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Das Syndikat des Grauens

Originaltitel: Luca il contrabbandiere

Herstellungsland:Italien (1980)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Action, Splatter, Thriller
Alternativtitel:Contraband
Kokain - Der Weg zum Jenseits
Lucas El Contrabandista
Naples Connection, The
Smuggler, The
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,37 (41 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Luca Ajello (Fabio Testi) ist mit seiner Frau nach Neapel gezogen, nachdem er seinen Job in Mailand verloren hat. Dort arbeitet er zusammen mit seinem Bruder Michele (Enrico Maisto) als Zigarettenschmuggler. Doch eines Tages wird Michele erschossen und Luca macht sich daran, den Mörder im Sumpf der neapolitanischen Mafia zu finden. Dabei stößt er auf einen neuen Gegner, außerhalb der Camorra. ()

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                           DAS SYNDIKAT DES GRAUENS

Zwischen 1979 und 1982 erlebte Lucio Fulci seine Hochphase als Italiens Horror – bzw. Splatterfilm-Regisseur Numero Uno. In dieser Zeit entstanden Filme wie Woodoo – Schreckensinsel Der Zombies (1979), Ein Zombie Hing Am Glockenseil (1980) und Der New York Ripper (1982), die nicht nur Moralapostel und Jugendschützer auf die Barrikaden trieben, sondern auch bis heute von einer nicht zu unterschätzenden Fangemeinde kultisch verehrt werden. In dieser Zeit drehte Fulci aber nicht nur Zombie – und Schlitzerfilme, sondern auch den Action – bzw. Gangsterstreifen Das Syndikat Des Grauens (1980).

Das ursprüngliche Drehbuch zu Das Syndikat Des Grauens stammt von Ettore Sanzó und Gianni De Chiara, das später von Lucio Fulci und Giorgio Mariuzzo (Das Haus An Der Friedhofsmauer, 1981) umgeschrieben wurde. Die Dreharbeiten zum Syndikat Des Grauens dauerten elf Wochen und starteten im Dezember 1979. Schon während der ersten zwei Wochen wurde das Geld knapp, weshalb man die Dreharbeiten nach Neapel verlegte. Dort wurden die lokalen Schmuggler auf den Film aufmerksam. Sie nahmen Einfluss auf die Handlung des Films, indem sie das Drehbuch änderten; so verschwanden Dialoge über Drogenschmuggel aus dem Drehbuch und auch das Wort „violenza“ wurde aus dem ursprünglichen Originaltitel entfernt. Dafür unterstützten die Schmuggler die Produktion mit ihren Booten und stellten sich als Nebendarsteller und Statisten für Das Syndikat Des Grauens zur Verfügung, was Geld sparte.

Das Syndikat Des Grauens dreht sich um einen Ring von Zigarettenschmugglern, deren Anführer Luca Ajello (Fabio Testi – Racket, 1976) ist. Der Zigarettenschmuggel floriert und hält in Neapel angeblich 200.000 Menschen in Lohn und Brot – selbst die Polizei zieht anerkennend den Hut vor den geschickten Methoden und den schnellen Booten der Schmuggler (was auf die Unterstützung der echten Schmuggler zurückgehen dürfte …). Doch bald stört „der Marseiller“ (Marcel Bozzuffi – French Connection, 1971) das Geschehen, denn der hat Kaviar statt Pizza im Sinn. „Der Marseiller“ will den Drogenhandel in Neapel etablieren und wer da nicht spurt, wird gnadenlos beseitigt …

