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Stirb langsam: Ein guter Tag zum Sterben

(Originaltitel: A Good Day to Die Hard)
Herstellungsland:USA (2013)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Thriller
Alternativtitel:Die Hard 5
Stirb langsam 5
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,14 (96 Stimmen) Details
inhalt:
Dieses Mal ist der knallharte Cop in Moskau, um seinen Sohn Jack (Jai Courtney), der ihm über die Jahre fremd geworden ist, und den Russen Komorov (Sebastian Koch) zu retten, denen die russische Unterwelt im Nacken sitzt. Zusammen kämpfen sie gegen die Zeit, um einen gefährlichen Machtwechsel in Russland zu verhindern und stellen dabei fest, dass sie im Doppelpack unschlagbar sind…
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                 STIRB LANGSAM - EIN GUTER TAG ZUM STERBEN

Obwohl seit Stirb Langsam – Jetzt Erst Recht (1995) zwölf Jahre vergangen waren, in denen sich Filmlandschaft und Publikumsgeschmack verändert hatten, was viele Actionstars von einst in die Defensive drängte, war Stirb Langsam 4.0 ein kommerziell erfolgreiches Comeback für die von Bruce Willis gespielte Kultfigur John McClane. Selbst die von vielen Fans so gehasste PG-13-Freigabe konnte nicht verhindern, dass Stirb Langsam 4.0 das Publikum in Scharen in die Kinos lockte. Deshalb war man mit einem weiteren Teil der Reihe deutlich schneller bei der Hand. Außerdem nahm man diesmal – im Gegensatz zum Vorgänger, der ursprünglich auf ein R-Rating hin konzipiert war und erst in der Postproduktion auf ein PG-13 getrimmt wurde – keine verharmlosenden Veränderungen vor, sondern schickte McClanes fünftes Leinwandabenteuer mit einem R in die Kinos. Schließlich hatte Sylvester Stallone mit The Expendables (2010) nicht nur gezeigt, dass die altgedienten Actionheroen noch lange nicht zum alten Eisen gehören, sondern auch, dass man mit brachialer R-Rated-Action gutes Geld verdienen kann.

Mit John Moore nahm abermals kein Action-Profi auf dem Regiestuhl Platz, sondern ein Lieferant eher überflüssiger Remakes zu gestandenen Filmklassikern (Das Omen, 2006) und mäßiger Computerspiel-Adaptionen (Max Payne, 2008); damit hatte man abermals einen jüngeren Regisseur gewählt, der gar nicht in der Position war, gegen einen Star wie Bruce Willis oder die Produzenten aufzumucken. Außerdem hatte Moore – im Gegensatz zu Len Wiseman – ein geringeres Budget (92 statt 110 Millionen Dollar) zur Verfügung, so dass die Dreharbeiten u.a. in Budapest und Belgrad stattfanden, obwohl der Film in Moskau spielt. Neben Bruce Willis waren in Stirb Langsam – Ein Guter Tag Zum Sterben u.a. Jai Courtney (Terminator: Genisys, 2015), Sebastian Koch (Effi Briest, 2009), Yulia Snigir (Freezer, 2014), Sergei Kolesnikov (Cold Souls, 2009) und – zumindest in der Kinofassung – Mary Elizabeth Winstead aus Stirb Langsam 4.0 zu sehen.

In seinem fünften Leinwandabenteuer ist JohnMcClane (Bruce Willis) erstmals außerhalb der USA unterwegs. Der unkaputtbare Cop reist nach Moskau, um seinen Sohn John “Jack“ McClane jr. (Jai Courtney), der dort im Gefängnis sitzt, zu befreien. Aber der Junior ist kein x-beliebiger Sträfling, sondern arbeitet für die C.I.A.: McClanes Sohn soll den ebenfalls angeklagten Oligarchen Yuri Komarov (Sebastian Koch) beschützen, der eine Akte besitzt, die den korrupten Politiker Viktor Chagarin (Sergei Kolesnikov) belastet. Und so wird John McClane in die Mission seines Sohnes hineingezogen …

