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dicker Hund
Level 11
XP 1.661
Eintrag: 09.10.2017

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The Walking Dead - Die komplette siebte Staffel

Antichrist

Herstellungsland:Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien (2009)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Drama

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,42 (23 Stimmen) Details
inhalt:
Ein trauerndes Paar zieht sich in ihre einsame Hütte, "Eden", in den Wäldern zurück. Sie kämpft nach dem Tod des kleinen Sohnes mit Trauer und Schuldgefühlen, die in ihr eine Depression hervorrufen. Er ist Psychiater und will sie dort im Wald, vor dem sie sich so sehr fürchtet, therapieren. Doch er muss bald erkennen, dass sehr viel mehr hinter dem Verhalten seiner Frau steckt, und beide stürzen in der Abgeschiedenheit der Hütte in eine Spirale aus Sex und Gewalt.
eine kritik von dicker hund:

Lars von Triers "Antichrist" ist ein Psychothriller mit unübersehbarem künstlerischen Anspruch, der mit Symbolen aus dem Bereich des überkommen Klerikalen sowie des Okkultismus experimentiert. Noch schwerer zugänglich als dieser Einleitungssatz gestaltet sich der Konsum des Werkes.

Es geht um ein Paar, das den gemeinsamen Sohn im Kleinkindalter verloren hat. Wie das geschah, erzählt der Prolog in ruhigem Schwarz-Weiß. Klassik mit Gesang in Moll erklingt, in der Folge wird kaum noch Musik zu hören sein. Das Leben kommt zu Fall - und das im Takt des Geschlechtsaktes, zu dem es "harte" Pornografie im Framebereich zu betrachten gibt. Der Verkehr als Ritual zum Erschaffen von Leben lenkt hier vom Tode ab.

Nun geht es in Farbe episodenhaft weiter. "Sie" (Charlotte Gainsbourg) ist in "Trauer" (zweiter Subtitel). Diesen Zustand erleidend redet die Frau im mildem Tonfall, inhaltlich aber sarkastisch-herabsetzend mit "ihm" (Willem Dafoe), der sich wiederum besorgt und liebevoll, zugleich aber paternalistisch gibt.

"Ich verstehe."

- "Du verstehst vieles, aber das verstehst Du nicht."

Nach so einem Dialog ein Kuss: eine unangenehme Dissonanz zwischen körperlicher und verbaler Kommunikation. Die maskulinerseits bekundete Liebeserklärung bleibt unerwidert. In dieser Grundstimmung entwickelt sich die Geschichte, in welcher der Berufstherapeut seine Partnerin zu behandeln gedenkt. Dieser Ansatz ist sicherlich innovativ, zugleich ist er intellektuell und kompliziert - so wie die Charaktere. Obwohl deren Negativität oft unsympathisch erscheint, entwickeln sie sich zu unausweichlichen Identifikationsfiguren, ähnlich wie ein aufdringlicher, ungebetener, aber doch im Grunde respektierter Besuch. Erheblichen Anteil am bei der Betrachtung steigenden Unbehagen haben die Schauspieler, die die Ambivalenz ihrer Rollen offenbar verinnerlicht haben und ihr ganzes Star-Talent in die Waagschale werfen. Das Verhalten ihrer Figuren wird hierbei immer pathologischer.

