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Life

Herstellungsland:USA (2017)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Drama, Science-Fiction, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,15 (25 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Manche Träume sollten sich besser nie erfüllen… Atemberaubend spannend, überraschend und in faszinierenden Bildern erzählt der Sci-Fi-Thriller LIFE von der sechsköpfigen Crew einer internationalen Raumstation, die kurz vor einer der wichtigsten Entdeckungen der Geschichte der Menschheit steht: dem ersten Beweis extraterrestrischen Lebens auf dem Mars. Als die Crew ihre Forschungen beginnt und die Methoden unerwartete Konsequenzen offenbaren, stellt sich plötzlich heraus, dass die Lebensform weit intelligenter ist als jemals erwartet… (Sony Pictures)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von dimetrodon12:

Review: Life

 

Schon in H. G. Wells Roman The War of the Worlds durften Marsianer die Erdbevölkerung terrori­sieren. Im hier genannten Beispiel, so wie in der dazugehörigen Verfilmung (zumindest die von Spielberg) attackieren die Außerirdischen unseren Heimatplaneten in einer großen Offensive mit na­hezu unzerstörbaren Kriegsmaschinen. Über das vergangene Jahrhundert wurde die Menschheit schon auf fast jede Weise von außerirdischen Lebensformen angegriffen und/oder getötet.... zumin­dest cineastisch gesehen. Eins der großen Highlights ist dabei natürlich Ridley Scotts Meisterwerk Alien. Nach einigen gelungenen (und auch weniger gelungenen) Ausflügen in Sequels, Prequels und Spin-Offs wird uns im Mai ein neuer Film der Reihe erwarten, auf dem Regiestuhl erneut Ridley Scott. Um die Wartezeit etwas zu verkürzen können Fans von Science-Fiction-Horror allerdings auf Life zurückgreifen.

Life erzählt die Geschichte einer sechsköpfigen Crew auf der ISS, die als erste Menschen überhaupt mit außerirdischem Leben in Kontakt kommen. Eine Kapsel mit Bodenproben vom Mars enthält ne­ben der ganzen Erde einen Einzeller, der schnell mal Calvin getauft wird. Während eines Experi­ments stellt sich Calvin allerdings als weitaus bedrohlicher und intelligenter heraus, als es von Wis­senschaftler Hugh oder Quarantänespezialistin Miranda vorhergesehen wurde. Statt eines gewöhnli­chen Einzellers bekommt es die Crew mit einem hochintelligenten, tödlichen Wesen zu tun, das sehr schnell die erste Quarantänestufe durchbrochen hat. Für die Crew beginnt ein Kampf ums nackte Überleben, jedoch nicht nur das ihre, sondern das der ganzen Erdbevölkerung, die durch Calvin ausgelöscht werden könnte, sollte er auf die Erde gelangen.

Gleich vorweg sei gesagt, dass Life in keinster Weise einen Preis für Originalität erhalten wird. Vie­le Ideen und Konzepte wurden aus anderen Filmen übernommen, leicht abgeändert und zu einem neuen Film verpackt. Die größte Inspirationsquelle ist dabei ganz klar der zuvor bereits erwähnte Klassiker Alien. Hier gibt es jede Menge parallelen zur Grundidee der Story. Gleichzeitig würden einige der Szenen auch perfekt in einen Alienfilm passen, besonders einige der Verfolgungsszenen.

Die Optik und die Kameraführung erinnern stark an Gravity, einen anderen Survivalthriller im Weltall, allerdings ohne Alien. Besonders auffällig ist dabei ein sehr langer Tracking Shot, der ähn­lich wie bei Gravity die Raumstation und die Crew vorstellt. Hierbei bekommt der Zuschauer schon gleich ein gewisses Gefühl für die einzelnen Rollen der sechs Astronauten und einen kleinen Ein­blick in ihre Charaktereigenschaften. Ebenfalls wie beim Vorbild, wird die Schwerelosigkeit des Weltraums dazu genutzt, die Kamera in großartigen Einstellungen zwischen Charakteren hin und her zu wechseln, ohne dabei auf Schnitte zurückzugreifen. Dies ist besonders am Anfang des Films auffällig, wo die Crew noch recht ruhig miteinander agiert. Mit dem Verlauf des Films wird es in der zweiten Filmhälfte deutlich actionlastiger, wobei auch hier alles gut im Überblick bleibt, zumin­dest für uns Zuschauer.