Das Syndikat Des Grauens ist ein durchaus passabler Gangsterfilm, der allerdings nicht frei von Schwächen ist. So ist die Story des Films, an der letztendlich vier Autoren herumwerkelten, nicht besonders spannend oder geschickt. Das heißt zwar nicht, das der Plot dieses Fulci-Streifens langweilig ist, aber wirklich fesseln kann er den geneigten Zuschauer nicht, so dass es trotz der nicht gerade üppigen Spieldauer von gut anderthalb Stunden zu einigen Längen kommt. Außerdem lässt der Film einige Fragen offen – wie kommt es z.B., dass sich all die altgedienten Mafiosi von Neapel, die (bis auf eine Ausnahme) nie zuvor im Film auftauchten, plötzlich bewaffnen und Luca Ajello unterstützen, obwohl sie ihm im Film vorher noch nie begegnet sind? Und warum genau nimmt die – bis dahin äußerst passive – Polizei nach der Ermordung einiger Schmuggler (die polizeiintern sogar begrüßt wird) auf einmal eine Razzia unter den Familien der Schmuggler vor? Fragen über Fragen … aber auch die Horrorstreifen, die Fulci zwischen 1979 und 1982 drehte, zeichneten sich nicht gerade durch durchgehende Logik aus. Hinzu kommt, dass der Streifen abseits der Actionszenen eher routiniert inszeniert wurde und auch bei der Kameraarbeit ist noch Luft nach oben.

Trotz dieser Mängel hat Das Syndikat Des Grauens auch Stärken, wie z.B. die gut über den Film verteilten, kompromisslosen Actionszenen. So gibt es z.B. jede Menge brutale Schießereien, bei denen niemand an einer einzigen Kugel stirbt. Außerdem zeigt Fulci – wie in den Horrorfilmen der oben genannten Zeitspanne – einige wirklich derbe, brutale Szenen (Schrotflinte, Bunsenbrenner!!!), die seinen Splatterfilmen zur Ehre reichen. So dürfte Das Syndikat Des Grauens nicht nur für B-Actionfilmfans interessant sein – denn Actionszenen kann Fulci durchaus inszenieren – , sondern auch für Horrorfilmliebhaber.

Abgesehen davon verfügt Das Syndikat Des Grauens mit Fabio Testi über einen solide spielenden Hauptdarsteller, der in der Lage ist, diesen Film zu tragen. Ansonsten befinden sich in diesem Film eine Reihe von üblichen Schurkenvisagen, die man nicht nur in anderen italienischen Mafia – bzw. Actionstreifen wiederfindet, sondern auch in manchem Bud Spencer-Film bewundern kann. Besonders hervorheben muss man allerdings Marcel Bozzuffi als den „Marseiller“, der hier einen derart kalten und skrupellosen Schurken spielt, dass es – im Verbund mit der Stimme von Wolfgang Hess – direkt fünf Grad kälter wird, wenn man sich Das Syndikat Des Grauens ansieht.

Außerdem hebt sich Das Syndikat Des Grauens – wenn man ihn denn überhaupt zu diesem Genre zählen will – deutlich von den üblichen Poliziottesco-Filmen ab, da hier die Gangster, also „die Bösen“, glorifiziert werden, solange sie nur Zigaretten und keine Drogen schmuggeln. Andererseits übt Fulcis Gangsterfilm die für den Poliziottesco übliche Gesellschaftskritik, wenn beklagt wird, dass viele Bürger von Neapel aufgrund der hohen Arbeitslosenquote praktisch zur Kriminalität gezwungen werden. Und wenn man sich – z.B. während der Razzia – die Aufnahmen der heruntergekommenen, trostlosen Stadt Neapel ansieht, mag man direkt glauben, dass an dieser These etwas Wahres ist. Das Bild dieser Stadt hat sich jedenfalls bis heute nicht geändert, wenn man sich z.B. die Serie Gomorrha (2014/2015) ansieht. Aber letztendlich bleibt fraglich, inwiefern die an der Produktion beteiligten Schmuggler für die recht positive Darstellung ihrer „Berufsgruppe“ verantwortlich waren …

Unterm Strich ist Das Syndikat ein solider, (knapp) überdurchschnittlicher Gangster – bzw. Actionfilm mit Schwächen, aber auch einigen Stärken. Fulci-Fans können aber ohne Bedenken zuschlagen, denn der Film ist bedeutend besser als das Gros der Filme, die der Meister nach seiner Splatter-Hochphase ablieferte ...

 

 

7/10
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Kommentare

03.02.2017 15:05 Uhr - NoCutsPlease
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Komisch, irgendwie wähnte ich den Film unbewusst schon längst in deiner Reviewliste.
Jedenfalls steht auch diese Kritik in der würdigen Tradition deines Stils. Von den Schwächen sehe ich den Film ähnlich, aber aufgrund des beinharten Blutzolls gebe ich da gern ein Pünktchen mehr.

