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O Brother, Where Art Thou? - Eine Mississippi-Odyssee

(Originaltitel: O Brother, Where Art Thou?)
Herstellungsland:Großbritannien, Frankreich, USA (2000)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Abenteuer, Komödie
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,10 (10 Stimmen) Details
inhalt:
Mitten in der Depressionszeit, mitten in Mississippi, mitten in einem Maisfeld: Angeführt von dem redegewandten Everett Ulysses McGill (George Clooney) gelingt drei Häftlingen die Flucht aus einer Sträflingskolonne. Everett hat seine Kumpanen Delmar (Tim Blake Nelson) und Pete (John Turturro) mit der Aussicht auf einen sagenhaften Goldschatz zur Flucht überredet. Doch zunächst hat das chaotische Trio noch ganz andere Sorgen - denn auf ihrem Weg in die Freiheit warten jede Menge seltsame Zeitgenossen auf sie. Da wären zum Beispiel verführerische Sirenen, die am Flussufer lauern, ein einäugiger Bibelverkäufer (John Goodman), dem man besser nicht trauen sollte und der blinde Chef einer Plattenfirma, bei dem das Trio so ganz nebenbei den Überraschungshit des Jahres aufnimmt. Als schließlich Delmar und Pete erfahren, dass der versprochene Goldschatz gar nicht existiert, sondern Everett nur schnellstens zu seiner Ex-Frau Penny (Holly Hunter) will, um deren neuerliche Hochzeit zu verhindern, sitzen die drei erst so richtig in der Tinte ...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von ivan_danko:

Das Brüderpaar Joel und Ethan Coen ist bekannt für meist etwas skurrile, aber künstlerisch überaus wertvolle Filme, die ihnen bereits 4 Oscars und unzählige andere Preise in verschiedensten Kategorien eingebracht haben. Durchaus kann man die beiden als Multitalente bezeichnen, neben Ethans Tätigkeit als Cutter (unter dem Pseudonym Roderick Jaynes) werden meist auch die Drehbücher grenzgenial selbst geschrieben. In ihrer Filmographie finden sich unter anderem Gangster-Epos ("Miller's Crossing"), schräge Komödie ("Burn After Reading"), eiskalter zynischer Thriller ("Fargo", "No Country For Old Men"), aber auch Mainstream ("Ein unmöglicher Härtefall").

Als Mainstream kann

 

O BROTHER, WHERE ART THOU?

 

aus dem Jahre 2000 wahrlich nicht bezeichnet werden, eher als schrulliger Genre-Mix aus Roadmovie, Südstaaten-Komödie, Musical und Abenteuer. Urkomisch, was sich die beiden Brüder da einfallen haben lassen, so wird die gesamte Handlung sehr frei an Homers Odyssee angelehnt. Und tatsächlich findet man einige berühmte Figuren wie die Sirenen oder den Zyklopen auf liebevolle Art und Weise und eben "etwas anders" in den Film eingebettet wieder. Überhaupt fühlt man sich eindrucksvoll in die Vergangenheit versetzt, der Bundesstaat Mississippi in den 30er Jahren wurde so dermaßen realistisch inszeniert und beschrieben, dass man förmlich das Gefühl hat, dort zu leben und mit den Charakteren auf Reisen zu sein.

Und genau diese Hauptfiguren sind geradezu wunderbar ausgearbeitet. George Clooney ("Syriana") als Anführer mit Vorliebe für Pomenade und Haarnetze Ulysses Everett McGill, John Turturro ("Das Geheime Fenster") als Pete Hogwallop und Tim Blake Nelson ("Lincoln") als Delmar O'Donnell sind kurzum die Idealbesetzung für ihre Rollen. Gerade eben aus dem Arbeitslager einer Strafkolonie getürmt, machen sie sich auf den Weg, um die Beute eines Coups auszugraben, die Ulysses (angeblich) nahe seiner Heimat versteckt hat. Wie sich jeder Kenner der Filme der Coen-Brüder denken kann, wird es von nun an turbulent. Das chaotische Trio erlebt ein Abenteuer nach dem anderen, trifft auf verschiedenste skurrile Mitmenschen, wächst immer mehr zusammen und landet so nebenbei auch noch den Country-Hit der 30er Jahre. Auch Holly Hunter ("Twister") als Ulysses Ex-Frau Penny und der großartige John Goodman ("The Big Lebowski") als "Zyklop" Big Dan Teague geben sich die Ehre und runden den ohnehin schon hervorragenden Cast perfekt ab.

