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Eintrag: 10.01.2017

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Achterbahn
Weltweit erstmalig Ungeschnitten



Into the Badlands - Staffel 2
Blu-ray 23,99
DVD 18,17

Die üblichen Verdächtigen

(The Usual Suspects)
Herstellungsland:USA, Deutschland (1995)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Krimi, Thriller, Mystery

Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,00 (11 Stimmen) Details
inhalt:
Zollinspektor Kujan vermutet hinter der blutigen Schiffskatastrophe einen großangelegten Drogendeal. Verdächtigt wird Verbal, einer der beiden Überlebenden, und weitere vier Kriminelle: der Ex-Polizist Keaton, der arrogante Hockney, der hitzköpfige McManus und der unberechenbare Hispano Fenster. Bisher konnte ihnen Kujan nichts nachweisen, doch das ändert sich schnell! Als sie dem mächtigen Gangsterboß, einem mysteriösen Unbekannten - den jeder fürchtet, aber keiner kennt -in die Quere kommen, scheint keiner mehr seinen Kopf aus der Schlinge ziehen zu können: Denn der Big Boss läßt sich seinen Drogendeal nicht vermasseln!
eine kritik von nocutsplease:

Einige Zeit bevor Bryan Singer bei der Comicadaption X-Men oder der Stauffenberg-Verfilmung Operation Walküre die Regie führte, hatte er im Jahr 1995 auf Grundlage eines Drehbuchs von Christopher McQuarrie (Jack Reacher, Edge of TomorrowMission: Impossible - Rogue Nation), der in seinem früheren Leben in einem Detektivbüro gearbeitet hatte, mit The Usual Suspects einen echten Kultstreifen des Thrillergenres geschaffen. Als namensgebende Inspiration diente dabei die aus dem Klassiker Casablanca stammende Textzeile "Round up the usual suspects". Jener Titel spielte weltweit nicht nur fast 34,5 Millionen US-Dollar ein, sondern gewann 1996 auch zwei Oscars in den Kategorien Bestes Originaldrehbuch und Bester Nebendarsteller. Obwohl die meisten Pressestimmen und Rezensionen durch die Bank sehr positiv waren, verfasste ausgerechnet der berühmte Kritiker Roger Ebert einen herben Verriss. 


Trotz des Umstandes, dass sich The Usual Suspects im Allgemeinen einer ausgeprägten Bekanntheit erfreut und diesen Film sicher (fast) jeder Leser schon (mindestens) einmal gesehen hat, sei zur Spoilervermeidung lediglich der grundlegende Handlungsansatz genauer beschrieben: Wie kam es zu einem Massaker im Hafen von San Pedro, das insgesamt 27 Todesopfer forderte und nur zwei Überlebende hinterließ? Da einer der beiden Männer schwer verletzt im Krankenhaus liegt, muss Zollermittler Dave Kujan zwangsläufig mit dem verkrüppelten Verbal Kint als einzigem Zeugen vorliebnehmen und möglichst viele Informationen gewinnen, bevor dieser in wenigen Stunden gegen Kaution auf freien Fuß kommen soll. Somit beginnt Kint davon zu berichten, wie alles seinen Anfang nahm, als er sich eines Tages in New York mit vier anderen Kriminellen in einer Gegenüberstellung wiederfand. Daraus resultiert eine mitreißende Geschichte, die sich nur kleine atmosphärische Auszeiten gönnt und den Zuschauer in ein rätselhaftes Gefüge aus miteinander verstrickten Ereignissen entführt, welche auf mehreren Zeitebenen erzählt werden, wobei die Vernehmung von Kint die gegenwärtige Rahmenhandlung bildet. Nachdem insbesondere in den letzten Jahren mittlerweile fast jede 08/15-Story mit mindestens einem Plottwist versehen wurde, mag die Schlusspointe vielleicht nicht mehr die brachiale Sogwirkung von damals entfalten, aber in Hinblick auf die Entstehungszeit des Films wird hier wirklich sehr gekonnt mit Überraschung, Wahrnehmung, Erwartungshaltung und versteckten Hinweisen gespielt. 


