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cecil b
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XP 5.141
Eintrag: 05.04.2017

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Der Satan mit den langen Wimpern

Underground Werewolf

(Cellar Dweller)
Herstellungsland:USA (1988)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror

Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,00 (7 Stimmen) Details
inhalt:
Als eine Gruppe enthusiastischer Kunststudenten ihr neues Heim bezieht, ahnt sie noch nicht, welcher Fluch auf der schönen gotischen Villa lastet. 35 Jahre davor war der exzentrische Zeichner von Horror-Comics Meshelski auf tragisch-rätselhafte Weise ein Opfer der Flammen geworden. Die junge Studentin Whitney (Deborah Mullowney), begeisterte Anhängerin des ums Leben gekommenen Professors, stöbert im Haus umher, auf der Suche nach Überbleibseln seiner letzten Arbeiten. Sie entwickelt am meisten von allen das Talent, Fantasien und Träume bildlich umzusetzen, was ihr ihre Kollegen neiden.
Eines Tages entdekct sie in einem verschlossenen Kellerabteil eine Truhe, und fieberhaft beginnt sie in den letzten Zeichnungen des Verstorbenen, die sie darin findet, zu blättern. Je tiefer sie in die Welt der Bilder eindringt, umso mehr verschwimmen Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Fantasie. Die Geschichte scheint auch das Schicksal des Professors und seiner Villa widerzuspiegeln - die Geschichte der "Gothic Nightmare".
Sie verändert sich zusehends und verfällt mehr und mehr den Dämonen des Dunkels. Ihre Kollegen ahnen noch nichts. Doch jedes Mal, wenn sie in ihr schaurig-schönes Kellerverlies hinabsteigt, wird sie eins mit dem "Underground Werewolf", der sich am liebsten von noch warmen Gehirnen und dem frischen Blut seiner Opfer ernährt. Mehr und mehr gelingt es ihm, die Gestalt seiner Opfer anzunehmen und umgekehrt.
Immer wieder zieht es Whitney hinunter, und wenn der Morgen graut, sieht alles trügerisch friedlich aus...
Doch viele wird man noch die Treppen hinuntersteigen, aber nicht wieder zurückkehren sehen, ehe die Monster ihren Meister finden.
Bis dahin zerstören sie deine Tage und rauben dir den Schlaf... die "Reißwölfe der Nacht".
eine kritik von cecil b:

 

Endlich, seit dem 31.03.2017 ist UNDERGROUND WEREWOLF erstmals ungeschnitten in deutscher Sprache erhältlich. http://www.schnittberichte.com/news.php?ID=11707

 

Eine kleine Gruppe verweilt in einem abgelegenen Haus in dessen Keller das Böse lauert. UNDERGROUND WEREWOLF bedient sich ganz bewusst an ein paar Klischees, die dem Horrorfan nicht nur aus Sam Raimis Evil Dead bekannt sind. Dass auch ein paar Versatzstücke des Horrors auftauchen, passt aber in das Konzept des Films, einen filmgewordenen Spukcomic zu präsentieren, der üblicherweise altbekannte Prinzipien aufgreift. Und obwohl UNDERGROUND WEREWOLF sich zum Teil an Vorlagen und auch Klischees bedient (Beispiel: ein Kumpane legt unangemeldet von hinten die Hand auf die Schulter einer ängstlichen Figur), ist der Film eigenständig kreativ, sowie dass Klischees durch das Konzept oft ironisch erscheinen. Und die Story ist nicht so blöd, wie es manche Klischees zuerst vermuten lassen. Für mich ist UNDERGROUND WEREWOLF ein verkannter B-Film, dessen Konzept nicht genügend gewürdigt wurde.

