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TheRealAsh
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Eintrag: 03.10.2017

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The Walking Dead - Die komplette siebte Staffel

Brimstone - Erlöse uns von dem Bösen

(Brimstone)
Herstellungsland:Niederlande, Frankreich, Deutschland, Schweden (2016)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Thriller, Western, Mystery

Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,67 (3 Stimmen) Details
inhalt:
In einer Kleinstadt im wilden Westen wird die scheinbar ruhige Idylle aufgewühlt, als Liz (Dakota Fanning) mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. Sie wird eines Verbrechens beschuldigt, dass sie nicht begangen hat. Zeitgleich taucht der Gesetzlose Samuel (Kit Harrington) auf, der genau wie Liz, vom neuen Priester des Dorfes (Guy Pearce) wegen seiner Vergehen angeprangert wird. Im Auftrag Gottes entfacht der Prediger eine größenwahnsinnige und vor nichts zurückschreckende Hetzjagd auf die Sünden, die in der Vergangenheit begraben liegen.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von therealash:

Mit Brimstone habe ich wirklich ein Problem. Das liegt vor allem daran, dass ich eigentlich ganz vieles nicht schreiben kann, weil das für jeden den Ersteindruck des Filmes schmälern würde. Und das möchte ich auf keinen Fall, da mich dieser Film kurzerhand umgeworfen hat und ich schon lange nicht mehr dieses Gefühl hatte, nicht zu wissen, wie eine Geschichte jetzt aufgebaut ist und wie sie endet.

Wie gesagt, ich werde also vieles nur andeuten und wie im herkömmlichen Klappentext nur darauf hinweisen, dass sich die Handlung auf eine junge Frau konzentriert, die von einem wahnsinnigen Reverend verfolgt wird. Damit genug.

Eine gewisse Verbindung besteht zum fast märchenhaft übersteigerten Klassiker Die Nacht des Jägers von Charles Laughton mit dem superben Robert Mitchum, der trotz der Ähnlichkeit aber einen völlig anderen Charakter spielt. Vom Setting befinden wir uns im Wilden Westen, was aber niemanden abschrecken sollte, da wir es hier mit einer hieb- und schussfesten Tragödie erster Filmliteraturgüte zu tun haben. Verweise auf ein Mammutwerk wie Paul Thomas Andersons There Will Be Blood sind da sicher ein guter Hinweis, in dem es ja ebenfalls um einen etwas seltsamen Priester geht.

Die Erzählstruktur hat mich, wie gesagt, sehr an Quentin Tarantino erinnert, ist aber letztlich trotz allem klassisch. Ein Vergleich ist für mich Pulp Fiction, obwohl Brimstone weniger verwirrend und abgeschlossener gegliedert ist. Die extreme Spannung dieses Handlungsrahmens wurde aus meiner Sicht von vorne bis hinten perfekt geschrieben.

Wichtig ist ebenfalls, dass es sich hier nicht um eine lineare Erzählung handelt, sondern eine bewusst umgestellte Szenenfolge, die sich jedoch in vier gut überblickbare Teile gliedert unter den Kapiteltiteln "Revelation", "Exodus", "Genesis" und "Retribution". Auch hier werde ich jetzt schweigen, da ich sonst schon zu viel verraten würde.

Gut, Regisseur dieses genreübergreifenden Westernmeisterwerks ist Martin Koolhooven, der mir bis dahin nicht bekannt war. Mit Schnitzelparadies, Bipolar - Meine Mama ist anders und Winter in Wartime konnte er wohl schon Achtungserfolge verbuchen, die ich demnächst nachholen muss. Was Koolhoven hier am Regiepult und mit dem Drehbuch macht, ist schlichtweg phänomenal und großes filmisches Erzählen. Kameramann Rogier Stoffers (Lakeview Terrace, School of Rock, Disturbia) fügt das alles in eine düstere und weitläufige Quadrierung, die dem historischen Setting, den dunklen und engen Räumen, der Trockenheit der Landschaft und der klirrenden Kälte des Winters gerecht wird. Von der Stimmung her ist Brimstone quasi perfekt.

