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Amazonas - Gefangen in der Hölle des Dschungels

Originaltitel: Nudo e Selvaggio

Herstellungsland:Italien, Brasilien (1985)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Abenteuer, Horror, Trash
Alternativtitel:Baixada dos Dinosauros, A
Cannibal Ferox 2
Massacre in Dinosaur Valley
Nuddo & Selvaggio
Perdidos no Vale dos Dinossauros
Stranded in Dinosaur Valley
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,16 (19 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Das miese, dreckige Nest San Sebastias mitten im Amazonas-Dschungel wollen sie so schnell wie möglich verlassen: Kevin, der amerikanische Geologe, eine kleine Touristengruppe, der Fotograf mit seinen beiden Modellen und ein ausgemusterter Söldner.
Mit dem gecharterten Flugzeug soll es zurück in die Zivilisation gehen - raus aus der brütend heißen Dschungel-Hitze, die kaum mehr zu ertragen ist. - Nur wenige Stunden und ein kurzer Zwischenstopp im Tal der Aquara-Indios, wo Professor Ibanez und seine Tochter Eve nach Spuren prähistorischer Saurier forschen wollen, trennen sie vom wirklichen Leben. - Doch die Maschine gerät in ein tropisches Gewitter. Von einem gewaltigen Blitz getroffen, bleibt dem Piloten nur noch die Möglichkeit, eine Notlandung zu riskieren. Im tiefsten Dschungel gelingt ihm eine Bruchlandung, die er - wie auch der Professor - mit dem Leben bezahlt. Alle andern überleben...
Aber die zahllosen Gefahren der grünen Hölle - Krokodile, Piranhas und die wilden Aquara-Indios erwarten sie schon. - Ihre Chancen, lebend aus dieser verdammten Wildnis zu entkommen, stehen schlecht... (IHV VHS-Cover)

eine kritik von dicker hund:

Michele Massimo Tarantinis "Amazonas" ist ein Spätzünder des Kannibalenfilms, ohne in dieser Genrekategorie ein Reinblüter zu sein. Die Vita des Regisseurs zeigt mit Tit(t)eln wie "Flotte Bienen auf heißen Maschinen" und "Flotte Teens und heiße Jeans", dass man es hier nicht mit einem allzu ernsten Schocker zu tun haben dürfte.

Entsprechend trällert der Score in südländisch konnotierter Leichtigkeit los und leitet erst einmal eine satte Portion Humor (6/10) ein. Knochenjäger Kevin (Michael Sopkiw) schützt eines der Models gegen einen kleinen Mann, bis sich zwei Schränke mit abweichender Hautfarbe als "Brüder" des geprügelten Grabschers vorstellen und den Startschuss für eine Klopperei geben, die locker aus einem Film mit Bud Spencer und Terence Hill entsprungen sein könnte. Als Dankeschön bietet die verteidigte Dame ihrem Retter natürlich unumwunden ein ausgiebiges Stelldichein an, dessen Rosatöne in der Dragon-DVD keine kontinuierliche Bildqualität mehr haben. Dergleichen hat mit den bei solchen Werken beliebten Schnitthistorien zu tun, deren Details man auf dieser Seite leicht nachvollziehen kann. Wenn im Anschluss an den restaurierten Matratzen-Mambo die nicht minder ansehnliche Eva (Frauenknast-erprobt: Suzane Carvalho) hüllenlos zu sehen ist, hat der Zuschauer einen Vorgeschmack für die häufige Erotik (Sex 7/10). Jene erlaubt sich später noch einen kruden Ausrutscher mit einer Vergewaltigung, nach welcher die gepeinigte Frau bald unbeirrt wieder zu Scherzen aufgelegt ist und keine sichtbaren psychischen Folgen davonträgt.

Der obligatorische Absturz des Fugzeuges über dem titelgebenden Fluss geriet noch weniger reizvoll, wurde doch in einigen Einstellungen mit einem ferngesteuerten Propeller-Modell getrickst, das leicht als solches zu erkennen ist. Nach der Bruchlandung steht die Unwirtlichkeit des Urwalds im Zentrum des Interesses: Als Vietnam-Veteran übernimmt John (Milton Rodríguez, vielleicht bekannt aus "Manaos - Die Sklaventreiber vom Amazonas") in markiger Rhetorik die Führung durch die grüne Hölle. Jene bietet Raubtiere, Ungeziefer und Indios, die gerne Totenköpfe aufstellen und Menschenfleisch verspeisen. Diese Schädelknochen-affinen "Aquaras" erhielten ein schön zotteliges Design mit buntem Federschmuck, grotesken Masken, schräger Bemalung und "Ugha ugha"-Kommunikation. Sobald Konfrontationen mit den mehr oder weniger menschlichen Bewohnern der Flora mit dem Exitus enden, geschieht das schon einmal auffällig explizit (Gewalt 6/10), wobei der geringfügig vorhandene Tier-Snuff eher moderat inszeniert wurde. Der Höhepunkt des Kannibalen-Motivs tritt bedauerlicherweise verfrüht zur Halbzeit auf. 

