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Hacksaw Ridge - Die Entscheidung

Originaltitel: Hacksaw Ridge

Herstellungsland:USA (2016)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Biographie, Drama, Krieg
Alternativtitel:The Conscientious Objector
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,75 (32 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Zweiter Weltkrieg im Frühling 1945: Während des Kampfes um die japanische Insel Okinawa sticht ein einziger Mann aus der Masse der US-Soldaten heraus. Der Kriegsdienstverweigerer Desmond Doss (Andrew Garfield) riskiert alles und kämpft unbewaffnet bis zur völligen Erschöpfung für das Leben seiner verwundeten Kameraden. Was später als Heldentat belohnt werden soll, beschert Desmond Doss zunächst großes Misstrauen und Verachtung in den eigenen Reihen. Dennoch setzt er sich unerschrocken für seine Prinzipien ein und rettet in der entscheidenden Schlacht unzähligen Männern das Leben. (Universum Film)

eine kritik von tschaka17:

Hacksaw Ridge ist ein Kriegsfilm mit dramatischen Elementen der auf wahren Begebenheiten beruht. Die Geschichte folgt dem Feldsanitäter Desmond Doss, der als erster Waffenverweigerer im zweiten Weltkrieg mit der Medal of Honor für große Tapferkeit im Dienst ausgezeichnet wurde.

Dem Werk eilen unzählige Lobpreisungen und sechs Oscar-Nominierungen voraus. Mir gefiel schon der Trailer exzellent und der Film wird den großen Erwartungen vollends gerecht.

Die Story beginnt mit der Jugend von Desmond Doss. Er rauft sich gerne mit seinem Bruder Hal und deswegen werden die beiden Jungen öfter von ihrem alkoholkranken Vater, welcher Veteran des ersten Weltkriegs ist, verprügelt. Nach einigen Ereignissen der Jugendjahre springt der Film zu einem Zeitpunkt im zweiten Weltkrieg. Desmond möchte seinem Land dienen, als strenger Christ möchte er jedoch auch den zehn Geboten folgen. Somit ist besonders das Gebot "Du sollst nicht töten" für ihn sehr wichtig. Wo viele im Krieg dieses Gebot aufgrund des Ausnahmzustandes im Feld ignorieren oder anders auslegen bleibt Doss standhaft. Dies führt natürlich zu Problemen in der Ausbildung und Konflikten mit seinen Ausbildern. Letzten Endes wird Doss aber für den Dienst zugelassen und kämpft 1945 in Okinawa für die USA gegen die Japaner. Dabei wird der als Feigling beschimpte junge Mann zu einem einzigartigen Helden!

Da die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht ist ein großer Twist nicht zu erwarten, schon der Trailer lässt einen Großteil der Geschehnisse erahnen. Bei Hacksaw Ridge geht es also weniger um das Was, sondern mehr um das Wie. Die Aufbereitung und Erzählung der Handlung sind chronologisch und man kann ihr gut folgen. Es wird sich genügend Zeit zur Einführung und Darstellung der Charaktere genommen um in den dunkelsten Momenten eine gute Bindung zum Publikum zu habe. Erwartungsgemäß packend und fesselnd ist der Film.

Die Besetzung von Hacksaw Ridge ist exzellent. Andrew Garfield wurde für seine Darstellung des Sanitäters Desmond Doss für den Oscar als Bester Hauptdarsteller nominiert. Seiner Figur folgt die Geschichte und ohne eine gute Performance wären alle tollen Nebenfiguren vergebens, denn gerade ein Kriegsfilm braucht einen Leitcharakter. Garfield trägt die Handlung locker auf seinen Schultern. Doss ist ein verschmitzter und leicht verträumter, dazu aber extrem cleverer und unglaublich sympathischer Mensch. Schon wenn Doss anfängt mit der Krankenschwester zu flirten und dabei so plump und naiv, aber absolut authentisch und herzlich rüberkommt ist dies alleine dem Charme von Garfield zuzuschreiben. Besonders wichtig bei seinem Charakter ist aber eine plausible Erklärung seiner Grundeinstellung keine Waffe in die Hand zu nehmen. Hier haben es Autoren und Schauspieler geschafft, dem Zuschauer eine einleuchtende und realistische Begründung zu geben. Doss Ansicht ist nachvollziehbar und tragbar. Wird er dafür auch von seinen Kameraden stellenweise belächelt und beleidigt, bleibt Doss fast trotzig standhaft und hält seine Worte ein. Auch seine Arbeit als Sanitäter wirkt gekonnt und sein Wille Menschenleben zu retten statt zu nehmen hat eine beeindruckende Stärke. Alles in allem ein Beispiel grandioser Schauspielerei. So prägt man seine Figur!