Das Drehbuch stammt von Don Mancini. Der hat CHUCKY die Mörderpuppe erfunden, die Drehbücher zur kompletten CHUCKY- Reihe verfasst, und Chuckys Baby sowie The Curse of Chucky gedreht. Keine große Kunst, und die kann man von UNDERGROUND WEREWOLF auch nicht verlangen. Stattdessen reine Unterhaltung, die den Horrorfans gefallen kann, die an Gruslern alla Stuart Gordons Dolls sowie Creepshow 1 und 2  Spaß haben. Es ist nicht verwunderlich, dass ein so verspielter Grusler wie UNDERGROUND WERWOLF von Horror-Spielzeug-Experte Charles Band (Puppet Master, Blood Dolls, Demonic Toys) als ausführerender Produzent unterstützt wurde. Am Set konnte Band einem alten Bekannten die Hand reichen, denn die Regie führte John Carl Buechler, der auch bei Bands HERRSCHER DER HÖLLE an der Regie beteiligt war. Buechler ist vielseitig kreativ, aber mit unterschiedlicher Qualität. Seine Regiearbeit ist in der Regel bestenfalls unterhaltsam (Curse of the Fourty-Niner, Freitag der 13te Teil 7), wenn sie nicht nur für Irritation sorgt (Troll). Seinem Schaffen als Darsteller wird kaum Beachtung geschenkt (Hatched), im Gegensatz zu seinen Effekten, die nur selten so richtig vor die Wand fahren (The Garbage Pail Kids Movie), und die auch schon ausgezeichnet wurden (Hatched, Curse of the Fourty-Niner...). Der einflussreiche Independent-Regisseur und B-Filmproduzent Roger Corman über Buechler: "...the best in the Business....".  Buechler hat auch an den Effekten für UNDERGROUND WEREWOLF gearbeitet, die einen gewissen Charme haben, bei aller Bescheidenheit, und seine Regie ist überraschend gut gelungen.

Da alle Elemente des Films darauf ausgelegt sind, einen filmgewordenen Gruselcomic zu präsentieren, ist es sinnvoll, dass auch die Figuren dieses Monsterfilms einem Comic entsprungen sein könnten, der es zu einer halbwegs brauchbaren Novelle namens "Gothic Nightmare" geschafft hat. Alle Figuren agieren überzogen, unrealistisch und eher technisch, passend zum Comic-Konzept. Die Protagonistin ist mit der gut aussehenden Debrah Farentino (nominiert für den Soap Opera Digest Award Capitol) gut besetzt, deren markantes Make up perfekt zu der unwirklichen Comiczeichnerin passt. Diese ist aufgeregt und schnippisch wie ein Mädchen im Teenageralter, aber auch selbstbewusst und zielorientiert wie eine starke Frau, und wird von Farentiono mit dem nötigen Elan dargestellt. Einer der Künstler, Philipp, ist ein junger freundlicher Kerl, der mit Taylor harmonisiert. Philipp wird mit strahlenden Augen und gar nicht übel von Brian Robbins gespielt, der den CablACE Award für seine Regie bei der TV-Serie Sports Theater with Shaquille O'Neal gewann, aber als Regisseur und Drehbuchautor auch Norbit verbrochen hat. Taylor hat mit Philipp eine freundschaftliche Beziehung. Mit der etwa gleichaltrigen Amanda hat sie eine Nebenbuhlerin und Erzfeindin, die passend übertrieben von Pamela Bellwood (aus der TV-Serie Der Denver-Clan) dargestellt wird. Die in ihrer Boheme eingefahrene Leiterin der Gruppe, Mrs. Briggs, wird äußerts präsent -und von einer gut durchdachten Garderobe verstärkt- von Yvonne De Carlo (ausgezeichnet für American Gothic, †2007) gespielt. Jeffrey Combs (Re-Animator, From Beyond) schaut als Meshelski nur kurz vorbei, und seine Rolle ist allzu typisch, aber so routiniert überzeugt er auch. Im Monsterkostüm steckt Michael Deak, der doch tatsächlich an den Effekten von FLUCH DER KARIBIK und TRANSFORMERS beteiligt war. Sein Spiel ist kaum von Belang, so wie das der weiteren Darsteller, die aber eine brauchbare Performance bieten, und dessen Figuren sich genauso gut wie alle anderen in das Comic-Schema einfügen. Dieses Schema dominiert auch die Szenerie.

