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Rammstein: Paris

Herstellungsland:Deutschland, Frankreich (2016)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Dokumentation, Musikfilm
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,33 (3 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Ein Konzert der Band Rammstein auf Film zu bringen, ist eine außerordentlich schwierige Aufgabe. Den gewaltigen Sound, die Menge an visuellen Eindrücken, die Details und großen Gesten so einzufangen, dass auch die Kinozuschauer die Rammstein-Experience nachempfinden können: Wer das schaffen will, muss einerseits die unmittelbare Nähe zum Bühnengeschehen vermitteln, andererseits den Blick aus der Totalen, drittens die Aufregung des Dabeiseins — und die Musik muss brachial gut klingen. Der Konzertfilm RAMMSTEIN: PARIS setzt hier einen neuen Maßstab. Während der „Made in Germany“-Tour drehte der gefeierte schwedische Regisseur Jonas Åkerlund im März 2012 bei zwei umjubelten Rammstein- Konzerten, die vor jeweils 17.000 Zuschauern im Palais Omnisports in Paris stattfanden. Der Film, der daraus entstanden ist, ist (mit 16 Songs aus dem gesamten Repertoire) nicht nur das bislang spektakulärste Bilddokument über die derzeit größte deutsche Rock-’n’-Roll-Band — er ist ein Meisterwerk des Musikkinos, das die Energie von Rammstein in ein einmaliges visuelles und sonisches Erlebnis fasst. (Ascot Elite CH)

eine kritik von nasum:

Frisch aus dem Kino des aktuellen Musikfilmes Rammstein: Paris bin ich zweigeteilter Meinung und gefühlsmäßig etwas hin und her. Zum einen kann man der Band Rammstein keinesfalls Qualität, Erfolg, präzise musikalische Arbeit oder provokant exzentrische Bühnenshows absprechen, zum anderen ist aber auch nicht alles Gold, was glänzt. So kann der soeben gesichtete musisch-filmische Genuß zwar mit guten Liedern, doppeldeutiger Lyrik, brachialem Sound und einer post-apokalyptischen Bühnenshow überzeugen, bleibt aber mit ihrer filmischen Umsetzung leider auf der Strecke. Aber warum ist das so? Die qualitative Arbeit des Film- und Effektteams war nämlich keineswegs schlecht, aber leider einfach deplatziert. Denn ein effektvolles Live-Set von Rammstein braucht keineswegs eine digitale Effekterweiterung und zusätzliche Reize durch schnelle hektische Kameraschnitte. Zwar trägt das enorm dem Faktor bei, ein Gefühl des „Dabei-Seins“ zu vermitteln und die Ruhelosigkeit eines sich im Publikum befindlichen Zuschauers wiederzuspiegeln, aber auf visueller Ebene geht leider einiges an Schauwerten verloren. Hier wäre der Sinnspruch „Weniger ist manchmal mehr“ passend wie der Arsch auf den Eimer.

 

Aber mal schön langsam der Reihe nach.

Die mehr als 30 verschiedenen Kameras fangen einfach Unmengen an Eindrücken ein und können sowohl die Band, als auch das Publikum visuell einfangen. Dabei wechseln anfängliche Zooms auf Gesichter oder Details im jeweiligen Liedverlauf zu weiten Kameratotalen, die allerdings selten die Bühnenränder überschreiten. Die Stimmung der Lieder wird dabei vom kleinen zum großen aufgebaut, bis sich schließlich die Stimmung des jeweiligen Liedes festnageln lässt. Farbgebung und Effekte der nachträglichen Bildbearbeitung passen sich stets den auf der Bühne gegebenen Thematiken von Feuer, Finsternis, Elektrizität, Blut oder Sperma an.

