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Zombies unter Kannibalen

(Originaltitel: Zombi Holocaust)
Herstellungsland:Italien (1980)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Horror, Splatter, Trash
Alternativtitel:Doctor Butcher M.D.
Dr. Butcher M.D.
Island of the Last Zombies
Medical Deviate
Queen of the Cannibals
Zombie 3
Zombie Death Cult
Zombie Holocaust
Zombie Inferno
Zombie Kannibalen
Zombies - Cannibal Ferox
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,62 (86 Stimmen) Details
inhalt:
In einem Krankenhaus im Big Aplle verschwinden auf mysteriöse Weise mit schöner Regelmäßigkeit Leichenteile oder gar ganze Organe. Dem Professor Drydock reicht es eines Tages als einem frisch Verstorbenen auf äußerst blutige Art und Weise das Herz entnommen wird. Zusammen mit seiner Assistentin Lori versucht der Mediziner die ganzen, für das Krankenhaus natürlich äußerst unangenehmen Ereignisse zu vertuschen. Insgeheim will er jedoch den Dingen auf die Spur kommen. Als sie einen vermeintlichen Täter stellen können versucht dieser sich durch einen Sprung aus dem Fenster zu töten. Seine letzten Worte klingen geheimnisvoll: "Kito hat es befohlen...."
eine kritik von dicker hund:

"Zombies unter Kannibalen"! Was für ein Titel! Wer braucht da noch eine Inhaltsangabe? Übertroffen wird dieses deskriptive Sinnbild für Schund der derbsten italienischen Sorte nur noch durch den Originaltitel "Zombi Holocaust". Und das ist kein Etikettenschwindel - der hier hält, was er verspricht. Das Lexikon "Hölle auf Erden" adelt ihn gar zur "Verstümmelungsorgie".

Da ist - zumindest für einen Film Baujahr 1980 - schon einiges dran. Der Kannibalismus wurde hier extrem reißerisch inszeniert, mit expliziten Szenen, die es in dieser krassen Form selbst in Subgenre-Gefilden nur selten zu sehen gibt. Close-Ups auf Gruppen von Eingeborenen, die ihr Opfer bei lebendigem Leibe fressen und währenddessen in Stücke reißen, können als starker Tobak bezeichnet werden. Solcher markiert hier die technisch überdurchschnittlich umgesetzten Highlights der reichlich vorhandenen Goreszenen (Gewalt 8/10). Erst nach einer guten Stunde wird die Härte dann rückläufig - und ausgerechnet im Finale schleicht sich dann doch noch der Offscreen ein.

Besser gelungen ist die Steigerung da schon bei der Erotik, denn von der anthropologischen Medizinerin (richtig gelesen!) Lori gibt es mit zunehmender Spielzeit immer mehr zu sehen, wobei der schöne Körper von Alexandra Delli Colli würdig ins rechte Licht gerückt wird (Sex 4/10). Sie qualifizierte sich hier für ihre Rollen als Jane im "New York Ripper" und als Corinne in "Wer spritzt denn da am Mittelmeer?". Sein Talent für derlei Sperenzien mit nackter Haut hat Regisseur Marino Girolami, der sich hinter dem Pseudonym "Frank Martin" versteckt, im gleichen Jahr noch einmal in "Flotte Teens - Runter mit den Jeans!" zur Geltung gelangen lassen. Leider geht es in "Medical Deviate" (Alternativtitel) schauspielerisch auch sonst fast ausschließlich stocksteif zu. Einziger Lichtblick: Der kantige und Western-erprobte Donald O'Brian, der als Mad Scientist Dr. Obrero durchweg überzeugt. Stuart Gordon könnte sich bei "Dr. Butcher", wie er in der US-Version heißt, Inspiration für seinen "Re-Animator" geholt haben.

