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Im Wendekreis des Söldners

(Originaltitel: Tornado)
Herstellungsland:Italien (1983)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Krieg
Alternativtitel:Last Blood, The
Bewertung unserer Besucher:
Note: 4,45 (11 Stimmen) Details
inhalt:
Antikriegsfilm von Antonio Margheriti, in dem es um Soldaten im Vietnamkrieg unter einem sadistischen Befehlshaber geht. In den letzten Tagen des Vietnamkriegs schickt ein sadistischer Captain seine ihm unterstellten Green Berets auf Höllenfahrtskommandos hinter den feindlichen Linien. Sgt. Maggio stemmt sich gegen die Willkür, die der Vorgesetzte seinen Männern gegenüber bringt. Als auch noch ein Freund Maggios bei einem Einsatz wegen der Leichtfertigkeit des Captains ums Leben kommt. kommt es zum Kampf zwischen den beiden Männern. Auf dem Weg in den Knast flieht Maggio und kämpft sich in Richtung Kambodscha vor.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                              IM WENDEKREIS DES SÖLDNERS

Mit Jäger Der Apokalypse (1980) hatte B-Movie-Regisseur Antonio Margheriti den Prototyp des italienischen, auf den Philippinen gedrehten Vietnamkriegs-Actionfilms vorgelegt - mit Im Wendekreis Des Söldners (1983) legte er einen ähnlichen Film nach, wobei der deutsche Titel mal wieder kompletter Schwachsinn ist – abgesehen von der unsinnigen Verwendung des Wortes „Wendekreis“ handelt es sich bei dem Titelhelden nicht um einen Söldner, sondern um einen Soldaten der US-Army im Vietnamkrieg. Aber nicht nur der deutsche Titel sorgt im Vorfeld für Skepsis. Hatte Jäger Der Apokalypse mit David Warbeck, Tisa Farrow und John Steiner noch ein paar namenhafte B-Movie-Darsteller zu bieten, wirkt die Besetzung, die sich zum Teil mal wieder hinter amerikanischen Namen versteckt, hier weniger beeindruckend. Den im Jahr 2001 im Alter von 68 Jahren an einem Gehirntumor verstorbenen Giancarlo Prete alias Timothy Brent kennen Genrefans aus dem kleinen Giallo-Klassiker Der Schwarze Leib Der Tarantel (1971) und Luciano Pigozzi trat in Filmen wie Die Jungfrau Und Die Peitsche (1963) von Mario Bava auf. Der Rest der Besetzung ist eher unbekannt. Aber kann man von der nicht gerade prominenten Besetzung auf die Qualität des Films schließen? Ist Im Wendekreis Des Söldners nichts weiter als ein billiger, müder Aufguss von Jäger Der Apokalypse?

Im Wendekreis Des Söldners spielt am Ende des Vietnamkriegs. Die US-Truppen haben den Krieg verloren und wollen einfach nur zurück nach Hause. Einer der wenigen, der das noch nicht begriffen hat, ist Captain Harlow (Antonio Marsina), der seine Leute auf ein sinnloses Himmelfahrtskommando schickt. Ihm ist´s egal, ob seine eigenen Leute von Minen zerrissen werden – Hauptsache, der Auftrag wird ausgeführt. Seargant Sal Maggio (Ciancarlo Prete alias Timothy Brent) protestiert gegen dieses menschenverachtende Verhalten, steht aber mit seiner Kritik allein auf weiter Flur. Nachdem Maggios bester Kamerad an den Folgen von Harlows Mission gestorben ist, geht der Sarge zu weit und gibt seinem Vorgesetzten eins auf die Nase. Harlow will Maggio vor´s Kriegsgericht bringen, doch auf dem Weg dahin wird der Gefangenentransport überfallen. Maggio entkommt, muss sich aber nun bis zur Grenze durch Feindesland schlagen …

Im Wendekreis Des Söldners kommt in der Tat nicht an die Jäger Der Apokalypse heran, obwohl er diesem Streifen eins voraushat. Im Gegensatz zum ausschließlich an Action interessierten Margheriti-Streifen von 1980 weist Im Wendekreis Des Söldners sogar einige (wenige) kriegskritische Aspekte auf. Das macht den Streifen natürlich noch lange nicht zum Antikriegsfilm, ist aber inhaltlich im Vergleich zum Jäger-Film ein kleiner Fortschritt. Im Wendekreis Des Söldners zeigt die Kriegsmüdigkeit der US-Truppen und übt Kritik an Karrieristen wie Harlow, die meinen, sich durch sinnlose Aktionen wie die Jagd auf einen Deserteur noch einen Namen machen zu können oder eine Moral aufrecht zu erhalten, die längst nicht mehr gültig ist.

Aber letztendlich ist Im Wendekreis Des Söldners - wie gesagt - kein Antikriegsfilm, sondern ein Actionfilm vor der Kulisse des auslaufenden Vietnamkriegs, weshalb es nach Maggios Flucht aus dem Gefangenentransport im Grunde nur noch darum geht, sich durch den Dschungel zu kämpfen. Nicht nur die kritischen Aspekte, sondern auch der Konflikt zwischen Vorgesetztem und Untergebenem, der bis dahin den hauptsächlichen Reiz des Films ausgemacht hat und durchaus gut funktioniert, rückt dadurch leider in den Hintergrund, da es nun nur noch darum geht, sich durch den Dschungel zu meucheln.

