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Die Gewalt bin ich

Originaltitel: Il Cinico, l'infame, il violento

Herstellungsland:Italien (1977)
Genre:Action, Krimi
Alternativtitel:Cynic, the rat and the fist, The
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,55 (11 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Kommissar Tanzi brachte vor Jahren den gefürchtete Gangster Luigi, auch "der Chinese" genannt hinter Schloss und Riegel.Doch Luigi konnte sich aus dem Mauern los reisen und hat nur noch ein Ziel vor Augen.Rache! Er befehligt einen Auftragskiller,der sich Tanzi vornehmen soll.Als Tanzi eines Abends nach Hause kommt wird er von dem Killer überwältigt und verletzt,der Killer selbst denkt,dass Tanzi das zeitliche Gesegnet hat.Nun kann Tanzi das Gesetz in die eigene Hand nehmen und ist Luigi und seinen Männern schon auf den Versen.Doch Opfer sind auf beiden Seiten zu vernehmen... ()

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                       DIE GEWALT BIN ICH

Die Gewalt Bin Ich (1977) ist Umberto Lenzis (Die Rache Der Kannibalen, 1981) fünfter Beitrag zum Poliziottesco, für den er zum zweiten Mal Maurizio Merli und Tomas Milian, die Hauptdarsteller aus seinem Film Die Viper (1975), vor der Kamera versammelte. Es sollte die letzte Zusammenarbeit der beiden italienischen Stars werden, da der rechtsgerichtete Merli und der linke Milian während der Viper-Dreharbeiten überhaupt nicht miteinander klarkamen, um es vorsichtig auszudrücken. Angeblich soll Milian von Merli so angewidert gewesen sein, dass er bei einer Prügelszene mit seinem Co-Star absichtlich fest zugeschlagen haben soll. Ähnliche Geschichten sind vom Die Gewalt Bin Ich-Dreh aber nicht überliefert. Neben Merli und Milian gehören routinierte Genrefilmdarsteller wie Renzo Palmer (Hector, Der Ritter Ohne Furcht Und Tadel, 1975), Claudio Undari (Sabata, 1969) und Bruno Corazzari (Das Rätsel Des Silbernen Halbmonds, 1972) zur Besetzung des Films. Außerdem war mit John Saxon (Der Mann Mit Der Todeskralle, 1973) ein amerikanischer Darsteller mit von der Partie. Gedreht wurde Lenzis Poliziottesco in Rom, Mailand und Chiasso.

Einst war Leonardo Tanzi (Maurizio Merli) ein von der Unterwelt gefürchteter Kommissar, doch weil seine rauen Ermittlungsmethoden bei seinen zartbesaiteten Vorgesetzten überhaupt nicht gut ankamen, quittierte er gefrustet den Dienst. Aber seine Vergangenheit lässt den Ex-Bullen nicht los. Der Gangster Luigi Maietto (Tomas Milian), genannt „der Chinese“, den Tanzi hinter Gitter brachte, ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und sinnt auf Rache. Er hetzt Tanzi einen Auftragskiller auf den Hals, der jedoch nur halbe Arbeit leistet. Trotzdem lässt man die Nachricht verbreiten, Tanzi sei tot. So kann er ungestört einen Privatkrieg gegen den „Chinesen“ führen, der gerade dabei ist, sich mit dem italoamerikanischen Gangsterboss Frank Di Maggio (John Saxon) zu verbünden.

