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A Cure for Wellness

Herstellungsland:USA, Deutschland (2017)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Drama, Science-Fiction,
Thriller, Mystery
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,22 (18 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Ein junger, ehrgeiziger Manager wird beauftragt, den Vorstandsvorsitzenden der Firma von einem idyllischen aber mysteriösen ‚Wellness-Center‘ zurückzuholen, das sich an einem abgelegenen Ort in den Schweizer Alpen befindet. Schon bald vermutet er, dass die wundersamen Anwendungen des Spas nicht das sind, was sie zu sein scheinen. Als er beginnt, die erschreckenden Geheimnisse aufzudecken, wird sein Verstand auf eine harte Probe gestellt: bei ihm wird die gleiche seltsame Krankheit diagnostiziert, die alle anderen nach Heilung verlangenden Gäste dort festhält. (20th Century Fox Deutschland)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von dimetrodon12:

Review: A Cure for Wellness

 

Der ambitionierte Lockhart wird von seiner Firma beauftragt Roland Pembrock zurück nach New York zu hohlen. Dieser befindet sich momentan in einer Klinik in den Schweizer Alpen, da es ihm, nach Eigenaussage, „nicht gut“ geht. Da er aber von enormer Wichtigkeit für einen großen, anste­henden Deal der Firma benötigt wird, macht sich Lockhart sofort auf den Weg nach Europa. In der Klinik angekommen, verläuft es nicht allzu planmäßig und nach einem Autounfall (inklusive gebro­chenem Bein) bleibt Lockhart selbst auch für eine Weile vor Ort.

Das es in diesem Film allerdings nicht bloß um die Selbstfindung eines gestressten und selbstzentrierten Börsenbeauftragten geht sollte jedem klar sein, der auch nur den Trailer (oder irgendeinen Thriller) gesehen hat. Die ganze Klinik und auch das nahe gelegene Dorf bieten dabei mehr als ein Mysterium für Lockhart selbst und auch für den Zuschauer. Der Film lässt sich mit seinen fast zweieinhalb Stunden Laufzeit genug Zeit, um diese Mysterien aufzubauen und zu erkunden. Als Zuschauer bekommt man der Reihe nach Puzzlestücke vorgeführt, so dass man sich langsam ein Bild zusammenfügen kann und seine Theorien über die Vorgänge in der Klinik immer wieder anpassen kann. Man bleibt dabei im­mer auf einem Wissensstand mit dem Hauptcharakter Lockhart, auch wenn manch einer sicher schneller auf gewisse Ideen kommt als er. Der Film zeigt dabei kaum Interaktionen zwischen ande­ren Charakteren, solange Lockart nicht auch in der Nähe ist, um den Zuschauer damit an seine Sichtweise und das langsame Aufdecken der Ereignisse zu binden.

Ein meiner Meinung nach angemessener Vergleich kann hier zu Shutter Island gezogen werden. Es wird zumindest ein ähnliches Storykonzept verfolgt. Auch das Setting weißt durchaus gewisse Übereinstimmungen auf. Allerdings handelt es sich bei A Cure for Wellness keinesfalls um eine Ko­pie des Scorsese-Thrillers, die lediglich in unsere Zeit verlegt wurde. Wo die Psyche von Teddy Da­niels schon sehr früh in Frage gestellt wird und mit den Machenschaften der Psychiatrie in Verbin­dung gebracht werden, so kommt Lockhart hier als kompletter Außenstehender dazu. Nicht seine mentale Verfassung, sondern sein Hinterfragen der Situation sorgen hier für einen Fortlauf der Sto­ry. Diese wird, wie bereits erwähnt, recht langsam erzählt. Auf Actionelemente, oder auch klassi­sche Gruselszenen (wie man beide zu teilen auch in Shutter Island findet) sollte man hier auf keinen Fall erwarten. Trotzdem heißt langsame Erzählweise hier auf keinen Fall ruhig oder gar langweilig. Das Gegenteil ist der Fall, während sich der Film viel Zeit lässt, seine Geheimnisse langsam aufzu­bauen, bietet er immer wieder neue Einfälle, oder geht tiefer ins Detail zuvor genannter Ansätze um den Zuschauer dauerhaft zu fesseln. Dadurch entsteht eine extreme Spannung, die der Film konstant (und kaum merklich) anzuschrauben weiß.