Die Actionszenen, die bereits vor Maggios Flucht stattfinden, sind reichhaltig, weisen aber auch Mängel auf. So recycelt Margheriti in  einer Actionsequenz anscheinend Bilder von Explosionen aus Jäger Der Apokalypse, was schon etwas schwach ist, zumal auch an anderen Stellen "Stock Footage" verwendet worden sein soll. Dem gegenüber stehen einige neue, ordentlich inszenierten Schießereien, Zweikämpfen und Explosionen, wobei aber erneut eine höchst bedenkliche Feindbildzeichnung deutlich wird. Gräueltaten werden ausschließlich vom Vietcong und nicht etwa von US-Amerikanern verübt und selbst Vietnamesen, die sich unserem All American Hero gnädig zeigen, werden später niedergemäht – sind halt alles hinterhältige Schlitzaugen, wie es im Wortgebrauch der „Filmhelden“ heißt.

Aber es gibt noch weitere Macken festzuhalten: So zeigt der Film im darstellerischen Bereich einige Schwächen. Während sich Luciano Piogozzi als kauziger, kritischer Kriegsberichterstatter noch sehr achtsam aus der Affäre zieht, gelingt es den beiden Hauptdarstellern nicht, bleibende Eindrücke zu hinterlassen. Giancarlo Prete, bzw. Timothy Brent hat einfach nicht das Charisma eines David Warbeck und auch Antonio Marsina kommt über eine Standardvorstellung nicht hinaus. Mit fähigeren Darstellern (z.B. David Warbeck vs. John Steiner, um bei Margheritis Jäger Der Apokalypse zu bleiben) hätte man deutlich mehr aus dem Film herausholen können.

Wenn man die italienischen B-Vietnam/Söldner-Actioner mag, kann man auch Im Wendekreis Des Söldners möglicherweise etwas abgewinnen. Der Film ist allerdings definitiv nicht der Stein der Weisen und weist so manchen Makel auf. Dennoch bietet er dafür eine Reihe von knalligen, unterhaltsamen Actionszenen und weist außerdem dezente, kritische Untertöne auf. Freunde des oben genannten Genres können einen Blick riskieren, Rambo – und Missing In Action-Fans könnten allerdings enttäuscht werden. Gelangweilt habe ich mich nicht, aber trotzdem ist Im Wendekreis Des Söldners für mich nur gehobener Durchschnitt.

5-6/10

5/10
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Kommentare

21.01.2017 18:05 Uhr - dicker Hund
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Spitzenreview voller kritischer Spitzen gegen einen wohl nicht so dollen Film. "Stock Footage" rangiert bei mir noch hinter "Found Footage", das schon ein ziemlich rotes Tuch für mich ist. Das ging mir schon bei "Eaten Alive!" mächtig auf den Zeiger. Werde hier wohl passen.

21.01.2017 19:10 Uhr - Punisher77
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Damit verpasst Du auch nicht sooo viel. "Stock Footage" ist für mich auch ein NoGo. Kein NoGo ist dagegen Dein Lob zu meinem Review - Dankeschön.

21.01.2017 21:25 Uhr - Insanity667
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Ach naja, das mit der Stock-Footage kommt ja immer irgendwo auf den Kontext an.
Stock-Footage z.B. bei Landschafts oder Tieraufnahmen kommt auch heute noch regelmäßig zum Einsatz, egal ob TV-Film, Serie oder A+ Blockbuster und die würde man wohl auch nicht mehr als solche erkennen. Selbst Stock-Footage in 80er Jahre B-Kloppern KANN einen gewissen trashigen Charme haben, von daher. :)

Zum Review: Wie immer ein Volltreffer aus der Wumme von Mr.Castle! ;)

22.01.2017 19:41 Uhr - leichenwurm
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Och... trotz der durchschnittlichen Bewertung und den von dir angesprochenen Kritikpunkten hat mich das Review (übrigens spitze, wie immer... ;-) ) doch irgendwie neugierig gemacht. Manchmal geb ich mir solch stumpfen Kram echt gerne... und sei es nur um herzhaft drüber zu lachen... ;-)) ! Kleine Anmerkung meinerseits: ich glaube im letzten Satz fehlt ein "für"...

22.01.2017 21:07 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank, Leute!

@Insanity667:
Zugegeben, ich denke, dass man viele Stock Footage-Einsätze bei Landschafts-oder Tieraufnahmen nicht erkennt und gegen solche habe ich im Grunde nichts. Wenn man aber z.B. auf bereits gefilmtes Actionmaterial aus anderen Filmen verwendet, nur um Kosten zu sparen, stößt mir das schon sauer auf. Der Gipfel der Unverschämtheit ist meiner Meinung nach "Bad Ass" mit Danny Trejo, der zwar recht unterhaltsam ist, aber Szenen aus der Bus-Verfolgungsjagd aus "Red Heat" verwendet und da komme ich mir als Zuschauer schon ein wenig verschaukelt vor.

@Leichenwurm:
Danke für die Anmerkung, hab´s korrigiert.

22.01.2017 21:30 Uhr - Der DVD Sammler
DB-Helfer
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Wieder ein starkes Review von unserem Punisher. Gebe dem sogar 6 Punkte.

Es ist alles billig aber dafür darf hier fleißig geballert, gestorben und getötet werden. Was man loben kann ist die deutsche Synchro den man hat für den Film wieder sehr starke Sprecher verpflichtet: Thomas Danneberg (Antonio Marsina, der Captain), Michael Chevalier (Luciano Pigozzi, Freeman) und Frank Glaubrecht (Giancarlo Prete, Sgt. Maggio). Der Film ist nun auch Uncut von Ascot Elite auf DVD und Blu-ray veröffentlicht worden wo nur in den OT Szenen englisch gesprochen wird.

24.01.2017 04:35 Uhr - Ismael
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Na ja, "Stock Footage"-Material wurde auch schon in "Jäger des verlorenen Schatzes"
verwendet, wenn auch sehr minimal. ;)

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