Viele Poliziotteschi, so der Plural des Genres, zeigen einzelgängerische Polizisten, die in einer von Gewalt und Kriminalität geprägten Gesellschaft gegen das Böse in Form von Gangstern, Entführern, Räubern und Mördern kämpfen – stets behindert von laschen Vorgesetzten, hinderlichen Vorschriften und korrupten Regierungsmitgliedern. Damit zeigten Regisseure und Drehbuchautoren nicht nur die Missstände in der italienischen Gesellschaft der Siebziger Jahre auf, sondern boten ihrem Publikum auch ein Ventil: Die Gesetzeshüter im Poliziottesco sorgten zumindest im Kino für Gerechtigkeit und bedienten sich dabei noch rabiaterer Methoden als Harry Callahan oder Paul Kersey. Lenzis Die Gewalt Bin Ich passt nicht ganz in dieses Schema. Zwar beginnt der Film mit der Darstellung einer Reihe abscheulicher Verbrechen und auch im weiteren Filmverlauf werden hin und wieder Kriminelle bei der „Arbeit“ gezeigt, die von Maurizio Merlis Figur anschließend ordentlich was auf die Nuss bekommen. Trotzdem ist Die Gewalt Bin Ich anders als die Vorgängerwerke Der Berserker (1974) und Die Viper (1975), da es dem Film nicht um das oben genannte Anliegen geht – wie der an Sergio Leones Il Buono, Il Brutto, Il Cattivo (= Zwei Glorreiche Halunken, 1966) angelehnte Originaltitel des Films, Il Cincino, L´Infame, Il Violento, andeutet, ist Lenzis Film eher ein Italowestern im Poliziottesco-Gewand. Dabei hat sich Lenzi aber nicht von Leones Magnum Opus mit Clint Eastwood, Eli Wallach und Lee Van Cleef beeinflussen lassen, sondern eher von Leones Für Eine Handvoll Dollar (1964). Wie in Eastwoods erstem Italowestern spielt Maurizio Merli hier einen nur seiner eigenen Moral verschriebenen Einzelgänger, der zwei Parteien gegeneinander ausspielt. Damit ist Die Gewalt Bin Ich inhaltlich etwas weniger radikal und schonungsloser als z.B. Der Berserker (1974), was die Erwartung des einen oder anderen Fans sicher enttäuschen dürfte, wovon ich mich selbst nicht freisprechen kann. Meine erste Sichtung des Films ließ mich eher etwas enttäuscht zurück, da ich einen weiteren Genrebeitrag vom Format eines Berserkers erwartet hatte und mir der Film – trotz seiner unbestrittenen Härte – inhaltlich etwas zahm vorkam. Und auch wenn Der Berserker und Die Viper ein klein wenig besser sind als Die Gewalt Bin Ich, kam ich nach einer zweiten und dritten Sichtung zu dem Schluss, dass es sich hierbei trotzdem um einen überdurchschnittlichen Genrestreifen handelt, der auch Filmfans ansprechen könnte, denen die anderen Lenzi-Poliziotteschi zu reaktionär waren.

Die Story des Films mag zwar etwas weniger kompromisslos sein, ist dafür aber auch ein wenig ausgefeilter. Das heißt nicht, dass der Die Gewalt Bin Ich-Plot große Kunst ist, aber ein bisschen vielschichtiger als die Handlung so manch anderen Genrefilms ist er schon.

Außerdem ist Die Gewalt Bin Ich wegen seiner Hauptdarsteller sehenswert. Maurizio Merli (blond, blauäugig, mit Schnäuzer, offenem Hemd und manchmal sogar mit Goldkettchen…) bewegt sich in seiner Rolle zwar dann und wann an der Grenze zur Selbstparodie (Selbst Frauen, die er schlägt, kommen nicht umhin, ihn weiter anzuhimmeln…), überzeugt aber trotzdem in seiner Antiheldenrolle und wirkt auch, bzw. besonders in den Actionszenen überzeugend. Wenn er mit grimmigen Blick seine Fäuste in feindliche Mägen rammt, tut es dem Zuschauer fast genauso weh wie dem Betroffenen. In Die Gewalt Bin Ich beweist der viel zu früh verstorbene Merli eindrucksvoll, warum er in den Siebziger Jahren einer der Topstars des Poliziottesco war. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber alles andere als schwach ist Tomas Milians Performance. Während er in früheren Filmen unter Umberto Lenzis Regie eher extrovertiert war, spielt er in Die Gewalt Bin Ich weniger polternd, ja fast schon zurückhaltend. Aber auch das steht Milian gut zu Gesicht, da er in seiner Schurkenrolle nicht weniger bedrohlich wirkt und man ihm mit  zudem ein interessantes Gimmick verpasst hat. John Saxons Rolle ist zwar etwas kleiner ausgefallen, bleibt aber trotzdem dauerhaft im Gedächtnis, was nicht nur an dem schicken Oberlippenbart liegt, den er hier trägt. Vielmehr überzeugt Saxon als eiskalter Gangsterboss, der wenig Verständnis für Versager und Verräter zeigt.

