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The Shining

Herstellungsland:USA (1997)
Genre:Horror
Alternativtitel:Stephen King's The Shining

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (7 Stimmen) Details
inhalt:
Der Job scheint locker: Während der Winterpause soll Jack Torrance mit seiner Familie das luxuriöse Hotel "Overlook" beaufsichtigen. Dass sein Vorgänger sich selbst tötete, stört Tarance wenig - aber dann verfällt auch er den diabolischen Mächten des Hotels...
Seltsame Stimmen, übernatürliche Kräfte, fürchterliche Kreaturen. Ein Top-Horrorthriller vom König des Horrorgenres, Stephen King, der für diese Fassung seines Meisterwerks auch das Drehbuch schrieb und als Produzent agierte.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von nasum:

Stephen King, Meister der Horror-Literatur und fast jedem bekannt durch seinen Roman Shining (1977), konnte sich mit der Verfilmung seines Werkes (1980) durch Stanley Kubrick nicht anfreunden. Die platte Darstellung einer Familientragödie unter Vernachlässigung des Hotels als personifiziertem Grauen, wich ihm dabei zu sehr von seiner schriftlichen Vorlage ab, bei der doch gerade durch eben jenes Haus der Ursprung allen psychotischen Übels gelegt wurde. Was kann man da tun? Selber besser machen. Oder es zumindest versuchen, was er 1997 mit seiner Mini-Serie tat, zu der er ein Drehbuch beisteuerte und als Produzent mitwirkte. Mick Garris durfte Regie führen. In den USA wurde diese Fassung in sechs Episoden ausgestrahlt, in Deutschland hat man diese dann zu drei Teilen zusammengefasst.

 

King orientiert sich in seinem filmischen Werk so nahe am Buch wie möglich, bringt zu Anfang jede einzelne Seite seines Schriftstücks auf die Leinwand und übernimmt Dialoge teilweise wortwörtlich aus der Vorlage. Dabei fällt sofort sein langwieriger und detailverliebter Erzählstil auf, mit welchem er das Beziehungsgefüge der Familie Torrance durchleuchtet. Das ist zu Anfang auch sehr interessant, denn King bietet etliche Hintergrund-Informationen an, die Kubrick ausgelassen hat. Im weiteren Verlauf der vierstündigen Erzählung geht das jedoch irgendwann zu Lasten der Aufmerksamkeit und es entstehen immense Längen.

 

Besagte Hintergrund-Informationen fokussieren sich anfangs hauptsächlich auf Jack Torrance als Familienvater und Alkoholiker. Weniger im Erzählstil eines Filmes, sondern auf Seriencharakter ausgelegt, öffnen sich dabei bereits mehrere Erzählebenen, die Alkoholsucht und Aggression in der Vergangenheit, Arbeitslosigkeit in der Gegenwart und einen mysteriösen Job in der Zukunft eröffnen. Die Charaktereinführung ist hier sehr gelungen, da Jack Torrance detailreich in Szene gesetzt wird und bereits einige Risse in seiner Fassade angedeutet werden, die sich alsbald in der Fassade des Overlook Hotels spiegeln soll. Nach gelungenem Vorstellungsgespräch mit Mr. Ullman, kehrt Jack zu seiner Familie zurück.

Sein Sohn Danny weiß über das Resultat allerdings bereits Bescheid. Sein Shining, verkörpert durch seinen imaginären Freund Tony, hat es ihm bereits erzählt. Die Darstellung als schwebenden Jugendlichen empfand ich dabei für Tony äußerst aufgesetzt, was eine gewisse unfreiwillige Komik erzeugte. Auch hier ergänzt King im späteren Verlauf (Episode 2) Hintergrund-Informationen zu den Auslösern dieses Verhaltens, die ich als sehr gelungen und authentisch aufgenommen habe. Trennungsängste, die bei Kindern Visionen und Paranoia auslösen und sich in imaginären Freunden verkörpern. Speziell die Parallele zu Jack sagt mir dabei zu, der ähnliche Ängste aufgrund seiner Alkoholsucht hat, die sich jedoch bei ihm in Aggressionen niederschlagen. Leider kommt diesem Aspekt zu wenig Aufmerksamkeit zu und King verliert sich noch in etlichen anderen Details.

 

Die Fahrt zum Overlook Hotel beginnt daher erst nach geschlagenen 27 Minuten! Hier ist dann auch Wendy als Ehefrau mit einbezogen und Beziehungsstrukturen und Hierarchien der Familie deuten sich bereits an. Kamerafahrt und Helikopteraufnahmen, sowie die weiten Einstellungen in den Bergen sind dabei identisch von Kubrick übernommen worden, sogar ein kurzer Dialog im Auto. Da hat Stephen King scheinbar doch nicht alles in Kubricks Version missfallen. ;-)

 