Ansonsten watet man hier knöcheltief im Trash-Niveau: Wie in Fulcis "Woodoo", dessen Set einfach übernommen wurde, heißt Ian McCulloch wieder "Peter". Überzeugender ist seine Leistung in der Zwischenzeit nicht geworden. Das Drehbuch hilft als Motivator ja nicht gerade, zumal der Grund für die Expedition auf die "Molukken" (tatsächlich Santo Domingo) alles andere als einleuchtend ist. Ein Kannibale, der sich in New York an den Körpern verstorbener Patienten eines Krankenhauses vergriffen und nach Entdeckung auf frischer Tat selbst umgebracht hat, kommt ursprünglich dort her - also nichts wie hin! Warum die pietätlose, aber doch nicht zu den Kapitalverbrechen zählende Leichenfledderei einen solchen Ermittlungsaufwand rechtfertigen sollte, bleibt im Dunkeln, zumal der Täter ja nicht überlebt hat. Hauptsache, die Kamera hält zuvor voll drauf, wenn er Gliedmaßen  abgetrennt und/oder verspeist, was den Horror (6/10) mit Bildern zerrissener Kadaver und schäbiger Obduktionen festschreibt.

Der also irgendwie der Aufklärung dieser Schandtaten dienenden Reise schließt sich Lori mit sanftem Nachdruck von Peters Seite an, obwohl sie sich ihre harmonischen Kindheitserinnerungen von der Inselgruppe nicht mit neuen Eindrücken verwässern will. So eine glaubwürdige Vita lässt sich man sich gerne erzählen: Man hört ja immer wieder von weißen, blonden New Yorkerinnen, die an exotischen Orten aufgewachsen sind, welche beinahe ausschließlich von Indios bewohnt sind (?!). Mit von der Partie sind jedenfalls noch George (Peter O'Neal), an den sich in bester "Emanuelle"-Tradition die Reporterin Susan (Shery Buchanan, bald Mary in "Killermöwen greifen an") herangeschmissen hat. Wenn die beiden sich kabbeln, geraten die Dialoge punktuell gar nicht mal so übel; schließlich kann man Auswüchsen wie

"Kein Klavier ist so beschissen, dass man nicht darauf spielen kann!"

ein gewisses Maß an Schlagfertigkeit nicht absprechen. Solche Qualitätspunkte sind rar im Italo-Pulp. Entsprechend sorgt die deutsche Synchro oft für Abhilfe, bevor das Ergebnis allzu hochwertig aussehen könnte. Für die volle Spielzeit gibt es keine einheitlichen Sprecher, wobei die nachvertonten Passagen noch einmal in gesteigertem Maße hohl rüberkommen. Manche Sätze klingen unabhängig davon dermaßen gestelzt, dass der Gedanke die Vorstellungskraft bei weitem überspannt, jemand könnte tatsächlich so reden. Absoluter Höhepunkt in dieser Hinsicht ist Loris Ausführung:

"Glaubst Du, dass diese monströsen Ungeheuer, deren Auftauchen uns das Leben gerettet hat, damit was zu tun haben?"

Da dürften auch zwei abgeschlossene Studiengänge nicht helfen: Wer weiß denn bei so einem Schachtelsatz noch, wie er begonnen hat und wie die grammatikalisch erforderliche Kongruenz von Casus, Numerus und Genus aufrechterhalten bleiben kann? Wer's glaubt, wird selig. Aber wenn wir schon beim Glauben angekommen sind, gibt es noch mehr dazu zu fragen:

"Glauben Sie wirklich, dass wir uns so sehr von den Wilden unterscheiden?"

Mit diesem Satz gibt sich "Zombi Holocaust" ein Feigenblatt für den Umstand, dass ein menschenfressender, dem weißen Mann höriger "Ugha-Ugha"-Stamm als rassistisch empfunden werden könnte. Im Grunde begrüßenswert, diese Abgrenzung, ebenso wie der völlige Verzicht auf überflüssigen Tier-Snuff. Viel unterhaltsamer ist sowieso die unfreiwillige Komik (Humor 3/10), von welcher der Flick keineswegs frei bleibt. Da kann man mit aufmerksamem Auge ziemlich hellhäutige Italiener unter den Eingeborenen ausmachen oder sich fragen, wie die Frisuren und das Make-Up eigentlich so lange stabil bleiben können bei einer katastrophal verlaufenden Exkursion, bei welcher die (natürlich dunkelhäutigen) Lastenträger verschüttgehen. Ganz so extrem wie bei anderen Vertretern seiner Zunft sticht die Lächerlichkeit bei diesem Hybriden allerdings nicht heraus.