Mit dem geistigen Abwärtstrend nehmen konsequenterweise die religiös konnotierten Visionen zu, deren Deutungsmöglichkeiten bereits im Review vom Kollegen cecil b einen engagierten Interpretationsausflug unternommen haben. Für den Autor standen sie bei der Betrachtung einfach für sich, was die Intensität des Erlebens keineswegs abgeschwächt hat. Die farbarme Bildästhetik sowie eine fast meditative und doch schaurige Kommentierung durch den um Nervenheilung bemühten Herrn der Schöpfung zementieren die vernebelt-misanthropische Atmosphäre. Die Tonspur schwankt dabei zwischen angemessen leise und gelegentlich allzu schwer verständlich. Irritieren kann dies aber nur kurzzeitig. Wenn sich die Erfahrungen häufen, dass an sich positiv besetzte Waldtiere äußerst beunruhigende Metaphorik ausdrücken können, werden die trist-verunsichernden Schwingungen toxisch und lassen den Zuschauer auch nach der Sichtung so schnell nicht mehr los (Horror 8/10). Das Ganze eskaliert in einer außergewöhnlichen Form sexualisierter Gewalt (7/10), die sich Zeit lässt, um dann um so drastischer zu schockieren. Es handelt sich um die Klimax des immer wieder präsenten Koitus (Sex 7/10), dessen Betrachtung allerdings ob des kruden Paarverhaltens besser nicht mit erotischem Sehvergnügen verwechselt werden sollte.

Wenn Lars von Trier provozieren möchte - dann richtig (8/10 Punkten). Mit dieser großen Filmperle hier ist nicht zu spaßen (Humor 1/10). Die abschreckende Hybris des gelegentlich bereits akustisch unverstehbaren Psychologen erweist sich als fast genauso abstoßend wie die destruktive Feindseeligkeit der frustrierten Beinahe-Akademikerin mit Hexen-Tick. Dass der Plot dennoch so mitreißend und die anstößigen Elemente so nachdrücklich gelungen sind, macht diese cineastische Widerspruchsfusion zu einem schwer verdaulichen, manchmal zum Nase-Rümpfen anregenden und doch beeindruckenden Erlebnis. Die Erwachsenenfreigabe der FSK ist vermutlich auf Zaubersprüche aus der Walpurgisnacht zurückzuführen.

8/10
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Kommentare

09.10.2017 09:17 Uhr - NoCutsPlease
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Auch Wuffi hat ein Pfötchen für anspruchsvoll-sperrige Kost, sofern die passenden Ingredenzien beigemischt sind. :)
Das war damals mein erster von-Trier-Film und hat mich zunächst auf dem falschen Fuß erwischt. Mittlerweile weiß ich den aber auch sehr zu schätzen.

09.10.2017 09:55 Uhr - DriesVanHegen
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Interessante und Wortgewandte Besprechung zu einem Monster von Film!
Bereitet definitiv unangenehmes Vergnügen und kann einen leicht desillusioniert zurücklassen.
Schauspielerisch aber über jeden Zweifel erhaben und fast schon quälend authentisch, optisch wird die beklemmende Atmosphäre perfekt wiedergegeben und bestärkt. Kein Horrorfilm im eigentlichen Sinne, aber allein die Inszenierung des Waldes lädt zum Grausen ein.

Im Kino gesehen, förmlich erschlagen & die DVD im Schrank nur zu Probezwecken vor langer Zeit eingelegt. Harter, strapazierender Tobak.

09.10.2017 11:47 Uhr - naSum
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Dein zweiter Absatz drückt die Stimmung, Symbolik und Aussage des Filmes eigentlich schon aus und könnte das Review beenden. Sehr stark ausgedrückt.

Der Film selbst hat mich auch sehr beeindruckt. Ich musste ihn zum vollen Verständnis aber zwei mal schauen, da sich mir speziell die Tier-Metaphorik nicht von Beginn an erschlossen hat.

09.10.2017 11:56 Uhr - Ghostfacelooker
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Ein solch glanzvolles Review hat der Film gar nicht verdient.