Im Overlook Hotel angekommen, wird zugleich die davon ausgehende Bedrohung deutlich, fahren doch Kameras in niedrigen Positionen auf und ab, fokussieren das Hotel, lauern und schleichen sich hinter den Darstellern her. Das Bauwerk wird gekonnt personifiziert und suggeriert ein Eigenleben. Der Soundtrack bietet dazu passende anschwellende Streicher oder klimpernde Tasteninstrumente und kann an dieser Stelle gelobt werden. In den Momenten der Familienidylle wechselt er in getragene orchestrale Partien und kann so das Hin und Her der Stimmungen passend untermalen. Mit dem Eintritt in die bedrohliche Umgebung steigt nun die Anzahl von Geisterelementen massiv an. Waren anfangs zufallende Türen und klappernde Kronleuchter noch wohl dosiert, wird im weiteren Verlauf der Erzählung damit ziemlich übertrieben. Es klappert und knallt überall. Stephen King hat das Manko von Kubrick so in Szene gesetzt, dass er dabei leider seine Hauptfigur vergisst, die ja eigentlich durchdrehen sollte. Das geschieht nämlich leider erst nach drei (!!!) Stunden. Gelegentliches Entgleiten seiner Fassung vorher ist lediglich sehr punktuell vertreten und wechselt schnell wieder in idyllische Momente. Der gelungene Einstieg im Heizungsraum des Overlook, indem der Dampfkessel des Hotels dem unterschwellig kochenden Aggressionspotential von Jack Torrance gegenüber gestellt wird, bleibt leider bis zum Finale außen vor. Gerade hier lag aber eigentlich der Schwerpunkt in Kings Roman, die Stärke in seiner Symbolik, das Herz des Overlook als Dampfkessel in direkte Verbindung zum „Dampfkessel-Modell“ in der Psychologie zu stellen. Ein Modell, bei dem Aggressionen im Unterbewußtsein unterdrückt werden und erst nach langer Zeit überkochen, wenn der Betreffende einem massiven Druck ausgesetzt ist, wie in diesem Fall Stress und Entzugserscheinungen aufgrund von ehemaligem Alkoholismus. Eine friedfertige Person kann dabei nach Jahren erst ausrasten, um es in Kürze zu umreißen.

 

Im Finale kommt dann doch endlich etwas Stimmung auf, Spannung ist es jedoch nicht. Zwar zucken Streicher immer wieder zu bildhaften Geisterelementen und flackernden Lichtern, aber Jack Torrance ist leider einfach nicht bedrohlich. Einem absolut unvergesslichen „Heeeeeere's Johnnieeeee!“ von Jack Nicholson steht Steven Weber mit seinem schüchternen „Buh.“ um Längen hinterher. Ebenso wird sein Handeln von groben Logikschnitzern durchzogen und eine Steigerung seiner psychotisch gefährlichen Verfassung wird lediglich durch die Spezialeffekte betont. Diese sind in ihrer handgemachten Art sehr gelungen. Make-Up ist hier gekonnt platziert und auch die konstruierten Bühnenbilder, sowie Spezialeffekte sind eindrucksvoll designt. Es finden hin und wieder aber auch CGI-Effekte Verwendung, wie die lebendigen Hecken, die leider sehr schlecht und künstlich aussehen. Hier werden wertvolle Punkte verschenkt.

 

Schlussendlich frage ich mich, was Stephen King an Kubricks Version nicht mochte. Sie war perfekt! King hat lediglich die Gewalt nahezu entfernt und mit endlosen Dialogen eine spannende Stimmung stark vernachlässigt. Eine Laufzeit von über vier Stunden lässt dabei leider immer wieder Langeweile aufkommen, denn die detailverliebten Hintergründe funktionierten zwar sehr gut in seinem Roman, nicht aber auf der Leinwand. Ein gekonntes Zusammenspiel von Musik, Bild und effektvollem Schnitt scheint daher stellenweise eher zufällig. Dennoch kann der psychologische Hintergrund punkten, die schauspielerische Leistung ist ganz ordentlich, bei Steven Weber sogar recht gut. Sein Können wird jedoch von Längen im Drehbuch ausgewaschen.


Kubricks Version hat mir daher weitaus besser gefallen, denn auch hier konnten die Hintergründe durch kurze Andeutungen Beachtung finden, ohne das Gesamtwerk zu sehr mit Details zu strecken. Wer sich also in die Abgründe psychotischen Verhaltens stürzen will, sollte sich von meinem anderen Shining Review zur Kubrick Variante reizen lassen. Wer auf eine ruhige, detailreiche Erzählung Wert legt, kann auch bei Kings Verfilmung gut bedient werden.


Von mir gibt es daher leider nur 6 von 10 Punkten.

6/10
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Kommentare

05.02.2017 01:19 Uhr - Horace Pinker
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Wieder mal exzellente und ausführliche Kritik in der du deine Ansicht auch nachvollziehbar begründest. Bekannter Weise bin ich kein allzu großer Fan von Kubricks Version und empfand diese Variante dank der größeren Vorlagentreue sogar als besser (wenngleich definitiv nicht perfekt oder gleichauf mit der Buchvorlage), würde 7-8 Punkte vergeben. Übrigens hat King selbst hier auch vor der Kamera einen Gastauftritt als Dirigent der Band.

