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TheRealAsh
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Eintrag: 15.03.2017

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Crash

Herstellungsland:Kanada, Großbritannien (1996)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Drama, Erotik/Sex, Thriller

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,55 (20 Stimmen) Details
inhalt:
Der monotone Alltag des Filmproduzenten James Ballard (James Spader) und seiner Frau Catherine (Deborah Unger) hat nur wenig Abwechslung in einer grauen, anonymen Großstadt.
Ein Autounfall ändert alles. Quietschende Reifen, zersplitterndes Glas und der Knall des Metalls bringen in Ballards Leben neue intensiver Gefühle.
Das kühle Metall und die Kraft der Maschine werden zur sinnlichen Erfahrung, das Auto wird zur erotischen Leidenschaft. Auch die Fahrerin des anderen Autos, Dr. Helen Remington (Holly Hunter), spürt seit ihrer Karambolage dasselbe...
eine kritik von therealash:

Es gibt Filme, bei denen fragt man sich ernsthaft, welcher kranke Kopf sich sowas ausgedacht hat, wenn man hört, um was es in ihnen geht. Jüngstes Beispiel ist vielleicht "Human Centipede", mit dem man zartbesaitete Freunde und Kollegen schocken kann, wenn sie einem mit ihrem Filmspektrum auf den Sack gehen, das nicht über die zehntausendste Tatortwiederholung hinausgeht. Denn allein schon die Idee ist für viele nicht zu glauben. "Dass es sowas gibt," heißt es da, "unglaublich. Mund auf Arsch? Das geht doch gar nicht. Pfui Teufel!"

Mit "Crash" ist es ähnlich. Verkürzt kann man über den Film sagen, es geht um Menschen, die Sex mit Autos haben. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. In Wirklichkeit geht es um gelangweilte Großstädter mit zu viel Kohle, die sich an Autounfällen aufgeilen und dann miteinander Sex haben. Aber auch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn "Crash" ist ein kühler Traum in Chrom. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von James G. Ballard, dessen Namen Cronenberg auch seinem Hauptdarsteller James Spader gibt. Die jüngste Verfilmung des 2009 verstorbenen Autors, der experimentell-dystopische Science Fiction vom Feinsten lieferte, war übrigens "High Rise" unter der Regie vom guten Ben Wheatley, der uns unter anderem den halluzinatorischen "A Field in England" lieferte.

Was nun David Cronenberg mit der Vorlage zu "Crash" macht, ist wirklich extrem unterkühlt. Spaß macht das jedenfalls nicht. Aus dem Autor im Roman wird kurzerhand ein Filmproduzent gemacht, der von James Spader gespielt wird und für den Film auch Sinn macht. Ob da jetzt ein Fetisch oder sonst irgendeine psychische Störung dargestellt wird, ist eigentlich nicht so wichtig. Zentral ist, dass "Crash" Figuren zeigt, die von etwas besessen sind und ständig abartigen Sex haben - mit Prothesen, ohne Prothesen, mit blauen Flecken oder im Sterben. Sex allein reicht ihnen nicht, auch wenn sie ihn die ganze Zeit zu haben scheinen. Nein, sie brauchen den ultimativen Kick.

Cronenberg kennt sich mit solchen Sujets ja aus, denkt man nur an seine Verfilmung von "Naked Lunch", die ja auch die Grenzen der Logik auslotet und im Grunde von einer Besessenheit oder mehr noch einer Abhängigkeit erzählt. Auch der extrem sperrige, aber bei wiederholtem Sehen ungemein lohnende "Cosmopolis" kommt einem in den Sinn, der ja gefühlt fünf Stunden in einer Limousine spielt.

Bei Cronenberg wird oft der Begriff des "New Flesh" zitiert, den der Autorenfilmer ja selbst erschaffen hat und der eine Art Verwandlung des Körpers bezeichnen soll. Auch bei "Crash" ist das natürlich vorhanden. Mensch und Maschine sollen eins werden. Das ist der Kernpunkt dieses Body-Horror, den "Tetsuo: The Iron Man" vielleicht noch radikaler dargestellt hat, da sich die Verwandlung zur Maschine hier eben vollzieht. Bei Cronenberg bleiben die Menschen Menschen. Im Augenblick des Unfalls und Zusammenstoßes suchen sie nach sexuellen oder emotionalen Kräften, die sonst unterdrückt werden. Was auch immer! Finale Antworten liefert der Film sicher nicht.

