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Black Rain

Herstellungsland:USA (1989)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Drama, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,56 (37 Stimmen) Details
inhalt:
Nick Conklin (Michael Douglas) ist ein korrupter New Yorker Cop. Er ist stahlhart, arrogant und völlig unberechenbar. Er hat den Auftrag, einen japanischen Killer nach Osaka zurückzubringen. Als ihm aber dort die Flucht gelingt, gerät Nick zusammen mit seinem Partner Charlie Vincent (Andy Carcia) in die Schusslinie der japanischen Mafia. Sie lernen schnell, was es heißt, die Männer der Yakuza zum Feind zu haben...
eine kritik von laughing vampire:

Lange habe ich mit diesem Film gezögert. Amerikanische oder auch europäische Filme, die in Asien und insbesondere Japan spielen, scheitern sehr häufig auf ganzer Linie und zeigen ein völlig verzerrtes, klischeehaftes Bild des jeweiligen Landes. Wenn ein Film dann auch noch in der Stadt spielt, in der man viele Monate gelebt hat, in der man sich auskennt und die man über alles liebt, umso bitterer. In meinem Fall ist dies Osaka, wie einige Leser meiner bisherigen Kritiken sicherlich bereits wissen.

Black Rain, ein amerikanischer Film von Ridley Scott, spielt also dort und handelt vom New Yorker Raubein-Polizisten Nick (Michael Douglas), der in seiner Heimat Zeuge eines tödlichen Konflikts zwischen Yakuza wird und den Angreifer, Sato (Yusaku Matsuda, der noch im selben Jahr verstarb), schließlich stellt. Japan möchte den Mann jedoch ausgeliefert haben, und so wird Nick zusammen mit seinem Partner Charlie (cool: Andy García) als Eskorte nach Osaka geschickt. Dort entkommt Sato jedoch bereits am Flughafen, was Nick nicht auf sich sitzen läßt und sich mit allen Mitteln bei der Verfolgung einzumischen versucht. Der etwas verklemmte japanische Polizist Matsumoto (Ken Takakura) steht ihnen dabei zur Seite und wird nur zögerlich warm mit den heißblütigen Ami-Cops. Allerdings werden die drei immer tiefer in einen tobenden Bandenkonflikt zwischen den Yakuza hineingezogen.

Wir haben hier also erst einmal eine Handlung, die an sich nicht besonders überzeugend klingt und aus der sich auch ein völlig durchschnittlicher Actionthriller mit ein bißchen asiatischem Flair entwickeln könnte. Doch glücklicherweise begibt sich Ridley Scott in seinem Film nie auf ein solches Niveau und zaubert stattdessen einen hervorragenden und atmosphärischen Krimi aus dem Hut: Die Stadt Osaka wird als die verrauchte und verregnete, aber nichts desto trotz magische Industriemetropole dargestellt, die sie ist, und in der sich allerlei Gestalten herumtummeln. Ein hervorragender Schauplatz für Geschichten aller Art, der im westlichen Kino leider so gut wie nie zur Geltung kommt, ganz im Gegensatz etwa zur Hauptstadt Tokyo, die diesen ganz eigenen Charme nicht aufweisen kann und oft einfach nur als beliebige Kulisse dient. Black Rain könnte man beinahe schon als eine Verneigung vor der Stadt bezeichnen. Ridley Scott und sein Team haben hier sehr gute Arbeit geleistet, und auch wenn es vom ehemaligen Kirin-Plaza-Building (das im Film mehrmals prägnant in Erscheinung tritt und das leider vor 10 Jahren abgerissen und durch einen H&M-Glasklotz ersetzt wurde) bis nach Jūzō im Nordwesten der Stadt eigentlich mehrere Kilometer sind und Michael Douglas das in einem kurzen Spaziergang zu bewältigen scheint: So what.

