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Slick die Ratte
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Eintrag: 25.06.2017

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Das Haus an der Friedhofmauer

(Originaltitel: Quella villa accanto al cimitero)
Herstellungsland:Italien (1981)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Splatter
Alternativtitel:Haus an der Friedhofsmauer, Das
House Outside the Cemetery, The
House by the Cemetery, The
Zombie Hell House

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,56 (95 Stimmen) Details
inhalt:
Normann, ein junger Historiker, ist mit seiner Frau Lucy und seinem kleinen Sohn von New York nach Neu-England umgezogen, um dort gewisse Forschungen weiter zu führen. Sein Vorgänger hatte Selbstmord begangen. Norman mietet ein Haus, welches ihm die Agentin Laura Gittelson vermittelt. Seit dem Tode Petersons, der vorher dort wohnte, steht das Haus in einem schlechten Ruf. Nicht zuletzt auch, weil vor über hundert Jahren ein gewisser Dr. Freudstein darin lebte und wirklich unheimliche Dinge geschehen: Bob wiederholt täglich, dass er ein kleines Mädchen, genannt May, kenne und sich mit ihr treffe - aber niemand hat dieses Mädchen je gesehen. Lucy findet in einem Raum des Grauens einen Sarg und unerklärliche Geräusche kommen aus dem Keller...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von slick die ratte:

Der italienische Regisseur Lucio Fulci hat sich in Fankreisen durch gewaltreißerische Streifen wie den „New York Ripper“ oder diverse Zombi(e)-Streifen den Titel „Godfather of Gore“ in Nachfolge des vorherigen Würdenträgers Herschell Gordon Lewis verdient. Mit seinem „Haus an der Friedhofsmauer“ (1981) ging Fulci jedoch einen anderen Weg und beschränkte die Goreszenen zumindest auf einige wenige exaltierte Höhepunkte. Dennoch wird dieser Teil unter Fans inoffiziell als dritter Teil einer Trilogie gesehen, die zusammen mit The Beyond (Geisterstadt der Zombies/Über dem Jenseits) und City of the Living Dead (Ein Zombie hing am Glockenseil) wahlweise mal als „Gates of Hell“ oder „Doors of Death“ bezeichnet wird. Alle drei Filme erschienen relativ kurz aufeinander im Übergang von den 1970ern zu den 1980ern. Entgegen der typischen Fulci-Filme aus dem Giallo-Bereich in den 70er-Jahren oder den aus der Begeisterung für Romeros „Dawn of the Dead“ entspringenden Zombiestoffen der 80er-Jahre ist „Das Haus an der Friedhofsmauer“ trotz kleinerer Anleihen aus diesen Bereichen eigentlich als Haunted-House-Movie zu betrachten, was diesen Film sowohl genrespezifisch als auch chronologisch in die Nähe von Platzhirschen wie „The Amityville Horror“ (1979) und „The Shining“ (1980) rückt.

Denn es ist ein besonderes Haus in Boston, das uns Fulci unzählige Male in voller Größe zeigt, in dem zu Beginn ein Doppelmord geschieht und in das dann die kleine Familie Boyle aus New York einzieht. Natürlich allen Warnungen zum Trotz, die die Eltern allerdings nicht vernehmen, sondern nur Bob, der kleine Sohn der Familie, der in der Stadt einem rothaarigen Mädchen begegnet, das ihn immer wieder darauf hinweist, nicht ins Haus zu gehen. Und so zeigt sich auch bald, dass im dunklen, verschlossenen und mit Brettern versperrten Keller ein Monster haust....

