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Titelcover von: Tote Mädchen lügen nicht

Tote Mädchen lügen nicht

zur OFDb OT: 13 Reasons Why
Herstellungsland:USA (2017)
Genre:Drama, Mystery
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,79 (19 Stimmen) Details
Veröffentlicht am: 19.07.2019
TonyJaa
Level 35
XP 59.032
Episode: 1.13 Kassette 7 - Seite A (Tape 7, Side A)
Alternative/gekürzte Netflix- Fassung ofdb
Label Netflix, VOD
Land Deutschland
Freigabe ab 16
Ungekürzte Fassung ofdb
Label Netflix, VOD
Land Deutschland
Freigabe ab 16

Vergleich zwischen der gekürzten/alternativen Netflix-Fassung und der ungekürzten Fassung

"Nach dem verblüffenden Selbstmord einer Teenagerin kommt ein Mitschüler in den Besitz von Kassetten, die das Rätsel um ihren tragischen Entschluss lösen könnten."

Vordergründig ist die bislang bei Netflix laufende Serie, ein Mix aus Coming-of-Age-Story, Teenager-Drama und ein Hauch Mysteryelemente. Eine - und da gehe ich mit vielen Meinungen mit - der besten (Mini-)Serien seit langem, nebst vielleicht der aktuellen nicht minder brisanten Mini-Serie rund um die Atomreaktor-Katastrophe von Chernobyl. 13 Reasons Why war in seiner Entstehung durchaus ein gewagtes Unterfangen, das Ergebnis bietet jedoch in allen Belangen große Klasse. Die zahlreichen, brisanten und recht grausamen Themen werden mit dem nötigen Können angegangen und werfen einen kritischen Blick auf die Abgründe der rosaroten US-Kleinstadtschulwelt. Umgesetzt wird dies alles mit einer sehr bedrückenden Atmosphäre, feinen technischen Kniffen, vorallem aber einer absolut hervorragenden, überzeugenden Darstellerriege. Kaum verwunderlich, dass recht schnell Stimmen einer Nachfolgestaffel laut wurden. Diese erschien sodann auch im letzten Jahr. Benötigt das an und für sich abgeschlossenene Kapitel eine Fortsetzung? Nicht unbedingt. Und doch greift auch Season 2 die Ereignisse der Vorgängerstaffel wieder auf und auch wenn die Qualität eher selten erreicht wird, ist auch Staffel 2 wieder gut gelungen und bietet einen runderen Abschluss rund um den Charakter Hannah Baker. Anders als die Vorgängerseason endet die zweite Staffel allerdings mit einem waschechten Cliffhanger, der in der kommenden 3. Staffel dieses Jahr - hoffentlich wieder so gekonnt - aufgelöst und weitergeführt wird.

Gewiss war es anhand des Presserummels im Vorfeld und nach Erscheinen der ersten Season kaum möglich an der Serie vorbeizukommen. Fern ihrer Leistungen vor und hinter der Kamera, war die Serie vor allem aufgrund ihrer Darstellungen der schwierigen Thematiken Mobbing, Depressionen, sexuelle Nötigung bis hin zu Vergewaltigung und Suizid bei sog. Moralhüter, Pseudo-Psychologen und sonstigem ...-Aposteln als brisantes Thema im Gespräch. Begriffe wie "unzumutbar", ja gar "gefährlich für den Zuschauer" wurden laut; erste Studien sollen der Serie gar Mitschuld an einer erhöhten Selbstmordrate in den USA attestieren und nehmen hierbei Bezug auf den sog. "Werther-Effekt". Als erste Konsequenz entschied sich Netflix dazu ihre Content-Warnungen deutlicher zu formulieren und zusätzliche Warntafeln vor Beginn der Folge einzufügen. Eine zweite Konsequenz galt dann für das Heimkinorelease, denn bspw. in England wurden gar vier Episoden der ersten Staffel mit der höchsten Freigabe, einer BBFC 18, eingestuft, während alle anderen Folgen eine BBFC 15 tragen. Staffel 2 verzichtete zwar auf Selbstmordszenen, nicht aber auf die sexuelle Gewalt, welche natürlich ebenfalls Bestandteil vieler Diskussionen war und ebenso dazu führten das in Großbritannien zwei der Folgen mit der höchsten Alterseinstufung versehen wurden.