Im Gegenteil gibt es sogar formale Aspekte, die richtig gut gelungen sind. So wird das Szenario vom Score mit kompetenten Synthie-Rhytmen und einem markigen Maintheme unterstützt, das gegen Ende in eine vertrommelte Untermalung übergeht, die schlicht und ergreifend Stil hat. Dort verblüffen außerdem die sehenswertesten der immer wieder extravaganten Requisiten, die hier zum Einsatz kommen. Genannt sei nur die rituell eingesetzte Steinliege. Wenn der Schlussteil doch bloß nicht so naiv und beknackt wäre, dann würden die Untoten unter den Anthropophagen wertungstechnische Trash-Schallmauern durchbrechen. So bleibt es neben einem abschließenden Lob für die Zombiemasken, die bereits zu jenen der aufwendigeren Art gehören, und bei einem tiefen Durchatmen angesichts der radikalen Heftigkeit der brutalen Spitzen, die wohl unvergesslich sein dürften. Ein mieser, kleiner Schmuddelfilm - und als solcher absolut OK (6/10 Punkten), Beschlagnahme inklusive. Übrigens: Im Review vom Kollegen Dissection78 sind noch interessante Informationen zu abweichenden Fassungen enthalten...

 

6/10
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Kommentare

03.07.2017 09:54 Uhr - NoCutsPlease
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Der rangiert für mich in einer Trash-Liga mit "Die Hölle der lebenden Toten". Soll heißen: "Ein Zombie hing am Glockenseil", "The Beyond" und "Zombi 2" kommen bei mir ein gutes Stück besser weg.
Das Review selbst ist wieder einmal Premier League! Dog City Rules! :)

03.07.2017 10:42 Uhr - Dissection78
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Ein fein mundendes Review zu einer deftigen Exploitationschund-Schlachtplatte aus der maliziös-deliziösen italienischen Blut- und Gedärmeküche. Danke für die Kutteln!
Nebenbei bemerkt ist der Regisseur, der hier selbst fliegenden Schaufensterpuppen Anweisungen erteilen konnte, der Herr Vater des "Inglorious Bastards"-Machers ;)

03.07.2017 12:02 Uhr - TheRealAsh
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Wieder ein sehr schönes Review, bei dem ich dir dieses Mal punktemäßig vollkommen zustimme. Die Pfannkuchensanktionen aus der Zombiehingamglockenseilkrise sind ab sofort aufgehoben;-)

Die kontextuellen Dialogzitateinfügungen sind übrigens köstlich. Mehr davon!

03.07.2017 12:17 Uhr - dicker Hund
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Besten Dank!

@NCP
Das dürften viele so sehen. Für mich ist "Glockenseil" leider auf dem Niveau von "Hölle" und "Zombi 3"; "Woodoo" und der hier liegen beide eine Stufe höher. Anschauen tu ich sie mir alle gerne, trotz oder vielleicht sogar wegen ihrer Macken!

@Dissection
Schöne Zusatzinfo noch einmal;-)

@TRA
Na, da bin ich ja beruhigt;-)

Zitatgewürzt geriet übrigens noch meine Besprechung zu "Rückkehr der lebenden Toten". Ist nur eine wörtliche Rede, aber eine meiner liebsten...

03.07.2017 15:42 Uhr - Intofilms
2x
Entzückend! Der Film ebenso wie die Kritik. Ich finde sogar, diese Rezi ist dir ganz besonders hervorragend gelungen. Respekt!!

"Zombie Holocaust" ist natürlich auch eine ganz besonders spaßig-derbe Italo-Trashgranate - eine Apotheose des schlechten Geschmacks, ließe sich schwärmen...
... ach, die so herrlich unverklemmt zur Schau getragene Niveaulosigkeit/Schmuddeligkeit finde ich auch heute noch, nach all den Jahren, absolut unwiderstehlich...
Ich vergebe hier mit seligem Grinsen 😁 noch ein schmales Pünktchen mehr, weil ich einfach nicht anders kann! :))

05.07.2017 00:58 Uhr - Punisher77
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DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von Punisher77 3.514
Ein erneut meisterhaft formuliertes, informatives und unterhaltsames Review!

Der Film ist eine Trashgranate vor dem Herrn. Ganz objektiv betrachtet Schrott, aber Schrott, der unglaublichen Spaß macht. Ich sehe mir den Film immer wieder mal an und finde ihn immer wieder unterhaltsam. Ein Musterbeispiel für gute schlechte Filme.

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