Auch der Nebencast ist prominent besetzt. Hugo Weaving als Vater von Doss schafft es, seinen Charakter auf der einen Seite aggressiv, unbarmherzig und widerlich darzustellen, auf der anderen Seite aber auch verständlich verstört und aus der Bahn geworfen von seinen Erlebnissen als Soldat des zweiten Weltkrieges. Die Freundin von Doss wird porträtiert von Teresa Palmer. Sie steht hinter Doss, möchte ihren Mann aber auch nicht für einen sinnlosen Krieg verlieren. Ihre Figur ist die besorgte und zugleich stolze Angehörige und damit auch ein wenig die Sicht des neutralen Zuschauers. Desweiteren gibt es Sam Worthington als Vorgesetzten von Doss zu sehen. Ist sein Charakter zu Beginn der Feind, weil er die Ansichten von Desmond nicht dulden kann, wandelt er sich später zum Verehrer von Doss Stärke. Seine Figur ist wahrscheinlich die am einfachsten gehaltene der wichtigeren Charaktere, aber Worthington schafft es trotzdem gutes Gefühl einfließen zu lassen.

Besonders gut gefallen hat mir Vince Vaughn als Sergant Howell und Ausbilder von Doss. Auch er verabscheut zu Beginn die Einstellung des Sanitäters und wandelt sich im Laufe des Krieges. Vaughn ist als brüllender Ausbilder für den ein oder anderen Lacher zuständig, seine Ablehnung von Doss ist dem Zuschauer gegenüber aber plausibel. Jemand ohne Waffe kann einfach keinen Feind abwehren. Die stärkste Darstellung des ohnehin schon klasse Nebencasts.

Alle anderen Figuren wie die Kumpanen von Doss werden solide und überzeugend dargesellt. Zudem bekommt jeder Charakter ein bisschen Zeit und sei es nur der verstörte Blick nach den alptraumhaften Erlebnissen. Generell ist die Charakterzeichnung sehr fein ausgearbeitet: Feine Details ohne das Wichtigste (Doss) aus den Augen zu verlieren.

Neben toll erzählter Geschichte und phänomenalen Schauspielern handelt es sich hier aber nach wie vor um einen Kriegsfilm. Damit kommen wir zu den Kriegsszenen:

Erst zur zweiten Hälfte beginnen die Kämpfe. Dann aber auch nur mit kleinen Pausen. Die Effekte sind handgemacht und extrem realistisch: Abgerissene Beine, zermatschte Köpfe, Gekröse und viele weitere grässliche Bilder werden dem Zuschauer hier präsentiert. Ist der Film anfangs noch leicht und verspielt und bietet zum Zeitpunkt der Ausbildung noch einige derbe Lacher sackt er danach in ernste Töne ab. In den Kampfszene lässt er dann Bilder für sich sprechen. Das Grauen eines Krieges wird hier jedem Einzelnen bewusst. Die Wucht der auf einen einprasselnde Eindrücke ist ziemlich heftig, zumal zunächst keine Pause in Sicht ist. Krieg lässt sich nicht anhalten! Stellenweise ist es schon quälend den unendlich erscheinenden Gewaltakten zuzusehen. Tritt der Film dann auf die Bremse, wird weiter auf das Leid eingegangen und Soldaten schreien panisch und manisch von dem erlebten Schrecken. Die Rettungsaktionen von Doss sind spannend und voll von Feuergefechetn und gefährlichen Situationen. Nein, Doss schießt nicht selber! Clever rettet er seine Kumpanen und sieht dabei immer wieder Grässliches.

Um an dieser Stelle direkt auf die Freigabe einzugehen: FSK 16 ist eindeutig zu gering. Zwar werden Kriegsfilme häufig milder bewertet, jedoch waren die Eindrücke für mich als Volljährigen der schon etliche extrem brutale Filme gesehen hat nach wie vor heftig. Im Kinosaal gab es nicht nur vereinzelte Zuschauer, welche schockiert die Augen verschlossen haben oder zutiefst verstört in ihren Sitzen saßen. Das Problem ist nicht unbedingt die intensive Kriegsdarstellung, sondern es sind die "grisly bloody images". Zudem gibt es einige sehr unerwartete, fast Jump-Scare-artige plötzliche Darstellung solcher Bilder wie enorm entstellter und zerfetzter Leichen. Zartbesaitete Menschen werden definitiv nach der Sichtung nicht gut schlafen können und auf Jugendliche kann das Werk durchaus verstörend wirken!

Das Drumherum des Films ist hochwertig wie erwartet. Die Kameraarbeit ist exzellent und schafft es auch in chaotischen Kriegsszenen den Überblick über das Geschehen zu wahren. Dass auf alle nur denkbaren Gewaltakte voll draufgehalten wird war zu erwarten. Die Kostüme sind passend und gut gemacht, sie bilden ein schönes Gesamtpaket mit dem Szenenbild. So fängt der Film den Flair der 1940er etwa  mit alten Autos ein und bietet auf der anderen Seite extrem dreckige und grausame Schlachtfelder. Alles wirkt sehr realistisch. Musikalisch ist der Film passend unterlegt, an der ein oder anderen Stelle vielleicht etwas zu episch.

Besonder gelungen ist das Ende des Films, in dem wie so oft bei solchen auf wahren Begebenheiten beruhenden Werken kurz Bilder oder Interviews mit den real existierende Menschen hinter der Geschichte gezeigt werden.

