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Misfits

Musikvideos


eine kritik von nasum:

Band: MISFITS

Song: Scream!

Musikvideo-Regisseur: George Romero

Jahr: 1999


George Romero, der am 16.07.2017 von uns gegangen ist und sicherlich von vielen Fans seines filmischen Vermächtnisses und Einflusses auf den Horror- und Zombiefilm schmerzlich vermisst wird, bedarf sicherlich keiner vertiefenden Vorstellung meinerseits. Dennoch gab es so manches Schmankerl, das eventuell nicht jedem Fan geläufig war oder schnell unter den Tisch fiel, wie auch seine Inszenierung des Musik Videos zu dem Misfits Song „Scream!“.

 

Um die Jahrtausendwende, als Romero mitten in der Planung, Vorbereitung und Dreharbeit zu seinem Film Bruiser steckte, war er auf der Suche nach einer Band, dessen Konzertmitschnitt Teil der finalen Mordszene und des Showdowns seines Films werden sollte. Dabei stieß er auf die Horror-Punk Band Misfits, die sich bereit erklärten diese Rolle zu übernehmen und ihr gruselig romantisiertes Auftreten einfließen zu lassen. In altbackener Manier schlossen die zwei Parteien keine Verträge, sondern besiegelten mit Handschlag, dass Romero als Gegenleistung für das Mitwirken der Band im Film und der Beisteuerung zweier Musiktracks zum Soundtrack, ihr Musikvideo zum Song „Scream!“ drehen solle. Gesagt - Getan! Romero inszenierte ein Musikvideo, dass dem Ursprung des Horrorfilms anerkennend den Hut hob und ebenso die Band Misfits in ihrem Horror-Stil unterstreichen konnte.

 

Dabei gliedert sich das nur drei-minütige Filmmaterial in zwei Videostränge. Mit der Szenerie in einem Krankenhaus eröffnet der erste Strang in schwarz-weiß. In Zeitlupe sieht man Ärzte, Personal und Patienten ruhig durch ein Krankenhaus streifen, bis die als Zombies verkleideten Misfits einige Personen mit Bisswunden in die Hallen treiben. Sofort setzt mit schnellen Kameraschnitten und einer gesteigerten Geschwindigkeit Hektik ein, untermalt von dem Misfits-Song, dessen Schlagzeug nun mit anziehendem Takt den Puls in die Höhe steigen lässt. Der einsetzende Gesang fungiert dabei handlungsweisend, da Dialoge in der minimalistischen Musik-Sequenz sowieso stören würden.

 

Mit einer als Handkamera geführten Perspektive verfolgt die Linse in einer dokumentarischen Art die panisch umher rennenden Opfer (die oftmals Misfits Shirts tragen) und fängt ihr theatralisch übertriebenes Schauspiel ein. Dabei verharrt die Hektik immer wieder in kurzen Nahaufnahmen blutiger Wunden, Bisse oder Abwehraktionen mit einem Skalpell, um die handgemachten und blutig suppenden Effekte von Romero zur Schau zu stellen. Die Distanzlosigkeit zieht den Zuschauer dabei unmittelbar ins Geschehen. Besonders die Verfolgung einer Krankenschwester durch aufgehängte Bettlaken wirkt altmodisch stilisiert und lässt zeitweise den Reiz und die Brutalität von Horrorfilmen der 80er Jahre aufkommen. Die sonstige minimalistische Machart in Paarung mit der POV-artigen Beleuchtung erinnert in altbackener Manier an Horrorfilme wie Frankenstein aus den 30er Jahren und schlägt die Hommage-Trommel in angemessener Form.

 

Der anfangs erwähnte zweite Videostrang zeigt die Band Misfits während eines Live-Auftrittes in Farbe auf der Bühne stehen, während sie den Song „Scream!“ performen, der hintergründig zu hören ist. Nunja, was kann man also zum Soundtrack sagen? Der Song ist in seiner punkigen Art leicht doomig und vermittelt eine dem grausamen Videomaterial angemessene Atmosphäre und Thematik. „I can't wait to hear you scream!“ titelt im Refrain die panischen Gesichter auf dem Bildschirm und fügt sich in das Geschehen ein.

 

Im Fazit kann man also nur sagen, dass eine Horror-Punk Band wie die Misfits für ihr Musikvideo nur auf einen Regisseur wie Romero gewartet haben muss, denn Bild und Ton passt hier zusammen wie der Arsch auf den Eimer. Nur der Klang ist dabei weniger dumpf ;)

Von mir gibt’s statt Punkten eine ehrführchtige Begeisterung für einen atmosphärischen Song mit Ohrwurmcharakter, mitschwingender Melancholie, einem genial passenden Musikvideo und den darin enthaltenen handgemacht blutigen Special Effects. Ebenso weiß die Inszenierung Romeros zu faszinieren. Somit möchte ich keine Schweigeminute für den verstorbenen Regie-Künstler einlegen sondern im Gegenteil zum Schreien animieren. Und abschließend hoffe ich doch, dass jeder Leser dieses Reviews nach den 5 Minuten Lesezeit noch 3 weitere entbehren kann, um sich „Scream!“ der Band Misfits unter Regie von George Romero zu dessen Ehren anzuschauen!