Aktuell wurden die Stimmen bezüglich der ersten Staffel wieder lauter, denn eine wissenschaftliche Studie sieht offenbar abermals einen Zusammenhang zwischen dem Beginn der Serie und einem Suizid-Anstieg unter Jugendlichen in den USA. Dieser Studie zufolge soll im April 2017, dem Monat als die erste Staffel bei Netflix an den Start ging, die Suizidrate von amerikanischen Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 17 Jahren um 30 Prozent angestiegen sein. Netflix bezweifelte den Befund zwar anfangs, entschied sich allerdings nun doch Hannah's Selbstmord in der letzten Episode zu entfernen. Aktuell läuft auch nur noch diese geschnittene, gar leicht alternative Fassung, auf Netflix. Der Streaminganbieter äußerte sich zur Entscheidung wie folgt: 

"Wir haben von vielen jungen Menschen gehört, dass '13 Reasons Why' ihnen geholfen hat, einen Diskurs über schwierige Themen wie Depressionen oder Selbstmord zu starten und sich Hilfe zu suchen - oft das allererste Mal. Während wir uns diesen Sommer auf den Start der dritten Staffel vorbereiten, haben wir die Debatte rund um die Serie natürlich aufmerksam verfolgt. Basierend auf Ratschlägen verschiedener medizinischer Experten - darunter beispielsweise Dr. Christine Moutier, die Chefin der amerikanischen Stiftung für Suizidprävention - haben wir gemeinsam mit dem Serienschöpfer Brian Yorkey sowie seinen Produzenten entschieden, die Szene in Staffel eins, in der Hanna sich das Leben nimmt, zu bearbeiten.“

Ob dieser Schritt auch mögliche Konsequenzen für künftige Heimkino-Veröffentlichungen bspw. in Deutschland zur Folge haben wird, ist derzeit allerdings nicht bekannt. 

Persönliche Meinung: Ich kann diesen Schritt durchaus nachvollziehen, ist die betreffende Szene doch sehr intensiv und für eine Jugendserie in ihrer Art und Weise doch explizit geraten. Zudem zerstört das Fehlen des direkten Suizides nicht die Intention der Serie/der Folge. Dennoch wäre es meiner Meinung nach wünschenswert von Netflix gewesen, wenn man dem Zuschauer einfach die Wahl überlassen würde, ganz gleich ob per Vorauswahl vor dem Start der Episode oder als alternativer Aufruf des abgeschwächten Verlaufs innerhalb der Episode (ähnlich wie bei Black Mirror: Bandersnatch) mit entsprechendem Warnhinweis. Den Rest dieser Debatte empfinde ich bisweilen mittlerweile als viel Rauch um Nichts, der zudem der Serie sicherlich mehr nutzen als Schaden würde. Interessenten der Serie mit betreffenden psychischen Problemen, die durch das Anschauen der Serie intensiviert werden könnten, wissen mit Sicherheit nun Bescheid bzw. werden ja zur Genüge mit Hinweisen vor jeder Episode über so manch Drastik gewarnt. Außerdem hat natürlich jeder Zuschauer immer noch die Möglichkeit das Geschehen zu pausieren, vorzuspulen oder die Sichtung komplett abzubrechen.  

 

Dennoch auch hier nochmal unser Hotline-Hinweis zur Untersützung von Hilfesuchenden:
Psychische Erkrankungen und Selbstmordgedanken muss man nicht mit sich selbst ausmachen. Es gibt Hilfe. Wir ermutigen alle, die mit diesen Problemen belastet sind, diese Unterstützung auch anzunehmen. Folgende Nummern der Telefonseelsorge sind ein guter Anfang: 0 800-111 0 111 oder 0 800-111 0 222.