Wem Ficken allein jedenfalls nicht genügt, der lernt im Film, dass man auch ficken kann, nachdem man einen Unfall hatte, oder sich von einem Unfall erzählt. Wer seiner oder seinem Liebsten schon von verstümmelten Autounfallopfern beim Koitus erzählt hat, weiß, dass das im Normalfall nicht ganz so dolle ankommt. Fakt ist aber, dass Cronenbergs Verfilmung extrem cool ist. Die Kostüme der Figuren sind alle durchwegs passend und haben dabei einen Neunziger Jahre Stil, der zu gefallen weiß. Leitend sind aber vor allem die Fünfziger Jahre und die Autos und Prominente aus diesem Sehnsuchtsjahrzehnt, die hier als verlorene Ikonen einer vergangenen Epoche heraufbeschworen werden. Jayne Mansfield und James Dean sind hier die Säulenheiligen, die beide im realen Leben in einem Autounfall ums Leben kamen. Die Schauspieler wirken dann auch alle in ihrer Inszenierung manchmal wie etwas gealterte Teenager, die den Sex nachholen müssen, den sie in ihrer wirklichen Jugend nicht hatten. Denn wie so oft zeigt Cronenberg Charaktere, die einem eigentlich total unsympathisch sind, die einen aber dann doch faszinieren.

Normalerweise sagt man ja, dass man das im Film Gesehene nicht nachmachen soll. Aber einem Pärchen auf dem Rücksitz beim brutalen Liebesspiel zuzusehen, während man durch die Waschstraße fährt, hat dann doch schon was. Zensurgeschichtlich wurde der Film dann auch nicht zu gut aufgenommen, hat aber in Deutschland vielleicht durch Cronenbergs Arthouse-Reputation eine normale FSK 18 bekommen. Leider gibt es den Film bisher meines Wissens nirgends auf Blu-ray und auch die DVD, die qualitativ in Ordnung geht, gibt es nur noch gebraucht zu höheren Preisen. Wünschenswert wäre eine Veröffentlichung wie von "Die Brut" von Wicked-Vision, was aber wohl eher unwahrscheinlich ist.

Um etwas Geschmack zu machen, empfehle ich eine gute Einführungsszene gleich zu Anfang, wenn sich Deborah Kara Unger eine Brust aus dem BH holt und diese auf das blanke Metall eines Flugzeugs legt.

Um es mit den Worten von James Ballard im Film zu sagen: "Ich finde das alles sehr befriedigend. Ich glaube ich versteh nicht so recht warum."

Abschließend ist für mich als Soundtrack-Fetischist zu sagen, dass Howard Shore, den man nicht nur von "Der Herr der Ringe" kennen sollte, einen exzellenten Soundtrack geschrieben hat, der dem Film eine weitere Komponente hinzugibt und stellenweise so klingt, als hätte Quorthon von Bathory eine Akkustikversion seines prägenden Viking-Black-Metal in seinem norwegischen Abstellzimmer eingespielt. Der Soundtrack klirrt mit seinen elektroakustischen Gitarren nur vor Kälte und untermalt mit seinem absolut reduzierten Orchester den Film perfekt.

Alles in allem ein genialer Film, der eher auf das abseitig-perverse Kopfkino setzt: "All Hail the New Flesh!"

10/10
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Kommentare

15.03.2017 21:24 Uhr - dicker Hund
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Sabber, lechz,...
Nach dem Film, meine ich.
Was so schmackhaft gemacht ist, sollte in der Tat mal eine würdige Neuveröffentlichung erhalten.
Schöne Rezi!

15.03.2017 21:50 Uhr - TheRealAsh
1x
User-Level von TheRealAsh 6
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 565
Danke! Glaub mir, ich hoffe auch auf eine hochauflösende Version, wo man die schönen Nacktszenen und Autos auch mal richtig sehen kann;-)
Denke aber, dass das mit der Lizenz nicht so läuft, vor allem, da der Film noch nirgends auf Blu raus zu sein scheint.

15.03.2017 22:16 Uhr - Intofilms
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Wow! ;)

16.03.2017 08:48 Uhr - JasonXtreme
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DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von JasonXtreme 2.305
Richtig gut geschrieben!!!

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