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Atomic Blonde

Herstellungsland:USA (2017)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Comicverfilmung, Thriller,
Mystery
Alternativtitel:Coldest City, The
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,10 (20 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

„Glasnost” und „Perestroika“ bringen die Mauer zu Fall. Der eiserne Vorhang und der kalte Krieg sind fast Geschichte. Doch das ist nicht DIESER Film... 1989, Berlin: Die Top-Agentin Lorraine Broughton hat die Order, Informationen höchster Brisanz zu besorgen. Doch die geteilte Stadt fordert von ihr das Äußerste - es geht buchstäblich ums nackte Überleben. Mit Kalkül, Sinnlichkeit und unerbittlicher Härte kommt sie Zug um Zug ihrem Ziel näher. Denn eins steht fest bei dieser tödlichen Schachpartie: Über Bauernopfer entscheidet allein die blonde Königin. Atomic Blonde entwickelt sich zur siedend heißen Mischung aus Style und Schlagkraft, aus sinnlicher Verführung und kompromissloser Action. (Universal Pictures Deutschland)

eine kritik von tschaka17:

Vergessen Sie nicht: Trauen Sie niemandem!

Ein Film von dem Mann, der John Wick inszeniert hat und für viele der besten Kampf- & Stuntszenen ab 2000 verantwortlich ist?! Die Rede ist von Regisseur David Leitch und seinem neuen Werk Atomic Blonde mit einer Frau in der Hauptrolle. Die ersten Kritiken sind solide, überschlagen sich aber nicht vor Freude. Was kann der Streifen in meinen Augen?

STORY

Berlin 1989, kurz vor der Wende. Eine Liste mit den Namen aktiver Spione in der Sowjetunion wird gestohlen. Die britische Agentin Lorraine Broughton wird beauftragt das wertvolle Stück wiederzubeschaffen, hinter dem fast jeder Geheimdienst Europas her ist. Unterstützung erhält sie dabei von dem Mann ihrer Majestät vor Ort, David Percival. Dieser ist in Berlin Hauptagent des MI6. Dummerweise spielt auch ein Doppelagent in den eigenen Reihen mit und so wird die Jagd auf die Liste ein blutiger Kampf in unruhigen Zeiten.

CAST

Es ist eher ungewöhnlich Frauen in Actionfilmen die Hauptrolle zu geben. Zu männerlastig ist doch dieses Genre und einige Projekte mit Damen am Steuer sind schon gescheitert. Doch Charlize Theron ist ja nicht irgendeine Frau. Einer DER Topstars der weiblichen Riege in Hollywood steht ihren männlichen Kollegen in Nichts nach. Sie flucht, sie kassiert und sie teilt aus. Allerdings ist sie dann doch etwas attraktiver als die Herren des Geschäfts - nichts gegen den nie alternden Keanu Reeves ;)

Lorraine Broughton ist eine toughe und ziemlich abgefuckte Agentin. Sie versucht mit Köpfchen an die Sache heranzugehen, muss aber auch ihre physischen Talente einsetzen. Theron funktioniert sowohl als Sympathieträgerin als auch Kampfbiest. Und das meine ich wörtlich! Technik ist die eine Seite der Medaille, um schwere(re) Jungs umzuhauen, rohe Energie die andere. Aber zur Action komme ich später noch einmal. Kurz und bündig: Charlize Theron spielt top und ihre Figur funktionert in allen Belangen.

Mit von der Partie ist James McAvoy. Ich mag den Kerl. Manche haben einfach Talent. Er defintiv! Auch hier beweist er wieder seine Wandlungsfähigkeit. Genauso abgefuckt wie Theron und ebenso brutal kocht er sein ganz eigenes Süppchen. David Percival, der Agent ihres Vertrauens?

Zwar gibt es im Randcast noch bekannte Personen wie John Goodman, Toby Jones, Sofia Boutella oder den deutschen Vertreter Til Schweiger, die Grundaussage "saubere Arbeit" reicht hier aber aus.

TECHNISCHE ASPEKTE

Die Optik hat einen coolen Look. Interessante Kameraperspektiven, stylische Bilder und ein Setting in den 80ern geben dem Ganzen einen speziellen Flair. Wobei mir der ab und an erahnbar animierte Hintergrund von Berlin nicht ganz so gut gefällt. Autos, Gebäude und Klamotten passen, aber auf die Distanz merkt man dann doch den Computer.