03.02.2017 15:15 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank, NoCutsPlease!
Ich habe auch überlegt, ob ich dem Film nicht doch 8/10 geben soll, hab´s dann aber doch gelassen, da ich ihn "nur" gut finde...der Blutzoll ist aber in der Tat beinhart!

03.02.2017 15:56 Uhr - dicker Hund
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Die Witterung für den hier habe ich schon seit langem aufgenommen. Irritierenderweise schreckt mich die Beschlagnahme nicht ab ;-)

Und dank dieses schönen Reviews wurde mein ohnehin nicht kleiner Appetit noch größer.

03.02.2017 16:33 Uhr - Insanity667
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Jop, das ist definitiv einer der Flutschies, von denen er ruhig mehr hätte machen können, vor allem in seiner unrühmlichen Spätphase. Mir hat der auch gut gefallen und ich würde hier ebenfalls eine 7/10 vergeben. :)
Deiner Rezension gebe ich, wie immer, natürlich eine 10/10 mit Sternchen! Top!

03.02.2017 17:06 Uhr - Punisher77
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Mille grazie, signores!

@Dicker Hund:
Freut mich, dass ich Deinen Appetit auf diesen Film steigern konnte :-).

@Insanity 667:
Danke, dass Du - der mit seiner "Vertigo"-Rezension so ein Meisterstück abgeliefert hat - meine im Vergleich dazu eher bescheidene Rezension mit 10/10 belohnt!

03.02.2017 17:16 Uhr - Horace Pinker
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Wie immer erstklassiges Review Punisher! Von Signore Fulci habe ich bisher nur zwei, drei Filme gesehen und wusste gar nicht das der auch im Actiongenre unterwegs war und da die in deinem Review beschriebene Mischung aus ordentlich inszenierten Actionszenen und blutigen Splattereffekten recht ansprechend klingt werde ich mir Das Syndikat des Grauens mal vormerken.

03.02.2017 17:50 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank, Horace!

Fulci war vor der in meinem Review angesprochenen "Horror/Splatter-Hochphase" in den verschiedensten Genres unterwegs und hat u.a. hervorragende Italowestern und Gialli gedreht - ein Blick in Fulcis Filmographie lohnt definitiv.

03.02.2017 18:25 Uhr - Intofilms
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Reviewtechnisch bist du also dem italienischen Genrefilm treu geblieben, kein Western diesmal (wie angekündigt), sondern Gangsteraction à la Fulci. Sehr schön! :)

Ich muss gestehen, dass ich diesen Film bis jetzt noch nicht kenne, obwohl der Titel schon seit langem bei mir vorgemerkt ist. Es wird wirklich allerhöchste Zeit, diese Fulci-Lücke endlich zu schließen. Zuletzt habe ich von ihm erst wieder "The Black Cat" und "Zombie Flesh Eaters 2" gesehen, zwei Werke also, die mit Sicherheit keine absoluten Meisterwerke sind (und das gilt insbesondere für ZFE 2), aber trotzdem oder gerade deshalb mit ganz, ganz viel Charme punkten können (und auch das gilt insbesondere für ZFE 2). Fulci hat bei mir definitiv einen Stein im Brett und geht im Grunde immer! :)

Hervorragende Rezension, Puni! Wie immer!! :))

03.02.2017 18:46 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für das Lob, Intofilms!

"The Black Cat" fand ich ziemlich ok, "Zombie Flesh Eaters 2" finde ich ... naja. Aber wie Du sagtest: absolute Meisterwerke sind sie nicht. "Das Syndikat Des Grauens" ist auch keins, aber ich möchte wetten, dass Du - im Vergleich zu den beiden genannten Filmen - mit dem "Syndikat" besser/unterhaltsamer dran bist.

09.02.2017 12:23 Uhr - JasonXtreme
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Gut geschrieben! Ich hab den nur einmal gesehen, was mir auch reicht, aber ich fand den durchaus nett gemacht. Testi rettet den Streifen ungemein in meinen Augen! Die Splatts waren ebenso nett anzusehen

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