Für sämtliche Rollennamen orientierte sich Drehbuchautor McQuarrie an Personen aus seinem früheren Berufsalltag und die Darsteller, die jene Charaktere zum Leben erwecken dürfen, überzeugen auf sehr hohem Niveau. Gabriel Byrne (Miller's Crossing, Codename: Nina, Der Staatsfeind Nr. 1) spielt den ehemaligen Polizisten Dean Keaton, Stephen Baldwin (Geboren am 4. Juli, Fled - Flucht nach Plan) den cholerischen McManus, Kevin Pollak (Casino, Eine Frage der Ehre, End of Days) einen Großkotz namens Todd Hockney, Benicio Del Toro (Sicario, 2001 Oscar als Bester Nebendarsteller in Traffic und 2004 Nominierung für 21 Gramm) den durchgestylten Hispano Fenster und Kevin Spacey (Sieben, L.A. Confidential, 2000 Oscar als Bester Hauptdarsteller in American Beauty) jenen halbseitig Gelähmten, der sich Verbal Kint nennt. Des Weiteren sind Chazz Palminteri (Running Scared, 1995 Oscar-Nominierung als Bester Nebendarsteller in Bullets Over Broadway) als die personifizierte Hartnäckigkeit Dave Kujan und Pete Postlethwaite (Inception, 1994 Oscar-Nominierung als Bester Nebendarsteller in Im Namen des Vaters) in der Verkörperung des obskuren Mittelsmannes Kobayashi mit von der Partie. Im direkten Vergleich ist insbesondere Spaceys Leistung hervorzuheben, die ihm völlig verdient die begehrte Goldtrophäe einbrachte. Seine Darstellung eines verkrüppelten Mannes, der in vielen Szenen wie ein geprügelter Hund wirkt und möglichst häufig dieser Opferhaltung entfliehen möchte, ist wirklich herausragend gelungen. Zur Simulation der halbseitigen Lähmung wurde übrigens mit zusammengeklebten Fingern und speziellem Schuhwerk nachgeholfen. Ergänzend sei anzumerken, dass nicht nur Bryan Singers Mutter einen Gastauftritt als Krankenschwester hat, sondern auch McQuarrie als Polizist zum Einsatz kommt.


The Usual Suspects wurde mittels eines Budgets von sechs Millionen US-Dollar produziert und die vorwiegend in New York sowie Los Angeles getätigten Dreharbeiten dauerten lediglich etwas mehr als einen Monat. Hinter der Kamera lenkte Newton Thomas Sigel (Drive, X-Men, Operation Walküre) sämtliche Geschicke und bescherte nicht zuletzt dank verspielter Fahrten sowie vorteilhaft gewählter Blickwinkel eine hochwertige Kinooptik, die den Film deutlich teurer aussehen lässt. Für die punktuell platzierten Gewalt- und Actionszenen  gönnte man sich den Luxus von spritzendem Kunstblut sowie echter Explosionen. Lediglich einige kleine Patzer in Form von Kontinuitätsfehlern und sichtbaren Crewmitgliedern trüben den audiovisuellen Gourmetschmaus ein wenig. Außerdem ist anzumerken, dass auch recht viele unbeabsichtigte Elemente ihren Weg in die finale Fassung fanden, z.B. sorgte Del Toros eigenwilliger Akzent mehrfach für Verständnis- bzw. Reaktionsfehler bei den anderen Darstellern, sollte die Gegenüberstellungssequenz ursprünglich deutlich ernster anmuten und eine in Baldwins Gesicht geschnippte brennende Zigarette war laut Skript eigentlich für dessen bekleidete Brustpartie gedacht. Auf der positiven Seite der Bilanz sei allerdings keinesfalls die von John Ottman (Lake Placid, Orphan, The Nice Guys) komponierte Filmmusik zu vergessen, deren überwiegend hintergründiger Einsatz sich sehr gekonnt mit den mysteriösen Handlungselementen vereint. Zudem haben wir Ottman auch den dramaturgisch und stilistisch äußerst wirksamen Schnitt zu verdanken.


Fazit: The Usual Suspects ist ein überaus starker Thriller, der mit einem der originellsten Drehbücher der 90er Jahre und durchweg erstklassigen Darstellern aufwarten kann. Da sich Singer trotz aller optischen und akustischen Vorzüge gelegentlich etwas in seinen Künsten verloren hat, reicht es meiner Meinung nach jedoch "nur" zur zweithöchsten Punktzahl. Nichtsdestotrotz handelt es sich hierbei zweifellos um einen absoluten Pflichtfilm des Genres bzw. der Kinogeschichte im Allgemeinen. 

9/10
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Kommentare

10.01.2017 08:20 Uhr - dicker Hund
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Absoluter Klassiker, besprochen von einem Autoren, der sich nicht in seinen Künsten verliert;-)

10.01.2017 08:58 Uhr - NoCutsPlease
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Danke vielmals! :)
Schön, dass ich endlich mal wieder einen Film erwischt habe, den du auch schon kennst (und schätzt).

Es war ohnehin nach so einigen vorwiegend weniger prominenten Titeln wieder einmal an der Zeit, einen echten Publikumsliebling zu besprechen.

10.01.2017 09:41 Uhr - JasonXtreme
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Da kann man nur dick unterschreiben, super Arbeit der Herr!

10.01.2017 09:46 Uhr - Horace Pinker
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Ich muss gestehen, dass ich einer der wenigen bin, die den Film bisher nur vom Titel her kennen. Umso mehr motiviert mich dein wie immer aufschlußrriches und kompetent verfasstes Review diese Bildungslücke so bald wie möglich zu schließen.

