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Der Patriot

Originaltitel: The Patriot

Herstellungsland:USA (2000)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Drama, Krieg
Alternativtitel:Patriota, Il
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,12 (60 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

South Carolina, 1776. Als englische Soldaten während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges sein Heim und seine Kinder bedrohen, steigt der friedfertige Familienvater Benjamin Martin (Mel Gibson) widerwillig zum nationalen Helden auf. Obwohl er der festen Überzeugung ist, dass Gewalt keine Lösung ist, muss er sich bald eingestehen, dass er seine Familie nur beschützen kann, indem er für die Freiheit einer jungen Nation kämpft... (Sony Pictures)

eine kritik von tschaka17:

Ich bin ein Vater, ich kann mir Prinzipien nicht leisten!

Zu Beginn dieser Rezension könnte man sich ellenlang über das Thema Krieg unterhalten. Die Amerikaner sind gefühlt in jedem Konflikt auf irgendeine Weise vertreten, den meisten Quellen zufolge sind aber die Briten Kriegstreibende Nummer 1. Aber es handelt sich hier schließlich um eine Filmkritk und damit vornehmlich um die subjektive Bewertung eines Unterhaltungsprodukts.

Roland Emmerichs Epos - so kann man ein Werk mit 175 Minuten Laufzeit durchaus bezeichnen - aus dem Jahr 2000 trägt den Titel Der Patriot und folgt Mel Gibson in den Wirren des amerikanischen Unabhängigkeits-krieges sowohl auf dem Schlachtfeld als auch auf familiären Wegen. Dabei entsteht ein packender und tiefsinniger Film, der trotz des Titels kein zu großes Übermaß an Patriotismus propagiert und durch seine starken Darsteller und deren Interaktion überzeugt.

STORY

Benjamin Martin lebt mit seinen Kindern zu Zeiten des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges in South Carolina auf einer Farm. Früher selbst im Krieg zur Legende geworden stimmt er im Stadrat nun gegen eine militärische Einmischung der Kolonie in die Schlacht. Als Witwer möchte er seine Kinder beschützen und anderen Menschen den Schrecken des Krieges ersparen. Doch für Diplomatie mit den Briten ist es schon zu spät und South Carolina greift in den Kampf ein. Gegen den Willen seines Vater meldet sich dessen ältester Sohn.

Einige Zeit später klopft der Krieg an die Tür von Benjamin Martin. Er nimmt ein paar Verwundete und den heimgekehrten Sohn auf. Leider würdigen die Briten diese edle Handlung nicht, brennen sein Haus nieder und nehmen Martins Jungen gefangen. Als sie aber ein Kind des ehemaligen Kämpfer töten zieht dieser in den Kampf. Bald kommandiert er eine Miliz und macht den Briten als Geist mit unkonventionellen Taktiken das Leben schwer. Und die Zeit der Rache für den Tod seines Sohnes wird kommen!

CAST

Die gesamte Besetzung von Der Patriot ist in bestechender Form. Jeder bringt volle Leistung, sei seine Rolle auch noch so unbedeutend. So erhalten auch Randfiguren Feinschliff, was bei kurzen Dialogen und Szenen ein sehr stimmiges Bild erzeugt. Genauer eingehen sollte man auf die vier wichtigsten Charaktere:

Mel Gibson ist für mich einer der talentiertesten Schauspieler aller Zeiten. Man kann von seinen Eskapaden und Ansichten halten was man will, aber hinter der Kamera und vor allem auf dem Schirm ist der Mann genial. Seine physische Präsenz und das gewisse Charisma machen jede Rolle interessant und teilweise unvergesslich.

Die des Benjamin Walker ist für mich eine der eindrucksvollsten Darstellungen von Gibson. Der Verlust seiner Frau macht ihm zu schaffen, er liebt seine Kinder und ist fair zu anderen Menschen. Doch in ihm schlummert ein Krieger, den er eigentlich nie wieder freilassen wollte. Zu sehr verfolgen ihn seine schlimmen früheren Taten. Allerdings muss manchmal eben gekämpft werden und Martin geht diese Aufgabe mit Führungskraft und Geschick an. Seine Männer verehren ihn und seine Tricks wahren die schwachen Chancen auf einen Sieg. 1A-Performance und tolle Hauptfigur.

Ein jugendlicher Heath Ledger mimt den ältesten Sohn Gabriel Martin. Er teilt nicht alle Ansichten seines Vaters, ist sturrköpfig und impulsiv. Das Spiel und die Verbindung zwischen Vater und Sohn ist ein Hauptthema des Films und die Chemie zwischen Ledger und Gibson fesselt einen als Zuschauer. Leider zu früh verstorben dieses Talent!

