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dicker Hund
Level 11
XP 1.619
Eintrag: 11.09.2017

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Big Snuff

(Snuff)
Herstellungsland:USA, Argentinien (1976)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Splatter, Trash
Alternativtitel:American Cannibale
Slaughter, The
Ángel de la muerte, El

Bewertung unserer Besucher:
Note: 3,83 (6 Stimmen) Details
inhalt:
Die Pornodarstellerin Terry und Angelica, die Ex-Freundin eines Millionärssohnes, geraten in Argentinien in die Fänge einer Satanisten-Sekte...
eine kritik von dicker hund:

Zu "Big Snuff" gibt es einen ganzen Strauß von Zensurlegenden, an denen das Marketing eine gewisse Mitschuld tragen dürfte. Einen Spielfilm als Zurschaustellung eines angeblich echten Mordes anzupreisen, ist sicherlich grenzwertig. So verwundert die lückenhafte Synchro der ungeschnittenen Fassung wenig, fielen doch einige Gewaltspitzen und besonders debile Dialoge dem Scherenmonster zum Opfer. Was die schillernde Geschichte des hier besprochenen Werks zum Schlagwort "unterschlagenes Produkt" betrifft, sei im Übrigen auf die vorzügliche Zusammenfassung vom Kollegen Dissection78 verwiesen.

Worum es geht? Dem Titel nach dürfte man zunächst an einen Handlungsboykottierer wie "American Guinea Pig" denken. Das trifft es aber kaum. Wir haben es hier mit 70er Jahre-Kost zu tun, in welcher Hippies sich Heroin spritzen, dem Satan huldigen und Menschenleben beenden. Das geschieht durch schnelle Messerstiche, anlasslose Pistolenschüsse und geringfügig ausgespielte Foltereien. Erst der Schluss, der nachgedreht wurde und eine Art Meta-Ebene einnimmt, bietet die für den Titel maßgeblich verantwortliche Deftigkeit, die des Gorehounds Augenbraue zu lupfen geeignet sein dürfte (Gewalt 7/10). Zuvor ist zwar schon der eine oder andere Tabubruch vorhanden, Derbheiten wie Leichenverstümmelung oder Kindesmissbrauch nutzen jedoch das kostenlose Off-Screen-Parkhaus zum Verweilen und schocken wohl nur Unerfahrene (Horror 5/10).

Was den "American Cannibale" (Alternativtitel) weiterhin ausmacht, sind die frivolen Erotik-Schleifen: Dauernd scheint die Sonne, so dass die weiblichen Mimen so gut wie immer Haut zeigen und natürlich sämtlich jung und attraktiv sind. Man(n) kann sie so ziemlich alle "oben ohne" begaffen - und wenn sie dem Koitus fröhnen, bleiben die Laken nur teilweise über den Körpern, wobei eine gewisse Steigerung der Freizügigkeit stattfindet (Sex 5/10). Die Kombination von Anzüglichkeit und Brutalität ist hier bemerkenswert exploitativ, wobei die Spielfreude der Schauspielerinnen angesichts der geforderten Inhalte noch ganz passabel bleibt.

"Glaubst Du vielleicht, ich würde nicht auch viel lieber andere Filme machen?"

Solche erotikmodellierungsmüden Sätze der Dame, die hier die divenhafte Softporno-Queen-Rolle übernehmen durfte, sind nicht frei von einer leisen Ironie, über deren Absicht es erlaubt ist, sich in Spekulationen zu verlieren (Humor 4/10). Urkomisch für den germanischen Zuschauer erscheinen jedenfalls auch der verwöhnte Loverboy Horst und sein lieber Herr Papa, die als klischeehafte "Deutsche" im südamerikanischen Exil über die Ethik des Waffenhandels schwadronieren und dabei zu einem Close-Up auf Vaters Zinken den Namen "Eichmann" fallen lassen dürfen. So manches Material wirkt in dieser wilden Mischung mit dünnem Erzählfaden geradezu beliebig; seien es nun die öden Flirtereien außerhalb der Sekte oder Merkwürdigkeiten wie die zufällig erscheinenden Gegenschnitte zu Close-Ups auf die Gesichter stöhnender Frauen. Obendrein muss noch ein Karnevalsumzug mit stock footage um sich schmeißen, das die langweiligen Geschehnisse um die Regisseur-Figur und seine arrogante Muse mit abweichender Farbgebung und inkompatiblen Helligkeitsverhältnissen begleitet.

"Hier ist 'ne Spritze: Die wird Dir helfen!"