Die an sich relativ dünne Handlung entwickelt denn durch die wunderbar düstere Atmosphäre auch einen Sog, und verstärkt wird dies durch das wunderbare Zusammenspiel von Douglas und Takakura, die die kulturellen Differenzen zwischen New York und Japan repräsentieren, dabei jedoch nie in einfache Stereotypen abgleiten. Beide Charaktere lernen einander zu schätzen, und in einem historischen Kontext ist auch das eine schöne Geste dieses Films. Denn das starke Japan der späten 1980er-Jahre wurde von Amerika schließlich stets als wirtschaftliche Bedrohung und kultureller Feind betrachtet, wozu zu jener Zeit auch mehrere äußerst erfolgreiche populärwissenschaftliche Bücher kursierten. Kurz, das antijapanische Ressentiment in Amerika war auf einem Höhepunkt (was im Film auch mehrmals angetönt wird), daher habe ich mich über diese neutrale, nüchterne Darstellung sehr gefreut. Selbst die Darstellung der Yakuza unterscheidet sich nicht wesentlich von zeitgenössischen japanischen Produktionen: Sie sind auch für den tollen amerikanischen Hard-Boiled-Polizisten und insbesondere seinen Partner eine ernsthafte Bedrohung, und dennoch wird darauf Wert gelegt, ihre Motive und Mentalität zumindest oberflächlich greifbar zu machen. Eines dieser Motive spiegelt sich auch im Filmtitel wider, bezeichnet der Schwarze Regen schließlich den atomaren Regen nach dem Atombombenangriff auf Hiroshima, welcher nicht unwesentlich daran beteiligt war, daß die Yakuza im modernen Japan zu dem wurden, was sie sind. (Dazu sei gesagt: Es gibt aus dem selben Jahr noch den wunderbaren Film Kuroi Ame, übersetzt ebenfalls "Schwarzer Regen", von Shōhei Imamura über die Nachfolgen dieses Angriffs in Hiroshima, den ich ebenfalls wärmstens empfehle!)

Aber selbst ohne kulturelles Vorwissen oder nur schon Interesse ist Black Rain ein wunderbarer Actionkrimi mit starken Darstellern, tollen Bildern und sogar einem ganz erträglichen Soundtrack des frühen Hans Zimmer, den ich eigentlich gar nicht mag. Eine seltene positive Überraschung. Zwar kein absolutes Meisterwerk wie etwa Blade Runner, aber ein wirklich guter Film.

Kleine Randnotiz für alle Fans des japanischen Genrefilms: Die Hauptdarstellerin des Horror-Kultfilms Shiryō no Wana ("Evil Dead Trap") von 1988, Miyuki Ono, ist hier in einer Nebenrolle zu sehen. Sie spielt übrigens auch in den Fruits de la Passion an der Seite Klaus Kinskis mit sowie in Hakuchi von 1999, denen ich hier ebenfalls jeweils eine Kritik gewidmet habe. ;)

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Kommentare

27.10.2016 07:26 Uhr - dicker Hund
2x
User-Level von dicker Hund 15
Erfahrungspunkte von dicker Hund 3.852
Aus einer spannenden Perspektive ansteckend vermittelte Botschaft zu einem Film der Kategorie "Kommt mir vertraut vor - aber habe ich den wirklich gesehen?".

27.10.2016 07:53 Uhr - NoCutsPlease
5x
DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 12.125
Immer wenn sich der lachende Vampir einer US-Produktion annimmt, stelle ich mich auf einen harten Verriss oder eine ironische Lobeshymne der Marke "Star Wars: Episode 1" ein.
ABER es geht auch anders und "Black Rain" ist in der Tat ein sehr guter Thriller.
Die Aussagen aus Japaninsidersicht sind natürlich auch wie gewohnt hochinteressant.

27.10.2016 10:07 Uhr - JasonXtreme
3x
DB-Co-Admin
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Erfahrungspunkte von JasonXtreme 2.545
Der Film rockt! Und ich finde es hier wirklich sehr interessant, wie die persönlichen und örtlichen Hintergründe eingearbeitet sind - vielen Dank!

27.10.2016 15:22 Uhr - Intofilms
3x
BÄRENSTARK dieses Review, wie unglaublich schön sich das liest!
Ein Riesen-Dankeschön von mir, Laughing Vampire!! ;-)

Meine letzte Sichtung ist so lange her, dass es schon fast sträflich ist. Ich werde mir umgehend die Blu-ray holen. Ich fand den damals überragend!
Unbegreiflich, wie der bei mir so vollkommen in Vergessenheit geraten konnte. Das gibt's doch gar nicht...

Da hast du mir wirklich einen großen Gefallen getan! :D


27.10.2016 19:11 Uhr - Pratt
4x
DB-Helfer
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Top Kritik, zu einem klasse Film! Einer von Michael Douglas besten, noch dazu mit Gregg Allman's 'I'll be holding on' als Titelsong, bei dem Film stimmt alles!!

27.10.2016 22:10 Uhr - Laughing Vampire
3x
DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von Laughing Vampire 339
Vielen Dank für die tolle Rückmeldung! :) Freut mich riesig.

@NoCuts: Nun, ich schreibe eben hauptsächlich Kritiken zu Filmen, über die ich etwas Neues erzählen kann, und da bietet sich mein Spezialgebiet, der ostasiatische Film, natürlich am ehesten an. Es gibt sehr viele amerikanische und europäische Filme aus allen Genres, die ich ebenfalls liebe -- was ich einfach bedauere, ist die kulturelle (und damit verbunden finanzielle) Dominanz eines einzigen Filmmarkts, weil ich die Vielfalt dieser Welt liebe und der Film eben so viel mehr kann als Hollywood. ;)

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