Der Tonschnitt passt sich allerdings lediglich dem Takt an und da der meist in zügigem Stechschritt hinforrrrrrt marschiert, gibt es keine Einstellung die über ca 3 Sekunden hinaus andauert. Ein ruhiges Einfangen von Bildern, in denen der Zuschauer Faszination für Details ausleben kann, geht in der Hektik der Bilder unter. Ein erzeugter Live Effekt geht hier leider zu Lasten von etlichen Bühnendetails, die in ihrer Einblendung nur kurze Sekunden sichtbar sind. Weite epische Aufnahmen der gewaltigen Pyroshow fehlen leider gänzlich. Wenn vorhanden sind sie in vielerlei nur sekunden andauernde Einzelfragmente zerschnitten und mit Effekten übersäht. Zeitlupen, Morphs, Zooms, Überlagerungen, CGI-veränderte Augeneffekte, Hintergründe oder scharz-weiße Negativ Aufnahmen sind zwar anständig gestaltet, aber führen teilweise zu Reizüberflutung, da Rammstein auf der Bühne ja auch nicht mit Schauwerten geizen. Und wenn man als Zuschauer einfach in Ruhe einen Flammenwerfer sehen will, geht das leider nur in der Hektik des Schnittmassakers.

 

Aber so negativ das jetzt klingt, kann der Film absolut unterhalten und macht Laune. Die Bandkostüme sind gewagt kriegerisch, pyrotechnisch und post-apokalyptisch, erinnern teilweise sehr an die Mad-Max Filme, nur ohne die Kinder jenseits der Donnerkuppel, den die lässt die FSK nicht rein. Die Songauswahl ist gut, wird auch fleißig immer mit Titeln eingeblendet, sodass eine gute Orientierung für den Betrachter gegeben ist.

 

Zum Sound selber ist zu sagen, dass er sehr perfekt klingt. Eine dreckige Live Atmosphäre sucht man vergebens, denn es klingt wie geleckt von der Platte. Das ist meiner Meinung nach daher schade, da ich persönlich ein Fan von rauhen, auch mal von Patzern oder Situationskomiken erfüllten Sets bin, die Publikumsnah und authentisch sind. Hier sieht man nur Perfektion. Da aus dem Film leider auch jegliche Ansagen der Band herausgeschnitten wurden und lediglich die Songs dicht an dicht im militärischen Glied (hihi, er hat GLIED gesagt) stehen, fand ich es schwer eine emotionale Nähe zur Band aufzubauen, Begeisterung zu wecken oder vollends mitzufiebern.

 

Im Fazit ist Rammstein: Paris jedoch ein schwer unterhaltsamer Film, der eine Live-Erfahrung der Band gekonnt einfängt, etliche Schauwerte und Effekte präsentiert, aber keine Ruhe zur detailreichen Betrachtung lässt. Es ist das genaue Gegenteil einer klassischen WDR-Rockpalast Show, wobei man sich einfach entscheiden sollte, welche Art von Konzertdarstellung man bevorzugt. Aber das obliegt dann einfach dem individuellen Geschmack. Daher vergebe ich 6 von 10 Punkten mangels Ansagen zwischen den Liedern und für den Film mit den wahrscheinlich meisten Schnitten innerhalb von starken 90 Minuten. Dokumentarische Elemente sind NICHT enthalten.

 

Am Ende möchte ich euch noch mit der Setlist spoilern:

 

Sonne

Wollt ihr das Bett in Flammen sehen

keine Lust

Asche zu Asche

Feuer frei

Mutter

Mein Teil

Du riechst so gut

Du hast

Bück dich

Mann gegen Mann

Ohne dich

Mein Herz brennt

Engel

Pussy

Frühling in Paris

6/10
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9/10

Kommentare

24.03.2017 00:39 Uhr - Horace Pinker
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Interessante Besprechung eines scheinbar durchschnittlichen Musikfilms. Ich bin auch ein großer Rammsteinfan und besitze alle Alben der Band, muss aber gestehen das ich bisher leider noch keines ihrer Konzerte live miterleben durfte (vlt. wird das ja noch). Hoffe auch das bald mal ein neues Album rauskommt, da sich in dieser Zeit ja schon ziemlich lange nichts mehr getan hat.

24.03.2017 00:44 Uhr - hockeymask86
1x
Na da bin ich mal gespannt. Sehe mir den Film heute Abend an. Die Kritik war auf jedenfall gut geschrieben und hat mir gefallen.

