend vorgestellt. Und noch etwas muss man dem jüngsten Output lassen: Einmal mehr ist absolut offen, wer denn nun vertrauenswürdig ist und wer nicht. Auf Umwegen kommt dadurch schließlich doch noch so etwas wie eine fiese Stimmung zustande. Luessenhops Werk fräst deshalb nicht völlig am Thema vorbei. 

Der Gesamteindruck bleibt nichtsdestotrotz zwiegespalten. Das liegt weniger an den Schwierigkeiten, an die Unrated zu kommen, von der es in Deutschland mal wieder nur Bootleg-Fassungen mit ausbaufähiger Bildqualität gibt. Das ist man als Horrorfreund bei allem Ärger über diesen Zustand ja fast schon gewohnt. Für eine Fortsetzung ist vielmehr die Abkehr vom Leitmotiv der kannibalistischen Hinterwäldlerfamilie, die ihre Opfer hetzt und jagt, eine allzu eigensinnige Entscheidung. Die vielen anderen Neuerungen kommen da noch als saures Sahnehäubchen obendrauf. So viel gewagte Abkehr von bekannten Pfaden hätte mit einem entsprechend mutigen erzählerischen Esprit sicherlich eine Chance in Richtung neuer Ufer geboten; "Texas Chainsaw" macht aber einen eher zusammengeschusterten Eindruck. Eine recht befriedigende Portion Genreware entsteht aufgrund der Mischung aus ziemlich viel Blut, satten Schockszenen und einer Handvoll Überraschungen, ohne dass das eingangs angedeutete Potential ausgeschöpft worden wäre. Prädikat: "Geht so" bis "passt schon."  (6/10 Punkten)

 

6/10
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Kommentare

10.11.2016 10:47 Uhr - NoCutsPlease
1x
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Das ist doch mal ein mehr als würdiger und aufschlussreicher Abschluss der Reviewreihe zu "TCM". Diesen Teil habe ich bislang ausgelassen, werde ihn aber wohl irgendwann mal im Rahmen der komplettierenden Neugierde sichten.

Edith: Das Ding schreibt sich offiziell Galionsfigur. :)

10.11.2016 10:54 Uhr - dicker Hund
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Danke, NCP;-)

Hab's gleich editiert.

10.11.2016 11:04 Uhr - Intofilms
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Hier spricht wieder aus jedem Satz absolut souveräne Kennerschaft verbunden mit großartiger Formulierungskunst, der gewohnte Premiumstandard des dicken Hundes also! :D

Deine Perspektive auf "TC3D" finde ich absolut überzeugend. Du hast den Film so gut, so gekonnt und überzeugend besprochen, dass es mir vorkam, als hätte ich ihn gestern erst wieder gesehen. Ich kann v.a. auch deine kritischen Anmerkungen sehr gut nachvollziehen, muss aber gleichzeitig auch sagen, dass ich für den Film dennoch ein bis zwei Punkte mehr vergeben würde. Denn trotz der zurecht angeführten Kritikpunkte hat "TC3D" mir insgesamt doch richtig gut gefallen, da die erfrischend neue Ausrichtung an sich ein wirklich großer Vorzug ist, der mich über die damit verbundenen Unzulänglichkeiten im Detail großzügig hinweg sehen lässt. Mir hat's gefallen. Hier kann man wirklich einmal vom sprichwörtlichen 'frischen Wind' sprechen.

10.11.2016 11:33 Uhr - Jerry Dandridge
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10.11.2016 10:47 Uhr schrieb NoCutsPlease
Das ist doch mal ein mehr als würdiger und aufschlussreicher Abschluss der Reviewreihe zu "TCM". Diesen Teil habe ich bislang ausgelassen, werde ihn aber wohl irgendwann mal im Rahmen der komplettierenden Neugierde sichten.

Edith: Das Ding schreibt sich offiziell Galionsfigur. :)


Ein richtiger Abschluss ist es ja noch nicht, da ja noch dieses Jahr ein weiterer Teil rauskommen soll. Und wer ist diese Edith? ;)

10.11.2016 11:45 Uhr - NoCutsPlease
1x
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10.11.2016 11:33 Uhr schrieb Jerry Dandridge
10.11.2016 10:47 Uhr schrieb NoCutsPlease
Das ist doch mal ein mehr als würdiger und aufschlussreicher Abschluss der Reviewreihe zu "TCM". Diesen Teil habe ich bislang ausgelassen, werde ihn aber wohl irgendwann mal im Rahmen der komplettierenden Neugierde sichten.

