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Die purpurnen Flüsse 2: Die Engel der Apokalypse

(Originaltitel: Les Rivières Pourpres 2: Les Anges De L'Apocalypse)
Herstellungsland:Frankreich (2004)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Krimi, Thriller, Mystery
Alternativtitel:Crimson Rivers 2: Angels of the Apocalypse
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,43 (28 Stimmen) Details
inhalt:
Als die Mönche des Klosters Lothaire ein Kruzifix aufhängen, geschieht etwas Unglaubliches: plötzlich schießt Blut aus der Wand! Eine mystische Erscheinung? Nein, ein grausamer Mord, denn in der Wand entdeckt Kommissar Niemans (Jean Reno) eine eingemauerte Leiche. Im Laufe seiner Ermittlungen trifft er bald auf seinen ehemaligen Polizeischüler Reda (Benoît Magimel), der parallel einen ähnlich rätselhaften Fall bearbeitet. Und ihre Spuren kreuzen sich nicht zufällig. Gemeinsam stoßen sie schnell auf weitere Ritualmorde, apokalyptische Vorzeichen und ein rätselhaftes versiegeltes Buch, das ein grausames Geheimnis verbirgt. Doch wie steht schon in der Offenbarung geschrieben: "Und als das Siegel aufbrach, da geschah ein großes Erdbeben und die Sonne wurde finster und der Mond wurde wie Blut."
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von ivan_danko:

Bei meiner Rezension über den spannenden und intelligenten ersten Teil von "Les Rivières Pourpres" gab ich das Versprechen, auch der Fortsetzung eine Kritik zu widmen. Nach wesentlich längerer Wartezeit als geplant, ist es heute endlich soweit. Basierte der geniale Erstling noch auf einer Romanvorlage von Jean-Christophe Grangé, wurden für den Aufguss eigentlich nur der Hauptdarsteller und seine Figur übernommen. Gott sei Dank, muss man dazu sagen, ohne den charismatischen Jean Reno ("Leon - Der Profi") wäre der Film wahrscheinlich vollkommen baden gegangen. Aber nicht die Schauspieler sind das Problem von

 

DIE PURPURNEN FLÜSSE 2 - DIE ENGEL DER APOKALYPSE (2004).

 

Im Allgemeinen ist es für Fortsetzungen immer schwierig, sich mit dem Original messen zu müssen. Besonders, wenn dieses ausgesprochen gut gelungen ist, wie es beim genialen Erstling der Fall war. Nicht jedes Sequel kann wie "Terminator 2" oder "Aliens" die Qualität halten, was sich beim vorliegenden Film leider besonders stark bemerkbar macht. Dies beginnt eigentlich schon mit der Vorproduktion, eine Buchvorlage als gutes Grundgerüst lag nämlich nicht mehr vor, das ersetzende Drehbuch hat zwar durchaus seine spannenden Momente, lässt aber die notwendige Komplexität doch stark vermissen. 

Warum Vincent Cassel ("Dobermann") für die Fortsetzung nicht mehr zur Verfügung stand oder nicht mehr engagiert wurde, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Sein Kommissar Max Kerkerian war im ersten Teil hitzköpfig, mutig und austeilfreudig, gleichzeitig aber auch immer glaubwürdig. Obendrein war er ein passendes Pendant zum introvertierten Kommissar Pierre Niemans, der im zweiten Teil erneut vom wie immer hervorragenden Jean Reno verkörpert wird. Cassel wird durch Benoît Magimel ("Sky Fighters") ersetzt, der nicht das geringste dafür kann, dass seine Rolle als Reda einfach zu sehr der von Kerkerian ähnelt. Bitte nicht falsch verstehen, Magimel spielt weder schlecht noch ist er als Schauspieler weniger sympathisch als Cassel, man hat nur ständig das Gefühl, eine Kopie präsentiert zu bekommen. Hier hätte ich mir eindeutig neue Charaktereigenschaften und ein paar mehr Ecken und Kanten gewünscht.

Jean Reno ("22 Bullets") hingegen ist wieder mal über jeden Zweifel erhaben. Mit der für ihn so typischen, etwas brummigen Art, die allerdings immer wieder durch geschliffene Kommentare und sogar durch leichte Selbstironie aufgelockert wird, trägt er eigentlich den ganzen Film. Er ist der Typ Schauspieler, der sogar in den hektischsten Sequenzen noch Ruhe ausstrahlt und sich dabei trotzdem von anderen Kollegen durch sparsame, aber markante Mimik und Gestik deutlich abhebt. Seit Jahrzehnten für mich ein klarer Oscar-Kandidat, sicher Frankreichs gegenwärtig vielseitigster Schauspieler und mittlerweile leider viel zu selten in Großproduktionen zu sehen.

Die Handlung ist der große Schwachpunkt von "Die Purpurnen Flüsse 2", weil sie einfach viel zu konstruiert, unnötig verschachtelt und dabei leider auch noch unrealistisch wirkt. Killermönche, die im Auftrag eines mysteriösen ehemaligen deutschen Wehrmachts-Offiziers Mitwisser beseitigen, sind schon einigermaßen weit hergeholt. Heinrich Von Garten heißt dabei herrlicherweise auch noch der Ex-Nazi, der nach seiner Flucht zu Kriegsende natürlich diplomatische Immunität erreichen, einen Geheimbund gründen und auf die Suche nach einem geheimnisvollen Buch der Macht gehen konnte, ohne dass ihm irgendjemand auf die Schliche kam. Wer sich das alles wirklich einreden lässt darf sich zusätzlich damit abfinden, dass die Killermönche durch von Nazis (klar waren die das wieder) entwickelte Amphetamine natürlich nahezu unkaputtbar sind, keinen Schmerz verspüren und auch noch schneller laufen können als die Feuerwehr. Logisch, oder? Der religiöse Touch des Films entsteht eigentlich nur dadurch, dass wieder mal die Apokalypse bevorstehen soll, das erwähnte Buch aus dem Vatikan stammt und die Mordopfer auf einem Bild des letzten Abendmahls dargestellt werden. Pffuuhh.