Auch in den Actionszenen kann Die Gewalt Bin Ich punkten. Genreunerfahrene Zuschauer sollten jedoch wissen, dass die Action in Poliziotteschi wie Die Gewalt Bin Ich keine Stunt – und Special Effects-Orgien im Dauermodus bieten, sondern realistisch anmutende Actionszenen, wie sie sich tatsächlich abspielen könnten. Das ist alles andere als unspektakulär – die letzte Merli/Milian-Zusammenarbeit bietet eine Reihe von knallharten Schlägereien, Verfolgungsjagden (mit Autos und zu Fuß über Dächer) und Schießereien. Dabei ist Die Gewalt Bin Ich alles andere als zimperlich. OK, ein an Filme wie The Raid (2012) oder Evil Dead (2013) gewöhntes Publikum dürfte über die Gewalt in diesem Film müde lächeln, aber trotzdem sind die Gewaltmomente des Films (Blutige Einschüsse, geprügelte Frauen, ein Säureattentat etc.) auch aus heutiger Sicht immer noch hart, zumal sie ohne ironische Brüche oder sprücheklopfende Helden auskommen. Leider versiebt Lenzi, der das Drehbuch des Films zusammen mit Ernesto Gastaldi (Der Tod Ritt Dienstags, 1967) und Dardano Sacchetti (Woodoo – Schreckensinsel Der Zombies, 1979) verfasste, den Showdown, der deutlich spektakulärer hätte ausfallen können.

Unterm Strich ist Die Gewalt Bin Ich ein weit überdurchschnittlicher italienischer Polizei/Actionfilm, der zwar knapp den Einstieg in die „Hall Of Fame“ des Genres verpasst, aber trotzdem sehenswert ist.

8/10
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Kommentare

26.06.2017 23:46 Uhr - TheRealAsh
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Und weiter gehts mit den momentanen Review-Hits und deiner hoffentlich noch weiter auszubauenden Poliziotteschi-Reihe. Grandiose Vorstellung, wie von dir gewohnt. Deine Einordnung überzeugt mich wie immer und zeigt auch nochmal wie engmaschig die italienische Filmlandschaft zusammenhängt.

Schön, dass deine Schreibpausen nicht allzu lange dauern;-)

27.06.2017 08:05 Uhr - dicker Hund
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Ein Italo-Western im Poliziottesco-Gewand also? Deine Schmankerl werden aufmerksam verfolgt;-)

27.06.2017 09:20 Uhr - NoCutsPlease
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Sehr gut, dass die Reviewgewalt ihre Schreibpause beendet hat. :)
Bei den Italo-Reißern gibt es doch immer wieder ein paar interessante Tipps zu entdecken.

27.06.2017 09:31 Uhr - DOTD
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Klasse formulierte Kritik von dir. Der Titel klingt interessant und scheint einen Blick wert zu sein. TOP!

27.06.2017 12:16 Uhr - Horace Pinker
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Tolle Fortsetzung deiner Poliziottesco Reviewreihe, welche wieder mal äußerst informativ und lesenswert ausgefallen ist. Die Gewalt bin ich klingt ziemlich unterhaltsam und sehenswert, sollte ich sich die Gelegenheit ergeben gucke ich den mal an.

