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Die toten Augen des Dr. Dracula

Originaltitel: Operazione paura

Herstellungsland:Italien (1966)
Genre:Horror, Mystery
Alternativtitel:Toten Augen, Die
Kill, Baby... Kill!
Curse of the Dead
Curse of the Living Dead
Operation Fear
Don't Walk in the Park
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,25 (12 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Der scheinbare Selbstmord des Dienstmädchens Irena lässt Inspektor Kroger in ein kleines Dorf reisen, zu welchem auch das Schloss Graps gehört, in welchem Irena angestellt war. Zusammen mit dem Arzt Paul Eswai stellt Kroger fest, das Irena bereits das 12. Todesopfer ist, welches in letzter Zeit Selbstmord begangen haben soll. Die Dorfbewohner jedoch glauben, dass der Geist eines jungen Mädchens für die Morde verantwortlich ist. Und tatsächlich kommt es immer wieder zu geisterhaften Erscheinungen, welche weitere Todesfälle nach sich ziehen. Immer mehr Spuren deuten zum Schloss der Baronessa Graps. Als Dr. Eswai auch die Leiche von Kroger findet, vermutet er, daß alle Leute sterben müssen, die jemals das Schloss besucht haben. Ein großer Irrtum. Denn die unzähligen Zimmer des Schlosses verbergen ein Geheimnis, daß viel fürchterlicher ist, als Eswai es sich je vorzustellen vermag. (Koch Media)

eine kritik von dissection78:
Dr. Eswai wird in ein kleines Dorf beordert, um eine Autopsie an einer Frau durchzuführen, die unter mysteriösen Umständen starb. Im weiteren Verlauf bekommt es Eswai mit den abergläubischen Bewohnern und dem Geist eines Mädchens zu tun...

"Operazione Paura" gehört für mich neben "La Maschera del demonio" ("Die Stunde, wenn Dracula kommt", 1960) zum Besten, was Mario Bava im Bereich Gothic Horror je gedreht hat. Leider hatte dieses Meisterwerk sowohl unter den teils verfälschenden Fassungen zu leiden als auch unter den bekloppten internationalen Titeln ("Kill, Baby, Kill", "Curse of the Living Dead").
"Die toten Augen des Dr. Dracula" ist auch ein solcher Titel, denn mit Dracula und Vampiren hat "Operazione Paura" (zu deutsch in etwa "Unternehmen Angst") absolut nichts zu tun - wie übrigens auch "Die Stunde, wenn Dracula kommt" nichts mit Dracula zu tun hat.

Von der Machart ähneln sich beide Filme, denn auch hier haben vor allem Kameraführung und Ausstattung Hervorragendes zu bieten, auch hier hält sich Bava eng an die Vorbilder des deutschen Expressionismus ("Nosferatu", 1922) sowie des Gothic Horrors im frühen phantastischen Kino der 30er Jahre (z.B. die beiden '31er-Klassiker "Dracula" und "Frankenstein" von Universal) und auch hier ist die gleiche stilsichere Machart zu bewundern, die bizarr-düstere Stimmung und der permanente Gebrauch von Nebelschwaden, die über den verlassenen Friedhof des Dorfes ziehen. Dazu kommen noch verwinkelte Dorfgassen, die einfach nur surreal wirken. Der größte Unterschied zwischen den beiden Bava-Werken ist, dass vorliegendes in Farbe gedreht wurde.
Außerdem ist, wie in den Produktionen der Hammers-Studios, in "Operazione Paura" eine Studio-Atmosphäre zu spüren, soll heißen, die Sets, die im Freien spielen, wurden im Studio aufgebaut. Richtige Außenaufnahmen gibt es nur vereinzelt. Dies hat ein unwirkliches Ambiente zur Folge, das an Gemälde aus der Romantik und/oder an Alpträume erinnert.

Interessant ist, dass der Film umgerechnet tatsächlich nur 50.000 Dollar gekostet haben soll. Den Produzenten ging nach zwei Wochen das Geld aus, und Bava, sein Cast und die Crew erklärten sich bereit ihre Arbeit ohne Bezahlung zu beenden. Weder dieser Ärger noch das sehr geringe Budget wirkten sich störend auf das Endprodukt aus.