09.10.2017 13:35 Uhr - TheRealAsh
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Hervorragendes Review, Hundefreund, in dem du sehr poetische Züge aufgreifst. Auf deiner persönlichen Wertungsskala stimme ich dem 1/10er-Humor vollkommen zu. Obwohl, wenn man unfreiwilligen Humor mit dem Fuchs einbezieht vielleicht doch ne 2;-)

09.10.2017 14:39 Uhr - Ghostfacelooker
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ach nebenbei hab ich schon gesagt das der Film sehr plakativ ist?^^^^^^und Lars von Trier überbewertet

09.10.2017 18:35 Uhr - Intofilms
4x
"Negativität" ist hier überhaupt der Schlüsselbegriff. Enfant terrible Lars von Trier knallt uns hier resoluten Horror in seiner unangenehmsten Spielart vor den Latz: eine psychisch-physische Höllenfahrt in die ewige Verdammnis. Hier gibt es absolut keine Erlösung, keinen Ausweg, keinen noch so fahlen Hoffnungsschimmer. Glaube, Liebe, Hoffnung - das war einmal. Hier wird die totale Negierung des Göttlich-Barmherzigen zelebriert.
Das Waldsetting finde ich schlicht überwältigend. Die Interaktion von Mensch und Tieren lässt mich diesen Streifen übrigens auch als eine Art Märchen begreifen - natürlich, ganz im Sinne der Negierung, ein Anti-Märchen ohne erbaulich-lehrreiche Botschaft. Das fehlt hier komplett. Dazu trägt natürlich auch die ausgesprochen schwierige Metaphorik ihren Teil bei...

Von mir gibt's eine bibbernde 9/10. Top-Rezi, Hundchen! :)

09.10.2017 19:39 Uhr - Necron
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Chaos regiert ... sagte der Fuchs ;)

09.10.2017 22:58 Uhr - Ghostfacelooker
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09.10.2017 19:39 Uhr schrieb Necron
Chaos regiert ... sagte der Fuchs ;)


Wer deine Sprüche liked der glaubt auch der Bildzeitung^^^^^^

10.10.2017 08:48 Uhr - JasonXtreme
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Der Film war nicht meins, dafür die Rezi umso mehr. Sprachlich abermals gespickt von Feinheiten, sehr geil.

10.10.2017 13:26 Uhr - naSum
1x
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10.10.2017 08:48 Uhr schrieb JasonXtreme
Der Film war nicht meins, dafür die Rezi umso mehr. Sprachlich abermals gespickt von Feinheiten, sehr geil.


Was hat dich gestört am Antichristen? Und wie würde der bei dir abschneiden?

10.10.2017 14:27 Uhr - JasonXtreme
2x
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Mir war der zu arthousig aufgeblasen unterm Strich. Dieses bewusste "schocken wollen" mit HC-Szenen nervt mich eher, als dass es mich anzieht. Und das ist es z. B. auch was mich bei einem Noé nervt. Ich stehe von Trier nicht ablehnend gegenüber, konnte sogar mit Idioten was anfangen - aber hier war für mich einfach die Publicity im Vordergrund, die der Film im Vorfeld wegen genau solcher Szenen hatte. Und mal ehrlich, er hätte auch ohne funktioniert (gut für mich thematisch nicht, aber das ist zu subjektiv). Optisch und inszenatorisch spreche ich dem Film ja nicht alles ab! Auch die Darsteller stehen für sich - vielleicht hat er mich auf dem falschen Füsschen erwischt

10.10.2017 17:08 Uhr - TheRealAsh
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09.10.2017 22:58 Uhr schrieb Ghostfacelooker
09.10.2017 19:39 Uhr schrieb Necron
Chaos regiert ... sagte der Fuchs ;)


Wer deine Sprüche liked der glaubt auch der Bildzeitung^^^^^^


Das ist ein Zitat aus dem Film und sagt der Fuchs;-)

10.10.2017 18:43 Uhr - Necron
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10.10.2017 17:08 Uhr schrieb TheRealAsh
09.10.2017 22:58 Uhr schrieb Ghostfacelooker
09.10.2017 19:39 Uhr schrieb Necron
Chaos regiert ... sagte der Fuchs ;)


Wer deine Sprüche liked der glaubt auch der Bildzeitung^^^^^^


Das ist ein Zitat aus dem Film und sagt der Fuchs;-)


Pssst, verrate doch nicht alles ;)

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