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All Night Long 2 - Atrocity

Originaltitel: Ôru naito rongu 2: Sanji

Herstellungsland:Japan (1995)
Genre:Splatter
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,71 (7 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Der schüchterne Shinichi wird von einer brutalen Jugendgang terrorisiert, misshandelt und erpresst. Der homosexuelle Anführer der Gang lässt sich täglich perversere Dinge einfallen, um ihm das Leben zur Hölle zu machen. Niemand ahnt, dass Shinichi eine tickende Zeitbombe ist, die kurz davor steht zu explodieren. Als er schließlich zum Schwert greift, ist es der Beginn eines unbeschreiblichen Blutbads. (Illusions DVD-Cover)

eine kritik von dicker hund:

Das erste Sequel zu "All Night Long" ließ drei Jahre auf sich warten. Matsumara lieferte erneut einen Japan-Sicko ab, der sich auch mit den Etiketten "Thriller", "Torture Porn" oder "Rape and Revenge" versehen ließe, ohne dass dies in Schwindel ausarten würde. 

Der Kern des Films ist schnell ausgemacht: Im Vordergrund stehen die erniedrigenden Foltereinlagen, bei denen sich die Opfer schon einmal erbrechen oder einnässen (Horror und Gewalt je 7/10). Musik ertönt kaum noch, das Geschehen wird also akustisch weitgehend ungeschminkt präsentiert. Beim Gore wurde ordentlich getrickst und bei den Handgreiflichkeiten darauf geachtet, absurde Konstellationen wie im Original zu vermeiden. Es geht drastisch zu, Körperteile können durchaus verschüttgehen. Selbst nackte Haut ist kein Tabu mehr - im Gegenteil (Sex 6/10): Ausgewalzte Vergewaltigungen ziehen den Exploitation-Hebel voll durch, gespickt mit weiteren herablassenden "Spielchen", die die nicht immer nur weiblichen Geschädigten zu erleiden haben. Das hierzu bisweilen erschallende grenzdebile Gelächter der Schurken garantiert den gewollt kranken Eindruck. Abgerundet wird die Geschmacklosigkeit durch den aggressiv dargestellten, homosexuellen Sadismus des Bandenchefs.

Die Geschichte um eine Gang, die einen Computer-Nerd mit Puppen-Tick schikaniert, gerät dabei beinahe zur Nebensache. Viel mehr als die Psycho-Gängelungen des Gruppenführers gegenüber dem schüchternen Einzelgänger hebt sich von dem routiniert heruntergebrochenen Rache-Plot nicht ab. Es entsteht eine gewisse Monotonie, wenn sich Folter an Folter reiht, unterbrochen durch bisweilen unmotiviert dargebotenes Füllwerk. Gemeint sind die zähen Passagen wie der schmucklose Chat auf der damals schon nicht mehr zeitgemäßen Oberfläche. Auf ihr nehmen die in der deutschen Synchro mehrfach vorgelesenen, sperrigen Usernamen mehr Raum ein als die eigentlich ausgetauschten Botschaften. Dafür bringen in den bedrohlichen Situationen kurze, zielführende Dialoge den Stress auf den Punkt. Besonders fies wirken etwa die spöttisch-ironischen "Entschuldigungen" und "Versprechen" des Gangster-Oberhauptes, die er am liebsten dann zum Besten gibt, wenn er noch voll dabei ist, einem seiner Mitmenschen Qualen zuzufügen. Derlei Widersprüchlichkeiten machen einen grotesken, aber keineswegs komischen Eindruck (Humor 1/10). Wie infam bereits durch wenige Worte das emotionale Feld für einen aggressiven Übergriff bereitet werden kann, lässt sich stattdessen beeindruckend an den hier inszenierten Beispielen nachvollziehen. Daneben kommt der Zuschauer nicht umhin, sich perfide Fragen bezüglich der nur angedeuteten Leidensgeschichten hinter den Brachial-Schändungen zu stellen: Was muss nur mit einer Frau geschehen sein, dass sie sich widerstandslos Milch über den Kopf gießen lässt und diese dann in Demutsgeste vom Teppich leckt?

