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Dogma

Herstellungsland:USA (1999)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Abenteuer, Fantasy, Komödie
Alternativtitel:Bearclaw
God
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,80 (20 Stimmen) Details
inhalt:
Tausende Jahre saßen die aus dem Himmel verbannten Engel Loki und Bartleby in Wisconsin fest. Jetzt ist endlich ihre Chance gekommen, wieder in himmlische Sphären zurückzukehren. Sie müssen nur noch durch die Pforten einer neu geweihten Kathedrale in New Jersey zu schreiten. Das würde aber das Ende der Welt bedeuten, wäre mit diesem Schritt doch auch die Fehlbarkeit Gottes bewiesen. Ausgerechnet Bethany Sloane, die nicht mehr so recht an Gott glaubt und in einer Abtreibungsklinik arbeitet, wird auserkoren, den Plan der gefallenen Engel zu verhindern. Unterstützt von dem schwarzen Apostel Rufus, der aufreizenden Muse Serendipity und den beiden ungehobelten Propheten Jay und Silent Bob zieht Bethany in einen aberwitzigen Kreuzzug, in dem der Glaube aller Beteiligten auf eine schwere Probe gestellt wird.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von ivan_danko:

Blasphemie! Die Katholische Kirche war sicher not amused, als sie 1999 gehörig auf die Schippe genommen wurde. Und zwar auf eine derart rotzige Art und Weise, wie sich das sonst nur die legendären Monty Pythons mit "Das Leben Des Brian" im Jahr 1979 trauten. Trotz genretechnischer Parallelen geriet die britische Comedy allerdings vollkommen andersartig als das heute von mir vorgestellte Werk, nicht nur aufgrund der Altersdifferenz, auch wegen der Unterschiede zwischen britischem und amerikanischem Humor.

Nach der ersten Sichtung hatte ich am nächsten Morgen doch tatsächlich zum ersten Mal das Gefühl, gewisse Szenen eigentlich gar nicht gesehen, sondern nur in der Nacht geträumt zu haben. Dies lag definitiv nicht an Schläfrigkeit oder erhöhtem Alkoholkonsum, sondern beschreibt vielmehr etwas ähnliches wie ein Deja-Vu. Der Titel, der den Autoren dieser Kritik einigermaßen verwirrt, ja fast schon geistig betäubt hat, ist die fünfte Regiearbeit in Spielfilmlänge von Autor, Regisseur, Produzent, Cutter und Schauspieler Kevin Smith.

 

DOGMA (1999)

 

Aufgrund seiner Vielfältigkeit ist Kevin Smith ("Mallrats") zu einer der gefragtesten Personen Hollywoods geworden. Durch die grenzenlose Kreativität seiner Filme zog er die Aufmerksamkeit dutzender Top-Stars auf sich, die trotz budgettechnisch bedingter kleiner Gagen immer wieder gerne in seinen Werken auftauchen. Man könnte fast sagen, er hat seinen eigenen großen Fankreis unter so manchen der besten Schauspieler der Welt. Seine bitterböse aber doch ambitioniert angelegte Satire "Dogma" ist meiner Meinung nach eine seiner überzeugendsten Arbeiten und zeigt die gesamte Bandbreite seines Könnens. Neben der ausgeführten Regie schrieb Smith auch das geniale Drehbuch und übernahm ebenso den Schnitt selbst.

Die Handlung von "Dogma" ist als Kurzfassung nur schwer auszudrücken. Eine Frau in den mittleren Jahren hat durch mehrere Schicksalsschläge den Glauben verloren und wird dennoch als direkter Nachkomme Gottes auf eine bizarre und urkomische Reise geschickt, um die Machtübernahme des Teufels mit Hilfe zweier gefallener Engel zu verhindern. Nichtsahnend, dass diese durch ihre Taten dem Leibhaftigen ein Hintertürchen öffnen, lassen sie auf Erden gründlich die Sau raus und gehen auf einen beispiellosen Bestrafungstrip, der nur durch eine Ansammlung von unglaublich skurrilen katholischen Paradefiguren gestoppt werden kann.

Man muss schon leicht verrückt sein, um sich gemeinsam mit Dauer-Filmpartner Jason Mewes ("Clerks") ein Alter-Ego zu schaffen, dass sich durch zahlreiche seiner Komödien zieht. "Jay und Silent Bob" sind bereits zur Marke und zum Running-Gag geworden und gehören in die Filmwelt wie blaues Licht zu Rambo. Der eine ständig quasselnd mit hohem Tourette-Potential, der andere stoisch schweigend mit genialer Gestik und Mimik, sie sorgen stets für Gags am laufenden Band, mal mehr und mal weniger unter der Gürtellinie. Hier sind sie als "Propheten" unterwegs, die der Hauptdarstellerin Linda Fiorentino ("Jade") etwas die Show stehlen, obwohl auch sie für ihre Rolle ausgesprochen gut gecastet wurde.

Wie in vielen anderen Smith-Filmen sind auch Ben Affleck ("Daredevil") und Matt Damon ("Jason Bourne") wieder mit dabei und machen als gefrustete Engel Loki und Bartleby einen hervorragenden Job. Man kann die beiden Schauspieler, die offensichtlich sehr auf Humor der schrägen Sorte abfahren, mögen oder nicht, es gehen doch zahlreiche Top-Filme auf ihr Konto. Im vorliegenden Werk sorgen sie neben einigen überraschend derben und blutigen Momenten aber auch für viele Gags, zynischer Wortwitz und köstliche Dialoge inklusive. Dabei werden manche Szenen derart auf die Spitze getrieben, dass einem das Lachen schon mal im Halse steckenbleiben kann.