05.02.2017 08:31 Uhr - naSum
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War er dir nicht stellenweise zu langwierig?

Außerdem sah Steven Weber zeitweise sehr nach Christian Bale aus American Psycho aus, ist dir das aufgefallen?

05.02.2017 09:37 Uhr - Insanity667
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Ich fand den, ganz im Gegensatz zu deiner Rezi natürlich, sterbenslangweilig! :)
Da ich sowieso kein Fan direkter Vergleiche zwischen Buch und Film bin, da dies beides grundverschiedene Medien sind, die jeder auf eine ganz andere Art erlebt, hat bei mir Kubrick die Nase unangefochten weit vorn! ;) Vorlagentreue ist nicht immer besser!

Schönes Ding Mr. Torrance! :)

05.02.2017 10:10 Uhr - dicker Hund
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Tolle 2. Runde aus dem verschneiten Hotel!

05.02.2017 10:39 Uhr - naSum
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Danke Hasso und Insanity.

@ Insanity: Die Trennung beider Medien finde ich auch sehr wichtig. Kings Bücher gefallen mir zum Beispiel meistens gut, die Verfilmungen davon allerdings fast nie. (abgesehen von Kubricks Shining)
Man nehme zum Beispiel seinen fast anarchistischen und mit viel Sozialkritik angereicherten Roman "Die Arena", der als Buch spitze war, in der Serie "Under the Dome" aber total versagt hat. Obwohl das auch daran lag, dass man diverse Thematiken auf Massentauglichkeit runtergespielt hat. Da werden Vergewaltiger dann mal zu Verliebten...^^

05.02.2017 11:53 Uhr - Horace Pinker
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05.02.2017 08:31 Uhr schrieb naSum
War er dir nicht stellenweise zu langwierig?

Außerdem sah Steven Weber zeitweise sehr nach Christian Bale aus American Psycho aus, ist dir das aufgefallen?

Ehrlich gesagt bin ich der Meinung das sich Kings oftmals recht lange Romane besser in einer derartigen Miniserie als in einem 2 stündigen Spielfilm umsetzen lassen (dieses Format ist dann eher für seine Kurzgeschichten und Novellen geeignet, siehe etwa den grandiosen The Mist). Um deine Frage zu beantworten nein ich fand den nicht zu langweilig und da ich American Psycho bisher nicht gesichtet habe kann ich keine Vergleiche in der Darstellung herstellen, es ist aber klar das man das unterschiedlich sehen kann.

05.02.2017 15:29 Uhr - NoCutsPlease
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Sehr aufschlussreiche Kritik, die geschickt die Romanvorlage, Kubricks Version und das Remake miteinander vergleicht.
Ich habe das Ganze Ende 2001 im TV gesehen und fand es durchaus angenehm schummrig, aber an vielen Stellen eben leider auch auf typischem TV-Niveau.

Dass Autoren die Verfilmungen ihrer Bücher furchtbar finden, passiert recht häufig auf hohem Niveau, so auch bei Ray Bradbury und "The Illustrated Man".
Ich empfinde übrigens Vergleiche zwischen Buch und Film immer interessant. Natürlich kann ein Film nicht jedes Detail des Buches wiedergeben, aber insbesondere charakterliche Abweichungen zur Vorlage sind stets eine gute Diskussion wert.

05.02.2017 18:12 Uhr - Insanity667
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Dass die Unterschiede zwischen Buch und Film diskussionswürdig und interessant sind, steht außer Frage! :) Was ich meine ist, dass man diese Differenzen direkt beim Schauen/Lesen lieber aus den grauen Zellen rauslassen sollte, um den Genuss dieser beiden grundverschiedenen Medien nicht zu beeinträchtigen. :)

07.02.2017 12:30 Uhr - Stoi
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05.02.2017 11:53 Uhr schrieb Horace Pinker

Ehrlich gesagt bin ich der Meinung das sich Kings oftmals recht lange Romane besser in einer derartigen Miniserie als in einem 2 stündigen Spielfilm umsetzen lassen...


Wie die Serienverfilmung von DER ANSCHLAG beweist.

07.02.2017 13:53 Uhr - naSum
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Deshalb bin ich mal mega gespannt auf die Verfilmung von Kings dunklem Turm. Mit Idris Elba als Hauptrolle übrigens sehr gut besetzt, wie ich finde.

09.02.2017 12:42 Uhr - JasonXtreme
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Sehr informativ geschrieben, danke dafür! Ich kenne die Variante hier noch nicht, und bin einer der wenigen, die SHINING von Stanley damals ziemlich durchschnittlich fanden :D aber ich muss den schlicht heute nochmal sehen - mit anderen Augen als damals mit 14

09.02.2017 13:15 Uhr - naSum
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Cool, dann viel Vergnügen und gib Bescheid, wie du ihn fandest.

09.02.2017 13:36 Uhr - JasonXtreme
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Das mach ich auf jeden Fall!

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