Mit „Haus an der Friedhofsmauer“ ist Lucio Fulci trotz der üblichen narrativen Schwächen und Unzulänglichkeiten, die nicht nur seinen Werken, sondern generell vielen italienischen Horrorfilmen der 70er und 80er – zumindest aus amerikanisch geprägtem Filmverständnis heraus – regelmäßig wiederkehrend anhaften, ein furios inszenierter und dabei intelligenter und den Geist anregender Film gelungen. Dies begründet sich vor allem in der psychoanalytischen Lesart des Films, die sich regelrecht aufdrängt und daher gar als Absicht des Regisseurs verstanden werden kann. Da wäre vordergründig zum einen natürlich die Figur des im Keller hausenden Dr. Freudsteins, dessen Name bereits auf den berühmten Begründer der Psychoanalyse verweist. Dazu passt zum anderen die Bedeutung des dunklen und auf alle erdenklichen Weisen verrammelten Kellers, der ähnlich wie andere unterirdische Lokalitäten eine gängige Metapher für das Unbewusste, Undefinierte und Unverständliche im Menschen darstellt. Der Weg ins Unbewusste des eigenen Selbst ist beschwerlich und hindernisreich, denn die Kellertür als Barriere dorthin ist nicht nur mit Brettern vernagelt, auch das Schloss ist dermaßen widerspenstig, dass der Vater der Familie Boyle es nur sehr langsam mit äußerster Hebelwirkung und Kraftanstrengung aufschließen kann. Umso stimmiger für den Film insgesamt erweist sich mit dieser Lesart auch Fulcis eigenwilliger Inszenierungsstil, der episodenhaft und assoziativ die Handlung um Kelleröffnung und -begehung vorantreibt und damit der diffusen Angst des Menschen vor sich selbst und seinem Inneren eine angemessene Darstellungsweise gibt. Denn wie auch für Kant der Mensch nicht nur die Welt um sich herum, sondern auch sich selbst nur wahrnehmen kann, wie sie ihm bzw. er sich erscheint, so war auch Freud der Ansicht, dass der Mensch sich selbst fremd sei. Aus diesem Fremdheitsgefühl erwächst eine diffuse Angst vor dem eigenen Unterbewussten und Triebhaften als einem dunklen Keller des Selbst. Diese Angst entsteht auch aus dem, was Freud unheimlich nennt – im Unheimlichen steckt das Vertraute und Unvertraute zugleich, wenn eine kindliche Vorstellung oder Wunsch (z.B. Kastrationsangst) einst verdrängt wurde und nun wiederzukehren droht. Eine derartige verdrängte Wiederkehr deutet auch der Film an, als Dr. Boyle von einem Bostoner Kollegen unvermittelt gefragt wird, ob sie sich kennen würden, weil er doch schon im letzten Jahr mit seiner Tochter in der Stadt war. Dr. Boyle verneint dies entschlossen und der Film scheint vordergründig nicht mehr darauf einzugehen. Der Begriff heimlich ist nun interessanterweise etymologisch gleichermaßen das beglückende Zuhause wie das Verborgene und so erweist sich das neue Haus der Familie Boyle als bedrohliches Un-Heim, in dem das Unvertraute im Verborgenen wechselweise unaufhaltsam an die Oberfläche tritt bzw. dem sich die Figuren durch Abstieg in die Tiefe selbst nähern wollen.

Außerdem findet sich in „Haus an der Friedhofsmauer“ wie auch in den anderen oben genannten Haunted-House-Filmen notwendigerweise eine Übertragung des Unbewussten, Triebhaften oder schlechthin Bösen auf eine Person (Dr. Freudstein) statt, der dem unbeweglichen Haus und Keller als Agens dient. Fulci vermeidet es hier jedoch, im Stile von Kings „Es“ individuell angepasste Figurationen abstrakter Ängste zu präsentieren, die jede Figur ganz eigen befallen. Denn er realisiert in der sozusagen deformiert-formierten Gestalt und gesichtslosen Gesichtigkeit des Dr. Freudstein eine schlichtweg unheimliche irrationale Macht, die für jeden qua Menschsein gleich und gleich wirkmächtig erscheint. In diesem Zusammenhang erscheint auch das Verhalten des Kindes der Familie Boyle, das mehrmals in den Keller hinuntergeht, als schlüssig, insofern Kinder allgemein noch deutlich unbefangener und unverstellter durch gesellschaftlich auferlegte Normen, Regeln und Werte im Über-Ich konditioniert und gemaßregelt sind. Mit dem provokant und seltsam zugleich anmutenden Schlusszitat, das Fulci Henry James in den Mund legt, schließt sich der Kreis um das Kind, das seinem inneren Begehren und der Abgründigkeit des Es, kurzum dem Monster in sich, (noch) nähersteht als die Erwachsenen.