Im Gegensatz zu vielen anderen Komödien der modernen Zeit kann positiv erwähnt werden, dass der Film gänzlich auf Peinlichkeiten, Ekelszenen und Slapstick verzichtet. Vielmehr punktet "O Brother, Where Art Thou?" mit liebenswürdigen, einfach gestrickten Charakteren, ständiger Situationskomik und intelligent ausgedachten, witzigen Dialogen der Marke Coen. Auch sämtliche Schauspieler bringen ihre Rollen charmant und angepasst auf die Leinwand, es ist geradezu ein Genuß anzusehen, wie George Clooney mit diversen Spleens kämpft oder John Goodman als hinterlistiger Ganove ein ums andere Mal für Ärger sorgt.

Neben der malerischen Südstaaten-Romantik ist das Herzstück der abenteuerlichen Reise zweifelsohne die Musik. Im Film werden die drei Weggefährten unverhofft von einem zwielichtigen Produzenten entdeckt und unter seine Fittiche genommen. Schon sind die "Soggy Bottom Boys" gegründet, die mit ihrem Hit "Man Of Constant Sorrow" einen nicht unbeträchtlichen Teil der Geschichte mitschreiben. George Clooney übte monatelang Gesang, ließ sich aber letztendlich doch von einem professionellen Sänger vertreten, nur am Rande erwähnt. Auch die weiteren Songs lassen Freunde von Country und Bluegrass-Musik anerkennend mit der Zunge schnalzen, wer den Film gesehen hat, wird wissen, was ich meine. Ein Kauf des OST ist eine zusätzliche Empfehlung, natürlich sollte man sich allerdings der Musikrichtung bewusst sein.

Liebevoll, ideenreich, intelligent, witzig und erfrischend anders. So und nicht anders lässt sich "O Brother, Where Art Thou?" am besten beschreiben. Meiner Meinung nach ein Stück ganz besondere Filmgeschichte, die Stereotypen ins Abseits stellt, mit tollen Songs die Stimmung hebt und auf äußerst warmherzige Art und Weise von den Coen-Brothers inszeniert wurde. Wer Zoten oder spektakuläre Action erwartet, ist hier vollkommen fehl am Platz. Allerdings finden die kleinen und großen Abenteuer des Lebens trotzdem spannend und unterhaltsam statt, ohne zu sehr auf plakative Effekthascherei setzen zu müssen. Eine grandiose Kulisse, ein kluges Drehbuch und ein feines Schauspielerensemble sorgten für 2 Oscarnominierungen, George Clooney gewann den Golden Globe für seine Rolle des Ulysses Everett McGill.

Abschließend ist noch zu sagen, dass der Film von Publikum und Kritikern zurecht äußerst positiv eingestuft wurde und bei einem Budget von 25 Mio. US-Dollar alleine in Amerika fast das Doppelte wieder einspielte. Auch ich kann eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen und sehe bis auf einige kleine Längen eigentlich keine Schwächen, weswegen ich bei einer Wertung von 9 Punkten für einen tollen, sehenswerten Film lande.

 

 

 

 

9/10
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Kommentare

26.06.2017 16:48 Uhr - TheRealAsh
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Wow, klasse Review und hervorragende Filmauswahl. Der hat mich damals im Kino aus den Latschen gehauen und war mit The Wild One tatsächlich die erste DVD, die ich gekauft habe (50 DM damals noch, wie viel Geld!!!). Soundtrack natürlich ebenfalls genial, aber nicht für jederman! "Man of Constant Sorrow" ein Gassenhauer!!!