Positiv hervorzuheben sind die in Grafitioptik gehaltenen Einblendungen. Diese passen wie Faust aufs Auge und sorgen für noch mehr Style. Auch die experimentelle Farbgebung (beispielsweise Rot oder kaltes Blau) ist auf den Film und die Situation abgestimmt. Ebenso treffend sind reale Aufnahmen der Zeit eingearbeitet.

Streitbar ist die Musik. Die Tracks sind aus der damaligen Zeit und extrem offensiv. Dass sie passen wird kaum jemand bemängeln, aber sie sind eben sehr aufdringlich und präsent. Mir persönlich gefällt der heftige und donnernde Klang ausgezeichnet. Einigen wird diese rohe Art allerdings zu viel sein.

STYLE OVER SUBSTANCE?

Wohl die Frage, die sich viele stellen? Wenn Optik und Sound klasse sind, bleibt dabei die Story auf der Strecke? Leider muss ich sagen: Teilweise. Zu Beginn schleppt sich der Film. Die Geschichte ist stellenweise sehr vorhersehbar, bietet aber auch unerwartete Twists. In der ersten Hälfte wird gefühlt mit angezogener Handbremse gefahren. Es gibt zu wenig Action und eine zu langatmige Handlung. Hier hat sich die etwas gesenkte Erwartungshaltung gelohnt, da so nicht die Lust am Film verging.

Denn es wird besser. Wesentlich besser. Die zweite Hälfe räumt nämlich richtig auf. Desto mehr die Gewaltschraube (vor allem der rote Lebenssaft) eskaliert, desto mehr geht auch der Film ab. Gab es zum Start zwar gut und laut auf die Nuss, ohne dabei allzu brutal vorzugehen, werden die Samthandschuhe nun komplett ausgezogen.

Absolutes Highlight ist der One-Take-Fight im Treppenhaus. Wer hier aus dem Trailer die knappe Minute feiert wird den kompletten minutenlangen Kampf lieben! David Leitch at it´s best. Manche Kritiker fanden die Choreographien gestellt, da stimme ich überhaupt nicht zu. Hier wird mit roher Gewalt aufeinander eingeschlagen, geschossen und gestochen. Und "strong violence" ist korrekt. Auch die weniger blutigen Spannungsszenen sind in der zweiten Hälfte deutlich intensiver und packen den Zuschauer einfach.

War ich am Anfang nicht ganz vom FSK 16 überzeugt wurde ich später eines Besseren belehrt. Im Hintergrund knallende Musik und auf dem Schirm brettharte Kämpfe. Die Kamera bleibt dabei Herr des Geschehens und hält voll drauf. Die Effekte sind eine Mischung aus gutem CGI (das Feuer ist ok) und handgemachter Arbeit.

Als störendes Element zu erwähnen sind leider die ständigen Zigaretten. Von mir aus kann eine Figur gerne viel rauchen, aber muss in fast jeder Szene eine Fluppe an sein? Und muss diese auch noch visuell zelebriert werden? Von der netten Schleichwerbung für Marlboro zwischendurch sehen ich mal ganz ab. Definitiv der dickste Lacher des ganzen Abends.

FAZIT

Ich bin zufrieden. Die Story ist akzeptabel, reißt aber keine Bäume aus. Geübte Kinogänger werden viele Wendungen früh erraten. Überraschungen sind aber trotzdem noch vorhanden. Der Cast spielt stark auf, ein schön dreckiger James McAvoy als Helferlein macht Laune und Charlize Theron als Atomic Blonde ist sexy, clever und scheut sich nicht die Hände schmutzig zu machen.

Optisch ist der Film fein gemacht mit coolen Details als Boni. Es gibt aber Filme, die den Flair einer bestimmten Zeit mehr transportieren. Aufgesogen wird man bei diesem Werk nicht. Der Soundtrack ist sehr offensiv und präsent, dies kann entweder nerven oder überzeugen. Mir gefällt Wumms meistens, hier auch.

Insgesamt bietet der Streifen, gerade im ersten Teil, zu wenig (harte) Action. Es ist aber ein Action-Thriller und wer wartet wird belohnt. Part 1 würde solide 7 Punkte erhalten, Hälfte 2 mit tollen, blutigen Fights und generell einfach mehr Fluss, Spannung und Intensität deutlich mehr.