Selten war die Diskrepanz zwischen der ersten und zwei weiteren Sichtungen (Die letzte für dieses Review) eines Films bei mir größer als im Fall von Stirb Langsam – Ein Guter Tag Zum Sterben. Ich erinnere mich noch ganz genau, wie ich den Film nach einem Kinobesuch meinen Begleitern gegenüber verteidigte, die den fünften McClane-Streifen damals schon furchtbar fanden. Sicher, schon damals kam auch der fünfte Teil für mich nicht an die ersten drei Filme heran, aber das Gemecker meiner Kumpel konnte ich nicht nachvollziehen – schließlich war Stirb Langsam – Ein Guter Tag Zum Sterben kurzweilig, unterhaltsam, bot reichlich Action und war R-Rated, so mein Fazit unmittelbar nach dem Kino. Umso größer war mein Erstaunen, bzw. mein Entsetzen bei der Zweitsichtung zum DVD/Blu Ray-Release (Zuvor hatte ich mir auch die vier Vorgänger angesehen) und der Drittsichtung für diese Kritik – wie konnte ich diesen Film damals (so) gut finden??? Sollten mir die zwei Weizenbiere, die ich während des dem Kinobesuch vorangegangenen gemeinsamen Essens in einem Steakhaus genossen habe, dermaßen die Sinne, bzw. den Filmgeschmack vernebelt haben??? Denn heute muss ich zähneknirschend gestehen – meine Kumpel hatten Recht und Stirb Langsam – Ein Guter Tag Zum Sterben ist der Tiefpunkt der Filmreihe und das hat eine ganze Reihe von Gründen.

Der maßgebendste Punkt ist das Drehbuch von Skip Woods (Das A-Team – Der Film, 2010), der wahrscheinlich noch nie einen Stirb Langsam-Film gesehen hat. Der Plot des gerade mal gut anderthalbstündigen Films (inkl. Abspann) wirkt über weite Strecken zusammengeschustert und bis auf den Plottwist kurz vor dem Finale ziemlich einfallslos. Außerdem erzeugt die Story kaum Spannung, da das Gerangel um die ach so wichtige Akte im Vergleich zum Kampf um Geiseln in einem Hochhaus oder eine Stadt wie New York völlig mau wirkt. Viele Actionfilme können zwar auch ohne ein sorgfältig ausgearbeitetes Skript punkten, aber gerade die Drehbücher der ersten drei Stirb Langsam-Filme begeisterten (auch wenn sie die Gesetze der Physik gern mal außer Kraft setzten) vor allem durch das richtige Maß aus Spannung, Verwüstung und Figuren, mit denen man mitfiebern konnte. Als das ist im fünften Stirb Langsam kaum zu finden.

Auch unser aller Lieblingsheld John McClane hat unter Woods Stümperei zu leiden, da auch er – zumindest in Teilen – eine „Typveränderung“ über sich ergehen lassen musste. Bisher war McClane immer ein Kumpeltyp gewesen, mit dem (bestimmt) jeder gern mal ein Bier getrunken hätte, aber in Stirb Langsam – Ein Guter Tag Zum Sterben muss er – Woods sei „Dank“ - auch seine bisher verborgen gebliebene unsympathische Seite zeigen. Als er sein erstes Fahrzeug im Film klaut, quittiert McClane das mit einem „Heul doch, du Penner!“, was er in den vorigen Teilen nie getan hat. Sein nächstes Vehikel sichert sich McClane, indem er dessen aufgebrachten Besitzer niederschlägt und ihn hinterher anbrüllt: „Glaubst Du, ich versteh´ Dein Gequatsche?“ Außerdem nerven McClanes ständige Beschwerden darüber, dass er doch Urlaub habe, wenn ihm was nicht passt – ist das der JohnMcClane, wie wir ihn kennen und lieben? Und was zum Teufel hat Skip Woods geritten, kurz vor dem Showdown eine derart rührselig-kitschige Szene zwischen McClane und seinem Sohn, den Jai Courtney ziemlich blass spielt (Er hat zu keiner Zeit das Feuer seiner Filmschwester Mary Elizabeth Winstead), einzubauen, nachdem sie sich den ganzen Film über (eher semikomisch) gefetzt haben und dabei über Buddy Movie-Standards nicht hinausgekommen sind? Wie man es auch dreht und wendet – das Drehbuch des Films taugt nichts.

