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Slick die Ratte
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XP 0
Eintrag: 11.06.2017

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Nader und Simin - Eine Trennung

(Originaltitel: Jodaeiye Nader az Simin)
Herstellungsland:Iran (2011)
Genre:Drama

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,33 (3 Stimmen) Details
eine kritik von slick die ratte:

Asghar Farhadi wird zu einer Größe, die man als vielfach filminteressierter Mensch nicht länger ignorieren sollte. Spätestens mit dem zweiten Oscar für den besten fremdsprachigen Film 2017, "The Salesman", ist der iranische Autorenfilmer auch in der westlichen Wahrnehmung aufgeploppt, obgleich sein Schaffen natürlich nicht erst vor wenigen Jahren begann.

Sein erstes mit einem Goldjungen prämiertes Werk "Nader und Simin - eine Trennung" (für A.-Prime-Kunden frei verfügbar) erzählt die Geschichte des titelgebenden Ehepaars, das sich zwar immer noch liebt, aber unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche für die Zukunft der kleinen gemeinsamen Familie mit ihrer vorpubertären Tochter besitzt und daher die Scheidung möchte. 
Bereits zu Beginn zieht Farhadi den Zuschauer nicht nur in die Beobachter-, sondern ungewollt auch in die Bewerterrolle, in dem er Nader und Simin in Richtung Kamera zu einem nicht sichtbaren Richter sprechen und ihre gegensätzlichen Positionen erläutern lässt. Die Ehefrau und Mutter Simin möchte den Iran verlassen, um ihrer Tochter ein besseres Leben mit mehr Möglichkeiten zur Entwicklung und Entfaltung zu geben. Nader sieht sich an seinen dementen und dadurch stark pflegebedürftigen Vater gebunden und möchte das eigene Heim geschweige denn die eigene Heimat nicht verlassen.

Wer jetzt aufgrund des bestimmten Titels und dieser Eingangssequenz davon ausgeht, dass Farhadi einen offenen konstruktiven Schlagabtausch der Ehepartner über Tradition, kulturelle Werte und Rollenbilder im Iran folgen lässt, der mit westlich angehauchtem, selbstbewusstem Aufklärergestus geführt wird und dabei eine zersetzende Kraft offenbart, der steht mit seiner Erwartungshaltung doch arg im Regen. Denn Simin verschwindet, nachdem ihr die Scheidung mit ihrer vorgebrachten Begründung verwehrt wird, zu ihrer Mutter und damit lange Zeit aus dem Film. Damit beraubt sich Farhadi zunächst aber einer der interessantesten Figuren des Films, denn der trotz Kopfverschleierung deutlich strahlende rote Haarschopf Simins ist ein klares Signal für Rebelligkeit und feuriges Temperament in dem sonst zumeist dunklen Ensemble.

Farhadi inszeniert stattdessen eine Tragödie, die sich zum Kriminalfall ausweitet und dabei vor allem zu einem emotionalen Schmierentheater der beteiligten Figuren emporsteigt, in dem die Schuldfrage wie ein Rotorblatt zwar in einem fest bestimmten Bereich kreist, aber nie richtig zum Stehen und damit zu einer eindeutigen Beantwortung kommt. "Nader und Simin" fordert dadurch jederzeit eine Anteilnahme und kritische Beschäftigung des Zuschauers mit dem Geschehen ein, die glücklicherweise jedoch weitestgehend gut gelingt. Denn Farhadi hat nicht nur einen durchweg guten und markanten Cast zur Verfügung, sondern er platziert seine Kamera auch so geschickt im Geschehen, dass sein Film in den unterschiedlichen, oftmals beengten Lokalitäten zu einem intensiven Kammerspiel verschärft wird. Die Kamera ist hierbei das umtriebige Auge, der unsichtbare Dritte, der die Figuren und ihre Interaktionen aus nächster Nähe dokumentiert und so den Zuschauer die Wucht der Verletztheit der Figuren nachhaltig spüren lässt.

Und letztlich verhandelt "Nader und Simin" dann doch und nur etwas subtiler die iranische Gesellschaft und ihre aus europäischer Sicht fremd und zuweilen rückständig anmutenden sozialen Konventionen und Sitten, die sich sehr deutlich in dem Verhältnis zwischen Mann und Frau zeigen. So zeigt der Film, dass es hochgradig verwerflich und eben kompromittierend ist, wenn eine Frau ohne das Wissen ihres Mannes einen anderen Mann in seinem Zuhause besucht, selbst wenn sie dort hingeht, um als Pflegerin zu arbeiten und dringend notwendiges Geld zu verdienen. Neben der natürlich omnipräsenten Verschleierung der Frau, die keiner weiteren Erläuterung mehr bedarf, ist in diesem Bereich natürlich auch die Auseinandersetzung mit ein Maß überschreitender Nacktheit problematisch, seien es Opa und Enkelin oder Pflegerin und Gepflegter. Auch das ständige Bedürfnis, schwerwiegende Aussagen durch einen Schwur auf den Koran zu bekräftigen, erscheint in Zeiten zurückgehender Religiosität geradezu mittelalterlich, ohne damit die Wertigkeit des Schwörens an sich per se verdammen zu wollen.