 

Vielen Dank fürs Lesen und viel Spaß beim Schauen.

 

Ruhe In Frieden, George Romero

(04.02.1940 - 16.07.2017)

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Kommentare

31.07.2017 22:03 Uhr - dicker Hund
2x
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Erfahrungspunkte von dicker Hund 3.782
Ja geil, was Du da noch so aus Romeros Schaffen hervorkramst!
Wusste noch gar nicht, dass es so eine Kooperation gab.
Wo ein Arsch ist, ist halt auch ein Eimer.
Spaßig wie gewohnt;-)

31.07.2017 22:08 Uhr - naSum
2x
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Erfahrungspunkte von naSum 2.099
Freut mich, wenn dir die Schreibe gefällt, jetzt muss nur noch das Bildmaterial standhalten. Schaus dir an, das wird eine kurzweilige und sicherlich unterhaltsame Kost für dich.

Besonders die Art des "Tauschgeschäftes" finde ich sehr löblich und entgegen allem, was die großen Filmfirmen bevorzugen würden.

31.07.2017 22:15 Uhr - TheRealAsh
1x
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Attitude, I got some fuckin Attitude...

Children, in heaaat, ...

Die, die, my Darling...

We are 138, we are 138...

Hier triffst du mich ja voll, Nasum, Misfits ist eine meiner absoluten Lieblingspunkbands - allerdings: nur mit Glenn "Schmalzlocke" Danzig

Ich habe das neuere Zeug einfach nicht verfolgt, da ich da schon zu sehr mit Black Metal beschäftigt war;-)

Deine Wahl ist wieder mal exorbitant und anspruchsvoll, wie von dir gewohnt. Ich wusste zwar, dass die bei Bruiser einen kurzen Auftritt haben, aber nicht, dass Romero das Video gemacht hat. Deine Recherche-Arbeit ist einfach topp.

Das Video ist wirklich cool, der Song auch, da muss ich vielleicht mal etwas nachholen;-) Deine Rezi ist super aufgebaut, dass ich auch richtig Lust kriege, mal ein Video zu rezensieren. Absolut klasse!

31.07.2017 22:25 Uhr - Chímaira
1x
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Danke für diese coole Review. Das Video war für mich eine super Zusammenarbeit zwischen meiner Lieblingsband Misfits und Romero. Eine derart kompakte Arbeit von dem Zombie-Gott ist wirklich ein Kleinod und sollte auf jeden Fall als solches geschätzt werden.

"Famous Monsters" ist darüber hinaus noch ein sehr geiles Album. Eine Hörprobe auf YouTube schadet da definitiv nicht ;)

31.07.2017 23:32 Uhr - Major Dutch Schaefer
1x
Vielen Dank für dieses Review.

Schön, daß dem geneigten Leser durch das Review diese Kooperation in Erinnerung gerufen wird bzw ihn überhaupt erst darauf aufmerksam macht. Top

Musste mir direkt mal wieder das Misfits-Album "Famous Monsters" daraufhin anhören :)

31.07.2017 22:25 Uhr schrieb Chímaira
...

"Famous Monsters" ist darüber hinaus noch ein sehr geiles Album. Eine Hörprobe auf YouTube schadet da definitiv nicht ;)


In der Tat. Forbidden Zone, Them...sind ein paar coole Songs dabei

:-)

01.08.2017 09:16 Uhr - naSum
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Danke ihr lieben Lobenden, freut mich, das die Schreibe gefallen hat und ich etwas unbekanntes vorstellen konnte.
Danke Ash speziell für dein Lob an die Struktur. Das war hilfreich und so werde ich dann weiterarbeiten.

Klar ist Misfits mit Glen Danzig zu bevorzugen, aber auch nach dem kultigen Bandstart und diversen Besetzungswechseln bleiben sie eine klasse Band. Da passt Musik, Stil und Atmo einfach zusammen. Das Cuts from the Crypt Album feiere ich auch von den neuen Werken immernoch

01.08.2017 16:39 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
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Sehr gute Idee! Das man aus einem Musikvideo soviel rausholen kann, spitzeee!

War das Beste an BRUISER. ;)

MISFITS haben so einiges in die Gänge geleitet, sprich sie haben viele Bands inspiriert, im weitesten Sinne, wobei ich kein Experte der Musikgeschichte bin. Aber da gab es schon so einige Bands, die ich genießen konnte, die mich an diesen schönen Stil erinnert haben. ;) Splatter gab es da auch öfter mal.

01.08.2017 23:30 Uhr - Fratze
1x
DB-Helfer
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"WELCOME TO THE PARTY, HONEY! AHAHAHAAA!!!"


Song und Video TOP, ebenso wie diese brillante Kritik! Vielen Dank, Nasi ^^

Die besten Songs haben übrigens meist nicht viel Text, in bester Ramones-Tradition:

A chill runs up your spine, it crawls into your brain
the freezing touch of fear
it's driving me insane, allthough you try to fight
dragged from the silence where you hide

- 'til you scream!
*singschrei* ^^

02.08.2017 21:29 Uhr - Evil Dawn
1x
DANKE @naSum, geiler Song! 🤘🤘🤘 Leider viel zu kurz und zu wenig Text. Der hätte ruhig länger gehen können🤘🤘🤘

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