In der Villa sind die Farben stark ausgeprägt, fast wie gemalt, die Kontraste sind intensiv, und die Beleuchtung betont jedes visuelle Kunststück gekonnt. Im Keller ist jedes Spinnennetz und jede verstaubte Truhe gezielt wie in einem Spuk-Comic positioniert. Das immerwährende Gewitter, kitschige Geigen (Carl Dante: Critters 2), das Drehbuch, die Dramaturgie und die Effekte, alle Elemente verfolgen gelungen das Konzept des Films. Das Verlangen der Künstler, ihre Fantasie real umzusetzen, bekommt inhaltlich und inszenatorisch ein Bild. So geschehen immer wieder Wechsel zwischen der Fantasiewelt einiger Figuren, deren Darstellung dieser, und den 'realen' Ereignissen. Der Szenenverlauf und die Wechsel zwischen Fiktion, Fantasie und Realität werden durch die Schnitte von Barry Zetlin (Kinder des Zorns 2) gut umgesetzt, und die Kamera von Sergio Salvati (Woodoo– Die Schreckensinsel der Zombies, Über dem Jenseits) folgt den Bewegungen der Figuren sauber und mit einem guten Tempo.

Oft kann der Zuschauer voraussehen, was nicht real ist, aber manchmal vermischen sich die Fantasie und die Realität doch recht überraschend. Diese Grundsituation und ein teilweise intrigantes Miteinander der Figuren sorgen für eine grundlegende Spannung. Die Figuren müssen sich nicht nur fragen, wann ihr Spiel aufhört, und wann es zur grausamen Realität wird, sie können auch nur in wenigen Fällen ein Vertrauen zueinander aufbauen. Sie machen einen Kontest daraus, wessen Kunst am effektivsten ist, was auch unterhaltsam satirisch dargestellt wird. Die Boheme der Figuren bekommt eine individuelle, wenn auch einseitige Form, praktisch eine an das Konzept des Films angepasste Karikatur der Künstler-Allüren. Der wichtigste Faktor ist natürlich die Macht der Fantasie. Die Figuren beeinflussen durch ihre Fantasie den Horror, allen voran Taylor, mit ihrem metergroßen Monster, das kein reinrassiger Werwolf ist.

Ob die Effekte für den Menschen fressenden Monster-Teddy nur kostengünstiger Trash sind, oder diese eine willkommene Übersetzung des Comics sind, liegt natürlich im Auge des Betrachters. Ist dieser ein Fan von Monstern klassischer Natur, sollte ihm auch der Underground Werwolf gefallen, der von 14 Effekt-Künstlern kreiert wurde, unter ihnen auch William Butler (Drehbuch, Regie und Produktion: Madhouse, Akteur: Texas Chainsaw Massacre III) und Scott Coulter (The Expendables). Das Monstrum erscheint oft, es wird aber nur wenig in direkter Aktion gezeigt. Verfolgungsjagden und ein großer Teil des Splatters werden durch den Comic dargestellt, in der Realität sieht man wie das Ungeheuer das Resultat seiner Taten verzehrt, und simple Comic-Sprüche alla "Who is next?" absolviert. Das ist aber nicht weiter tragisch, und es gibt auch eine schöne klassische Splatterszene die nicht durch den Comic dargestellt wird, und diese Effekte sind wirklich überzeugend.