Auch atmosphärisch ist der Film eine Bombe. Man könnte ihn dabei als Gothic Fiction (was in der deutschen Sprache leider etwas runtergebrochen als Schauerdliteratur bezeichnet wird) einordnen. An dieser Stelle erlaube ich mir einen kurzen Exkurs in die Literatur: Also Gothic Fiction bezeich­net man ein Untergenre, welches während der Literaturperiode der Romantik entstanden ist. Die Romantik selbst ist dabei nicht zwanghaft auf den modernen Begriff „romantisch“ im Sinne von Liebe zwischen Menschen zu verstehen, sondern eher Liebe und Zuneigung insgesamt, zu Men­schen und der Natur. Dabei kapselten sich Autoren bewusst vom industriellen Fortschritt und von Wissenschaften ab (man bedenke das zur Periode der Romantik, ca. 1780-1830, die industrielle Re­volution für viele, besonders auch negative, Folgen bekannt war). Stattdessen wurden in der Ro­mantik die Natur als Kraft gefeiert, während Wissenschaft als böse und zerstörend dargestellt wur­den. Ein wunderbares Beispiel hierfür ist Mary Shelleys Frankenstein, gleichzeitig eine der ersten Schauerromane. Bei diesen werden der romantischen Geschichte noch zusätzliche, meist übernatür­liche, Gruselelemente und alte Gebäude und Schlösser als Handlungsorte hinzugefügt. Bei A Cure for Wellness kann man diese Elemente wunderbar erkennen. Allein schon der Kontrast, der zwi­schen wunderschönen Alpenaufnahmen (Natur) und dem tristen Inneren der Klinik (Wissenschaft) herrscht, unterstützen diese (auf Grund eines fehlenden, besseren Begriffes meine ich das Folgende positiv) altmodische Atmosphäre. Die Naturaufnahmen bieten dabei auch die einzige Fluchtmög­lichkeit, sowohl wortwörtlich aus der Klinik, als auch für den Zuschauer, um der erdrückenden At­mosphäre der gezeigten Szenen zu entkommen.

Allerdings muss man sich bewusst sein, dass man keinen reinen Horrorfilm guckt, sondern viel eher einen Mysterythriller. Zwar bietet der Film eine sehr dichte Atmosphäre, auf allzu viele Schockef­fekte und Blutspritzer sollte man aber nicht hoffen. Das Gegenteil ist sogar der Fall, wenn es zu den seltenen Fällen von tatsächlichen Jump Scares oder einer der wenigen Gewalteruptionen in dem Film kommt, wirken diese sogar etwas unpassend zu der bisher aufgebauten Atmosphäre. Der Hor­ror in diesem Film entsteht eher auf schleichendem Weg und brennt sich langsam ins Unterbewusst­sein ein. Einige andere Szenen zeigen im Gegenzug sehr deutlich, was unter anderem bei den Be­handlungsmethoden passiert, und sorgen somit nicht nur für Horror, sondern für blanken Terror. Al­lerdings tauchen diese Szenen nur sehr selten auf.

An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass der Film in seinem letzten Akt das Tempo ein wenig anzieht. Generell ist das keine schlechte Idee, da man ja sonst nie herausfinden würde, was genau vor sich geht. Auch wirkt der Tempoanzug selbst nicht ungewollt und passt sich ganz gut in den Film ein. Es gibt jedoch einige vereinzelte Szenen im letzten Akt, die etwas zu voreilig vorgehen oder zu viel Er­klärungen geben, so dass einiges von dem vorher vorsichtig aufgebauten Geheimnis zu schnell ans Licht kommt.

Schauspielerisch ist der Film aber wieder sehr gelungen. Mit Dane DeHaan (Chronicle, jüngst Vale­rian) bekommen wir einen bleichen Angestellten, dem man seinen Stress durchaus abnehmen kann. Dabei schafft er es, den Zuschauer von seinem Charakter zu überzeugen und mit der Zeit eine Sym­pathie für Lockhart aufzubauen. Man denke hier an den typischen Arsch-der-doch-gut-ist aus Ko­mödien, zum Beispiel Bill Murrays Charaktere aus Und täglich grüßt das Murmeltier und Die Geister die ich rief. An seiner Seite gibt Jason Isaacs (Lucius Malfoy in den Harry Potter Verfil­mungen) den Klinikleiter Dr. Volmer. Er bleibt dabei schön undurchsichtig, aber immer präsent und leicht bedrohlich, durch seine Zuvorkommenheit und Freundlichkeit.

Auch auf technischer Seite kann der Film von sich überzeugen. Die Effekte die verwendet wurden sind sehr sehenswert und kommen besonders in einigen Szenen im Wasser großartig zu Geltung. Dazu bietet der Film auch insgesamt einige wunderschöne Bilder (erneut: Naturaufnahmen) und er­reicht damit eine kontrastierende Wirkung, die den Zuschauer in seinen Bann zieht. Hinzu kommt noch eine gelungene musikalische Untermalung, die auf die jeweiligen Szenen gut abgestimmt ist, um das ganze somit perfekt abzurunden.

Alles in allem ist A Cure for Wellness ein sehr gelungener Film. Regisseur Gore Verbinski hatte schon zuvor mit The Ring bewiesen, dass er ein Händchen für Mystery und Horror hat, hiermit hat er sich allerdings nochmal übertroffen. Der Film bleibt dank seiner großartigen, und teils verstören­den, Bilder und Geschichte lange im Gedächtnis und zählt definitiv zu den besseren Horrorfilmen der jüngsten Zeit. Allerdings sei an dieser Stelle gesagt, dass es definitiv kein Film für jeden ist. Man muss sich schon auf den Film (und seine lange Laufzeit) einlassen und bereit sein, auch mal auf einen neuen Weg geführt zu werden. Leider stören einige Szenen gegen Ende des Films ein we­nig, so das der Film bei mir „nur noch“ auf 9 von 10 Punkten kommt.