Aber auch die Regie des Films trägt dazu bei, dass der Gute Tag Zum Sterben nur sehr bedingt punkten kann. Moore gehört zu jenen Regisseuren, die gern mit der Kamera wackeln und zoomen lassen und auf schnelle, hektische Schnitte setzen. Manche Szene könnte empfindlicheren Gemütern aufgrund der oben genannten Stilmittel schon leichte Kopfschmerzen bereiten. Und auch die Actionszenen sind bewusst „modern“ inszeniert und weichen deutlich vom Stil eines John McTiernan oder eines Renny Harlin ab, was sicherlich nicht jedem Stirb Langsam-Fan gefallen haben dürfte.

Aber ist Stirb Langsam – Ein Guter Tag Zum Sterben nun ein Totalflop, oder kann er trotz seiner deutlichen Defizite trotzdem passabel unterhalten?

Ein Totalflop ist Stirb Langsam – Ein Guter Tag Zum Sterben vielleicht nicht, aber passabel unterhalten kann er auch nur mit `ner gehörigen Portion guten Willens. Trotz der bereits genannten Schwächen bzgl. der Gestaltung der Figur John McClane wirkt Bruce Willis in einigen Szenen doch noch ziemlich einnehmend und auch in den Actionszenen macht der damals stramm auf die Sechzig zugehende McClane-Darsteller eine gute Figur. Und auch wenn die Actionszenen stilistische Defizite enthalten und sich viele Schurken ohne jede Gegenwehr geradezu freiwillig in McClanes Schusslinie begeben, verfügt der Film dennoch über die eine oder andere spektakuläre Sequenz wie z.B. die Verfolgungsjagd nach dem Anschlag auf das Gerichtsgebäude oder die Schießerei in einem Hotel, an der sich später noch ein Helikopter beteiligt. Alles nicht wirklich überragend, aber dennoch zufriedenstellend.

Auch einige der anderen Darsteller schlagen sich recht wacker. Sebastian Koch spielt seine Rolle gar nicht mal so schlecht, auch wenn seine Performance von vielen Kritikern bemängelt wurde. Auch Yulia Snigir spielt ihre Rolle als Kochs Filmtochter ganz passabel. Da hat es schon schlechtere darstellerische Leistungen in Actionfilmen gegeben.

Stirb Langsam – Ein Guter Tag Zum Sterben bleibt trotzdem der schwächste Film der bisher fünfteiligen Serie und ist einer in Osteuropa gedrehten Steven Seagal/Jean-Claude Van Damme/Dolph Lundgren-DtV-Produktion deutlich näher als einem bombastischen Hollywood-Actionblockbuster. Mit einem Einspielergebnis von über 304 Millionen Dollar kann der Film aber trotz allem als Erfolg gewertet werden. Trotzdem sieht es nicht danach aus, als würde ein sechster Teil in die Kinos kommen, der die Fans für dieses Debakel entschädigt. Die Idee eines von Len Wiseman inszenierten Prequels, das John McClane als Polizist im Jahr 1979 zeigen soll, wurde bis heute nicht verwirklicht. Ist aber vielleicht auch besser so. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende ...

4-5/10

5/10
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Kommentare

26.05.2020 20:24 Uhr - dicker Hund
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Oh Mann, da brauche ich keine Corona-Regeln, um auf Abstand zu bleiben. Diese lesenswerte Warnung bestätigt meine Vorurteile.