 

 

UNDERGROUND WEREWOLF ist ein netter Grusler mit einem Spritzer Kunstblut, der durch eine nicht uninteressante Story, eine angenehm kompakte Spielzeit (ca. 78 Min.) und ein tolles Ende kurzweilige Unterhaltung bietet. Da ich im Netz nie mehr als 6 Punkte für diesen Film gesehen habe, hatte ich keine hohen Erwartungen, und wurde dafür mit recht guter Horrorunterhaltung der einfachen Sorte belohnt. In diesem Sinne gebe ich auch nur implizit einen Tipp für Oldschool-Horrorfans, die mit angemessenen Erwartungen ihren Spaß an UNDERGROUND WEREWOLF haben können. ;)

6,5 Punkte. Demented Foreeeever!

 

 

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Kommentare

05.04.2017 23:06 Uhr - NoCutsPlease
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Ein Must-Read-Review zu einem offensichtlichen Kann-man-sich-mal-anschauen-Film! ;)

06.04.2017 00:36 Uhr - Horace Pinker
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Typisch lesenswerte Cecilianisch geniale Kritik zu einem scheinbar relativ Kurzweiligen Horrorstreifen für Zwischendurch, wie immer fantastische Arbeit.

06.04.2017 10:42 Uhr - JasonXtreme
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Den hab ich mal halbherzig mit Kumpels gesehen, fand ich ganz nett - ganz im Gegenteil zur Rezi, Herr cecil :)

06.04.2017 11:03 Uhr - cecil b
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THANX ihr drei!

Jason: Hab den früher einmal so gesehen wie du, und hatte das selbe Fazit, hab den vor kurzen für mich neu entdeckt. Das Konzept hatte ich damals nicht so vor Augen, und das Ende hatte ich schon vergessen. Heute finde ich den besser.

06.04.2017 14:39 Uhr - Dissection78
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Wie immer eine sehr interessante Filmauswahl von Dir, cecil.
Irgendwie verwechselte ich "Underground Werewolf" in der Vergangenheit des Öfteren mit dem Italo-Trasher "Werewolf Woman". Ich kenne nur den Titel, die Sichtung steht dank Deiner anregenden Kritik demnächst an. Und da ich einigen Werken, bei denen Charles Band in den 70ern und 80ern seine Finger im Spiel hatte ("Tourist Trap", "From Beyond", "Dolls", "Crawlspace", "Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes", "Intruder"), durchaus was abgewinnen kann, wird vorliegender Streifen für mich vermutlich kein Schuss in den Ofen... auch wenn Roger Corman im selben Zeitraum in Sachen unterhaltsamer Low-Budget-Schundkunst die Nase vorn hatte :)

PS:
Dass Du nicht erwähnt hast, dass Yvonne De Carlo einst die legendäre Lily Munster spielte, ist beinahe unverzeihlich. Ab in die Ecke mit Dir! ;)

06.04.2017 20:15 Uhr - cecil b
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Freut mich! :) Ich glaube der würde dir gefallen! Gerade weil du auch Dolls magst, den ich persönlich liebe.

Yvonne: Aus der Ecke heraus rufe ich: Ich rechne doch damit, dass besonders erwähnenswerte Fauxpas von aufmerksamen Lesern korrigiert oder ergänzt werden! ;)

Es gibt da gerade ein paar Neuveröffentlichungen im Horror und Trash-Bereich, die ich in nächster Zeit besprechen möchte, manche davon könnten dich durchaus interessieren.


06.04.2017 21:51 Uhr - Dissection78
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Sehr gut! Ich freue mich. Du darfst wieder aus der Ecke raus.

06.04.2017 21:58 Uhr - cecil b
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Juhuu!

07.04.2017 17:00 Uhr - naSum
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Underground Review zum Underground Film Underground Werewolf. Spitzenmäßig geschrieben und humorvoll (mit Randnotizen) beschrieben, wie letztendlich ein Herr Cecil b notet.

11.04.2017 13:44 Uhr - cecil b
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Thanx a lot, Maestro! AAHUUUUU (Werwolfgeheule)

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