Schauspieltechnisch gibt es ebenfalls nichts zu mosern, da die männliche Hauptrolle des üblen Reverend mit Guy Pierce so gut besetzt ist, dass man mit wohligem Schauern an Nolans Memento zurückdenkt und The Time Machine gerne vergisst. Dakota Fanning (Twilight, War of the Worlds und Schwester von Elle Fanning aus The Neon Demon) teilt sich ihre Rolle mit Emilia Jones (High-Rise) und beide beweisen, dass zwei Schauspieler für eine Rolle perfekt besetzt sein können. Noch zu erwähnen ist Kit "The Real John Schnee" Harington, der hier als engelhaft-zwiespältige Retterfigur auftaucht, die ihm grandios steht. Bitte mehr Western, Mr. Snow!

So, wer mich kennt, weiß was jetzt kommt. Denn aufmerksam auf diesen Film bin ich erst durch den Soundtrack geworden, den ich mir schon vor einiger Zeit gekauft habe und der von keinem anderen als einem meiner Lieblinge Tom Holkenborg aka Junkie XL stammt. Nachdem ich so einen Knaller mit der Electrokeule wie Mad Max: Fury Road erwartet hatte, war ich ob des sehr klassischen Scores erstmal etwas verwundert, wurde aber bald völlig überzeugt und eingenommen von dieser elegisch-tragischen Komposition, die wirklich zu den herausragenden Soundtracks der letzten Zeit gehört. Vom Vorbild hat sich Holkenborg natürlich nicht lumpen lassen und mit Johann Sebastian Bachs "Passacaglia c-Moll" eine Variation eingebaut, bei der man seine Begeistung für die Tiefe und Dramatik des musikalischen Ausdrucks in jeder Note spürt. Neben Cliff Martinez ist Tom Holkenborg für mich einer der besten Soundtracktüftler unserer Zeit.

So ein Glück, dass ich gerne Soundtracks jenseits von Filmen anteste, denn sonst hätte ich diesen Ausnahmefilm sicher niemals gesehen. Denn, ich dachte immer, wart einfach ab, dann holst du dir diesen Film und bringst das Gehörte mit dem Gesehenen zusammen. Aber, er kommt und kommt nicht. In Deutschland ist dieser Film von 2016 nämlich weder im Kino ausgewertet worden, noch bis jetzt auf Scheibe oder Stream erhältlich. Zum Glück gibt es da den ausländischen Markt. Traurig ist allerdings, dass es sich hier unter anderem um eine deutsche Koproduktion mit X-Filme (Lola rennt, etc.) handelt und ein Drehort der Bergheider See in der Lausitz ist. Warum also gibt es dieses Meisterwerk nicht für den deutschen Filmfreund?

Eine Vermutung meinerseits liegt darin, dass dieser Film (vielleicht neben rechtlichen Problemen?) einfach zu brutal ist. Wie gesagt, reine Mutmaßung, aber Brimstone bietet Inzest, brutalen Sex, harsche Religionskritik, explizite Gewalt gegen Frauen, gegen Tiere und vor allem (was wohl den Tabubruch hauptsächlich betrifft) an ein paar Stellen ziemlich heftig gegen Kinder und Heranwachsende.

Jetzt nicht falsch verstehen, diese Gewalt ist in der Geschichte immer handlungsgebunden und macht im kompositorischen Ganzen des Films absolut Sinn. Sie ist auch nicht unbedingt effekthascherisch, sondern gehört zu der tragischen Welt dieser Erzählung. Von daher muss dieser Film so sein, da diese Gewalt leider real ist und von daher für mich thematisiert werden muss. Wenn es dann noch in so einer intelligenten und ästhetisch hervorragenden Form geschieht, umso besser. Für den normalen Fernsehkonsumenten, der sich einmal im halben Jahr den neuesten Geniestreich von Matthias Schweighöfer oder Til Schweiger ansieht, ist das freilich nichts. Früher wäre dieser Film sicher derbe zusammengeschnitten worden, heute verzögert sich eben seine Veröffentlichung. Am Ende kommt er dann aber hoffentlich wenigstens mit einer FSK 18 (16 würde allerdings auch passen).