Für die sehr knapp gehaltene Nebenrolle als Heinrich konnte tatsächlich der sonst grandiose Christopher Lee ("Herr Der Ringe") engagiert werden. Das abstruse Skript lässt aber sogar ihn seltsam blass und uninspiriert wirken, ein gutes Beispiel dafür, dass auch ein Top-Schauspieler wie er klassisch verheizt werden kann. Mir bis dahin gänzlich unbekannt, aber aufgrund routiniert erledigter Arbeit durchaus erwähnenswert, ist Camille Natta als Religionswissenschaftlerin Marie.

Tatsächlich gibt es aber auch positives zu berichten. Es wurde wenigstens versucht, die mangelnde Story durch ein gehöriges Anziehen der Actionschraube zu kompensieren, was auch respektabel gelungen ist. Mehr Morde, mehr Schießereien, mehr Verfolgungsjagten und mehr Explosionen, was der zweite Teil an Intelligenz vermissen lässt, macht er durch technisch saubere Inszenierung teilweise wieder wett. Regisseur Olivier Dahan holt wahrscheinlich noch das maximale aus dem schwachen Stoff raus, auch die Kameraarbeit von Alex Lamarque ist nicht zu hektisch, gut auf das Geschehen fokussiert und somit kritikfrei geraten.

Meine Herren, war die erste Sichtung von "Die Purpurnen Flüsse 2" eine Enttäuschung. Ist der erste Teil noch als Spitzen-Serienkiller-Thriller mit toller Handlung inszeniert worden, konnte der zweite einfach in keinster Weise anknüpfen oder sogar steigern. Erst beim zweiten Mal gelang es mir, den Film nicht mehr als Fortsetzung in herkömmlicher Hinsicht zu sehen, sondern als eigenständigen Actionthriller mit Mystery-Elementen. Wenn man in der Lage ist, Vergleiche zu unterlassen und die Hirntätigkeit zu reduzieren, ist er sogar einigermaßen erträglich. Aufgrund von rasanter Action und einem guten Cast mit einem herausragenden Jean Reno bekommt der Film von mir gerade noch 6 gutgemeinte Punkte.

 

6/10
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Kommentare

30.06.2017 00:00 Uhr - TheRealAsh
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Gebe dir hier absolut recht, sehr gut beschrieben, ich war hier auch enttäuscht im Gegensatz zum ersten Teil. Ein Austausch Handlung gegen Action ist absolut richtig. Die Action ist toll, die Handlung nicht ganz so;-)

30.06.2017 00:11 Uhr - Ivan_Danko
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Danke Ash!

30.06.2017 00:18 Uhr - TheRealAsh
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Hahaha, dein Avatar ringt mir echt Respekt ab^^

Karasho, Genosse, ich salutiere!

30.06.2017 08:29 Uhr - JasonXtreme
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Ja der war wirklich nicht gerade rühmlich! Treffend umschrieben Brüderchen Danko! Allerdings muss man sagen, nachdem ich von Grangé vieles gelesen habe, dass die abstruse Story durchaus von ihm hätte stammen können^^ er überkonstruiert seine Geschichten sehr gerne, und das passt hier absolut rein.

Ich möchte mal behaupten DIE PURPURNEN FLÜSSE war da noch sein unkonstruiertestes Buch, wenn man sich die anderen ansieht. Leider leiden darunter auch die Verfilmungen, von denen es mittlerweile ja ein paar gibt. Die FLÜSSE, IMPERIUM DER WÖLFE fürs Kino - fürs TV dann KREIS DER STEINE, FLUG DER STÖRCHE, CHORAL DES TODES.

Leider sind die schlicht zu kurz um auch nur ansatzweise alles an Story unterzubringen, und dadurch maximal im TV mal nett anzusehen. Bei Flug der Störche (sein bestes Buch für mich) hat man es gar geschafft einen 90-Minüter zusammenzuschneiden aus einem Zweiteiler!!! Der ist nichtmal mehr ansehbar auf deutsch... das aber nur mal der Info halber :)

30.06.2017 09:23 Uhr - Ivan_Danko
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Guten Morgan Jason!

Stimmt so, haben wir ja schon mal drüber gesprochen. Auch die Imperium-Verfilmung reißt nur der Reno raus... Dabei aber echt eine interessante Grundthematik. Die TV-Abhandlungen müsste ich mal auffrischen, kenn aber glaube ich den Flug der Störche und sicher den Choral des Todes. Das Buch von den purpurnen Flüssen war aber wirklich Top.

30.06.2017 10:23 Uhr - JasonXtreme
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Der steinerne Kreis wurde als LIU SAN - WÄCHTER DES LEBENS verfilmt. Kann man sich in Unkenntnis des Buchs mal ansehen, is unterhaltsam - das Buch selbst reißt aber auch keine Bäume aus, ehrlich gesagt, das wird gegen Ende recht lahm. Da is der Film im Vorteil, wenn auch zu konfus :D

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