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MortAhead
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Eintrag: 22.06.2017

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Angriff der Riesenkralle

(The Giant Claw)
Herstellungsland:USA (1957)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Horror, Fantasy, Science-Fiction

Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,40 (5 Stimmen) Details
inhalt:
Als über dem amerikanischen Luftraum ein seltsames Wesen von der Größe eines Schlachtschiffes auftaucht, will keiner der Aussage des Wissenschaftlers Mitch MacAfee Glauben schenken. Dann attackiert das Wesen, ein gigantischer hässlicher Raubvogel aus dem All, die Zivilisation. Er schleppt Züge fort und frisst Teenager. Konventionelle Waffen prallen am Energieschild des Monsters ab. Als sei das nicht genug, hat die Bestie bereits ein Nest gebaut und brütet weitere Ungetüme aus. Ist die Menschheit noch zu retten oder endet sie womöglich als Vogelfutter für eine Schar fliegender Monster?
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von mortahead:

Fred F. Sears drehte 1957 im Auftrag des Produzenten Sam Katzman einen Film namens The Giant Claw, bei uns erst seit 1996 bekannt als Angriff der Riesenkralle. Diesen könnte man durchaus als die amerikanische Antwort auf den ein Jahr zuvor erschienen Kaiju-Klassiker Rodan betrachten. Warum neben diesem, auch noch damals neuste Entdeckungen im Forschungsgebiet der Anti-Materie und eine kanadische Folklore die Geschichte inspirierten, kommen wir noch.

Mitch McAffe ist ein Ingenieur der Aeronautik, der auf einem Testflug ein seltsames Flugobjekt sieht, welches jedoch auf keinem Radar wahrgenommen wird. Auf einem weiteren Flug greift das Objekt an und er stürzt mit seiner Mathematikerkollegin Sally Caldwell ab. Danach kommen sie kurz beim Kanadier Pierre unter, der von einer Begegnung mit la Carcagne erzählt, einer Sagengestalt mit Wolfskopf, Frauenkörper und Fledermausschwingen.

Es häufen sich weitere Angriffe auf Flugzeuge, in Verbindung mit der Sichtung eines UFOs. Mitch und Sally kommen auf die Idee, dass die Abstürze einem kreisenden Muster folgen und kurz darauf bekommen wir zum ersten Mal zu sehen, was hinter den Überfällen steckt. Sehet da! Es ist la Carcagne, der alte Gott der Tromahawk-Indianer aus Lloyd Kauffmanns Poultreygeist! Leider keine Wolfsfraufledermaus oder ein Ufo. Nein! Ein Riesenvogel, mit plumpem Truthahnkörper, Giraffenhals und punkischer Irokesenfrise. Eine bastardische Marionette, deren Drähte so sichtbar sind, dass man sich fragt, ob es nicht doch Teile seines Körpers sein sollen. Wer sich hier keinen Lachkrampf zuzieht, ist kein echter Trashfan.

Zu verantworten hat diese Abscheulichkeit in letzter Instanz Katzman selbst. Dieser war dafür bekannt gerne mal Geld vom Budget seiner Filme abzuzwacken, um auf Pferde zu wetten. Unklar ist, ob der eigentlich für die Effekte vorgesehene Ray Harryhausen die Arbeit an The Giant Claw zu Gunsten eines anderen Films ablehnte, oder Katzman sich eine günstigere Alternative suchte, um mehr Geld für sein Hobby zu haben. Wahrscheinlich etwas von beidem. Stattdessen gab Katzman eine selbstgezeichnete Skizze des Vogels an ein paar mexikanische Filmemacher, die ihm genau das gaben, was verlangt hatte. Eine schnelle Umsetzung des Vogels nach seiner Vorlage. Dass dies nicht für seine Zeichenkunst sprach, sah er wohl selbst ein und beschränkte die Werbung für den Film sich darauf eine Kralle des Vogels zu zeigen.

Die Schauspieler hatten übrigens keine Ahnung, wie das Monster aussah, da es erst nach dem eigentlichen Dreh umgesetzt und eingefügt wurde. Nur so lässt sich erklären, warum Jeff Morrow und Mara Corday so ernst rüberkommen, in Anbetracht dieses Wesens. Der Versuch den Vogel mit Raketen zu töten scheitert, da er einen Schutzschild aus Antimaterie hat. Übrigens ist er aus dem All gekommen, um auf der Erde sein Nest zu bauen. Ein Vogel aus einer Anti-Materiegalaxie, welcher aus normaler Materie besteht, aber Anti-Materie als Schutzschild absondert, wobei beide Materien sich allein bei Berührung schon in Unmengen an Energie zerstrahlen würden. Ist das Wahnsinn? Übermäßiger Drogenkonsum? Eine versehentliche Parodie auf Monsterfilme der damaligen Zeit? Oder eine verschleierte Migrationskritik ala: „Scheiß intergalaktische Mexikanervögel! Kommen nach Amerika und legen ihre Eier hier!“ Ich weiß es nicht, aber ich liege vor Lachen sowieso schon am Boden. Ich glaube jedes Mal, wenn dieser Film irgendwo läuft, begeht ein ernsthafter Wissenschaftler Suizid.

Am Ende wird der Schutzschild mit einer von Mitch erfundenen My-Mesonenkannone durchdrungen und der Vogel getötet. Man munkelt übrigens danach wäre unser werter McAffe (oder wie es im Deutschen manchmal klingt „Meckervieh“) reich geworden durch die Programmierung einer Virenschutzsoftware und hätte sich zur Ruhe gesetzt.

