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All Night Long 3 - The Final Chapter

Originaltitel: Ôru naito rongu 3: Saishûshô

Herstellungsland:Japan (1996)
Genre:Splatter
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,29 (7 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Kikuo arbeitet in einem heruntergekommenen Stundenhotel. Dabei hegt der Sonderling eine perverse Vorliebe für Hausmüll, Schamhaare, benutzte Kondome und Damenbinden. Doch seine abartige Lust geht noch viel weiter. Bald entführt er ein Mädchen, welches von Kikuo gefoltert und getötet wird. Es ist der Anfang eines unvorstellbaren Albtraums. (Illusions DVD-Cover)

eine kritik von dicker hund:

Matsumaras dritter Streich folgte seinem Vorgänger nur ein Jahr später und nannte sich "das letzte Kapitel", was für diesen Review-Ausflug korrekt ist und für die Reihe zumindest eine Pause einleitete. Die Grundidee von "All Night Long III" fiel besonders widerlich-extravagant aus, geht es doch um den Protagonisten Kikuo, der eine gewaltige Affinität zu mehr oder weniger organischen Abfällen hat und sogar Menschen als Müll definiert. Sein Darsteller Yûjin Kitagawa überzeugt mit seinem gebückten Gang, seinem entrücktem Blick und seinen hakeligen, verkrampften Bewegungen, die ihn als Psychopath glaubwürdig erscheinen lassen. Ein Gleichgesinnter gibt die passende Philosophie zum Besten:

"Müll ist im Grunde genommen Science-Fiction."

Tja, hier geht es um einsame Individuen mit randständigen Hobbies und sadistischer Ader. Ihre mit ungestümer Erregung eingestandenen, haarsträubenden Fetische klingen in der deutschen Synchro noch einmal extra-debil, für die herablassenden Mobbing-Invektiven ganzer Gruppen desolater Gestalten gilt das ebenso. Natürlich bleibt es nicht bei verbalem Niedermachen. Vielmehr werden Rituale erniedrigender Behandlungen derart ausgiebig ausgekostet, dass es selbst für hartgesottene Vielseher kaum zu ertragen und mit einem flauen Gefühl im Magen belastet ist, dem Geschehen aufmerksam zu folgen (Horror 8/10). Will man wirklich sehen, wie die Beine einer jungen Frau schmerzhaft mit einem Schrubber "gereinigt" werden? Die Atmosphäre geriet dabei boshaft wie eh und je: Man wird Zeuge davon, wie verkorkste Typen ihre Perversität abfeiern, indem sie die Freude am Leid anderer zelebrieren und sich im Dreck suhlen. Die Geschmacklosigkeit erfreut sich währenddessen bis zum Schluss an einer selten gesehenen Freiheit von Kompromissen. Daran ändert auch der im Verhältnis dazu eher kurz eingestreute Gore nichts. Dessen Dosierung fährt angesichts nicht ganz optimaler Effekttechnik gar nicht mal schlecht mit ihrer zurückhaltenden Screentime, zumal das länger sichtbare Make-Up der Blessuren wiederum erschreckend echt wirkt. Ein erheblicher Teil der insgesamt exzessiven Gewalt (9/10) besteht ein weiteres Mal aus sexuellen Übergriffen, zu denen sich eine gute Portion einvernehmlicher Koitus gesellt (Sex 6/10) - nur als Anlass für den tristen Voyeurismus unseres Looser-Helden, versteht sich.

Als Begleitung kitzeln behutsam vor sich hin tröpfelnde Schlaginstrumente in fernöstlich konnotierten Klängen das Ohr des Zuschauers, was eher an die Vertonung eines Mahjong-Glückspiels im unseriösen Kellerraum einer abgelegenen Gaststätte als an einen Sicko-Score denken lässt. Gerade diese akustische Irritation verstärkt die kranke Stimmung noch zusätzlich. Zugleich gibt sie das Tempo vor, welches angesichts der trägen Erzähltechnik zu wünschen übrig lässt. Als klares Manko kann es markiert werden, sobald die Flimmer-Bildschirme in Kikuos Wohnung einmal mehr einen veralteten Eindruck hinterlassen und zu allem Überfluss im Sinne der geschilderten narrativen Muße viel zu lange eingeblendet werden. Da hätte man lieber mehr Informationen über die Sammlung fleischfressender Pflanzen bringen können, deren schwüle Terrarium-Ästhetik eine künstlerische Note einwebt.

"Was für ein Dreck!" wird hier so mancher Rezipient für sich ausstoßen - und dabei "All Night Long III" das größtmögliche Kompliment aussprechen. Denn nichts anderes will dieser Film sein, allerdings als schockierende Halde für die abgründigsten Ideen, die sich in einem Sadistenkopf so tummeln können. Das Gesamtwerk gibt sich im Ergebnis so dunkel wie die stilvoll geworfenen langen Schatten der zwei humanoiden Streuner an der grauen Hausfassade, die die versierte Kamera voll im Blick hat. Ein Sicko, ein Sexploiter, ein Torture-Porn, was auch immer: Alle diese Subgenres sind voll von Vertretern, die gerne so wären wie diese kleine Perle des grottenschlechten Geschmacks (7/10 Punkten). Das schien die BPjM auch so zu sehen; die Indizierung folgte jedenfalls auf dem Fuße und wurde erst im März diesen Jahres erneut bestätigt.

7/10
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Kommentare

31.08.2017 11:01 Uhr - leichenwurm
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Oha... na der scheint ja noch ne gute Schüppe "Sickness" drauf zu legen... da bleibts bei meinem "Nein Danke"... da bin ich raus ;-) ! Trotzdem hat das lesen spass gemacht. Danke dafür !

31.08.2017 19:18 Uhr - DriesVanHegen
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Ich muss zugeben, vom dritten Teil ist mir nahezu nichts mehr im Gedächtnis haften geblieben.
Nachdem der zweite Teil das Tempo und die Grafik im Vergleich zum ersten ziemlich rabiat gesteigert hat, hat der dritte wieder einen Gang zurückgeschalten. Ich kann mich jedenfalls nur noch erinnern, dass ich wegen sehr weniger onscreen Effektarbeit doch etwas enttäuscht gewesen bin. Der Hang zu Fetisch und Psychoterror war mir damals zu subtil/langatmig

Aber wie schon beim ersten Review zur Reihe von dir: thx for the reminder! Wandern alle von I bis III in den Player wandern.

01.09.2017 09:10 Uhr - Laughing Vampire
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Eine "Perle des grottenschlechten Geschmacks" trifft es wunderbar, und gerade deswegen fand ich Teil 3 auch wirklich öde. Allerdings ist die abgründige Atmosphäre dieses Films in der Tat schwer zu überbieten... Sehr schwierig zu beurteilen. Werde mir, wie bereits in deinen vorherigen Kritiken angemerkt, die Reihe demnächst ebenfalls mal wieder zu Gemüte führen.

P.S.: Jemand sollte mal diese grauenhaften Cat-III-Release-Cover, die nichts mit den Filmen zu tun haben, in der Datenbank ersetzen.

01.09.2017 10:03 Uhr - Ghostfacelooker
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^Der war wirklich übel in Müll der Typ, da hilft auch kein aufpoliert glänzendes Review von Meister Propper Wuffi mehr. (Man beachte die subtile Attributssetzung Propper im Sinne von wohlgenährt als Allegorie zu seinem Nicknamen).


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