Einen weiteren Film, der meiner Meinung nach eine Erwähnung verdient hat ist The Andromeda Strain, ein Science-Fiction-Thriller basierend auf dem gleichnamigen Buch von Michael Crichton. Zwar gibt es hier keine eindeutigen Verweise auf den Film oder den Roman, aber einige Kleinigkei­ten weisen durchaus Ähnlichkeiten auf, besonders wenn man hier Alien mit in der Vergleich zieht. In der ersten Filmhälfte, solange Calvin noch unscheinbar ist, wird deutlich wissenschaftlicher mit ihm vorgegangen, als es in Scotts Horrorfilm der Fall war. Auch die sechs Crewmitglieder scheinen alle einen gewissen wissenschaftlichen Hintergrund zu haben, während in Alien die Crew nicht zu wissenschaftlichen Zwecken, sondern zu wirtschaftlichen im All unterwegs ist. Besonders die bei­den Charaktere Parker und Bratt zeigen keinerlei Interesse an dem Facehugger, außer ihn loszuwer­den. Die Quarantänestufen bieten hierbei noch eine kleine Parallele zu Crichtons Roman und der Verfilmung.

Natürlich sind diese drei Filme nicht die einzigen, die Ideen an Life abgetreten haben, es sind jedoch drei große Beispiele und auch drei gute bis sehr gute Filme, die alle drei mit einer extremen Span­nungskurve aufwarten können. Trotz der teils offensichtlichen Parallelen kann Life eine solche Spannungskurve auch für sich beanspruchen. Spannung und Horror werden hier sehr gut miteinan­der vermischt und sorgen für einen recht hohen Unterhaltungswert. Es wird zwar nicht ganz so spannend, wie damals, als Ripley unter Zeitdruck die Katze Jones einfangen musste, kommt aber an einigen Stellen nahe dran. Hier lässt sich der Film auch gut in zwei Hälfen aufteilen, ähnlich wie Alien. In der ersten wird die Crew vorgestellt und die Lebensform untersucht, in der zweiten kommt es zur Konfrontation, die nicht jeder überleben wird. Die erste Hälfe gefällt dabei durch einen eher ruhigen Ton mit einer daruntergesetzten Anspannung für den Zuschauer, dem klar ist, dass bald etwas passieren wird. Die zweite Filmhälfte bietet ein atmosphärisches Kontrastprogramm mit mehreren Verfolgungsszenen, Zerstörung und einem größeren Calvin.

Im ruhigeren Tempo der ersten Filmhälfte werden vereinzelt Informationen über die Crewmitglieder in die Geschichte eingeflochten, die im Verlauf des Films eine Rolle spielen. Somit kommen einem die Charaktere durchaus menschlicher vor, als in anderen Horrorfilmen. Unterstützt wird das noch durch eine handvoll guter Darsteller. Ryan Reynolds (Deadpool, The Voices), Rebecca Ferguson (Mission: Impossible – Rogue Nation) und Jake Gyllenhaal (Prisoners, Nightcrawler) sind dabei die drei bekannten Namen des Films und geben eine gute Performance ab. Allerdings müssen sich ihre Co-Stars Hiroyuki Sanada, Olga Dihovichnaya und Ariyon Bakare auf keinen Fall hinter den großen Namen verstecken, denn auch ihre Art die jeweiligen Charaktere darzustellen gelingt ihnen und kommt gut an.

Von technischer Seite her ist der Film gut gemacht. Neben den bereits erwähnten Kameraeinstellun­gen fällt besonders das Design für Calvins späteres Auftreten positiv (im gruseligen Sinne) auf. Die anderen Effekte lassen sich auch sehen und schaffen somit ein gutes Setting um die düstere Atmo­sphäre des Films auf sich wirken zu lassen. Jon Ekstrand, der schon als Komponist mit Regisseur Daniel Espinosa an Child 44 gearbeitet hat, liefert hier einen guten Soundtrack ab, der diese Atmo­sphäre ebenfalls unterstützt. Lediglich der Song Spirit in the Sky, der über die Credits läuft, wirkt ein wenig unpassend, gibt aber dem Zuschauer eine kleine Verschnaufpause nach knapp 100 Minu­ten Science-Fiction-Horror.

Alles in allem ist Life ein gelungener Film, der sich zwar stark bei großen Vorbildern bedient, diese Ideen dann aber wenigsten mit viel Spannung und einem hohen Unterhaltungswert umsetzen kann. Die Atmosphäre kann durchaus überzeugen und hat ein paar nette Schocker parat um den Zuschauer so bei Laune zu halten. Einem direkten Vergleich mit seinen Vorbildern würde der Film nicht stand halten, als eigenständiges Werk ist er aber durchaus zu genießen, solange man keinen konstanten Vergleich beim Kinogang (oder bei der DVD/Blu-Ray) zieht. Von meiner Seite gibt es 7-8 von 10 Punkten (und wie sagt man so schön: Im Zweifel für den Angeklagten)

8/10
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Kommentare

04.04.2017 16:53 Uhr - NoCutsPlease
1x
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Heute ist zwar erst der 4. April, aber das Comeback des Monats steht für mich bereits fest: Perm-Dino ist endlich wieder am Start! Sehr schön.

04.04.2017 18:09 Uhr - Major Dutch Schaefer
1x
Super geschriebenes und sehr schön formuliertes Review.