Danach kann man sich darauf einstellen, dass das Menschenfresser-Getummel und sein Genrefreund, der Softporno, Gesellschaft erhalten, indem Abenteuerfilm-Elemente neben ihnen Platz nehmen. So führt das letzte Drittel zwar nicht ganz aus dem Dickicht, aber zumindest aus dem Revier der Eingeborenen heraus. Die Einzelheiten zu diesem Abschnitt um den kräftig gebauten China (Carlos Imperial, Regisseur von "O Sexomaníaco") werden hier natürlich nicht verraten. Jedenfalls erweist sich das Leiden der Zivilisations-verwöhnten Weißen dort als gleichsam ernst wie in der vorherigen, puren Wildnis. Angesichts dieses Aufbaus sind die Kannibalen und mit ihnen der Horror (4/10) hier kaum mehr als großzügig bemessenes Zierwerk. Selbst in der gefahrvollen Natur-Umgebung ertönt der Synthie nicht immer so gestimmt, als sei er auf Spannung gerichtet, und manche Requisiten wurden vermutlich mit Absicht in übertrieben schrille Neon-Farben getaucht. Das wirkt ähnlich grotesk wie die für die Handlung unerheblichen Fußspuren, die einsam und verlassen den irreführenden Alternativtitel "Massacre in Dinosaur Valley" zu rechtfertigen versuchen.

Die Schauspieler machen aus ihren holzschnittartigen, durch Augenzwinkern annehmbar geratenen Rollen einiges. Das gilt sogar für die weiblichen Akteure wie Belinda (Susan Hahn), die über lange Strecken mehr oder weniger hüllenlos umherlaufen müssen. Dieser frivole und dabei dezent ironische Flick bietet in seinem unbeschwerten Spaziergang durch die Genres einiges an Abwechslung und geriet überraschend kurzweilig. Er ist vielleicht nicht ganz so nackt und wild, wie der Originaltitel "Nudo e Selvaggio" verspricht, geht aber sympathisch ausgelassen mit seinem Trash-Faktor um. Daher kann man ihn in Kannibalen-Gefilden, Anerkennung der grundsätzlichen Zugehörigkeit vorausgesetzt, gar als kleine Perle (7/10 Punkten) auffassen. Die ungeprüften Fassungen blieben bisher von einer Indizierung verschont.

7/10
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Kommentare

04.09.2017 10:41 Uhr - naSum
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Cover, Titel, Alternativtit(t)el und Werbesprüche lassen unverkennbar das große kannibalische Vorbild durchscheinen. Mit gekonnter Beobachtungsgabe und poetischer Wortgewandheit stellst du das anschaulich und angenehm amüsant dar.

Stellt sich noch die Frage, ob der Tier Snuff mit Effekten getrickst wurde oder wie beim filmischen Vorbild, aller Ethik zum Trotz, wirklich durchgeführt wurde. Das hat mir den Film übrigens ziemlich vermiest!

04.09.2017 11:45 Uhr - Dissection78
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An Tiersnuff kann ich mich echt nicht erinnern. Ist allerdings schon etwas her, als ich diesen Trasher zuletzt sah. Man wird kurz Zeuge eines Hahnenkampfs, aber keines der Tiere wurde für den Dreh getötet. Jedenfalls sieht man davon nichts im Film, oder? War da noch was mit einer Schlange? Oder irre ich mich? In Joe D'Amatos "Nackt unter Kannibalen" wurde eine Schlange erschossen. Das war jedenfalls ein Effekt.

Nichtsdestotrotz wieder eine angenehm zu lesende Kritik zu einem formidablen Italo-B-Schund-Brüller :)

04.09.2017 11:55 Uhr - dicker Hund
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Danke!

Mir kamen 1-2 Szenen echt vor, die über den Hahnenkampf hinausgingen. Da diese im Briten-Schnittbericht aber nicht auftauchen, waren sie vielleicht doch gestellt. Weiß es jetzt auch nicht besser, sorry .

