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Violent Shit 3 - Infantry of Doom

(Originaltitel: Violent Shit 3: Infantry of Doom)
Herstellungsland:Deutschland (1999)
Genre:Amateurfilm, Splatter
Alternativtitel:Akuma no Ejiki
The Brutal Devil Project
VS3: Infantry of Doom
Violent Shit III
Zombie Doom
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,17 (12 Stimmen) Details
inhalt:
Auf einer Insel stranden drei Schiffbrüchige. Sie stoßen auf eine Truppe Barbaren unter der operativen Leitung des bösen Karl "the Butcher" junior (Andreas Schnaas), dessen Vater alleinig über ihm steht. Die Wilden nehmen die armen Tröpfe sogleich in Gefangenschaft. Das ist schlimm, denn in der paramilitärischen Gruppierung herrschen derbe Hinrichtungs- und Bestrafungsrituale, deren Zeugen sie werden. Zu allem Überfluss forscht ein wahnsinniger Arzt für Karl senior, was soweit gediegen ist, dass er Tote wieder zum Leben erwecken und sie zu Ninja-Zombies machen kann. Doch scheint auch in den Reihen des "Meisters" nicht jeder mit dem Maximum an treuer Gefolgschaft zu agieren. So tut sich Hoffnung auf, dem üblen Untrieb auf dem Eiland Einhalt zu gebieten.
eine kritik von dicker hund:

Nachdem die ersten zwei Anläufe reichlich Luft nach oben ließen, folgte 1999 der dritte Streich: "Violent Shit III" von Andreas Schnaas. Das Szenario im Grünen hat sich dabei ein stück weit gewandelt. Nicht nur, dass der im Prinzip gewohnte Natur-Schauplatz nun eine Insel darstellen soll, sondern auch dass jetzt eine Vielzahl vermummter Teilnehmer unter der Führung eines Skeletor-Verschnitts für das obligatorische Gemetzel verantwortlich sind, kann als Neuerung verbucht werden.

Inzwischen haben die Goreszenen eine Evolution durchlaufen, die uneingeschränkt die Wertung "kreativ und sehenswert" zulässt. Grausamkeiten wie die Ausweidung eines Menschen bei wiederbelebtem Leibe schlittern einmal mehr in extreme Gefilde (Gewalt 10/10). Die grobschlächtige Ironie mildert die Intensität des visuellen Erlebens indes ab (Humor 4/10). Nicht einmal die um Betroffenheit bemühte Kommentierung der Rückblende eines ausgestoßenen Kriegers zur Vergewaltigung seiner Ehefrau ändert etwas an dem teilnahmslosen Eindruck der Ereignisse. Schäbig kann man die einschlägige Bildfolge aber schon nennen: Sie tendiert erneut in Richtung Hardcore-Pornografie (Sex 9/10), obwohl der maßgebliche Übeltäter nur eine Plastik-Spielfigur mit dubioser Animation ist und von Erotik keine Rede sein kann. Zitiert wird inzwischen aus einer Vielzahl von Vertretern des Genres (Horror 5/10), wobei einmal die Sekten-Thematik aus "Lebendig gefressen" und das Mad-Scientist-Motiv aus "Day of the Dead" hervorgehoben seien. Es entsteht eine Vielzahl von Segmenten, die eher einen losen Zusammenhang als eine konsistente Handlung bilden. Die gelegentlichen Wüstensand-gelben Bildverfremdungen aus überbelichtetem Super-8-Material sind allerdings ansehnlich geraten und erinnern an den Found-Footage-Look aus "Cannibal Holocaust" und "Emanuelle in America".

Auch bei der Umsetzung dieser Kern-Ingredienzen gibt es ein paar lobenswerte Gesichtspunkte zu finden: So verstärkt der Synthie-Score den trashigen Charme, der offenbar gewollt ist. Außerdem tritt die Scharmützelorgie kaum einmal auf die Bremse, so dass von den elenden Längen der Vorgänger keine Spur mehr vorhanden ist. Leider kranken die Verbalinhalte noch immer an einer verkrampften Fehlbetonung, die man vor allem Schnaas selbst zum Vorwurf machen kann. Obendrein blieb das Vokabular jämmerlich primitiv, so dass auch die eigenwillige Komik selbst für abgestumpfte Amateur-Sektor-Veteranen aufgrund ihrer proletenhaften Dummheit kaum konsumabel sein dürfte. Zu rechnen ist eher mit einer Wirkung, wie sie die Situation der Gestrandeten nach der Bespritzung mit einer Flüssigkeit in der typischen, "erhabenen" Rhetorik versinnbildlicht:

"Das ist Pisse!"

"Scheiße! Wo zum Teufel sind wir hier?"