 

8,5

9/10
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Kommentare

25.06.2017 13:03 Uhr - cecil b
2x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.927
Lucio Fulci ist eine Größe des Exploitationsfilms. Das spricht natürlich nicht unbedingt für Qualität im klassischen Sinne. Aber Das Haus an der Friedhofsmauer hat durchaus seine Qualitäten.



Ein Historiker zieht mit seiner Familie in ein berüchtigtes Haus ein. Einst hatte dort ein Dr, Freudstein (!) grausame Experimente gemacht. Kein Wunder, dass ein Historiker da interessiert ist. Sein Vorgänger fand dass bestimmt auch interessant. Dass bekam ihm wohl nicht gut, daher brachte er sich um. So zieht der Historiker mit Frau und Kind in dieses interessante Haus ! Sein Sohnemann hat dann auch noch so ne art Shining. Und der merkt dass mit dem Haus was nicht stimmt. Und das Grauen nimmt seinen Lauf.



Ein bisschen Shining und eine Spur von Bavas Shock. Fertig ist eine Exploitationsstory. Aber darauf kommt es nicht an. Fulcies Film hat hervorragende Kameraeinstellungen und tolle atmosphärische Szenerien. Auch wenn Fulcis Stil stark von Bava und Argento inspiriert(kopiert) ist, hat Fulcie in DHADF tolle Szenen Inszeniert. Am wichtigsten ist aber: der Film ist sehr spannend! Auch wenn der kleine Shining- Junge eher lächerlich erscheint, hat der Film eine bedrückende, düstere Atmosphäre. Es gibt wirklich gruselige Szenen! Der Film ist ein richtiger Schocker.



Leider baut Fulci aber Szenen ein die unfassbar dämlich sind. Während man bei Bava und Argento meist noch nachvollziehbar interpretieren kann, gibt es bei DHADF ein, zwei Szenen, die einfach nur hanebüchene, grottige Deutungen möglich machen.

Fulci bleibt eben immer noch Fulci. DHADF ist wohl sein bester Film.

Und das ist ein toll Inszenierter, harter Schocker ! 7 Punkte Demented Foreeever!


25.06.2017 15:11 Uhr - Intofilms
1x
Ach, diesen Streifen liebe ich einfach. Die unbestreitbar vorhandenen Schwächen registriere ich schon gar nicht mehr. Absolut geniale Atmo! Auch von mir eine (viel zu überschwängliche, aufgerundete) 9/10! :))

Ich wünsche mir sehnlichst, dass Arrow die "Gates of Hell"-Trilogie neu in 4K- oder auch 'nur' 2K-Auflösung restaurieren lassen und dann als Boxset mit Covergestaltung von Graham Humphries und einem 200 Seiten starken Buch neu herausbringen. Dafür zahle ich dann gerne 50 GBP. :))))))))))))))

Deine Rezi oder vielmehr: deine Interpretation finde ich in wirklich jeder Hinsicht absolut brillant (die muss ich später noch mal ganz genau studieren)! Vielen Dank für diese anregende, faszinierende Lektüre, Slick!!!

ÜBRIGENS!
Oben bei der Freigabeinformation heißt es noch:
SPIO/JK: s.u.
Dabei ist der doch mittlerweile vom Index und FSK18, oder?!