Edith: Das Ding schreibt sich offiziell Galionsfigur. :)


Ein richtiger Abschluss ist es ja noch nicht, da ja noch dieses Jahr ein weiterer Teil rauskommen soll. Und wer ist diese Edith? ;)

Schon klar, aber da jener Teil ja noch nicht erschienen ist, ist auch die Reviewreihe erst einmal beendet.

Edith ist eine ganz liebe Tante, die immer dann zu Besuch kommt, wenn es etwas zu editieren gibt. Der dicke Hund hat uns damals mit ihr bekannt gemacht. Manchmal schickt er sie bei anderen vorbei, ist aber im Gegenzug auch nicht böse, wenn sie ihm auch mal ein Leckerli bringt.

10.11.2016 12:50 Uhr - Horace Pinker
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Fulminanter Abschluss deiner großartigen TCM Reviewreihe, welche wieder durch Wortwitz und gelungene Formulierungen zu überzeugen weiß. Was die Bewertung angeht würde ich allerdings Intofilms zustimmen, fand den auch 1-2 Punkte besser da ich neben den recht blutigen Goreszenen die Hauptfigur recht sympathisch fand und die meisten Neuerungen mich nicht gestört haben. Übrigens wurde Leatherface in TCM 2 teilweise durch seine Verliebtheit in Stretch die er ja mehrfach rettete etwas sympathischer dargestellt ;)

10.11.2016 20:14 Uhr - leichenwurm
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Der Film disqualifiziert sich in meinen Augen schon aufgrund der geheuchelten Kontinuität zum Original. Bekannterweise ist Hoopers "Blutgericht" von 1974. Jetzt darf jeder selbst nachrechnen was beim Möchtegern-Sequel falsch gelaufen ist... ;-) ! Und wenn man doch schon vor hatte ein direktes Sequel zu inszenieren, warum um Gottes Willen werden dann Gunnar Hansen und Marilyn Burns gecastet nur um sie in sinnlosen Cameos zu verheizen... ??? Ne ne... in meinen Augen ein absolut vergeigtes Ding. Die Unrated ist übrigens gar nicht sooo schwer zu ergattern... die französische Blu Ray gab's für nen Zehner bei Amazon... ! Trotzdem ne ärgerliche Investition.

10.11.2016 22:00 Uhr - Fratze
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Ich hab ja 1 Pünktchen mehr vergeben, da mich der Streifen ebenfalls entgegen der Erwartung doch gut unterhalten konnte, und v.a. die von Horace erwähnte "Hauptfigur" - wenn ich nach dem Titel gehe, ist das nämlich die Kettensäge ;D - hatte gut Präsenz. Die Kritikpunkte sind aber natürlich durchaus berechtigt, und verglichen mit dem Rest der kompletten Reihe, v.a. mit dem Original und "The Beginning", war der schon sehr popcorn-mäßig.

Und ja... schade, dass du jetzt erst mal keine Kritiken mehr schreiben kannst, bis der neue "Leatherface" rauskommt XD

11.11.2016 09:37 Uhr - JasonXtreme
1x
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Gute Rezi!!! Ich fand den auch nicht übel, besonders der Anfang war gelungen - allerdings störte mich, soweit ich mich entsinne, dass die Zeitlinien irgendwie nicht zusammengepasst haben

11.11.2016 18:20 Uhr - Clemens
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Gutes, flüssig zu lesendes Review & der passende Ausklang deiner Reise in die texanische Pampa.
Chainsaw 3D - ich weiß net so recht. Der Streifen ist prinzipiell nicht übel, aber an der Armer-Junge-Leatherface-Story habe auch ich mich zu oft gestoßen. Gerade am Schluss wird der Sack ja beinahe schon als missverstandener Rächer für Ungerechtigkeit & Willkür hingestellt - nur dass er eben mal eine Kettensäge dazu benutzt. Kann man ja scheinbar mal machen...

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