27.06.2017 18:45 Uhr - Punisher77
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Vielen dank, Leute! freue mich sehr, dass das Review so großen Anklang findet. Und dies wird auch nicht das letzte Poliziottesco-Review gewesen sein. Insbesondere die Dokumentation "Eurocrime", die sich mit dem Genre befasst, zeigt, dass es da noch `ne Menge interessanter Filme zu geben scheint, die es leider aber nocvh nicht auf deutsch/englischsprachige DVDs oder Blu Rays geschafft haben :-(.

27.06.2017 19:39 Uhr - TheRealAsh
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dann müssen wir hier eben immer weitere Nachfrage schaffen;-)

28.06.2017 00:12 Uhr - Punisher77
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Da hast Du Recht - an mir soll´s nicht liegen ;-).

28.06.2017 04:02 Uhr - der neue1067
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@ Punisher77

Kann es sein das die Dokumentation "Eurocrime" vor einigen Monaten auf Arte lief ?
Wenn ja, dann hatte ich damals leider den Anfang verpasst. Aber von dem was ich noch gesehen habe war ich hellauf begeistert und hoffe das es wie von "Cinema Perverso" endlich Wiederholungen auf den Regional Sendern gibt. Die Leute die das komplette Free-TV ablehnen wissen gar nicht was ihnen da so alles entgeht. Grins und zwinker!

Das Review ist zwar relativ kurz und knapp hebt aber die Besonderheiten des späteren italienischen Polizei Film´s hervor. Milan und Merli gingen in diesen Filmen irgendwie immer als spannender Gegenpart. Mir persönlich gefällt in dieser Sparte von Lenzi am besten "Eiskalte Typen auf heißen Öfen" und ich hoffe das der mal ne vernünftige deutsche Veröffentlichung bekommt.

Auch das VPS-Video Cover gefällt mir bei dem Film Eintrag sehr. VPS hat ja damals, so ziemlich als erstes die Italo´s auf den Markt gebracht. Damals noch in den Pappen die so Billig aussahen, nur auf der Frontseite war ein Aufdruck mit dem Kinoplakatmotiv und wenig Informationen. Heute sind das sehr gesuchte Video-Auflagen bevorzugt natürlich in VHS, ähnlich gesucht wie die Großboxen und Glasboxen.

Aber Okay, ich bin schon wieder ins schwärmen geraten denn da geht mir echt das Herz auf. Ich sammele selbst VHS Video Filme der frühen 80ér und auch Video-Zeitschriften/Prospekte/Kataloge aus der Zeit. Leider ist das aber seit einiger Zeit ins Abseits geraten.

28.06.2017 17:39 Uhr - Der DVD Sammler
DB-Helfer
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Toller Poliziotteschi von Lenzi und eine wieder starkes Review von dir, Punisher77 . Ich habe ihn auf DVD und mag ihn sehr. Bin auch bei 8/10. Milian in einer tollen Rolle als der Chinese wieder mal rasiert und Merli wieder mit seinen bekannten Schnauz. Cinico, l'infame, il violento, Il ist ein typischer Lenzi. Bei Banda del gobbo, La aka Die Kröte hat Milian eine Doppelrolle und in einer ist er wieder rasiert. John Saxon Rolle hier ist wieder etwas verschenkt.

01.07.2017 20:10 Uhr - Loredanda Ferreol
Wieder eine sehr schöne Kritik, Punisher 77, mit der ich daccord gehe!

Im Vergleich schneiden die etwas ruppigeren DER BERSERKER, DIE VIPER, CAMORRA - EIN BULLE RÄUMT AUF oder der etwas flapsigere FLASH SOLO besser ab.

Nichtsdetotrotz, ist GEWALT ein ebenfalls feiner Vertreter Lenzis Wirken im Poliziotteschi-Genre. Umberto Lenzi ist m. E. der König dieser Spielart italienischer Unterhaltungsfilme.


@ der neue1067
EISKALTE TYPEN AUF HEISSEN ÖFEN stammt von Ruggero Deodato und erscheint demnächst in der filmArt Polizieschi Edition. ;-)




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