Was lässt sympathische und ehrenhafte Protagonisten noch edler wirken? Ein mieser und richtig dreckiger Bösewicht. Jason Isaacs als Col. William Tavington brilliert in dieser Rolle. So ein fieser, brutaler und arroganter Dreckssack! Er tötet Zivilisten ohne mit der Wimper zu zucken, genießt das Leiden von Unschuldigen und hasst seine Vorgesetzten für deren höhere Positionierung. Als Zuschauer hofft man einfach so sehr, dass Martin ihm so richtig den Kopf abreißt. Wörtlich genommen. Perfekter Gegenspieler.

Tom Wilkinson steht diesem sehr negativen Feindbild als britischer General ein wenig gegenüber. Auch er möchte die Amerikaner niederschlagen, aber für ihn sind es immer noch Brüder, mit denen später wieder gehandelt wird. Als Mann alter Schule besteht er auf ehrenhaftes Verhalten und einen Sieg mit Stil. Damit er nicht zu nett wird wirft er etliche moralische Vorsätze später aber über Bord. Sein tölpelhaftes Verhalten in manchen Situationen und seine Überheblichkeit sorgen dafür, dass der Zuschauer stets seine Seite kennt.

TECHNISCHE ASPEKTE

Optisch ist das Werk der Zeit ab 1776 bestens abgepasst. Dreckige Schlachtfelder, typische Städte, bekannte Farmhäuser und damalige Kleidung versetzten einen in die richtige Stimmung. Besonders Uniformen und Klamotten sind sehr gut gemacht.

Die Kampfeffekte sind handgemacht. Einschlagende Kanonenkugeln oder Feuer sind schön dreckig gearbeitet, Wunden sind realistisch geschminkt und Blutpakete wurden auch benutzt. Einziger Wehrmutstropfen ist der in den Finalschlacht teilweise extrem auffällige Greenscreen im Hintergrund. Etwas unpassend wirken zudem die zwar gut gemachten, aber deplaziert wirkenden Kanonensplatterszenen. Ob das runde Blei unbedingt wie eine Bowlingkugel übers Feld rollen und dann einem Soldaten das Bein abhauen muss, ich weiß nicht.

Nicht zu Unrecht wurde die Kameraarbeit des Films 2001 für den Oscar nominiert. Übersichtlich in Schlachtsequenzen, ruhig bei Dialogen und mit vielen Totalen oder langen Fahrten bietet sich ein stimmiger Look. Auch das Runterframen einzelner Szenen passt gut, wird meiner Ansicht nach aber ein wenig überdosiert. Positiv hervorzuheben sind die sehr starken Szenenübergänge, die oft mit einer langsam eingeführten Schwarzblende arbeiten.

Der Soundtrack von John Williams ist erwartbar gut. Fröhliche Töne und passende dumpfe Kriegsmusik wechseln sich ab. Das Maintheme mit seinem hoffnungsvollen und doch melancholischem Klang ist klares Highlight.

FAZIT

Erstaunlicherweise ist Der Patriot in Sachen Patriotismus garnicht so überschwänglich wie man erwarten könnte. Da die Fronten von Gut (Amerikaner) und Böse (Briten) von Anfang an geklärt sind macht der Film diese Baustelle auch kaum mehr auf. Eine differenzierte Darstellung der britischen Ansichten wird hier wohl niemand vermissen. Wenn doch, solltet ihr den Titel nochmals lesen und den fahneschwenkenden Mel Gibson näher begutachten. Darauf wird dann doch nicht verzichtet.

Wie stand es doch irgendwo, der Film sei mehr eine Verfilmung des Gründungsmythos der USA und weniger an historischer Realität interessiert. Finde ich eine treffende Bezeichnung und unter dieser Voraussetzung einen fairen Deal. Geschichte dient als grober Rahmen.

Absolut grandios an diesem Werk ist aber seine Kurzweiligkeit. 175 Minuten Laufzeit im Extended Cut, der von mir klar aufgrund von noch mehr Tiefe empfohlen wird, sind enorm stattlich. Die interessante Geschichte und insbesonders die tolle Chemie der Darsteller verhindern Längen. Dafür gibt´s dick Punkte.

Der Patriot ist ein intensives Drama über Familie und Krieg. Packende Dialoge und eine zielgerichtete Handlung werden immer wieder von Kämpfen unterbrochen. Der gesamte Cast ist phänomenal, wobei Mel Gibson allen die Show stiehlt. Technisch ist der Film bis auf Ausnahmen fein gemacht und der Score ist toll. Punktabzüge bringen dann doch der Patriotismus, die sehr einfache Aufteilung in Gut & Böse und die für mich im Vergleich zum Vorher schwächere Finalschlacht.