10.01.2017 10:25 Uhr - Intofilms
1x
Meine Sichtung liegt schon so lange zurück, dass ich mich an Einzelheiten des Films gar nicht mehr erinnern kann. Hier wäre eine Auffrischung dringend geboten.
Die Kritik spielt natürlich wieder in deiner eigenen Liga, NCP! :)
Übrigens: für heute Abend steht doch tatsächlich mal wieder "Casablanca" auf dem Programm. :)

10.01.2017 13:22 Uhr - Tom Cody
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"Gimme the fucking keys, you fucking cocksucker motherfucker!"
("McManus" im Film)

Jau, wieder eine superbe Rezension zu einem großartigen Klassiker des Thriller-Genres. Da steht wirklich alles drin, was ich als Fan wissen will und muss.
Beim Filmstart war ich damals zufällig ein paar Tage in London, bin ohne großes Vorwissen (aber einem guten Bauchgefühl) ins Kino gegangen und war hinterher völlig geflasht. Jeder einzelne Darsteller ist perfekt in seiner Rolle und die geniale Schlussszene...der vielleicht beste Storytwist aller Zeiten.

10.01.2017 18:04 Uhr - NoCutsPlease
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Vielen Dank alle miteinander! :)
Da den Film nun also doch nicht jeder kennt bzw. die Erinnerung mitunter eine Auffrischung braucht, hat sich die spoilerfreie Beschreibung ja gelohnt.
Und es lohnt sich natürlich auf jeden Fall diese Sichtungslücke zu schließen bzw. einen Rewatch vorzunehmen (oder so wie Intofilms einen weiteren viel zitierten Klassiker Revue passieren zu lassen).

In puncto Auszeichnung mit dem Oscar für das Beste Originaldrehbuch boten die 90er Jahre neben diesem Film mit "Pulp Fiction", "Fargo", "The Crying Game" und "Thelma & Louise" ein paar ziemliche (aber wohlverdiente) Überraschungen mit unkonventionellem Charme.
Was die übrigen Gewinner in jenem Jahrzehnt angeht, empfinde ich es hingegen weniger überraschend, denn "Ghost - Nachricht von Sam", "Good Will Hunting" und "Shakespeare in Love" sind zwar innerhalb ihres Genres ebenfalls gute Filme, aber letztlich auch sehr hollywoodkonform und "Der Club der toten Dichter" sowie "Das Piano" waren aufgrund ihrer Dramaturgie im Arthouse-Gewand ohnehin recht typische Kandidaten.

11.01.2017 08:02 Uhr - cecil b
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Ein außergewöhnlicher Film. Von einem außergewöhnlich versierten Autoren angemessen besprochen. :)

11.01.2017 20:00 Uhr - NoCutsPlease
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Gracias! :)
Also cecil, das ist fast schon zu viel Lob deinerseits, um es ruhigen Gewissens annehmen zu können.
Ich war übrigens sehr überrascht, dass diesen Film hier bislang noch niemand rezensiert hatte.

12.01.2017 11:46 Uhr - cecil b
2x
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@NoCutsPlease Keine falsche Bescheidenheit. ;)

Die Reviews die hier veröffentlicht werden finde ich ALLE gut, aber du weißt einfach sehr fachmännisch an die Sache heranzugehen, da brauche ich keine Vergleiche machen, die ergeben sowieso fast nie einen Sinn.

Deine Kunst steht für sich, wie die jedes anderen Autoren auf dieser Seite auch. Deine besonders versierte Art ist aber durchaus erwähnenswert. :)

13.01.2017 18:22 Uhr - NICOTERO
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Meisterwerk von Singer! Das Ende ist sensationell...

14.01.2017 12:23 Uhr - Insanity667
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Schön zu sehen, dass nach beinahe einem Jahr SB Abstinenz nachwievor die üblichen Verdächtigen hier weiterhin die Messlatte hochhalten und Klassiker wie diesen hier mit einem würdigen und wie immer wohlformulierten Review ausstatten! Top!

Und einen schönen Gruß in die Runde.

14.01.2017 12:56 Uhr - NoCutsPlease
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Thanks a lot! :)

@ Oscar:
Kein Wunder, dass du für das herausragende Drehbuch vergeben wurdest. ;)

@ Insanity:
Na wenn DAS mal keine schöne Überraschung ist! Cool, dass es von dir mal wieder ein Lebenszeichen gibt! Ich wollte zuerst nicht meinen Augen trauen...

14.01.2017 13:17 Uhr - Intofilms
3x
@Insanity
Jetzt haben die Italo-Fanboys hoffentlich wieder einen Grund mehr zum Abfeiern?!!!
Deine Kritiken (nicht nur zu den Italienern) werden schmerzlich vermisst! :))

14.01.2017 13:40 Uhr - Insanity667
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Freut mich sehr, dass ihr euch freut! :D

@Intofilms
Schauen wir mal!? ;)

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