Und im Ernst - das ist noch der niveauvollere semantische Part. Der kommandierende Conan-Epigone stachelt später seine "Guards" an, indem er ihnen mit undeutlich verwaschener Aussprache zu verstehen gibt, dass sie doch nicht schlapp machen sollen wie eine "altersschwache Hure beim Esels-Fick". Diese Niveau-Abgründe sagen vielleicht mehr über die Filmsammlung des Regisseurs aus als über seine Figur. Versuche, in anspruchsvolleren Bereichen wie Shootouts oder Martial Arts zu überzeugen, sind angesichts eines derartigen Grundtenors schon so gut wie zum Scheitern verurteilt. Der erforderliche Schnitt übersteigt die Leistungsfähigkeit der Choreografie dann erwartungsgemäß bei weitem.

Entsprechend schundig sieht das Resultat auch sonst aus: Genannt sei nur die Plastikform, die vorne auf ein Metallrohr gesteckt wurde, um eine geladene Panzerfaust zu simulieren. Einfach das lange Ding kurz vorwärts gesenkt und das graue Teil herunterplumpsen gelassen - fertig ist der total mitreißende Raketenabschuss. Nach einer Explosion in unmittelbarer Nähe halten die Betroffenen nun zwei Sekunden regungslos inne, um dann wie auf Kommando zur Seite zu springen, was die Wirkung der Druckwelle nachahmen soll. In der gleichen Liga spielen die Masken: Für sie wurde die Bastelecke aus Teil 2 noch vergrößert, damit möglichst viele Knallchargen der "Infantry of Doom" (Beititel) einen Mummenschanz erhalten. Verstärkung gibt es durch blecherne Putzeimer, die zu Helmen zurechtgeschnitten wurden. Als Uniform haben sich die Jungs aus Schnaas Freundeskreis einfach ihre Bomberjacken übergezogen - und wurden so zu den "Guards". Nicht minder drollig sehen ihre vermeintlichen Schwerter, Speere und Schilder aus. Den Spitzenplatz des Dilettantismus nehmen aber die Beile ein, deren Eisen im Wind flattern, da sie scheinbar aus Silberpapier geschnitten wurden. Von Schauspielern sollte man bei alledem nicht sprechen; hier hat man es in der Tradition der Reihe lediglich mit Abgebildeten zu tun. 

So unbeholfen tapsig vieles von dem wirken mag, was in die sichtbare Häfte des Bildausschnittes im Balken-Sandwich gequetscht wurde, so unleugbar erscheint doch die vollzogene Entwicklung. Splatter, Tempo und augenzwinkerndes Gedudel, Ansätze von Format in Sachen Bildverfremdung und Sleaze - trotz aller Meckerei lässt sich nicht leugnen, dass Teil 3 einige Stärken mitbringt (4/10 Punkten). Eine Indizierung blieb aus.

4/10
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Kommentare

31.03.2017 08:27 Uhr - Horace Pinker
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Fulminanter Abschluss deiner Violent Shot Besprechungen, der wie immer sowohl äußerst unterhaltsam als auch informativ ausfällt. Was VS3 angeht kann ich wohl auch getrost verzichten und stattdessen ein weiteres mal die hier kopierten Filme heranziehen.
P.S. Kann man davon ausgehen, dass von den restlichen Teilen der Reihe keine qualitative Steigerung zu erwarten ist?

31.03.2017 08:51 Uhr - JasonXtreme
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Hähä, so kann man das Ganze umschreiben :D das war doch auch in dem Vehikel hier, als einer mit Haken im Hintern das Rückgrat rausgerissen kriegt, oder?^^

31.03.2017 09:58 Uhr - dicker Hund
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Dankeschön:-)

@Jason
Ja, eine ziemlich beschissene Art, jemandem den Arsch aufzureißen, um das Niveau des Franchises mal zu spiegeln.

@Horace
Es gibt streng genommen wohl keine weiteren Teile. "Nikos" hat nur noch vage mit der Reihe zu tun. Der italienische Giallo gleichen Namens ist eine Hommage. Zu dem Film mit dem "vs." im Titel kann ich allerdings nichts sagen...

31.03.2017 15:08 Uhr - FranticFox
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Ich muss immer noch über die Titel dieser genialen Trilogie lachen :D
Über die Reviews auch, aber im positiven Sinne. Sehr unterhaltsam, alle drei :)

31.03.2017 20:37 Uhr - cecil b
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Review: 100 Punkte. ;)

Film: Eine Splatterszene finde ich sehr gut! Die Zweiteilung in der Luft. War doch in diesem Teil, wa?

Es gibt noch einen Teil 4: Karl the Butcher vs. Axe (Violent Shit 4).

Die Zusammenhänge kann ich nicht mehr erklären, hab ich vergessen. Der Film setzt sehr viel auf Ironie. Das ist auch nicht so der Kracher, aber für zwischendurch ganz nett, mMn. Ist auch nicht soo schlecht gemacht, für die Möglichkeiten.

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