Das alles findet vor dem Hintergrund eines sterilen und unpersönlichen Sets statt, das so kahl und leer erscheint, wie man die Seelen der Beteiligten einschätzt. Bei derart gehäuften Extremsituationen sind Gefühlsregungen wie Apathie, Entsetzen, Panik und sadistische Erregung von den Schauspielern gefragt, die mit derart hohen Anforderungen naturgemäß überfordert sind, aber doch genug herüberbringen, um den Ernst nicht zu sabotieren.

Was "All Night Long II" seinem Vorgänger voraus hat, ist die vollkommen hemmungslose Zurschaustellung unmenschlichen Verhaltens zum Vergnügen der zeitweise überlegenen, die Vorgänge offenbar genießenden Übeltäter. In dieser Konsequenz ist dergleichen sonst selten zu bestaunen - und hier zudem auf 75 Minuten stark komprimiert. Die eisige Stimmung eines schnörkellosen Abstiegs in die Gewissheit, dass Qualen bevorstehen und kein Ausweg in Sicht ist, erinnert an die frühen Experimentalfilme aus der "Guinea Pig"-Reihe. Der Film lässt den Zuschauer angewidert und perplex zurück, was bei einem Sicko als klarer, wenn auch simpler Erfolg zu werten ist (7/10 Punkten). Da verwundert die Indizierung auf Liste B wenig. 

7/10
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Flesh
Jichi
7/10
Bad
McGuinness
10/10
Nope
Draven273
7/10

Kommentare

28.08.2017 08:37 Uhr - NoCutsPlease
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Wuffi hat mal wieder Sickoblut geleckt!
Abseits der berüchtigten Ösi-Shops war ich auf diese Reihe noch nicht aufmerksam geworden. Umso besser, dass unser Haus- und Hofhund die Titel auf Tauglichkeit beschnuppert.

28.08.2017 15:16 Uhr - DriesVanHegen
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Ich liebhasse ihn gerade wegen seines eiskalten Nihilismus.
Hier und da kommt er etwas hölzern daher, aber die kranke Atmosphäre macht das locker wieder wett.

28.08.2017 17:17 Uhr - cecil b
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Verdammt lese ich deine Reviews gerne. Egal ob ich etwas mit dem Film anfangen kann, diese Lektüren sind ein echter Leckerbissen!

28.08.2017 19:01 Uhr - leichenwurm
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Oha... na das hört sich ja fast schon interessant an ;-)) ! Ich denke vor 20 Jahren hätte der mir auch gefallen... aber nachdem mich der erste Teil ja eher irritiert anstatt beeindruckt hatte hab ich den hier nie gesehen. Und da ich mit der Sicko-Nummer heute eh durch bin brauch ich den glaub ich auch nicht nachholen... ;-) ! Review hat trotzdem spass gemacht und einen wirklich guten Eindruck vermittelt was man hier zu erwarten hat.
P.S.: hab grad erst bemerkt, dass es ja mittlerweile ganze sechs "All Night Longs" gibt... ich hatte nur 1-3 aufm Schirm...

28.08.2017 19:05 Uhr - kokoloko
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Großartige Review, schön beschrieben, wirkt wie ein faires Fazit. Warnung vorab, der Kommentar könnte jetzt längentechnisch etwas ausarten, weil ich ein paar Fragen/Anmerkungen hab - und zwar ist mein rein distanziertes, fast voyeuristisches Interesse an dieser Reihe - das ich für kranke Japano-Sickos & Undergroundfilme, Fake-Snuff etc. ganz allgemein hege, aus sicherer Entfernung, weil ich diese Filme größtenteils nie sehen könnte ohne richtig verstört zu werden, es muss Grenzen geben - durch deine ähnlich starke Review zum Erstling wieder aufgeblitzt und so habe ich mir dann per Ofdb-Verlinkungen erstmal die zu findenden, leider weniger werdenden Reviews zu der ganzen Reihe gegeben - die sich nach Teil 3 ja wohl leider nicht mehr zu lohnen scheint, was allerdings trotzdem interessant zu lesen war - weil ich mir nicht sicher war ob du hier alle behandelst, und nicht warten konnte^^