Wer einen vorhersehbaren, aber trotzdem interessanten Action-Thriller mit einer Dame in der Hauptrolle und einer Unmenge an Zigaretten sichten möchte kann getrost zugreifen. Die 115 Minuten Laufzeit ziehen sich am Anfang ein wenig, ab der Hälfte gibt das Vehikel aber richtig Stoff. Und der Sound knallt von Minute 1 an!

Und um die anstehenden Vergleiche mit John Wick hier auch abzuarbeiten: Atomic Blonde ist kein John Wick! Hier läuft keine Frau Amok wegen eines toten Hundes und eines Autos. Hier geht eine Agentin ihrer Arbeit nach, stellenweise halt mit brutaler Gewalt. Mir gefallen beide Filme, ein Genre teilen sie sich trotz Ähnlichkeiten aber meiner Ansicht nach nicht unbedingt.

7,5/10

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Kommentare

25.08.2017 17:01 Uhr - Necron
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Perfekt. Das klingt doch richtig gut und so wie deine Review im Detail ausfällt hatte ich den Film im Vorfeld bereits mehr oder weniger eingeschätzt (Anhand von Trailer Material und Vorabinfos)

Jetzt noch ein bisschen mehr Vor-Freu auf meinen Kinobesuch dieses Wochenende. :)

26.08.2017 09:03 Uhr - cecil b
Moderator
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Äußerst interessante und gut gelungene Review!

27.08.2017 20:19 Uhr - Necron
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So, gerade aus dem Kino zurück.
In kurz: Der Film ist die versprochene Bombe, voll in die Fresse und zwar mit Anlauf.
In lang: die Review trifft es eigentlich ziemlich genau. 8/10 passt somit in jedem Fall, ich würde sogar eine vorsichtige 9/10 vergeben, weil mich die angesprochenen Kritikpunkte (Dauerrauchen und weniger Action in der ersten Filmhälfte) nicht wirklich gestört haben. Die Story war dazu verdreht ok. Sogar besser als gedacht.
Und die Action, alle Achtung. Die genannte Treppenhausszene (ca. 10 Minuten lang!) ist aber mal sowas von bretthart in die Fresse. Ich möchte sogar meinen mit Abstand das realistisch-härteste was es die letzten Jahre zu sehen gab. Und gibt's da aufs Maul! Und alle pfeifen bzw. bluten aus dem letzten Loch.. Bombe.

Ich freu mich jetzt bereits auf die gierige Zweitsichtung auf Scheibe. :)

P.S.
Und ganz klar, Charlize Theron war natürlich über alle Maßen extremst pornös.
Rrrrrrrrrrrrrrrr... ;)

27.08.2017 20:46 Uhr - tschaka17
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27.08.2017 20:19 Uhr schrieb Necron
So, gerade aus dem Kino zurück.
In kurz: Der Film ist die versprochene Bombe, voll in die Fresse und zwar mit Anlauf.
In lang: die Review trifft es eigentlich ziemlich genau. 8/10 passt somit in jedem Fall, ich würde sogar eine vorsichtige 9/10 vergeben, weil mich die angesprochenen Kritikpunkte (Dauerrauchen und weniger Action in der ersten Filmhälfte) nicht wirklich gestört haben. Die Story war dazu verdreht ok. Sogar besser als gedacht.
Und die Action, alle Achtung. Die genannte Treppenhausszene (ca. 10 Minuten lang!) ist aber mal sowas von bretthart in die Fresse. Ich möchte sogar meinen mit Abstand das realistisch-härteste was es die letzten Jahre zu sehen gab. Und gibt's da aufs Maul! Und alle pfeifen bzw. bluten aus dem letzten Loch.. Bombe.

Ich freu mich jetzt bereits auf die gierige Zweitsichtung auf Scheibe. :)

P.S.
Und ganz klar, Charlize Theron war natürlich über alle Maßen extremst pornös.
Rrrrrrrrrrrrrrrr... ;)

Sehr schön :D Ich denke nach der nächsten Sichtung - und optimal angepasster Erwartungshaltung - steigt das Ding bei mir von den Punkten auch noch.

Und das Treppenhaus ist einfach nur der geniale Wahnsinn! Purer Zucker.

02.09.2017 19:20 Uhr - NICOTERO
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Sehr gelungener Flic!
Deine Review und Eindrücke dieses Werkes decken sich quasi 1:1 mit meinem Empfinden...

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