Obwohl das soeben beschriebene Bild-Gewusel einen chaotischen Eindruck hinterlässt, kann es ebensogut als rauschhafte Präsentation umgedeutet werden. Dass dies nicht nur versehentlich erfolgt, lässt sich an einer Szene in stilvollem Schwarz/Weiß mit schwindelerregenden Perspektiven einer überdimensional aufgenommenen Scheune nachvollziehen. Trommelnde, abwesende Rhytmen betten die Ereignisse ein, zu denen die Kamera an sorgsam ausgewählten Stellen in vorübergehende Unruhe verfällt. Zu einem Bad im See raunt dann noch ein unheiliges Gebet durch die blechernen Lautsprecher, so dass eine performative Eigenständigkeit gelingt, die "The Slaughter" (Urtitel) von zahlreichen Konkurrenten abhebt.

"Big Snuff" ist sicherlich weit entfernt davon, eine spannende Story und entsetzliche Schauerpassagen zu einem seriösen, cineastisch überzeugenden Ergebnis zu vereinen. Er taugt auch nicht als exemplarische Sicko-Extremkost, die heutzutage neben einer breiten und gut ausgebauten Genre-Überholspur voller Hardcore-Brummis bestehen müsste. Es handelt sich schlichtweg um unverblümt provokative Sexploitation mit allen Ingredienzien der Dekade der sexuellen Befreiung und einigen Kunstblut-Spitzen, die sich trotz der Orange-Einschläge der verwendeten Trickflüssigkeit sehen lassen. Wer eine prickelnd-sinnfreie Berieselung mit beinahe unpassender Leichtigkeit und drastischem Gorefinale sucht, wird den hier bestimmt als "Okay" empfinden (6/10 Punkten). Anderer Ansicht war die BPjM, die eine Indizierung aussprach, lange nachdem die Kinofassung kurzzeitig beschlagnahmt und der Film dann mit einigen Kürzungen wieder auf freiem Fuß war.

6/10
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Kommentare

11.09.2017 10:24 Uhr - Horace Pinker
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Wie immer sehr schön formulierte, aussagekräftige und unterhaltsame Kritik, well done dicker Hund! Von Big Snuff höre ich jetzt das erste Mal, die Mischung aus Erorik und blutigen Geschmacklosigkeiten könnte recht unterhaltsam sein, ist aber dank scheinbar vorhandener Mängel sicher auch kein Must See und wird auf meine vielleicht sichten Liste gesetzt.

11.09.2017 11:54 Uhr - TheRealAsh
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Ich kenne den Film, nicht, deine rezi mit Wörtern wie ,handlungsboykottierer, und das geniale ,off-screen-parkhaus, gehen in meine persönliche hall of fame ein. Schnapp ihn dir, pfannekucheboy

11.09.2017 12:08 Uhr - naSum
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Wenn man den Titel liest und danach die äußerst knappe Inhaltsangabe zum Film, kann man eigentlich nur schlimmstes Minimalkino erwarten. Ganz gelungen scheints ja auch nicht zu sein ;)
Das Review dafür umso mehr.

Ash, an den Formulierungen hatte ich, ebenso wie du, auch wieder meinen Spaß. Irgendwann erstellt sicher mal ein SB-User ein Quiz-Special zu den Formulierungen vom dicken Hund im Stil von Wer wird Millionär. Verdient hätte er es!

11.09.2017 13:05 Uhr - NoCutsPlease
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Unser Mann - oder besser gesagt Hund - für berüchtigte Sickos hat wieder einmal zugebissen.
Diesen Film kenne ich nicht, aber es dürfte außer Frage stehen, dass er nicht so kunstvoll und ausgefeilt wie das Review sein dürfte.

11.09.2017 15:55 Uhr - leichenwurm
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Mieser kleiner Schundfilm... ;-)) ! Eigentlich ja nur wegen der letzten paar Minuten berühmt- berüchtigt... Wobei die Szene heut zu tage wohl eh niemanden, der im Genre etwas bewandert ist hinterm Ofen hervor locken dürfte... schon damals gab es überzeugendere Effektarbeit in anderen Genrefilmen zu sehen, was hier geboten wird ist schon arg durchschaubar getrickst... ! Das Review liest sich natürlich spitze... hat dieser miese kleine Stinker von Film gar nicht verdient ; -)) !

11.09.2017 16:00 Uhr - dicker Hund
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Danke!

Schön, dass Ihr auch ohne Affinität für den Film Spaß an der Kritik hattet;-)

11.09.2017 16:48 Uhr - NoCutsPlease
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Ach ja, mein persönliches Lieblingswort im Review ist "Handlungsboykottierer". :)

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