25.06.2017 16:54 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 14
Erfahrungspunkte von dicker Hund 3.090
Danke cecil für die relativierenden Worte! Das Review hat für mich gerade deshalb einen erheblichen Mehrwert, weil es mir schwer fällt, bei so einem Film auf die Symbolik fokussiert zu bleiben. Die Perspektive finde ich daher sehr interessant. Der kleine Junge mit der rosa Spielzeugpistole hat mir das Sehvergnügen ziemlich verhagelt. Bevor ich mich punktemäßig festlege, wäre wohl ein Rewatch fällig, jedenfalls liegt die Wertung aber nicht im oberen Bereich.

25.06.2017 21:37 Uhr - cecil b
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.927
Oh Fuck, ich habe in Versehen einen Uralten Text an diese Stelle kopiert! Ernsthaft! What the Fuck! Das kam jetzt bestmmt ziemlIch doof rüber! So etwas würde ich nie machen!

Tschuldigung!!!!!!!!!!!!

Ich habe diese Review NOCH gar nicht gelesen, und mein Text hat nichts damit zu tun! Ich kann mir absolut vorstellen, dass es tolle Interpretationen gibt, und die Review ne Bombe ist! Die werde ich auch noch lesen und kommentieren, jetzt brauch ich sert mal nen Baldriantee! So ein Mist aber auch!

Ich versinke im Boden!

25.06.2017 21:46 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.927
Review gelesen: Sprachlich brilliant! Deutung: Durchaus schlüssig, gar nicht grottig!!!!!
Ähnliche Deutungen funktionieren ja auch bei Argento!

26.06.2017 08:27 Uhr - JasonXtreme
1x
DB-Helfer
User-Level von JasonXtreme 13
Erfahrungspunkte von JasonXtreme 2.531
Ich finde den ja eher mau :D aber definitiv gut geschrieben!

26.06.2017 20:56 Uhr - Slick die Ratte
1x
Deine Rezi oder vielmehr: deine Interpretation finde ich in wirklich jeder Hinsicht absolut brillant (die muss ich später noch mal ganz genau studieren)! Vielen Dank für diese anregende, faszinierende Lektüre, Slick!!!

ÜBRIGENS!
Oben bei der Freigabeinformation heißt es noch:
SPIO/JK: s.u.
Dabei ist der doch mittlerweile vom Index und FSK18, oder?!



Danke Infofilms! Freut mich, wenn ich was von meiner anregenden Filmerfahrung weitergeben kann :)
Ja, der Film ist meines Wissens regulär FSK 18 - endlich! Dennoch habe ich mir noch so ein schönes Metalpack von XT gekauft :)

09.08.2018 17:31 Uhr - callahan
User-Level von callahan 2
Erfahrungspunkte von callahan 36
Ein grandioses Review zu einem weiteren Meisterwerk Fulcis.
Man darf den Film, wie einige andere dieses Genres und aus dieser Zeit, nicht mit heutigen Maßstäben vergleichen.
Dabei können sie (die Filme) nur verlieren! Vielmehr kommt es darauf an, "Das Haus an der Friedhofsmauer" als das zu sehen, was es ist:

Ein Horror-Gothic-Knaller par exellence. Fulci verstand es, mit den damaligen Mitteln das Maximum aus seinen Werken herauszuholen, besonders hervor tut sich hierbei "Über dem Jenseits/Beyond"!
Ich vermeide bewußt diese unsäglichen deutschen "Zombie-Betitelungen", die auf der damaligen Romero-Zombie-Welle für höheren Absatz sorgen sollten, aber letztendlich mit dem Inhalt der Filme nichts gemein hatten.

"House by the cemetery" erfährt seinen straffen Spannungsbogen nicht nur durch die fantastische Kameraführung und Beleuchtung, sondern auch durch den genialen Sound von Walter Rizzati. ----> Fantastisch!

Ich bin entzückter Eigner der kleinen DVD Hartbox sowie des XT Mediabooks Cover C mit dem lesenswerten Essay von Martin Beine.

Leider muss ich aufgrund des doch sehr nervtötenden Bengels einen Punkt in Abzug bringen:
Meine Wertung steht bei 9/10

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