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Total Recall - Die totale Erinnerung

Originaltitel: Total Recall

Herstellungsland:USA (1990)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Abenteuer, Action, Science-Fiction,
Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,20 (196 Stimmen) Details
inhalt:
2084. Bauarbeiter Doug Quaid wird von Träumen gequält, in denen er ein Leben auf dem Mars führt. Um sich ein Bild von dem roten Planeten zu machen, bucht er eine virtuelle Urlaubsreise bei der Firma Recall Inc. Dabei wird eine künstliche Erinnerung an den Trip direkt ins Gehirn implantiert. Doch etwas geht schief und Quaid findet sich plötzlich in einer völlig neuen Identität wieder. Brutale Killer heften sich an seine Fersen und seine Frau eröffnet ihm, sie wäre Agentin für den Mars-Diktator Cohaagen. Quaids wahres Bewusstsein wurde manipuliert. Um seiner realen Identität auf die Spur zu kommen, bleibt ihm nur eine Chance: Er muss selbst zum Mars reisen und den Auftrag zu Ende führen, den sein reales Ich begonnen hat...
eine kritik von dicker hund:

Gerade einmal drei Jahre nach dem großartigen "RoboCop" drehte Verhoeven die hier besprochene Sci-Fi-Action "Total Recall". Dass der Film vom gleichen Regisseur stammt, ist an einigen Stellen deutlich zu merken. Formal wäre da die Affinität zu eingespielten Videoclips zu erkennen, die in "Starship Troopers" sogar noch prägender für das cineastische Gesamtbild werden sollte. Vor allem gibt es aber wie in beiden genannten Werken wieder einmal jede Menge cleveren Subtext zu entdecken. Schließlich geht es um ein totalitäres Regime, das sich nicht damit begnügt, durch seine Propaganda subtil-manipulativ die subjektive Wahrheit und die Empfindungen des Staatsvolks zu lenken. Nein, es geht so weit, auf technischem Wege selbst rudimentäre Bestandteile der Identität wie den Namen und die Herkunft einer Person zu bestimmen und nach Belieben wieder umzudefinieren. So skrupellos ist Patriarch Cohagen (Ronny Cox), und vor einer solchen Aktion gibt es vom Lakaien Richter (Michael Ironside) noch einen Schlag ins Gesicht.

Empfänger nicht nur dieses Schlages ist der auch des Austeilens nicht verlegene Quaid (Arnold Schwarzenegger). Dieser weiß nicht einmal, ob die Ehe mit seiner Frau Lori (Sharon Stone) überhaupt echt ist. Die Gattin gibt sich erst als schnurrend unterlegenes Kätzchen, hat womöglich aber mehr Wehrhaftigkeit zu bieten als man ihr zutraut. Der angezogene Ami-Sex zwischen den beiden Stars ist allerdings mal wieder unverzeihlich prüde inszeniert und flüchtet dann noch ins Off. Wie gut, dass sich die Erotik später nur auf eine Handvoll Einstellungen beschränkt, bei welcher ein Beispiel für die superben Masken gegeben wird (Sex 3/10). Diese werden zuvörderst für die überspitzten Darstellungen der zahlreichen Mutanten und Maskeraden benötigt, die gelegentlich amüsant (Humor 2/10), häufiger aber scheußlich daherkommen. In diese Kategorie fallen außerdem die menschenverachtenden Äußerungen und Maßnahmen des Despoten Cohagen und effekttechnisch exzellente Einspielungen wie eine krude Selbstoperation Quaids oder Auswirkungen der Mars-Atmosphäre auf die Augen (Horror 4/10). Für die Genre-Einstufung ausschlaggebend bleiben dennoch die Qualitäten der Action-Ikone Schwarzenegger, der an etlichen Stellen als der scheinbar (?) unbesiegbare Über-Mann agiert. Das dämpft die Intensität der Wirkung des Films ein wenig, weil die Überlegenheit des Protagonisten dem Geschehen etwas von dem bitteren Beigeschmack nimmt, den der Plot an sich hat. Andererseits will man die sauber choreografierten Kampfeinlagen, die vorzüglich mit blutigen Shootouts und einer Prise Splatter verfeinert wurden (Gewalt 6/10), mit Sicherheit nicht missen.