26.05.2020 20:43 Uhr - TheMovieStar
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Schöne Kritik, Punisher! Man bekommt eine guten Eindruck vom Film. Hatte den bisher einmal gesehen, ist aber schon ein bisschen her, da hat mir der Film auch nicht so zugesagt.

27.05.2020 07:32 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für Euer Feedback.

@Dicker Hund:
Der war gut :-).

@TheMovieStar:
Bei einer Zweitsichtung kann der Film nur verlieren. Vielleicht solltest Du es bei einem einmaligen Gucken lassen...

27.05.2020 10:43 Uhr - cecil b
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Den lasse ich aus. Du hast wie immer die passenden Worte gefunden, Punisher77!

27.05.2020 10:44 Uhr - beebop251
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Gut geschriebene und begründete Kritik. Nach dem Kinobesuch fand ich den film zunächst auch enttäuschend, was hauptsächlich an Willis und dem unpassenden Humor (seine Sprüche) lag. Auch bin ich der Meinung, dass Manfred Lehman schon mal motivierter synchronisiert hat. Die Actionszenen fand ich aber nicht schlechter als in den anderen Teil und Marco Beltramis Score hat für den ordentlichen Wumms gesorgt. Der Extended Cut gefällt mir dahingehend besser, weil die blöden Sprüche zurückgefahren wurden. Nachteil war allerdings, dass Mary Elisabeth Winstead entfernt wurde und somit auch das meiner Meinung das recht schöne Ende der Kinofassung leider einem recht unspektakulräen Ende weichen musste. Mir gefiel der Teil tatsächlich nach mehrmaligem schauen immer besser. Ne 7/10 ist bei mir durchaus drinne.

27.05.2020 11:41 Uhr - Tom Cody
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Top-Review zum schwächsten "Die Hard"-Film!
Deine unterschiedliche Wahrnehmungsweise zwischen erster und zweiter Sichtung, kann ich 100%ig nachvollziehen, da es bei mir genau so verlief.
Beim ersten Mal fühlte ich mich noch gut unterhalten, aber dann gewannen die negativen Aspekte des Films mehr und mehr die Oberhand.

Kennst du eventuell auch Chris Stuckmanns tollen Youtube-Essay "Everything Wrong with Die Hard 5"?! Ihr seid euch da in vielen Argumenten sehr ähnlich. Kann ich wirklich nur jedem empfehlen.
https://youtu.be/1mJqDiCu6eA

Bei der Wertung wäre ich ebenfalls bei 4 oder 5 Punkten. Als 08/15-Actionfilm ohne großes Charisma oder eigenhändige Handschrift kann man sich "A Good Day to Die Hard" immer noch ansehen, als "Die Hard"-Sequel versagt er auf ganzer Linie.
Und in der "Extended-Fassung" die einzig sympathische Figur aus dem Film zu schneiden - Mega-Fail!

27.05.2020 13:33 Uhr - Punisher77
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Auch Euch vielen Dank!

@Cecil:
Wenn Du den auslässt, verpasst Du echt nichts.

@beebop:
Dass mir ein Film bei der zweiten oder dritten Sichtung besser gefällt als bei der ersten, ist mir auch schon passiert. Es gibt aber Filme, bei denen funktioniert das für mich einfach nicht. Ein weiteres Beispiel für solch einen Streifen wäre "Ein Mann Wie Dynamit" mit Charles Bronson...der wird einfach nicht besser.

@Tom:
Danke für den Link! Von den "Everything wrong with..."-Videos kenne ich sogar einige. Das Video schaue ich mir direkt mal an.

28.05.2020 20:39 Uhr - Giant P
So ein Müll.Was ist nur mit Bruce Willis los

28.05.2020 22:29 Uhr - Punisher77
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Der Mann hat seine besten Zeiten wohl hinter sich...

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