Die Darsteller agieren zwar nicht herausragend, aber absolut solide; die Kameraarbeit von Antonio Rinaldi und - ohne credit - Mario Bava ist vorzüglich, und Carlo Rustichellis Filmmusik unterstüzt effektiv die unheimliche Atmosphäre.

Mario Bava löst sich in den Szenenfolgen von der Geschichte. Er inszeniert in großartigen Bildern, in an die Stummfilmzeit erinnernden Horrorvisionen und raffinierten Überblendungen konsequent wie selten einen Film über Angst und Bedrohung. Plattitüden im Dialog, die teilweise auf die, wie der irreführende deutsche Titel, deutsche Fassung zurückzuführen sind, stehen neben einer unglaublich gekonnt aufgebauten Grusel-Kulisse. Optisch gelingt es Bava all jenen Klischees aus dem Weg zugehen, die das Genre oftmals langweilig und beliebig machen.

"Operazione Paura" ist wieder mal ein Gothic-Horror-Meisterwerk von Mario Bava, herrlich altmodisch, leider unbekannter ist als "La Maschera del demonio", leider mit verschiedenen blödsinnigen Titelgebungen gestraft und leider in einigen Fassungen inhaltlich etwas verfälscht.

Übrigens: "Die toten Augen des Dr. Dracula" hat natürlich auch nix mit der deutsch-spanischen Produktion "Die Vampire des Dr. Dracula" von 1968 zu tun, dem ersten Auftritt von Paul Naschy als Werwolf Waldemar Daninsky. Die Verleiher wollten mit diesen Titeln einfach nur eine Verbindung zu den Edgar-Wallace-Filmen ("Die toten Augen von London", 1961), den Dr.-Mabuse- und den Dracula-Filmen herstellen.
10/10
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Kommentare

10.05.2016 04:28 Uhr - Dissection78
1x
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Letzte Woche mal wieder gesehen. Hat nach wie vor nichts von seiner faszinierenden Aura eingebüßt. Ein äußerst atmosphärischer Old-School-Grusel-Hammer. Neben ""La Maschera del demonio" ist "Operazione paura" nicht nur Mario Bavas bestes Gothic-Horror-Werk, sondern generell einer der besten Filme in dieser Sparte.

05.06.2018 22:58 Uhr - TheRealAsh
1x
User-Level von TheRealAsh 10
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.399
Sehr schön, bester Dissectionist, ich habe den ja erst durch die Koch-VÖ kennengelernt und grade aufgrund einer Empfehlung wieder angeschaut. Also mittlerweile erst 3 Mal gesehen und ich muss sagen, auch heute habe ich ihn nicht fassen können. Ich finde den ganz super und man merkt das ganze Erbe das er mitbringt (wie ich heute fand, ganz viel Kafkas Schloss) und auch das Erbe, das er beeinflusst (z.B. Profondo Rosso, m.E. Saw, etc.). Blutige Seide kenne ich schon lange und der hat sich mir allerdings auch immer wieder neu erschlossen. Ich finde grade, dass Bava einfach ein Regisseur ist, der oberflächlich einfach erzählt und untergründig sehr komplex und mitunter verwirrend.

07.06.2018 19:40 Uhr - Dissection78
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Erfahrungspunkte von Dissection78 3.906
Besten Dank, Ash! Kafka hatte ich während und nach der Sichtung von "Operazione paura" gar nicht im Sinn. Aber die auf rätselhafte Weise bedrohliche Atmosphäre, die Kafkas Werke oft auszeichnet, herrscht auch in Bavas Film auf beklemmende Art und Weise vor, wobei ich gestehen muss, "Das Schloss" nicht gelesen zu haben. Ich musste dann und wann eher an Ingmar Bergmans "Die Stunde des Wolfs" denken. Der ist allerdings viel schwerer zugänglich und ungleich abstrakter.

Ja, "Blutige Seide" beeinflusste etliche spätere Gialli, vor allem auch hinsichtlich des rauschhaften Farbeinsatzes. Bava hatte sein untrügliches Gespür für cinematographisch perfekt eingefangene (Alb-)Traumwelten zuvor allerdings schon in "Vampire gegen Herakles" oder "Die drei Gesichter der Furcht" bewiesen. "Planet der Vampire" ist ebenfalls nicht zu verachten. Der gute Mann holte durch sein gestalterisches Geschick und sein Improvisationstalent ja selbst aus bescheidensten Budgets noch so einiges heraus.

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