Ähnlich ambivalent im Sinne eines Jammerns auf hohem Niveau gestaltet sich die recht wirre Geschichte um das Unternehmen "Rekall". Sollten die Erlebnisse Quaids echt oder ein fehlgeschlagener Gedankenreise-Trip sein, wäre der schmalzige Schluss zu "traumhaft", um noch in dieser Liga ernstgenommen zu werden. Falls das Ganze jedoch als künstlich erinnerte "Urlaubssimulation" gedacht wäre, würde sich nicht erschließen, warum ein Vertreter des federführenden Unternehmens in der Szene mit der roten Pille das Produkt seines Arbeitgebers derart unvorteilhaft darstellt. Abschrecken lassen sollte man sich von solchen Fragezeichen aber nicht. Denn die Grundidee eines Irrgartens aus Täuschungen und Pseudo-Erinnerungen wurde nichtsdestoweniger herrlich schräg umgesetzt und lockt mit der Unvorhersehbarkeit der Entwicklungen.

Über jeden Zweifel und sogar jede Alterserscheinung erhaben bleibt nicht zuletzt die Setgestaltung. Hier glänzt "Die totale Erinnerung" (deutscher Titel) mit den vielerorts eingebauten Fernsehern, die teilweise die Größe von Schaufenstern haben. Vor den tollen Kulissen bewegen sich Roboter-Fahrer in wunderlichen Taxen - und das ist erst der Anfang. Spätestens die fantasievollen Marslandschaften mit ihrer rotbraunen Wüstenästhetik und den schrillen Gebäuden und Fahrzeugen begeistern, so dass der epochale Score sie manchmal noch mehr abzufeiern scheint als den bereits ausgezeichneten Cast aus großen Namen.

Im Ergebnis liegt "Total Recall" zwar mindestens eine Stufe unterhalb der in diesem Review genannten, hervorragenden Vergleichswerke Verhoevens. Das bedeutet allerdings, dass es sich immer noch um eine große Filmperle handelt (8/10 Punkten), die Genrefreunden nur wärmstens ans Herz gelegt werden kann. Wer neugierig geworden ist, dem sei noch das Spitzenreview vom Kollegen Punisher77 empfohlen, das zur Entstehungsgeschichte des Films noch einige interessante Fakten aufbereitet. Abschließend kann mit Zufriedenheit erwähnt werden, dass der bis 2011 indizierte "Total Recall" inzwischen mit einer eingeschränkten Jugendfreigabe der FSK versehen ist. Blu-Ray-Veröffentlichungen mit rotem Siegel enthalten höher eingestuftes Bonusmaterial. 

8/10
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Kommentare

01.12.2016 08:44 Uhr - NoCutsPlease
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Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 12.132
Ich finde es immer wieder toll, wie du gefeierten Kultstreifen gekonnt an die Unterwäsche gehst.
Nicht etwa, weil ich wirklich guten Filmen ihre Anerkennung nicht gönne, sondern weil es eine besondere Herausforderung ist, sich zu keiner 10/10-Lobeshymne hinreißen zu lassen.

01.12.2016 10:20 Uhr - Horace Pinker
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Erfahrungspunkte von Horace Pinker 9.878
Wiedermal amüsant verfasste und lesenswerte Review zu einem Genreklassiker dicker Hund! Ich zähle jedoch zu denen die diesem Film die volle Punktzahl geben (genau wie auch bei Starship Troopers), für mich definitiv einer von Verhoevens besten! Im Vergleich fand ich Robocop übrigens etwas schwächer und schlechter gealtert, vor allem das sich die titelgebende Figur so schwerfällig bewegt kommt aus heutiger Sicht schon etwas unfreiwillig komisch rüber und einige der anderen Effekte (z.B. Riesenroboter) sind auch etwas schlecht gealtert, würde von mir 8 Punkte bekommen.

01.12.2016 12:06 Uhr - Pratt
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Erfahrungspunkte von Pratt 12.050
Lesenswertes und kurzweiliges Review zu einem Klassiker des Genres, den ich persönlich noch weiter oben auf der Punkteskala sehe.

02.12.2016 00:36 Uhr - Punisher77
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User-Level von Punisher77 14
Erfahrungspunkte von Punisher77 3.584
Auch wenn meine Wertung anders ausgefallen ist, gefällt mir Dein Review sehr gut. Es ist interessant und unterhaltsam geschrieben und auch mir gefällt die Art und Weise, wie Du mit Kultstreifen wie diesem hier umgehst und dabei nachvollziehbare Kritikpunkte findest. Und vielen Dank für den Verweis auf mein "Total Recall" -Review und dessen Bewertung :-).

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