Alles in allem ist Life ein gelungener Film, der sich zwar stark bei großen Vorbildern bedient, diese Ideen dann aber wenigsten mit viel Spannung und einem hohen Unterhaltungswert umsetzen kann. Die Atmosphäre kann durchaus überzeugen und hat ein paar nette Schocker parat um den Zuschauer so bei Laune zu halten. Einem direkten Vergleich mit seinen Vorbildern würde der Film nicht stand halten, als eigenständiges Werk ist er aber durchaus zu genießen, solange man keinen konstanten Vergleich beim Kinogang (oder bei der DVD/Blu-Ray) zieht. Von meiner Seite gibt es 7-8 von 10 Punkten (und wie sagt man so schön: Im Zweifel für den Angeklagten)


110% Deiner Meinung. Treffender kann man es nicht auf den Punkt bringen.

"Life" ist ein perfektes Beispiel dafür, wie man aus bereits bekannten Elementen einen guten, in sich stimmingen Film machen kann, ohne dabei repetiv, völlig innovationslos und verbraucht zu wirken.
Wird bestimmt genug Leute geben, die mir diesbezüglich widersprechen mögen und blöcken: "Alles schon mal hundertmal gesehen, langweilig usw.".

Gut, würde man Punkt für Punkt abarbeiten, hätten sie zwar nicht unbedingt Unrecht. Aber man sollte das Gesamtkontext bzw. der Ergebnis dennoch nicht aus den Augen verlieren und fair bleiben.

Und völlig innovationslos war der Film nun auch nicht. Denn die Lebensform Calvins ist hier das große Plus des Films.
Meist haben die Außerirdischen entweder humanoide Züge, ähneln irgendwelchen Insekten und/oder haben zumeist eine Statur nach dem Schema "da fängt das Vieh an, das hört's auf, da sind die Augen usw."

Calvin war daher mal ein echtes Novum, da es eine völlig andere Form von Leben darstellt wie man sie sonst kennt. Hat mir sehr gut gefallen.

Als Einstimmung auf "Alien: Convenant" war "Life" ein echtes Schmankerl.

04.04.2017 18:58 Uhr - Horace Pinker
1x
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Klasse Review, welches toll geschrieben ist und alle nötigen Infos zum Film enthält. Life klingt recht interessant, ins Kino werde ich dafür zwar eher nicht gehen aber beim Heimkinorelease werde ich den mal ausleihen.

04.04.2017 19:09 Uhr - naSum
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Wow, das nenne ich amtliche Schreibarbeit. Dein Review hat mir sehr gefallen und nachdem ich die Trailer eher nichtssagend und wenig innovativ fand, konnte deine Textarbeit meine Neugier endlich etwas wecken.

04.04.2017 19:24 Uhr - Intofilms
1x
1A-Rezension: aussagekräftig, nachvollziehbar und sehr schön formuliert! :))

Ich habe vor ca. einer Woche im Radio eine Filmkritik zu "Life" gehört, die sich kurioserweise voll und ganz mit deinen Ausführungen deckt. Auch dort wurden die Parallelen vor allem zu "Alien" und "Gravity" herausgestellt. Ich war dann irgendwie so angefixt, dass ich mir am vergangenen Wochenende einen spontanen Rewatch von "Alien 1 & 2" gegönnt habe, obwohl die Heimkinopläne ganz anders aussahen. Hat sich aber gelohnt: Diese unsterblichen Klassiker werden einfach immer besser! Am liebsten würde ich "Life" jetzt sofort im Kino schauen, werde die Sichtung aber wohl trotzdem bis zum Heinkino-Release aufschieben, da ich kein großer Kinogänger mehr bin.
Die Quintessenz des Radioreviewers war (und bei dir und dem Major klingt das ja auch an), dass Calvin phänomenal gut visualisiert ist und sozusagen die heimliche Hauptfigur des Films darstellt. Wenn das nicht vielversprechend klingt! :)

04.04.2017 21:20 Uhr - Rayd
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Top Reviews, was ich so unterschreiben würde. Zu dem Punkt alles schonmal gesehen: ich war mit einem Kumpel im Film, der nicht sonderlich viele Kultfilme gesehen hat, bisher. Für ihn zum Beispiel waren viele Elemente noch recht neu und so ging es ihm sicher nicht alleine. E

05.04.2017 10:11 Uhr - cecil b
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Sehr gekonnter Eindruck vom Film, und dass von einem Rückensegler: ;) Die Verweise auf andere Filme halte ich für sehr schlüssig und sinnvoll, tolles Review!

05.04.2017 15:03 Uhr - Dimetrodon12
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Vielen Dank euch allen für das ganze Lob. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich nach einer doch etwas längeren Pause wieder gut zurück finde, aber euch scheint mein Review ja durchaus zu gefallen. Bis zum nächsten Review wird sicher nicht wieder ein Jahr vergehen :)
Freut mich, dass ich den Film vielleicht doch noch einigen schmackhaft machen konnte, denn der Trailer ist tatsächlich eher langweilig und gibt den Film nicht so wieder wie er eigentlich ist.

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