04.09.2017 12:14 Uhr - TheRealAsh
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Ich habe zuerst "Gefangen in der Hölle des Hundes" gelesen^^ Dein Review ist sehr treffen, bei den letzten Filmen von dir bin ich allerdings leider raus, da ich doch so ein zartbesaitetes Gemüt habe;-)

04.09.2017 14:44 Uhr - Intofilms
1x
Den Streifen kenne ich erst seit Kurzem. Habe ihn aber sofort gemocht und würde hier auch eine 7/10 vergeben. Ich habe die Blu von 88Films und meines Wissens weist diese VÖ Tiersnuff-Kürzungen auf. Ursprünglich muss da also wohl Tiersnuff vorhanden gewesen sein. Genaueres kann ich dazu aber auch nicht sagen...
Ich bin ja auch so ein zartes Gemüt. Sickos und Mondos sind so gar nicht meine Welt. Die lustig-derben Italo-Exploiter sind bei mir schon das höchste der Gefühle. Diese konsumiere ich auch gerne mal in rauen Mengen. Wenn ich so 'ne Anwandlung habe. Ich finde die dann immer höchst spaßig - was natürlich generell auch für deine Rezis gilt! :)

04.09.2017 15:24 Uhr - Punisher77
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DB-Helfer
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Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass dieser Film was für mich ist, aber das Review ist mal wieder hervorragend und unterhaltsam geschrieben. Daumen hoch!

04.09.2017 16:51 Uhr - Dissection78
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DB-Co-Admin
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Intofilms:

Ich habe jetzt nochmal nachgeschaut. Der Briten-Schnittbericht, den dicker Hund meinte, ist ja der Vergleich zwischen der 88-Films-Version und der von XT. Da fehlen in der englischen Fassung etwa 15 Sekunden Hahnenkampf sowie 18 Sekunden einer Sexszene (nix mit Tieren! ;)) und 9 Sekunden einer anderen Handlungssequenz, aber kein Tiersnuff. Insofern gehe ich davon aus, es gibt in "Nudo e Selvaggio" keine Tiertötungen. Normalerweise würde ich auch nicht so darauf rumreiten, aber ich hatte Cecil Anfang des Jahres versprochen, hier wäre kein Tiersnuff zu sehen, und es wäre mir peinlich, wenn dem doch so ist. Hätte ja sein können, dass ich "Nudo e Selvaggio" vielleicht mit einem anderen Film verwechselte. Muss mir nochmal meine olle DVD einlegen, um Erinnerungen aufzufrischen. Nur habe ich dafür die nächsten Tage keine Zeit :)

04.09.2017 17:29 Uhr - Intofilms
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Danke dir für die Info!
Ich wollte übrigens auch schon was nachschieben. Denn mir ist jetzt noch eingefallen, dass die BBFC den Begriff 'Tiersnuff' offenbar ziemlich weit fasst und dabei ganz strengen Richtlinien folgt. So wurde zum Beispiel bei der VÖ von Schlesingers "Far from the Madding Crowd" ebenfalls eine Hahnenkampf-Szene herausgeschnitten, d.h. man sieht noch, wie der Offizier diese Veranstaltung aufsucht und die Hähne jetzt gleich mit dem Kämpfen beginnen. Aber dann ist das Ganze auch schon wieder vorbei (bevor es also richtig begonnen hat).
Offenbar kommt es der BBFC gar nicht darauf an, ob Tiere wirklich getötet werden (was eher unserem Verständnis von 'Snuff' entspricht), sondern nur, ob sie verletzt werden und leiden müssen (egal, ob durch gegenseitige Angriffe oder durch Menschenhand). Das wird dann wohl recht allgemein unter dem unschönen Begriff 'animal cruelty' zusammengefasst und scheinbar ziemlich konsequent 'geahndet'.

Genau weiß ich das natürlich auch nicht. Ich vermute einfach, dass es so sein könnte...

04.09.2017 23:00 Uhr - Horace Pinker
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Gewohnt hündisch starke Rezension, die sehr amüsant und exellent formuliert ausfällt und dabei auch noch alle wichtigen Infos mitlieferst. Als Reptilienenthusiasten reizt mich ja allein schon das coole Cover und die beschriebene Mischung aus Abenteuerfilm, Kannibalenabenteuer und Comedy klingt ebenfalls recht unterhaltsam und wird wenn sich die Gelegenheit ergibt mal gesichtet.

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