Der Hauptkritikpunkt dieses zweifelsohne sehenswerten Films ist im Endeffekt aber, dass Farhadi zu Beginn und gegen Ende wiederum vermittelt, dass es ihm eigentlich um das Ehepaar und um dessen Familie, d.h. ihre gemeinsame Tochter geht. Dennoch verlagert er aber den Fokus des Films und dessen Handlungsverlauf lange Zeit auf Geschehnisse außerhalb dieses Mikrokosmos "Ehe und Familie". So dreht sich der Film zwar lehrreich um Schuld, Vertrauen, Verantwortung in einer stark von Tradition, Glauben und Moralvorstellungen geprägten Gesellschaft, aber er lässt dabei das Kernproblem der Ehepartner durch den Kriminalfall zu stark aus den Augen rücken. So wirkt "Nader und Simin" phasenweise unausgegoren und wenig tiefgründig, auch wenn ein selbstzerstörischer Rosenkrieg nach amerikanischem Filmvorbild vermieden wird. Die Geschichte der Trennung wird so aber auch zu einer unbefriedigenden Rahmenhandlung heruntergestuft, die - mit Simins Auszug - andere, abschweifende Ereignisse in Gang setzt.

 

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Kommentare

11.06.2017 12:43 Uhr - Intofilms
2x
Das fremdartige Setting wie auch der Krimi-Handlungsstrang haben mich sofort angesprochen. Dadurch gewinnt der Film eine angenehme Grundspannung und eine gewisse Faszination. Überhaupt ist das ein ganz toller und wahrscheinlich auch ziemlich wichtiger Film. Man darf nur keine laute und schrille Anti-Iran-Polemik erwarten. "Nader und Simin" ist vielmehr ein hintergründiger Film der leisen Töne, der mit kritischen Augen auf die Familie als Keimzelle der Gesellschaft blickt. Wenn es dort nicht passt, so könnte man sagen, kann es mit Staat und Gesellschaft ja auch nicht gerade zum Besten stehen...

Hochinteressante Titelwahl von dir, Slick! Und die Rezi ist dir auch hervorragend gelungen! ☺️

P. S.:
Auf "The Salesman" bin ich schon megagespannt! :)

11.06.2017 13:03 Uhr - TheRealAsh
2x
User-Level von TheRealAsh 9
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.272
sehr gute Titelwahl, muss auch ich sagen, aber ich muss leider widersprechen, dass es hier nur um das Sittengemälde in deinem vorletzten Absatz geht. Der Kernpunkt dieses Films dreht sich ganz klar um einen weitläufigen und überkulturell geltenen moralischen Zwiespalt und daraus ausgehende Schuld, für die es in keiner Kultur eine Lösung gibt. Mich hat der Film zuerst auch gar nicht interessiert, da ich eine bescheuerte Kulturkomödie wie "Maria ihm schmeckts nicht" erwartet hatte. Dass ich aber einen tiefgründigen Film ein bisschen wie "Die Frau die singt" von Denis Villeneuve serviert bekomme, hat mich schon begeistert. Von daher muss ich hier ganz klar die Höchstwertung geben. Nader und Simin ist kein Genrefilm, sondern anspruchsvolles Erzählkino.

25.06.2017 12:33 Uhr - Slick die Ratte
11.06.2017 13:03 Uhr schrieb TheRealAsh
sehr gute Titelwahl, muss auch ich sagen, aber ich muss leider widersprechen, dass es hier nur um das Sittengemälde in deinem vorletzten Absatz geht. Der Kernpunkt dieses Films dreht sich ganz klar um einen weitläufigen und überkulturell geltenen moralischen Zwiespalt und daraus ausgehende Schuld, für die es in keiner Kultur eine Lösung gibt. Mich hat der Film zuerst auch gar nicht interessiert, da ich eine bescheuerte Kulturkomödie wie "Maria ihm schmeckts nicht" erwartet hatte. Dass ich aber einen tiefgründigen Film ein bisschen wie "Die Frau die singt" von Denis Villeneuve serviert bekomme, hat mich schon begeistert. Von daher muss ich hier ganz klar die Höchstwertung geben. Nader und Simin ist kein Genrefilm, sondern anspruchsvolles Erzählkino.


Sehr guter Einwand, Ash! Sollte man nicht unterschlagen. Ich habe mich etwas zu sehr auf den Culture Gap zwischen dem Westen und der arabischen Welt eingeschossen und würde sagen, man sollte deine Perspektive auf jeden Fall mitreinnehmen :)

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