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Man lernt nie aus

(Originaltitel: The Intern)
Herstellungsland:USA (2015)
Standard-Freigabe:FSK o.A.
Genre:Komödie
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,25 (4 Stimmen) Details
inhalt:
Als Senior-Praktikant arbeitet der 70-jährige Witwer Ben Whittaker Robert de Niro) für eine Mode-Website, die von Gründerin Jules Ostin (Anne Hathaway) geleitet wird. Bei diesem Generationsunterschied geht das nicht ohne Blessuren ab, und dennoch merken die beiden bald, dass sie sich aufeinander verlassen können – der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                              MAN LERNT NIE AUS

Mit romantischen Komödien wie Was Frauen Wollen (2000) oder Liebe Braucht Keine Ferien (2006) hat sich Nancy Meyers einen Namen als Regisseurin gemacht. Aber auch als Drehbuchautorin (Jumpin´ Jack Flash, 1987) und Produzentin (Schütze Benjamin, 1980) war Meyers äußerst umtriebig, so dass man sie mittlerweile zu einer der weiblichen Größen Hollywoods zählen kann, mit der zahlreiche Stars arbeiten. In ihrem aktuellen Film Man Lernt Nie Aus (2015) widmet sie sich nicht nur den vielen Start-Ups, die vor allem in amerikanischen Großstädten wie San Francisco, aber auch in europäischen Städten, wie Pilze aus dem Boden schießen, sondern auch der Frage, was man mit seinem Leben anstellen soll, wenn man im Ruhestand und der Partner, bzw. die Partnerin verstorben ist. Für die filmische Auseinandersetzung mit diesen Themen konnte die Regisseurin eine prominente Besetzung versammeln. Mit Robert De Niro (Good Fellas – Drei Jahrzehnte In Der Mafia, 1990), Anne Hathaway (The Dark Knight Rises, 2012) und Rene Russo (Lethal Weapon III & IV, 1992 & 1998) verfügt der Streifen über eine ansehnlichen Cast. Gedreht wurde die 44-Millionen-Dollar-Produktion in Brooklyn (New York).

Ben Whittaker (Robert De Niro) hat jahrzehntelang für eine Firma gearbeitet, die Telefonbücher herstellt. Nun ist Whittaker im Ruhestand, verwitwet und sucht nach einer Herausforderung, die über den täglichen Besuch einer Starbucks-Filiale hinausgeht. Da kommt ihm das neue Programm eines aufstrebenden E-Commerce-Modeunternehmens gerade recht, das  Praktika für Senioren anbietet. Ben wird der vielbeschäftigten Firmengründerin Jules Ostin (Anne Hathaway) zugeteilt, die nur ihre Arbeit im Kopf und kein Auge für die Probleme ihrer Mitarbeiter hat und auch ihre Familie vernachlässigt. Als Ben nicht nur ihr Praktikant, sondern auch noch ihr Chauffeur wird, entpuppt sich der Senior als unerlässliche Stütze …

Man Lernt Nie Aus will nichts anderes sein als eine Wohlfühlkomödie, die zwar durchaus kritische Ansätze enthält, aber weder den Umgang mit den Senioren in unserer Gesellschaft anprangern, noch den mitunter fragwürdigen Umgang mit Angestellten in Jungunternehmen kritisieren will. Wer also eine subversiv-kapitalismuskritische Komödie erwartet, ist hier definitiv fehl am Platz.

Man Lernt Nie Aus ist stattdessen eine sehenswerte, warmherzige Komödie, die auf jedweden Brachial – und Fäkalhumor verzichtet, was in der modernen Kinolandschaft selten geworden ist, und stattdessen auf eine schön geschriebene, humorvolle und solide inszenierte Geschichte mit sympathischen Figuren setzt. Und hier überzeugt Robert De Niro auf ganzer Linie. Man kann dem ehemaligen Taxi Driver durchaus vorwerfen, dass er sich mit seiner Rollenwahl in jüngster Vergangenheit nicht immer mit Ruhm bekleckert hat, aber die Rolle des Ben Whittaker ist endlich wieder ein Part, der ihm wie auf den Leib geschrieben ist. Man nimmt dem oscarprämierten Mimen jederzeit ab, dass er jedermanns großväterlicher Freund ist, der stets mit Rat und Tat zur Stelle ist und auch mal einen nerdigen Kollegen bei sich aufnimmt. Außerdem liefert De Niro als Whittaker den Beweis, dass „old school“ immer noch „new school“ schlägt (Warum steckt eigentlich niemand mehr sein Hemd rein?) und bestimmte traditionelle Werte auch heute noch ziehen. Daumen hoch für Robert De Niro!