Sichten? Auf jeden Fall! Aber mit Zeit. Und darauf einstellen, dass ein Film mit dem Titel Der Patriot Patriotismus als Thema hat. Wer korrekteste Geschichtserzählung sucht sollte vielleicht zur Doku greifen.

8,5/10

Warum sollte ich einen Tyrannen, der 3000 Meilen enfernt ist, gegen 3000 Tyrannen eintauschen, die nur eine Meile entfernt sind?!

9/10
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Kommentare

22.08.2017 20:09 Uhr - naSum
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Das ging jetzt aber fix mit dem Patrioten ;)
Ghettysburg dann übermorgen? :-D

Gute Schreibe, in der du alle wichtigen Elemente benennst und verständlich in eine Punktwertung einfließen lässt.

23.08.2017 12:16 Uhr - tschaka17
1x
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22.08.2017 20:09 Uhr schrieb naSum
Das ging jetzt aber fix mit dem Patrioten ;)
Ghettysburg dann übermorgen? :-D

Gute Schreibe, in der du alle wichtigen Elemente benennst und verständlich in eine Punktwertung einfließen lässt.

Unser kurzes Gespräch hatte mir Lust auf den Patrioten gemacht. Aus der Sammlung in den Player, wieder für gut befunden und rezensiert :D

Gettysburg muss ich noch kaufen, da werd ich auf nen guten Preis warten. Aktuell knapp 9€ ist mir dann doch etwas zu happig.

23.08.2017 15:34 Uhr - NoCutsPlease
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DB-Helfer
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Dafür dass "Gettysburg" eine Laufzeit von gut vier Stunden hat, kann man die 9€ fast schon als Investition für zwei Filme rechnen. Das wird wohl eine ziemliche Geduldsprobe für dich werden, vor allem mit dem Sichtungsfilter eines "Unterhaltungsprodukts".

23.08.2017 20:48 Uhr - tschaka17
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23.08.2017 15:34 Uhr schrieb NoCutsPlease
Dafür dass "Gettysburg" eine Laufzeit von gut vier Stunden hat, kann man die 9€ fast schon als Investition für zwei Filme rechnen. Das wird wohl eine ziemliche Geduldsprobe für dich werden, vor allem mit dem Sichtungsfilter eines "Unterhaltungsprodukts".

Bei der Finanzierung stimme ich dir fast zu, vielleicht gibt´s den aber ja auch auf Prime etc. Müsste ich mal schauen.

4,5 Stunden sind durchaus ne sehr lange Zeit. Aber wenn man darauf eingestellt ist und der Film dann packt sollte das Spaß machen. Die Herangehensweise ist anders als bei anderen Filmen, da Gettysburg offensichtlich deutlich historisch korrekter ist und man richtig was lernen kann. Werde mir da Zeit für nehmen und nur dann schauen, wenn ich richtig Bock habe. Und um deine unterschwellige Andeutung zu übernehmen: Es gibt Filme mit nur 80 Minuten Laufzeit, die als Unterhaltungsprodukt vertrieben werden und totale Langeweile verursachen ;)

24.08.2017 08:35 Uhr - naSum
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23.08.2017 20:48 Uhr schrieb tschaka17
23.08.2017 15:34 Uhr schrieb NoCutsPlease
Dafür dass "Gettysburg" eine Laufzeit von gut vier Stunden hat, kann man die 9€ fast schon als Investition für zwei Filme rechnen. Das wird wohl eine ziemliche Geduldsprobe für dich werden, vor allem mit dem Sichtungsfilter eines "Unterhaltungsprodukts".

Bei der Finanzierung stimme ich dir fast zu, vielleicht gibt´s den aber ja auch auf Prime etc. Müsste ich mal schauen.

4,5 Stunden sind durchaus ne sehr lange Zeit. Aber wenn man darauf eingestellt ist und der Film dann packt sollte das Spaß machen. Die Herangehensweise ist anders als bei anderen Filmen, da Gettysburg offensichtlich deutlich historisch korrekter ist und man richtig was lernen kann. Werde mir da Zeit für nehmen und nur dann schauen, wenn ich richtig Bock habe. Und um deine unterschwellige Andeutung zu übernehmen: Es gibt Filme mit nur 80 Minuten Laufzeit, die als Unterhaltungsprodukt vertrieben werden und totale Langeweile verursachen ;)


Beim Kauf empfehle ich ganz klar die Bluray, da nur diese den Directors Cut enthält, der auch auf Hintergründe gut eingeht und die ein oder andere lohnenswerte Szene enthält. Die DVD ist mit knapp unter 4 Stunden deutlich kürzer.

Ich habe damals genau wegen dieser Bluray vom DVD-Spieler auf Bluray aufgestockt. Und dann aber die Sichtung wegen der hohen Laufzeit fast 4 Monate rausgezögert...^^

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