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16 Blocks

Herstellungsland:Deutschland, USA (2006)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Action, Drama, Krimi, Thriller
Alternativtitel:Sixteen Blocks
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,13 (23 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Er wollte einfach nur nach Hause und etwas trinken. Aber um 8.02 Uhr bekommt der verkaterte NYPD-Detective Jack Mosley (BRUCE WILLIS) einen scheinbar einfachen Auftrag: Der Kleinkriminelle Eddie Bunker (MOS DEF) soll um 10 Uhr vor einem Untersuchungsausschuss aussagen und muss aus seiner Zelle zum Gerichtsgebäude gebracht werden - das ist 16 Häuserblocks entfernt. In 15 Minuten wäre die Sache erledigt, dann könnte er endlich nach Hause. (Warner)

eine kritik von tschaka17:

Ich habe nur versucht meine Sache gut zu machen.

Die meisten Filme lassen den Zuschauer in einer bestimmten Stimmung zurück. Manche Werke stimmen einen traurig, andere wütend, einige machen nachdenklich und wieder andere sorgen für gute Laune. 16 Blocks ist für mich viel mehr als ein Film, nämlich eine einzigartige Charakterstudie, welche jedes Mal ein wohliges Gefühl von Zufriedenheit in mir aufsteigen lässt.

Story

Jack Mosley ist Cop in New York City. Sein Leben besteht aus Verbitterung und viel zu viel Alkohol. Im Prinzip sind ihm alle Dinge relativ egal. Nach einer langen Schicht möchte Jack eigentlich nur nach Hause und etwas trinken, aber vor seinem Feierabend soll er noch den Zeugen Eddie Bunker ins 16 Blöcke entfernte Gericht bringen. Nicht sonderlich begeistert möchte Mosley den Routinejob so schnell wie möglich ausführen. Allerdings wird ihm dieser Plan zunichte gemacht, als korrupte Polizisten die Jagd auf den Zeugen eröffnen. Dieser soll nämlich gegen etliche kriminelle Cops aussagen. Mosley entscheidet sich einmal in seinem Leben das Richtige zu tun, stellt sich gegen seine Kollegen und seinen alten Partner und es beginnt eine Hatz durch New York City. Die Zeit läuft, denn das Gericht wird nicht warten.

In diesem Film entdeckt der Held nicht plötzlich Superkräfte an sich und es handelt sich auch nicht um einen Ex-Elite-Irgendwas, der mit einem riesigen Waffenarsenal seine Gegener blutigst dezimiert. Der Protagonist ist auch eigentlich kein Held. Irgendwann im Leben steht jeder Mensch an einem Punkt, an welchem er entscheiden muss, ob er so weitermachen möchte wie bisher oder etwas ändern möchte. In 16 Blocks hinterfragt Mosley seine eigenen Ideale noch einmal und entscheidet sich ehrlich zu sein - vor allem zu sich selbst!

Cast

Ich glaube, dass das Leben zu lang ist.

Vielgenannter Jack Mosley wird sehr eindringlich von Bruce Willis dargestellt. Schon äußerlich wirkt der Mann verbittert, demotiviert und einfach nur kaputt. Immer wieder greift er zur Flasche und genehmigt sich einen Schluck. So sieht ein gescheiterter Mensch aus. In ihm schlummern aber noch gute Ideale und Werte, welche durch das einschneidende Erlebnis im Film reaktiviert werden. Mosley hält sich selbst für keinen guten Menschen und hat unschöne Dinge getan. Er erkennt aber die Chance, welche sich ihm bietet, und nutzt sie.

Willis Performance ist dabei vor allem authentisch. Den Wandel vom ignoranten Saufkopf zum moralisch richtig handelnden Mann nimmt man ihm voll ab, gerade da er sich seine Fehler selbst eingesteht. Somit kann der Zuschauer seine Position einnehmen und verstehen. Von all den unzähligen Charakteren, welche Bruce Wills schon gespielt hat, ist dieser mein Favorit. John McClane (Stirb langsam) ist eine coole Socke, Joe Hallenbeck (Last Man Standing) ein eiskalt berechnender Mann oder beispielsweise Malcolm Crowe (The Sixth Sense) eine tief angelegte Figur. Jack Mosley ist aber wohl die realistischste und ehrlichste Person, die Willis je dargestellt hat.

 

Menschen können sich ändern.

Als Zeuge an der Seite von Willis ist Mos Def als Eddie Bunker mit von der Partie. Nach seiner Aussage möchte Bunker seine Schwester in Boston treffen und dort eine Bäckerei eröffnen, um dort Geburtstagskuchen herzustellen. Eddie ist eine Quasselstrippe und eine absolut ehrliche Haut. Er versucht immer das Gute in den Menschen zu sehen. Könnte seine Figur schnell zu nervigen Plappertasche verkommen ist sie in 16 Blocks vor allem eins: Unglaublich sympathisch und herzlich. So einen Freund würde keiner trotz seiner Eigenheiten ausschlagen. Und Eddie schafft es im Laufe des Films mit seiner Art den gefrorenen Jack aufzutauen.

Def wird den Meisten wohl als Hip-Hopper bekannt sein. Seine Ausflüge ins Filmbusiness sind eher rar gesetzt. Doch Def besitzt enorm starkes Charisma und gibt seinem Charakter eine ganz eigene Note. Vielleicht sorgt auch gerade die gewisse Distanz zur Schauspielerei für seine frische und unverbraucht positive Art. Eddie ist einfach nur ein netter Kerl und so ist man als Zuschauer die ganze Zeit auf seiner Seite.

 

Scheiß auf die Wahrheit!