9/10
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Kommentare

30.07.2017 19:46 Uhr - Ghostfacelooker
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Für meinen Geschmack passt du ganz gut in die Riege der Review Familie hier. Vielleicht wäre der erste Absatz aufgrund der Inhaltsangaben Ähnlichkeit nicht zwingend erforderlich gewesen, und wie du das mit dem Satz meinst, das klar ist das er sich von seinem Leben lossagen wird wenn man den Trailer (beim Trailer versteh ich es noch) oder auch nur einen Thriller gesehen hat ist auch mystisch, aber sonst sehr gut zu lesen.

30.07.2017 20:17 Uhr - TheRealAsh
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Sehr gutes Review, Dimetrodon, zu einem Film, auf den ich mich schon freue. Bei Jason kommt der ja nachvollziehbar nicht ganz so gut weg. Wobei deine Argumentationsführung mich jetzt auch sehr überzeugt. Es hilft nix, ich muss da selbst durch;-)

Wahrscheinlich hast du absolut recht, wenn sagst, dass es kein Film für jeden ist und man sich drauf einlassen muss. Ich bin jetzt echt gespannt!

30.07.2017 21:02 Uhr - Ghostfacelooker
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30.07.2017 20:17 Uhr schrieb TheRealAsh
Sehr gutes Review, Dimetrodon, zu einem Film, auf den ich mich schon freue. Bei Jason kommt der ja nachvollziehbar nicht ganz so gut weg. Wobei deine Argumentationsführung mich jetzt auch sehr überzeugt. Es hilft nix, ich muss da selbst durch;-)

Wahrscheinlich hast du absolut recht, wenn sagst, dass es kein Film für jeden ist und man sich drauf einlassen muss. Ich bin jetzt echt gespannt!


Bin trotz beider Reviews gespannt und man macht das ja sowieso nicht unbedingt von Reviews abhängig bei Filmen die einen interessieren. Ich fall ja sogar noch heute auf reißerische Covertexte rein und tolle Trailer^^

30.07.2017 23:00 Uhr - Dimetrodon12
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Danke euch beiden, freut mich, dass euch das Review gefallen hat und das ich euch den Film schmackhaft machen konnte. Jasons Review fand ich auch sehr gelungen und durchaus mit berechtigten Kritikpunkten, die mir allerdings eher positiv vorgekommen sind (siehe Laufzeit). Das ist aber natürlich rein subjektiv und ich könnte auch Kritiken mit noch geringerer Punktzahl nachvollziehen. ;ich persönlich hat er nur extrem überrascht, grade auch wegen den generell eher gemischten Reviews insgesamt und dem Box Office Flop (auch wenn das zweite nichts über die Qualität eines Films aussagen muss)

@Ghost: ich hab mal probiert den Problemsatz ein bisschen umzuformulieren. Ich wollte damit nur darauf hinaus, dass meine (zugegeben vielleicht etwas unnötige) Inhaltsangabe nur eine generelle Geschichte vermittelt, dass einem aber schnell klar wird, in welche Richtung das hier alles gehen soll (was man schon im Trailer sehr deutlich merkt)

31.07.2017 09:48 Uhr - JasonXtreme
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Freut mich ja wenn der trotzdem Leuten gefällt :-) wie Dimetrodon sagt, unsere Rezis sind ja ohnehin alle subjektiv. Eine rein objektive Rezension gibt es in meinen Augen nicht. Super geschrieben, und alles nachvollziehbar dargestellt - top!

31.07.2017 12:58 Uhr - NoCutsPlease
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Unser Permosaurus ist eben immer wieder für eine ansprechende Rezension gut. :)
Diese Kur/Heilung werde ich wohl mal buchen.

31.07.2017 22:13 Uhr - Dimetrodon12
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Auch an euch beide ein dickes Dankeschön.

@Jason: Freut mich besonders, dass du das Review trotz des Punkteunterschied nachvollziehbar findest. Mich würde an der Stelle mal interessieren, ob du den ähnlich gelagerten (und natürlich auch von dir in deiner Review erwähnten) "Shutter Island" fandest (besser oder schlechter als der hier)?

@NCP: Ich hoffe sehr, dass die von mir verschriebene Kur bei dir ähnlich gut anschlägt. Bei Nebenwirkungen oder gar keiner Wirkung, würde ich mich über Rückmeldung sehr freuen (vielleicht in Form eines dritten Reviews zu diesem Film ;D)

01.08.2017 08:57 Uhr - NoCutsPlease
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Ich wärme keine Suppe auf, die hier bereits ausführlich angerührt wurde. Eine Rückmeldung, die aus mehr als einem Satz besteht, wird es unter diesem Review aber dennoch geben. :)

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