Aber auch im Rest der Besetzung sind einige Hochkaräter zu finden, wie z.B. Anne Hathaway, ohne die Man Lernt Nie Aus nicht funktionieren würde. Sie spielt den Part der Jules Ostin, die in ihrer Mehrfachrolle als Firmenleiterin, Ehefrau und Mutter schlicht überfordert ist, ebenso glaubwürdig wie De Niro es mit seiner Rolle macht. Zudem stimmt die Chemie zwischen den beiden Darstellern.

Unterstützt werden De Niro und Hathaway von einem glänzend aufspielenden Nebendarstellerensemble, in dem vor allem die mit ihren immerhin schon 62 Jahren immer noch attraktive Rene Russo als Hausmasseuse der Modefirma und De Niros Love Interest herausragt. Die Romanze zwischen den beiden hätte zwar durchaus mehr Screentime verdient, lässt aber immer noch genügend Raum für eine passende Nebenhandlung. Auch De Niros etwas nerdige Kollegen sorgen für Sympathiepunkte und Humor, z.B., wenn es darum geht, in das Haus von Jules´ Mutter geht, um eine bestimmte E-Mail zu löschen.

Auch wenn Man Lernt Nie Aus eher auf reine Unterhaltung abzielt, weist er durchaus kritische Untertöne auf. Diese kritischen Aspekte zielen vor allem auf die Welt der Arbeitgeber ab und lehren uns (ganz vorsichtig), dass man als Vorgesetzter auch mal ein Auge darauf haben sollte, was die Mitarbeiter für einen leisten und wie ausgelastet diese sind … und vielleicht sollte man bei all der anfallenden Arbeit nicht nur auf die Mitarbeiter achten, sondern auch auf sich und ein wenig Zeit für die Familie einrichten...ein Thema, das im Zeitalter der ständigen Erreichbarkeit durch Smartphone, Tablet und Laptop nicht unumstritten ist.

Trotz all der positiven Aspekte kann man Man Lernt Nie Aus vorwerfen, dass er am Ende doch absolut vorhersehbar ist und am eigenen Zuckerguss erstickt. Denn natürlich muss sich – typisch Hollywood, was solche Filme angeht – irgendwie doch immer alles zum Guten wenden. Das ist für eine Komödie wie diese natürlich nicht verwunderlich, aber ein etwas kritischeres Ende hätte Man Lernt Nie Aus durchaus nicht geschadet.

Trotzdem ist Man Lernt Nie Aus eine gute, unterhaltsame Komödie mit glänzenden Darstellern, die kritische Aspekte anspricht, ohne sie überzubetonen. Zwar kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber nichtsdestotrotz ein guter Streifen, der zeigt, dass Robert De Niro immer noch überzeugen kann.

8/10
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Kommentare

18.01.2017 16:09 Uhr - NoCutsPlease
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Man lernt nie aus - im vorliegenden Fall, dass De Niro wohl auch bei seinen aktuellen Rollen hin und wieder einen guten Griff landet.
Dennoch: Was hat er vor allem in den 70ern, 80ern und 90ern für großartige Charaktere gespielt!

Beim Punisher brauchen wir zum Glück keinen vergangenen Zeiten nachtrauern, denn der hält locker sein hohes Niveau.

18.01.2017 17:12 Uhr - cecil b
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Schönes und schlichtweg wirklich gutes Review! Den Zuckerguß mag ich zwar oft nicht, aber dieser Satz macht mir den Film nicht unappetitlich:

"Man Lernt Nie Aus ist stattdessen eine sehenswerte, warmherzige Komödie, die auf jedweden Brachial – und Fäkalhumor verzichtet, was in der modernen Kinolandschaft selten geworden ist, und stattdessen auf eine schön geschriebene, humorvolle und solide inszenierte Geschichte mit sympathischen Figuren setzt."

Little Miss Sunshine mochte ich auch.

18.01.2017 22:47 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank, freue mich sehr über das Lob.

@NoCutsPlease:
Ja, manchmal gelingt es dem guten Robert, doch noch einen guten, passenden Part an Land zu ziehen. Was seine Leistung der 70er-90er Jahre angeht, stimme ich Dir voll und ganz zu!

@Cecil:
Es war mir auch besonders wichtig, das hervorzuheben. Brachial/Fäkalhumor mag ja in wenign Fällen witzig sein, ist aber sonst nicht so meins. Da wirkten manche Trailer zu aktuelleren Komödien eher abschreckend.

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