Wo es Gejagte gibt sollte auch ein Jäger vorhanden sein. David Morse als Frank Nugent ist der alte Partner von Jack Mosley. Er ist Anführer der Hatz und dabei sowohl clever manipulativ als auch kompromisslos unterwegs. Korruption ist für ihn Teil seiner Arbeit und aus seiner Sicht auch nichts Schlechtes. Seine Figur ist aber nicht platt der Böse, sondern ihr Handeln ist nachvollziehbar. Kriminell hin oder her, aber würden nicht viele Leute ihre Familie und Freunde - hier die korrupten Kollegen - schützen wollen? Auch wenn er ganz klar ein mieser Mensch und auf der falschen Seite ist, seine Motivation ist stets klar.

Morse schafft es genau diese Aspekte in sein Spiel einzubinden. Man braucht nich immer einen Antagonisten, welcher die Welt unterjochen will. Ein normaler Cop mit illegalem Nebenverdienst und der Not zu handeln kann für die Protagonisten schon ein enormes Problem darstellen. Gerade wenn er das Ziel der Gejagten kennt und jede Menge Polizisten auf seiner Seite hat.

Der Reiz des Films

Das Grundszenario allein sorgt schon für die nötige Spannung: Zwei Gejagte müssen in einer bestimmten Zeit ein Ziel erreichen. Ansonsten ist ihr vorheriges Handeln vergebens. Die tickende Uhr im Hintergrund ist also schon an sich ein Tempomittel des Films.

Dieser zeichnet sich neben seiner rasanten Idee aber auch durch intensive Actionszenen aus. Nein, keine Massaker oder riesigen Schlachtfelder, aber knappe Verfolgungsjagden zu Fuß durch NYC, seine Straßen und Gebäudekomplexe. Wird man dann schier aussichtslos an einem Ort festgesetzt fängt auch wohl der letzte Zuschauer an nervös zu werden. Doch die Lösung ist dann so glaubwürdig und logisch, dass kein Zweifel an Realismus aufkommen kann.

New York wird in der Filmindustrie gerne als Location genommen. 16 Blocks könnte auch in jeder anderen Großstadt spielen, aber warum? Die typischen Taxis, der Flair von Chinatown, reges Treiben und jede Menge Cops sorgen für ein großartiges Setting. Als Kulisse für eine Jagd in der Stadt ist diese bunte Mischung perfekt geeignet.

Die Kameraarbeit in diesem Film ist solide. Kein Gewackel, wichtige Dinge im Fokus und dabei stets ein Auge fürs Detail. Legendäres sucht man vergebens, aber das braucht das Werk auch nicht.

Musikalisch ist der Film ideal unterlegt. Es gibt keinen herausstechenden Soundtrack, sondern alle Tracks passen sich der Situation an. So lenken sie nie von der eigentlichen Handlung oder den Charakteren ab.

Vorhandene Effekte sind handgemacht.

Unangefochtenes Highlight des Films sind aber die Dialoge. Ehrlich, realistisch und dabei fast schon teilweise philosophisch hinterfragt der Film durch seine Figuren menschliches Handeln und Ideale, ohne dabei an Unterhaltungswert zu verlieren oder Moralapostel spielen zu wollen. Hier ein kleines Rätsel:

"Du fährst mit deinem Auto durch einen Hurrikan. An einer Bushaltestelle stehen drei Menschen: Eine alte Lady, welche dringend ins Krankenhaus muss. Dein bester Freund, der dir das Leben gerettet hat. Die Frau deiner Träume, die du über alles liebst.

Im Auto ist nur Platz für eine Person. Wen nimmst du mit?"

Die Lösung gibt´s selbstverständlich im Film.

Besonders zu erwähnen sei hier noch das Ende. Es heißt ja Filme, welche mit einem Freeze Frame enden, seien nie sonderlich gut. Doch ein herzlich lächelnder Bruce Willis mit einer genialen letzten Line von Mos Def sind so simpel wie ehrlich und einfach nur fein.

Fazit

Auch nach langem Überlegen und unzähligen Sichtungen finde ich keine Mankos an 16 Blocks. Der Film hat eine interessante und spannende Geschichte, tolle Charaktere und geniale Darstellerleistungen, die technischen Aspekte sind solide und die Laufzeit von 98 Minuten ist kurzweilig und unterhaltsam.

Die volle Punktzahl muss nicht jeder so teilen, aber diese Reise durch NYC und schöne Charakterstudie sorgt jedes Mal bei mir für ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit. Deswegen gehört 16 Blocks zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.

10/10

10/10
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Kommentare

03.05.2017 21:03 Uhr - NoCutsPlease
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Angesichts deiner häufig etwas exzentrisch anmutenden Punktevergabe war ich sicher nicht der einzige Leser, der sich gefragt hat, was denn bei dir eine reine 10/10 sein dürfte - und siehe da, hier ist die Auflösung!
Ich habe den Film zuletzt vor ca. sieben Jahren. Aus der Erinnerung heraus ist der für mich aber mindestens eine saubere 8/10.

04.05.2017 06:34 Uhr - Pratt
2x
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User-Level von Pratt 23
Erfahrungspunkte von Pratt 12.561
Interessant geschrieben, mit einigen interessanten Punkten und Merkmalen warum dir der Film so gefällt! Ich persönlich sehe den Film auch bei deutlichen 8/10 Punkten, bleibt noch zu erwähnen, dass der Film storytechnisch einem Remake von Clint Eastwoods großartigen 'The Gauntlet' (Dämlicher Titel in Deutschland: Der Mann, der niemals aufgibt) nahekommt und der großartige Richard Donner Regie führte.

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