Jedenfalls mag ich zwar prinzipiell deine Herangehensweise an die Filme, frage mich bei den Zwischenbewertungen nur immer, ist das die "Qualität" der genannten Kategorien (Gewalt, Sex, Humor), oder die Menge, oder wie hab ich das zu verstehen? Nicht dass das als Angriff rüberkommen soll, aber wenn in dieser scheinbar verdammt misantrophioschen Atmosphäre Leute gequält und vergewaltigt werden, kann ich "Sex: 6/10" nicht wirklich einordnen muss ich gestehen, auch wenn das hier natürlich ein Extremfall ist.
Den Punkt mit dem "was muss man erlebt haben um..." am Ende deines dritten Absatzes find ich auch immer höchst interessant bei solchen Werken, eben darum würden mich Making-Of Aufnahmen ja wirklich interessieren, wie muss die Atmosphäre am Set solcher Filme sein? Last but not least, gerade bei Filmen mit vielen Schreien, Lachen, Beleidigungen etc. würd ich mich ja glaube ich nie auf die Synchro verlassen, gerade bei japanischen, stört das tatsächlich nicht?

So oder so angemessene, spannende Review aus einem Filmgebiet über das ich immer gerne lese und informiert bin, aus Interesse an der abseitigen und -artigen Filmkunst, das ich selber aber wohl (erstmal) nicht erfahren werde. Weiter so, ich bin auf Schreiberlinge wie dich angewiesen :D

28.08.2017 19:07 Uhr - Laughing Vampire
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Wieder eine schöne Kritik. Wie bereits zuvor geschrieben mag ich den ersten Teil am liebsten, während Teil 2 schon teilweise etwas zu sehr auf die pure Darstellung von Grausamkeiten fokussiert ist und meiner Meinung nach nicht ganz so viel Atmosphäre entstehen läßt wie sein Vorgänger (wußte übrigens gar nicht, daß der Film indiziert wurde... gut, wen kümmert's). Aber deine Sichtweise hast du gut begründet; variiert wohl je nach dem, was man davon erwartet. Werde mir die Reihe auch mal wieder anschauen, wenn ich zurück in Europa bin -- hier in Japan findet man die Filme nämlich nur schwer in den Videotheken, digital dabei hab ich sie nicht. :)

@kokoloko: Gerade zu den Guinea-Pig-Filmen gibt es lohnenswerte Making-Ofs, schau doch da mal rein bei Interesse.

28.08.2017 20:17 Uhr - dicker Hund
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Erst einmal vielen lieben Dank für die Eure zahlreichen, netten Kommentare. Wenn ich so sehe, wie manche Autoren hier angegangen werden, ist mir noch klarer, dass das keineswegs selbstverständlich ist.

@kokoloko
Darf ich auf meine Antwort auf DeNiros Frage unter meinem Review zu "Starship Troopers" verweisen? Da habe ich die "Seismographen" schon einmal ausführlich erkärt. Wenn dann noch Rückfragen bestehen: gerne.

@Vampire
Die Empfehlungen der Bundesprüfstelle kann man als ergänzende Orientierung ruhig auf dem Schirm haben, muss man aber nicht. Um Deine Spezialkenntnisse aus Fernost kommt man da wohl schon weniger herum;-)

28.08.2017 21:14 Uhr - Laughing Vampire
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Kleine Ergänzung, muß ich loswerden: Gerade eben einen Film namens "Kirei?" geschaut, den ich momentan ausgeliehen habe (war u.A. auf der Suche nach brauchbarem Low-Budget-Horror und das DVD-Cover sprach mich an -> mitgenommen). Hat mir erstaunlich gut gefallen, zwar erwartungsgemäß niedrige Production Values, aber eine coole Story, gute Schauspieler und ein paar effektive Schocks; handelt um eine Schönheitschirurgin, die es mit einer verrückten Patientin zu tun kriegt. Recherchiert, wer den Film gemacht hat, und tada: Katsuya Matsumura, derselbe Mann, der auch die "All Night Long"-Filme verbrochen hat. Zufälle gibt's. :) Weiß nicht, ob "Kirei?" jemals im Westen erschienen ist, aber empfehlen tu ich ihn auf jeden Fall.

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