26.06.2017 17:00 Uhr - Intofilms
1x
Bei Joel und Ethan Coen gerate ich regelmäßig ins Schwärmen. Bin ein riesengroßer Fan der beiden. Dass deren Kreativität / Genialität immer noch so ungebrochen ist, finde ich fast schon unheimlich. "Inside Llewyn Davies" ist für mich zum Bespiel einer der absolut besten Filme der letzten Zeit (bei dem die große Musikliebe der Coens ja auch so herrlich zelebriert wird). Auch Steven Spielbergs toller "Bridge of Spies" profitiert unverkennbar von der Beteiligung der beiden. Auch "Hail, Cesar!" ist absolut grandios. Und all diese Werke stammen eben aus der jüngsten Zeit, nachdem die Brüder nun schon so lange im kreativen Geschäft tätig sind. Abnutzungserscheinungen sucht man hier völlig vergebens (bei Tarantino etwa sieht das meiner Meinung nach etwas anders aus)! Total beeindruckend!!

"O Brother" finde ich genau wie du absolut unwiderstehlich. Meisterhaft inszeniert, mit zahllosen originellen, herrlich skurrilen Einfällen aufgepeppt und der erzählten Zeit entsprechend absolut perfekt ausgestattet bzw. umgesetzt. Es ist einfach 'typisch Coen', dass die Filme immer absolut perfekt gemacht sind: Kamera, Schnitt, Ausstattung / Setdesign, Drehbuch, Schauspielerleistungen, Musik - hier stimmt immer alles! Das müssen absolut detailversessene Perfektionisten sein...

Deine Rezi wird den einzigartigen Coens wie auch dem besprochenen Film vollends gerecht und hat mir soeben eine wundervolle Feierabendlektüre beschert. Thanks! :)

26.06.2017 17:38 Uhr - Ivan_Danko
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Ich danke Euch beiden, TheRealAsh und Intofilms.

Freut mich, wenn Euch die Kritik gefallen hat, so wie der Film.

27.06.2017 00:24 Uhr - tschaka17
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Hab den auf der Liste. Bekommt dann demnächst seine Chance.

"Mainsteam" - geplanter Kalauer oder genialer Verschreiber? :D

27.06.2017 00:39 Uhr - Ivan_Danko
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Leider genialer Tippfehler, schon ausgebessert.

27.06.2017 10:10 Uhr - JasonXtreme
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Abschließend bleibt noch zu sagen... ich muss den endlich mal sichten!!!^^ vor allem nach der super Rezi!

27.06.2017 12:42 Uhr - Ivan_Danko
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Ja Jason, schau Dir den ruhig mal an, der ist wirklich urig und mal ganz was anderes.

27.06.2017 19:13 Uhr - Dissection78
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Sehr schöne Besprechung, Ivan! "O Brother, Where Art Thou?" mag vielleicht nicht der beste Coen-Film sein, aber auch nicht der schwächste (wobei selbst die schwächsten Werke der Brüder immer noch sehr gut sind).

Eine kleine Richtigstellung noch:
Der fiktive Roderick Jaynes ist für den Schnitt verantwortlich, während die Kameraführung wie bei den meisten Streifen der Coens in der Verantwortung von Roger Deakins lag, der übrigens tatsächlich existiert. Der gute Mann war bislang dreizehn(!) Mal für einen Oscar nominiert (auch für "O Brother, Where Art Thou?"), hat jedoch nie einen gewonnen. Sein Übergehen vonseiten der Academy ist ja beinahe schon pathologisch. Nichts gegen Emmanuel Lubetzki, den ich gleichermaßen schätze und der sich 2014, '15 und '16 dreimal gegen Deakins durchsetzen konnte, doch Deakins fängt die Stimmungen der jeweiligen Filme ebenso formidabel ein. Dabei ist seine Arbeit weniger verspielt und somit sehr film- bzw. handlungsdienlich.

27.06.2017 21:30 Uhr - Ivan_Danko
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Danke Dissection78 für die Richtigstellung, hab das natürlich sofort korrigiert.

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