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dicker Hund
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XP 1.654
Eintrag: 21.01.2017

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28 Days Later

Herstellungsland:Großbritannien (2002)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Drama, Science-Fiction, Thriller
Alternativtitel:28 Days Later...

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,71 (109 Stimmen) Details
inhalt:
Tag 1: Rasend schnell verbreitet sich der hoch infektiöse Virus aus einem Forschungslabor über die gesamte britische Insel. In Sekundenschnelle werden aus Menschen reißende Bestien.

28 Tage später: Jim (CILLIAN MURPHY) wacht in einem Londoner Krankenhaus aus dem Koma auf - in einen Alptraum. Die Stadt ist menschenleer, ganz England verwüstet, seine Einwohner dezimiert. Horden Infizierter werden zur allgegenwärtigen Bedrohung für die wenigen Überlebenden der Katastrophe. Hoffnung für Jim und drei weitere Nicht-Infizierte verspricht alleine ein Funkspruch einer kleinen Armee-Einheit, die im Norden Englands die Antwort auf die Infektion gefunden haben will. Zusammen machen sich Jim, Selina (NAOMIE HARRIS), Hannah (MEGAN BURNS) und Frank (BRENDAN GLEESON) auf die gefährliche Reise durch das verwüstete England. Doch sie ahnen nicht, dass ihnen der eigentliche Alptraum erst noch bevorsteht...
eine kritik von dicker hund:

Acht Jahre nach seinem "Trainspotting" wagte sich Danny Boyle an ein vergleichsweise hochbudgetiertes Projekt in einem Subgenre des Horrorfilms, das 2002 als so gut wie tot galt. Denn in "28 Days Later" geht es um eine Endzeitvision über viele infizierte und nur wenige noch gesunde Menschen, die stark an die Zombie-Apokalypse von George A. Romero erinnert. Das untote Sujet war damals so gut wie ausgestorben, die wichtigsten Exemplare der letzten Dekade waren "Braindead" von 1992 und "DellaMorte DellaMore" von 1994, welche allerdings nicht großartig im Mainstream-Kino liefen und außerdem zu einem erheblichen Anteil auf Ironie setzten, worauf die hier besprochene Dystopie vollkommen verzichtet. Sie war damit ihrer Zeit voraus, sollten das Remake von "Dawn of the Dead" und Romeros vierter Streich "Land of the Dead" doch erst 2004 bzw. 2005 aus dem entstandenen Blitzlicht ein Renaissance-Gewitter machen.

Unwetterartig geriet auch der Start von "28 Days Later", denn der Auftakt ist so heftig, dass man zunächst einen Mondo-Exzess erwarten könnte. Die wild hintereinandergeschnittenen Archivbilder von gewalttätigen Ausschreitungen zeigen sich indes nur kurz auf den Monitoren der Tierversuchsräume, in denen die für das spätere Szenario verantwortliche biologische Waffe gezüchtet wird. Der Ausbruch führt den Protagonisten Jim in das vom instrumentalen Moll vorgestellte, fast vollständig menschenleere London, dessen Fotografien mit Bildgewalt nicht geizen. Überhaupt überzeugt der Film mit bisweilen malerisch schönen Kulissen in kunstvollen Aufnahmen, die nicht immer von Tristesse durchzeichnet sind. Technische Fingerübungen wie Spiegelungen und die Arbeit mit mehrschichtigen Bildebenen verkommen da fast schon zur Routine. Selten sah ein Zombiefilm so gut aus!

Genauso stark geben sich die Dialoge. Insbesondere die Äußerungen von Jims baldiger Begleiterin Selena strotzen nur so vor Plastizität, indem sie entweder mit lyrischen Formulierungen die grausige Entwickung beschreiben, die Jim verschlafen hat, oder lakonisch die geschundene Gefühlswelt der weiblichen Hauptrolle vorstellen. Jim bräuchte da gar nicht zu sprechen, weil der Blick seines Mimen bereits reichlich Melancholie kommuniziert. Heitere und harmonische Phasen lullen den Zuschauer mit Intonierungen wie Elektro-Pop ein, bevor die häufigen Schockszenen wieder Platz greifen. Kinderzombies und ähnliche Derbheiten huldigen nicht nur Romero, sondern sorgen auch für aufdringliche Schreckensmomente (Horror 7/10). Dass die "Infizierten" hier rennen und nicht torkelnd vor sich hinschleichen, kann als Innovation verbucht werden. Mit den Identifikationsfiguren fiebert der Zuschauer hierbei mit, ohne dass er sich darauf verlassen könnte zu wissen, wer nach überkommenen Konventionen nun überlebt und wer nicht. Wenn es schließlich blutig wird, wurde die Dosierung genauso gut überlegt wie die Verteilung solcher Einschübe über die Spielzeit, wobei es kurz und gelegentlich auch heftig zugeht (Gewalt 6/10). Ein großer Wehrmutstropfen ist hier indes der in diesem Subgenre nicht diskutable, gelegentlich aber dennoch zugemutete Offscreen, begleitet von etwas randständiger Blutstropfen-CGI. Gelungenere Goreszenen zeigen ja an anderer Stelle, wie man es richtig macht - warum also nicht komplett so?