Bis in die Nebenrollen wurden hier große Geschütze aufgefahren. Der herrliche Alan Rickman ("Harry Potter") als Sprachrohr Gottes Metatron und Salma Hayek als Muse Serendipity sind nur zwei Beispiele für witzige Charakterzeichnungen, die so wie der Rest des Casts fast schon gleichberechtigt mit den Hauptdarstellern agieren dürfen. Den Vogel schießt Kevin Smith allerdings mit der Besetzung von Chris Rock als 13. Apostel Rufus (!) ab, der in der Bibel nur aufgrund der Tatsache verschwiegen wurde, dass er schwarz ist. Eine supercoole Möglichkeit, Sozialkritik auf absolut neue Art und Weise augenzwinkernd zu präsentieren, wie auch die Arbeit von Linda Fiorentino's Rolle Bethany in einer Abtreibungsklinik oder Alanis Morissettes Auftritt als Gott. Ja, ihr habt richtig gelesen, Gott ist (selbstverständlich) eine Frau! Wie war das noch gleich mit Sozialkritik?

Feingeister werden sicherlich an der manchmal groben Ausdrucksweise weniger Gefallen finden, auch die Gags sprengen so manche Grenzen. Hier wird ein in Flammen erscheinender Engel schon mal mit dem Feuerlöscher eingenebelt, eine ganze Geschäftsführerversammlung nach gnadenlos zynischer Auflistung ihrer Sünden dahingemetzelt oder ein sogenannter Golgathaner-Dämon (nichts geringeres als ein monströser, lebendiger Haufen Sch...) mit Deospray bekämpft, bezwingt ja starke Gerüche... Diese Beispiele erklären vielleicht meinen leichten Flash, den ich zu Beginn erwähnt habe.

Die für dieses Genre zahlreichen Special-Effects bieten zusätzlich einiges fürs Auge und sind gut gelungen, auch die Kameraarbeit von Robert D. Yeoman ("Männertrip") lässt kaum Spielraum für Kritik. 

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist "Dogma" eine der besten Komödien/Satiren der Gegenwart. Trotz aller Derbheit wird die katholische Kirche niemals beschimpft, direkt beleidigt oder als grundlegend schlecht oder falsch dargestellt. Vielmehr werden kritische Untertöne in wahnwitzige Situationskomik verpackt und so manche veraltete Regel gekonnt persifliert. Einfallsreicher geht es kaum, weswegen "Dogma" zu einem meiner absoluten Lieblingstitel gehört und von mir deshalb auch die Höchstwertung bekommt.

Und wer keinen Ausweg mehr weiß, betet am besten zur göttlichen Alanis Morissette oder seinem Kumpel Christus.

 

 

 

10/10
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Kommentare

28.06.2017 21:36 Uhr - dicker Hund
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Noch so ein Titel, bei dem die Sichtung verdammt lange her ist. Aber die Sängerin von "Ironic" als Gott ist unvergesslich! Das feine Review hat den Nebel meiner blassen Erinnerung etwas gelichtet. Danke dafür!

28.06.2017 21:51 Uhr - Ivan_Danko
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Sehr gern geschehen, Wauzi! Bin momentan etwas in der Vergangenheit unterwegs und schau viele Titel, dessen Sichtung schon etwas länger her ist. Hoffe, ich kann auch weiter etwas Freude damit bereiten.

28.06.2017 22:15 Uhr - DriesVanHegen
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Fein geschrieben, man merkt dir die Vergötterung an!
Und weckt bei mir sehr wohlige Erinnerungen :)

28.06.2017 22:23 Uhr - Ivan_Danko
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Danke Dries!

29.06.2017 10:01 Uhr - JasonXtreme
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Tja da kann ich nur wieder ein Lob rausballern - ich war damals im Kino, und ne 10 wäre der füpr mich nicht, aber ne glamouröse 8 allemal - Film und Darsteller rocken!

29.06.2017 10:25 Uhr - Ivan_Danko
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Danke Jason!

Der Film polarisiert, hab auch schon richtig richtig schlechte Meinungen abbekommen, weil der schon streckenweise richtig derbe Dialoge hat...

Mich hat er eben richtig weggeflasht, deswegen die Höchstwertung. Aber der eignet sich bestens dafür, mal ein paar Bekannte anständig zu überraschen, jeder kennt den nämlich nicht.

29.06.2017 12:18 Uhr - JasonXtreme
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Naja ich mag auch die Jay & Silent Bob Sachen, somit liegen die Dialoge mir genau so wie sie sind^^

29.06.2017 21:02 Uhr - Tom Cody
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"Du kanntest Jesus?" "Kannte??? Scheiße, der schuldet mir noch 12 Mäuse!"

Eine wirklich schöne Kritik zu einem großartigen Film aus Kevin Smith' "View Askewniverse".

Fast schon beängstigend, was Kevin Smith für wütende Gegenreaktion (z. B. seitens der "Catholic League") bekommen hat. Er bekam zig tausende von Hass-Briefen und sogar Morddrohungen. Es gibt kaum etwas Schlimmeres als verbohrten, religiösen Fanatismus.

„Wie ist er denn so?“
„Gott? Einsam. Aber komisch. Er hat einen tollen Sinn für Humor. Nimm z. B Sex. Es gibt nichts komischeres, als die lächerlichen Gesichter die ihr Leute beim Koitus macht“
„Sex ist im Himmel ein Witz?"
„Soweit ich das sehe, ist es doch hier unten auch nicht anders“

PS: Ich glaube, ich muss mir den Film am Wochenende gleich mal wieder ansehen :-)

29.06.2017 22:26 Uhr - Ivan_Danko
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Danke Tom, ich werd den jetzt auch wieder schauen, meine Frau kennt den noch nicht!

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