24.03.2017 07:22 Uhr - dicker Hund
1x
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Hmm, haut mich jetzt nicht so vom Hocker. Diese Tendenz zu Schnitt-Orgien ist mir schon länger suspekt. Schön auf den Punkt gebracht ist der Eindruck vom Film natürlich trotzdem.

24.03.2017 09:38 Uhr - DriesVanHegen
1x
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So sehr ich Rammstein im Ganzen liebe (oder eher liebte, die Faszination ist seit dem Ausbleiben von neuem Output doch sehr abgeebbt...), werde ich diesen Film zwar nicht boykottieren, aber das Interesse nach dieser Besprechung ist gegen Null gerutscht. Ich wusste im Vornherein schon, dass mit Verfremdungen gearbeitet wurde, aber wenn das in solch einem Maß geschieht und die Hektik noch mit Schnitten etc. vorangetrieben wird - nein Danke!
Konzertfilme bieten sich doch gerade deshalb an, sich in Ruhe mit dem Bühnenbild und der allgemeinen Inszenierung auseinanderzusetzen. Da ich bei meinen bisherigen Livebesuchen von Rammstein irgendwie immer viel zu klein war, um wirklich zu erkennen, was auf der Bühne vor sich ging. Da waren die Konzertfilme ideal, um all das im Detail verpasste nachzuholen.
Wenn einem hier aber durch den Effektoverkill eine angenehme Seherfahrung verwehrt wird - nein Danke!

€:
Der Verriss bei Spiegel Online ist aber dennoch sehr unterhaltsam, da er so herrlich über's Ziel hinausschießt.
http://www.spiegel.de/kultur/kino/rammstein-paris-an-der-volksbuehne-die-urszene-von-pegida-und-afd-a-1138891.html

24.03.2017 13:29 Uhr - naSum
2x
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Danke euch fleißigen Lorbeerenverteilern.
Dries hat absolut Recht, denn was man sehen möchte verschwindet zwischen Schnitten und Effekten. Die Rammstein in Amerika DVD ist da weitaus ruhiger und bietet zudem noch einige emotional tiefgreifende dokumentarische Momente.

24.03.2017 23:09 Uhr - Fade2
1x
Gutes Review!

Nur bei folgendem muss ich widersprechen:

"Da aus dem Film leider auch jegliche Ansagen der Band herausgeschnitten wurden und lediglich die Songs dicht an dicht ... stehen"

-> Rammstein hat noch nie Ansagen zwischen den Liedern gemacht.

25.03.2017 02:45 Uhr - Otti
1x
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Schöne Review, aufgrund derer ich mir den Kinobesuch vorhin gespart hab.

Hauptgrund meines Schreibens allerdings der Link von DriesVanHegen... hammerhart, "Urszene von Pegida und AfD"... mein Kiefer ist im wahrsten Sinne des Wortes immer weiter aufgeklappt vor Fassungslosigkeit. Das ganze könnte man meiner bescheidenen Meinung nach schon fast als üble Nachrede deklarieren.

25.03.2017 07:54 Uhr - cecil b
1x
Moderator
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Sehr gute Review! Diese Bildbearbeitung hat schon viele gute Konzerte auf /oder im Kino zerstört. Die DVD mit den Videos ist zu empfehlen.

Rammstein wäre für mich ein schönes Live-Erlebnis, aber Karten sind schwer zu bekommen. Zuhause kann ich sie mir kaum anhören.

Spiegel: Die Überforderung mit dem Kunstwerk Rammstein ist offensichtlich. Und der Mangel an Hintergrundwissen. Links zwo links zwo drei vier LINKS. Flake und Lindemann: "Wir waren früher entweder Punks oder Gruftis– wir hassen Nazis!" Hier zu lesen: https://www.rollingstone.de/rammstein-exklusives-interview-mit-till-lindemann-und-flake-lorenz-343190/ Interessante aber auch blöde Passagen vorhanden, finde ich. ;)

25.03.2017 08:57 Uhr - naSum
1x
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24.03.2017 23:09 Uhr schrieb Fade2
Gutes Review!