Wie gesagt, noch einmal, ich würde hier jetzt gerne mehr über die unglaublich komplexen und tiefgehenden inhaltlichen Ebenen schreiben, überlasse das jetzt aber erstmal der Zeit, dass dieser Film doch noch vernünftig veröffentlicht wird. In der internationalen Presse wird Brimstone zwar wegen der Gewalt auch kritisch gesehen, aber ob seiner künstlerischen Verarbeitung extrem gefeiert als eindrucksvolles Arthousekino. Bitte also keine Gewaltorgien erwarten. Für mich ist das eher so Shakespeare-Gewalt wie Titus Andronicus und dergleichen.

Nun ja, jedem, der sich für harte und mitreißende Filme interessiert, mit plastischen Charakteren, die jenseits von Effekten die Geschichte einer tragischen Heldin erzählen, dem sei Brimstone unbedingt ans Herz gelegt. Brimstone ist ein biblisches Inferno, ein Manifest, das sich zwischen Western, Mystery, Tragödie, Drama und Actionkino einen Platz in der großen Filmliteratur erspielen wird, wie es das There Will Be Blood bereits getan hat. Leider hatte Brimstone nicht diesen Ursprungserfolg.

Ich würde gerne mehr zum Inhalt schreiben, warte jetzt aber erstmal ab.

"Brimstone" bedeutet übrigens Schwefel. Ein letzter Verweis sei noch auf Eastwoods High Plains Drifter gemacht, der eine kleine und feine Lesart mit Brimstone gemeinsam hat. Also, scheiß auf diese City upon a hill, die solche Maulkörbe gebiert.

So long!

10/10
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Kommentare

03.10.2017 19:34 Uhr - leichenwurm
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Donnerwetter... das ist mal nen Review ;-) ! Klasse geschrieben Ash. Den Film kenne ich selbstverständlich noch nicht... hatte den Titel aber schonmal irgendwo aufgeschnappt. Klingt wirklich interessant, aber auch irgendwie ein bisschen anstrengend, oder? Wie ist denn die Laufzeit bemessen?

03.10.2017 19:54 Uhr - NoCutsPlease
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Das klingt doch mal nach knapp zweieinhalb Stunde packendem Genremix. :)
Das Ash-Gütesiegel, nur echt mit der Waldhütte, scheint mir da ein guter Ratgeber zu sein.
Hoffentlich wird das nicht wieder einer der Filme, die es ewig nicht nach Deutschland schaffen! :(

03.10.2017 20:09 Uhr - Weltraumgott
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Wunderbar Ashy-Slashy, auf den freue ich mich ganz besonders!
Deine Review hat mir Bock auf mehr gemacht, vorallem weil ich Western liebe und Guy Pearce für mich seit Memento, Lawless und vorallem seit The Rover für mich ein super Schauspieler ist. Falls du The Rover noch nicht kennst, lege ich ihn dir ans Herz. ;)
Und nur für den Fall: Lawless auch. ;)

03.10.2017 20:36 Uhr - TheRealAsh
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@Worm: ne, du, der ist null anstrengend. Zugegeben lange 148 Minuten, die voll passen

@NCP: danke, ich befürchte schlimmes, ich hab mein steelbook aus Frankreich über spanien importiert😅

@Worldi: danke für den Rover-Tipp, kenn ich tatsächlich noch nicht

03.10.2017 21:01 Uhr - NoCutsPlease
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Bei den Franzosen ist er bereits im August erschienen, bei den Spaniern folgt er in ein paar Wochen und die Briten haben ihn zumindest schon mal auf dem Schirm.
An Fassungsalternativen wird es also nicht mangeln, wenn stattdessen hierzulande irgendein Great-Movies-Schrott seinen zigsten Repack erhält! :)