Gibt es groß negative Punkte? Nein. Einzig und allein kann man Gibson wie so oft einen leicht übertriebenen Patriotismus vorwerfen. Hacksaw Ridge beschönigt nichts und stellt den Helden mit seinen Leistungen so dar wie es sein muss, doch an wenigen Stellen war es vielleicht ein wenig too much.

Das Fazit fällt natürlich sehr positiv aus: Packende spannende Geschichte, überragende Schauspieler, allen voran Andrew Garfiled, tolle Sets und Kostüme, extrem realistische Effekte und Wunden, dazu ein passender Soundtrack. Hacksaw Ridge wird wahrscheinlich ein Klassiker werden wie einst Der Soldat James Ryan. Ja, endlich gehe ich darauf ein.

Wer sich auf den Film freut und große Erwartungen hat wird nicht enttäuscht werden. Ein beeindruckendes Erlebnis, dass es so schnell nicht wieder im Kino zu sehen geben wird.

Trotzdem muss ich noch einmal die explitize Gewaltdarstellung ansprechen: Der Film ist enorm hart und beinhaltet verstörende Bilder. Ich konnte im Kino selbst beobachten wie es einigen Leuten zu viel wurde. Hacksaw Ridge ist nicht der brutalste Film aller Zeiten, aber für den Mainstream-Kinogänger, welcher solch deftige Szenen nicht gewohnt ist kann es verstörend sein. Insbesondere rate ich davon ab aufgrund des FSK 16 Jugendliche mit dem Argument in den Film gehen zu lassen, dieser sei ja ab 16. Hier sollte jeder vor dem Besuch gut abwägen. Fällt die Abwägung positiv aus ab ins Kino!

Ein Meilenstein und wahrscheinlich einer der besten Filme des Jahres.

8,5/10

9/10
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Kommentare

27.01.2017 19:18 Uhr - NoCutsPlease
2x
DB-Helfer
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Sehr schön, dass man pünktlich zum Kinostart gleich eine ausführliche Kritik spendiert bekommt!
Der Film klingt hochinteressant und auf Gibsons Kompetenzen ist Verlass.

Ich würde dir aber empfehlen noch etwas Buchstabensuppe aus dem Text zu löffeln, z.B. 'Garfield' vs. 'Garfiled' und der Aussage, dass ein funktionierender Kriegsfilm unbedingt einen Leitcharakter braucht, kann ich so nicht zustimmen. Sofern es sich um einen Film handelt, der eine Person in den Mittelpunkt stellt, mag deine Aussage durchaus zutreffend sein, aber bei Titeln, die vorwiegend eine konkrete Schlacht thematisieren, wie z.B. "Die Brücke von Arnheim" und "Tora! Tora! Tora!" funktioniert das auch ohne konkrete Hauptperson sehr gut.

27.01.2017 21:16 Uhr - UncleBens
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Erfahrungspunkte von UncleBens 298
Deine Kritik ist gut geschrieben und Deine Warnung, 16 Jährige sollten nicht ins Kino gehen, ist auch gerechtfertigt. Ein Film, der den Krieg endlich mal so zeigt, wie er wirklich ist. Schon als die Soldaten das Kampfgebiet betraten und überall die Leichen lagen, musste ich schlucken. Aber der Film ist ein Meisterwerk. Meine Review folgt demnächst!

27.01.2017 22:29 Uhr - oziboxer
alles ist schon geschrieben worden von dir TSCHAKA 17 darum von mir kurz und bündig. deine review ist klasse,der film MEGA- UNBEDINGT ANSCHAUEN-:der soldat james ryan hatte schon in harten bildern gezeigt wie es im krieg zugeht,aber Hacksaw Ridge geht ne stufe höher ist zeigefreudiger meiner meinung von der brutalität des krieges.harter film.

27.01.2017 23:08 Uhr - Andman1984
1x
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Gut und ausführlich beschrieben. Der Film hat mir auch gut gefallen. Wobei ich sagen muss, dass mich Gibson noch nie wirklich enttäuscht hat. Die gezeigte Gewalt und Brutalität ist aber schon echt krass. Allerdings fand ich auch die ein oder andere Szene etwas zu dick aufgetragen z.B. Spoiler! Als der Typ seinen halben Kameraden als Schutzschild zweckentfremdet. Zumal es auch völliger Humbug ist, dass man sich so vor Gewehr- geschweige denn MG Kugeln schützen kann. !Spoiler Ende. Auch das Ende war mir dann doch bisschen zu pathetisch. Kein Meisterwerk, aber eine solide 7-8/10. Finde es gut das man es so schonungslos darstellt, vielleicht kommt dann auch der letzte dahinter, dass Krieg scheiße ist. :)

02.02.2017 12:26 Uhr - NICOTERO
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Meisterwerk! Ich war geflasht....
Tolle Kritik

05.02.2017 16:37 Uhr - MovieManiac4Life
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Erfahrungspunkte von MovieManiac4Life 146
Also ein Meisterwerk würde ich den Film nicht nennen und auch die Gewaltdarstellung ist zwar teilweise derb aber im Kontext des Krieges geht die 16er Freigabe durchaus klar.
Ansonsten wie gewohnt eine gute Review.

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