Nur bei folgendem muss ich widersprechen:

"Da aus dem Film leider auch jegliche Ansagen der Band herausgeschnitten wurden und lediglich die Songs dicht an dicht ... stehen"

-> Rammstein hat noch nie Ansagen zwischen den Liedern gemacht.


Danke für die Korrektur, das wusste ich nicht.

Wegen des Artikels muss ich sagen, das Rammstein aber auch gerade mit diesen provokanten / rechten Missverständnissen spielt und das auch mal als günstige Werbung nutzt. Falsch bleibt es alle male, aber welcher Künstler wird schon korrekt verstanden?

25.03.2017 09:59 Uhr - cecil b
1x
Moderator
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naSum: Du hast ja so Recht. ;)

25.03.2017 12:54 Uhr - Insanity667
1x
DB-Helfer
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Sehr schön in Worte gefasst und bei der Wertung gehe ich auch mit. Ich war vielleicht sogar noch ein bisschen enttäuschter, da ich selbst zu 2 Konzerten dieser Tour war und ich gehofft hatte, die Erinnerung an dieses tolle Live-Erlebnis mit dem Film auffrischen zu können... Ist ja immerhin 5 Jahre her und seitdem haben sich die Jungs meiner Meinung nach nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert. :) Wie auch immer, wenn Rammstein live dann in Zukunft auch NUR live, nicht im Kino!

25.03.2017 19:25 Uhr - cgrage
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24.03.2017 23:09 Uhr schrieb Fade2
-> Rammstein hat noch nie Ansagen zwischen den Liedern gemacht.

Beim Konzert der LIFAD-Tour in Hamburg hat Till eine kurze Ansprache ans Publikum gehalten und die Abwesenheit von Flake erklärt, der damals im Krankenhaus lag. Er begrüßte Flakes "Ersatzmann" Alf Ator, der ihn für 3 oder 4 Shows vertreten hat.
http://www.setlist.fm/setlist/rammstein/2009/color-line-arena-hamburg-germany-43dfaf6b.html
Und vor den Zugaben verabschiedet sich Till immer noch mit: "Das war Rammstein. Auf Wiederseheen."

06.04.2017 20:35 Uhr - Fade2
25.03.2017 19:25 Uhr schrieb cgrage
24.03.2017 23:09 Uhr schrieb Fade2
-> Rammstein hat noch nie Ansagen zwischen den Liedern gemacht.

Beim Konzert der LIFAD-Tour in Hamburg hat Till eine kurze Ansprache ans Publikum gehalten und die Abwesenheit von Flake erklärt, der damals im Krankenhaus lag. Er begrüßte Flakes "Ersatzmann" Alf Ator, der ihn für 3 oder 4 Shows vertreten hat.
http://www.setlist.fm/setlist/rammstein/2009/color-line-arena-hamburg-germany-43dfaf6b.html
Und vor den Zugaben verabschiedet sich Till immer noch mit: "Das war Rammstein. Auf Wiederseheen."


Ja das ist korrekt.
Ich meinte mit Ansagen eher die typischen "Seid ihr gut drauf?!"-Aufheizer, die manche Bands vor jedem Lied machen bzw. minutenlang reden bevor der nächste Song gespielt wird ;)

24.07.2017 14:34 Uhr - Norminator
1x
User-Level von Norminator 3
Erfahrungspunkte von Norminator 168
Sehr schöne Review! Ich als Fan, sehe es natürlich nicht objektiv, weswegen ich von einem eigenen Review abgesehen habe, aber Du bringst das Ganze sehr gut auf den Punkt und bleibst sachlich!

Für diejenigen, die die Band noch nicht live erleben durften: Ich war letztes Jahr im Sommer in der Waldbühne in Berlin und was soll ich sagen? Natürlich ein atemberaubendes und unvergessliches Erlebnis! Hoffe sie kommen demnächst mal wieder in den Nord-Osten, dann bin ich auf jeden Fall wieder mit dabei - an alle Anderen: Lasst es Euch nicht ergehen!!! :)

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