03.10.2017 21:16 Uhr - TheRealAsh
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Ätzend, oder? Aber was soll man machen, ich hatte bei brimstone ja ähnlich wie bei RAW auf ne inklusive deutsche Fassung gehofft, war aber leider nicht

03.10.2017 21:23 Uhr - NoCutsPlease
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"Raw" soll Ende Oktober in Deutschland erscheinen, aber es gibt ihn ja schon längst als italienische Fassung mit deutschem Ton.
Zu "Brimstone" ist allerdings keine deutschsprachige Fassung in Sicht, deshalb dürfte man wohl lange warten. Zum James-Caan-Streifen "The Good Neighbor" ist ja hierzulande auch noch keine Veröffentlichung in Sicht.

03.10.2017 23:38 Uhr - TheRealAsh
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"Raw" hab ich auch aus Espana, und Caan soll Ende November dann kommen, der wird sicher auch interessant:D

04.10.2017 00:24 Uhr - Ghostfacelooker
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Bei so einem schmackhaften Text LIEBE ich lange Laufzeiten, denn es ist doch so, wenn die Story gut ist, ist doch die Zeit umso länger er läuft, umso besser, siehe Pulp Fiction oder Herr der Ringe, Star Wars usw.

Dieses Laufzeitkürzen wegen "alten Leuten" ist genauso dämlich, wie die asiatisch epischen Werke nur für Europäer zu kürzen. Freeeeeeeeeeeeeeiheeeeeeeeit für die Dauer

04.10.2017 03:04 Uhr - Tom Cody
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Oi, ein tolles Review zu einem ungewöhnlichen Film, der mich natürlich ebenfalls brennend interessiert.
Den Streifen wollte ich eigentlich schon sehen, seit ich vor fast einem Jahr den Trailer hier eingestellt habe. Ich warte noch ein klein wenig ab, ob nicht doch noch eine dt. Fassung erscheint (immerhin steckt ja auch deutsches Geld mit in der Produktion), ansonsten werde ich mir halt irgendeine Importversion zulegen...

04.10.2017 08:11 Uhr - NoCutsPlease
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Ha! Nachdem "TGN" mit Caan hier ewig nicht rauskam, habe ich vor ein paar Wochen aufgehört nachzuschauen. Hatte mir den Streifen bereits Ende 2016 aus GB geordert und im Dezember hier besprochen. Wer mit einer Machart wie bei "Unknown User" klarkommt, wird diesen wohl auch gut finden.

Zu "Brimstone":
Je nachdem wie günstig die Importe ausfallen, werde ich hier auch nicht ewig warten.
Nach deiner Beschreibung scheint das ja ein echtes Highlight zu sein!

04.10.2017 11:07 Uhr - TheRealAsh
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@Ghost: absolut, wenn es gut gemacht und interessant ist, darf es gerne a bisserl mehr sein, bei Mist sind manchmal schon 80 Minuten zu lang ;-)

@Tom: dank dir, ganz klar, du wirst diesen Film lieben. Ich konnte einfach nicht mehr warten, weil man ja leider gar nichts hört.

@NCP: das Steelbook sieht echt gut aus und ist im amazonenland ES viel günstiger als in FR, zumindest als ich geordert habe, IT weiß ich nicht^^ Grüße, TRA^^

05.10.2017 13:13 Uhr - Horace Pinker
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Deine Western Kritiken lese ich ja immer besonders gern, auch diese ist wieder exzellent gelungen, vermittelt spoiler frei ein gutes Bild des besprochenen Werks, deiner Begeisterung so wie einige coole Vergleiche und Interpretationen. Brimstone wäre ohne deine Besprechung wohl an mir vorübergeszogen, jetzt werde ich mir den nach erfolgtem Deutschlandrelease mindestens mal ausleihen.

05.10.2017 16:17 Uhr - TheRealAsh
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danke Horatio! Und auch dir ein: unbedingt Schauen!!! wenn er denn mal raus ist:-(

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