Dank seiner fesselnden Atmosphäre kann sich "28 Days Later" so etwas aber leisten. Sein stärkstes Plus dürfte wohl die Offenheit für Subtextinterpretationen sein, die in der Kategorie der lebenden Toten sonst fast nur bei Romero auffindbar ist. Gerade die Rolle des Militärs erlaubt in mehreren Szenen eine Deutung als pazifistische Sozialkritik. Zumindest erwähnenswert wäre in dieser Hinsicht noch die Position der starken weiblichen Figuren, die glücklicherweise nicht für halbgare Sexszenen (1/10) verheizt werden. Ein so hervorragendes Werk (9/10 Punkten) hat das nicht nötig. Dank Erwachsenenfreigabe der FSK ist es nicht schwierig, die etwaige Sichtungslücke zu schließen und damit den modifizierten Zombie-Horizont zu erweitern. Ach ja, die 28 Tage kommen ohne Humor aus (1/10). 

9/10
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Kommentare

21.01.2017 18:35 Uhr - naSum
3x
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Treffend, ausdrucksstark, präzise!

Das Danny Boyle hier am Werk war, habe ich erst Ewigkeiten später herausgefunden und war dann total überrascht...^^ Sowas hätte auch keiner von ihm zu erwarten gedacht.

21.01.2017 19:37 Uhr - Punisher77
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Grandioses Review zu deinem Film, den ich für ganz kleines Geld gekauft, aber immer noch nicht geguckt habe. Nach Deiner Kritik sollte sich das ändern...

21.01.2017 19:46 Uhr - NoCutsPlease
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Lumpi ist wahrlich vom Review-Rage-Virus befallen. ;)
Super Sache wieder!
Aber sind das wirklich Zombies im Sinne von auferstandenen Toten oder nicht doch eher von einer Art extremer Tollwut befallene Infizierte, die jedoch nach wie vor am Leben sind (nein, das hat keinen politischen Hintergrund ;))?

Für mich ist der Film eine schwache 8/10, da mir die düstere Atmosphäre doch recht häufig von der hektischen Optik verhagelt wird.

21.01.2017 20:21 Uhr - Intofilms
2x
Oh ja, vollkommen ironiefreie Dystopie mit einer absolut "fesselnden Atmosphäre". Dieses unglaublich intensive Endzeitdrama bekommt auch von mir eine 9/10. Danny Boyle ist überhaupt einer der ganz großen Regisseure unserer Zeit, bin ein großer Bewunderer von ihm.

Sehr gute Rezi wieder, dicker Hund! :))
(Ich würde hier allerdings das Z-Wort konsequent vermeiden.)

@Punisher
Hau rein! :)

21.01.2017 20:38 Uhr - dicker Hund
1x
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Vielen Dank für die netten und raschen Kommentare!

@Introfilms: Die Ironiefreiheit habe ich noch ergänzt;-)

21.01.2017 21:14 Uhr - Insanity667
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Jap, ein wirklich gelungener Endzeitfilm! Kaum zu glauben, dass der nun auch schon wieder knapp 15 Jahre auf dem Buckel hat, wie die Zeit vergeht! Der muss unbedingt mal wieder entstaubt werden! :D

Danke für das tierisch gute und wie immer auf den Punkt getroffene Rezension! ;)
9/10 Punkte sind hier auch meinerseits drin!

21.01.2017 21:14 Uhr - Insanity667
2x
DB-Helfer
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Ein Doppelpost--- :( Sorry!
Es muss natürlich heißen "die" Rezension, nicht "das" Rezension... wollte das nur ändern und hab mich dabei versehentlich geklont. Tut mir leid!

21.01.2017 21:36 Uhr - Horace Pinker
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Großartiges Review zu einem tollen Film dicker Hund. Vlt hättest du noch ein paar Worte mehr über die Darsteller verlieren können (v.a. Cillian Murphy in der Hauptrolle).
P.S. Folgt noch ein Review zur (ebenso gelungenen) Fortsetzung.

21.01.2017 22:22 Uhr - dicker Hund
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Auch Euch beiden vielen Dank!

@Horace:
Zu den Darstellern steht schon etwas in der Inhaltsangabe. Deswegen habe ich die Namen nicht wiederholt. "28 Weeks Later" habe ich vor Jahren mal gesehen und fand den so enttäuschend, dass ich mich nicht mehr rangetraut habe. Bis zu einem Rewatch wird da wohl noch etwas Zeit ins Land gehen...

22.01.2017 01:20 Uhr - naSum
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Die Vernichtung würde ich gerne lesen, denn ich fand ihn ebenfalls stark, wenn auch dem Vorgänger etwas hinterher.

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