Ich weiß kaum, wo ich bei diesem Film ansetzen soll. Am besten lässt er sich wohl beschreiben, als heilige Mischung aus dem besten und schlechtesten, was diese Film-Ära zu bieten hat. Was Sears mit Morrows und Corday auf die Leinwand gebracht hat ist gut. Von den Details zum Vogel mal abgesehen. Beide teilen eine sehr gute Chemie, vor allem in der Szene, als sie hinter das Schema der Angriffe kommen und anschließend einen sehr überzeugenden Kuss teilen. Sprüche wie: „Könnten Sie mir meine Hose geben, General?“ sind einfach köstlich unterhaltsam. Ebenso die letzten Worte des ersten On-Screen-Opfers des Vogels: „Wenn ich das meinen Kindern erzähle.“ Oder auch die Szene in der Mitch mit den My-Mesonen experimentiert, haben einen legitimen Humor. Damit ein ganzer Film daraus werden konnte, kam eine große Menge an Stock-Footage vom Militär und der Vogel hinzu. Ein paar der Massenpaniken stammen aus Fliegende Untertassen greifen an (original: Earth vs. the Flying Saucers) einem anderen Film von Sears, Katzman und Harryhausen. Woher auch immer die Szene bei Minute 46:24 stammt; der Mann oben links im Bild, der in einem Tumult nicht wegrennt, sondern sich dem riesigen Vieh am Himmel mit einer Steinschleuder stellen will, kriegt von mir den Verquecksilberten Schrumpelhoden™ für den Stupidest Movie Badass of the Year 1957 verliehen.

Den Synchronsprechern ist anzumerken, dass sie Spaß bei der Arbeit hatten, aber der Dialogübersetzer Jürgen Wilhelm tut mir leid, wenn ich mir den wissenschaftlichen Stuss anhöre, den Morrows von sich gibt, allerdings mit so einer Ernsthaftigkeit, dass der unerfahrene Zuschauer es ihm glatt abkaufen würde. Es ist herrlich banane, wie oft der Vogel mit einem Schlachtschiff verglichen wird. Am Ende thront dieser auch noch wie King Kong auf dem Dach eines Hochhauses. Übrigens verließ Jeff Morrows das Kino seiner Heimatstadt, in welchem er zum ersten Mal zu Gesicht bekam, was er da gejagt hatte, um sich zu Hause zu betrinken, während sich seine Freunde und Nachbarn totlachten. Fred F. Sears ist noch im selben Jahr gestorben. Ich konnte leider nicht herausfinden woran, gehe aber von einer Hirnblutung aus, als er beim erstmaligen Ansehen seines Machwerks zu stark errötete. Er spricht im Original auch den Erzähler, der es für nötig hält, zu erklären, was Figuren machen, die das auch in ein paar mehr Dialogzeilen selbst hätten klären können.

Allein der Gedanke, dass das Militär wegen diesem Vogel den weltweiten Notstand ausruft, eine Ausgangsperre verhängt und Personentransporte nur in Ausnahmefällen gestattet, während unter schwer bewaffnetem Geleitschutz Supermärkte beliefert werden, grenzt an das Ende jeder Vernunft. Es ist ein herrlicher Wahnsinn, dem man sich bei diesem Film ausliefert. Trash in Reinform, wie man ihn selten zu Gesicht bekommt. Nicht gut, aber verdammt entertainend und das ist die Hauptsache.

5/10
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Kommentare

22.06.2017 08:21 Uhr - dicker Hund
2x
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Erfahrungspunkte von dicker Hund 1.612
Das ist hohe Kunst! Vielleicht das beste Review, das ich bisher gelesen habe. Und das für so einen Film. Respekt.

22.06.2017 10:43 Uhr - cecil b
2x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.141
Eine große Kunst, so einen Film mit einem Eindruck vom Film, persönlicher Note, Hintergründen und Humor kompakt zu besprechen! HUT AB!

Der Trailer zwang mich dazu, den Film zu kaufen. Ich freue mich jetzt noch mehr darauf, diesen zu sehen!

@dicker Hund: Ich tue mich ja immer schwer damit, eine Review oder einen Autoren zu loben, indem man implizit den Vergleich mit anderen macht. Auch andere Autoren und meine Wenigkeit haben sich ja schon darüber 'freuen' können, da auf einen besonderen Tron gelobt zu werden, aber damit ist man ja bei dieser 'besser als'-Variante. Für mich hat dieser Vergleich etwas von diesen Ranking-Hype. Damit möchte ich deine Begeisterung aber nicht in Frage stellen, es ist natürlich nur deine Meinung, die genauso subjektiv wie jede andere ist. Ich finde das Reviews selten verglichen werden können, da eine kurze knappe in einfachen Worte genauso toll sein kann wie ein Roman mit etlichen Hintergründen, und es dann auch noch geschmackssache ist. Eine Bewertungsskala für Reviews wird es jedenfalls nicht geben. ;) Deine Reviews gefallen mir genauso gut wie dieses hier, und es gibt bestimmt welche, die deine und die von MortAhead nicht gut finden, und meine zum kotzen finden. ;)


22.06.2017 15:09 Uhr - Intofilms
1x
Morti, wie er leibt und lebt. Fantastische, hochinteressante und hochspannende Lektüre. Thanks again! :)

@Hundchen und cecil
Ich finde, ihr habt beide recht. :))

23.06.2017 18:56 Uhr - TheRealAsh
User-Level von TheRealAsh 6
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 565
wirklich geniale Abhandlung zu einem Film, den ich mir letztens auch überlegt hatte zu reviewen. Da du das aber viel viel besser gemacht hast, muss ich das wirklich nicht mehr:-D

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