 

An insgesamt 6 abweichenden Stellen ergibt sich zusammengesetzt:
- 1x reiner Schnitt = 4,56 Sek.
- 1x gezoomte Alternativszene = kein Zeitunterschied
- 2x Alternativeszenen/Exklusivmaterial in der ungekürzten Fassung = insgesamt 156,24 Sek. (= 02:36 Min)
- 2x Alternativeszenen/Exklusivmaterial in der gekürzten/alternativen Netflix-Fassung = 55,64 Sek.
- sowie eine unterschiedliche Schrifttafel am Anfang und der veränderte Abspann

Die Laufzeitangaben sind von der ungekürzten Fassung entnommen worden.

00:05 Min.
Der Warnhinweis vorab unterscheidet sich leicht in beiden Fassungen. Die gekürzte/alternative Netflix- Version ist hier geringfügig länger.
Länge Netflix alternativ/gekürzt: 9,92 Sek.
Länge ungekürzte Fassung: 9,60 Sek.
Differenz: +0,32 Sek.

Alternative/gekürzte Netflix-FassungUngekürzte Fassung


04:52 Min.
Als sich Hannah am Regal bedient und die Packung Klingen klaut, unterscheiden sich beide Fassungen: Die zensierte Fassung zeigt Hannah weiter von der Seite wie sie die Klingen im Regal ergreift und einsteckt. Auch die Folgeeinstellung von Hannah von vorn ist Anfangs etwas länger und zeigt noch wie sie die Klingen in die Hosentasche einsteckt. Die ungekürzte Fassung derweil wechselt kurz in eine nähere Einstellung von. Hier ist dann auch eindeutig erkennbar, dass es sich um ein Pack Klingen handelt, welches sie sich einsteckt. Erst als sich Hannah innerhalb der Folgeeinstellung kurz umdreht, laufen beide Fassungen wieder parallel.
Länge Netflix alternativ/gekürzt: 3,96 Sek.
Länge ungekürzte Fassung: 1,36 Sek.
Differenz: +2,60 Sek.

Alternative/gekürzte Netflix-FassungUngekürzte Fassung


35:37 Min.
Hier unterscheiden sich beide Fassungen:

Ungekürzte Fassung


Die ungekürzte Fassung zeigt Hanna eingangs etwas eher sich ein Langarm-T-Shirt im Schrank aussuchend, bricht dann aber ab als sie dieses vom Bügel nimmt. Es erfolgt ein Umschnitt hin zur Badewanne, in welche nun Wasser eingelassen wird. Schnitt zum Waschbecken, auf dessen Rand eine Packung Rasierklingen liegen. Hanna entnimmt eine der Klingen, schaut sich diese an und fährt mit dem Finger drüber um die Schärfe der Klinge zu testen. Dann blickt sie in den Spiegel, während die Kamera leicht an ihr Spiegelbild heranfährt.
Clay aus dem Off: "Sie ging ins Badezimmer. Ließ sich Wasser ein. Öffnete die Box mit den Rasierklingen, die sie am Morgen aus dem Laden ihrer Eltern mitgenommen hatte."


Gegenschnitt hin zu Clay im Gespräch mit dem Rektor.
Clay: "Sie stieg in die Wanne. Mit all ihren Sachen. Schlitzte sich auf und verblutete."


Es folgt nun der wohl eigentliche Grund der zensierten Ausstrahlung, denn Hannah ist wieder zu sehen, diesmal in der Badewanne liegend. Erst fast abwesenden Blickes in die Kamera starrend, blickt sie dann auf ihren Arm, nimmt die Klinge in ihre Hand und schneidet sich erst die Pulsader des linken Armes, dann die des rechten Armes auf. Anschliessend lehnt sie sich schwer atmend zurück gegen die Wand, ein Rinnsal Wasser läuft derweil über den Fußboden. Ab der Folgeeinstellung von Clay laufen dann wieder beide Fassungen parallel.


Alternative/gekürzte Netflix- Fassung


Die gekürzte Fassung zeigt eingangs Hanna wenige Frames später am Schrank, dafür darf sie hier exklusiv das T-Shirt ganz vom Bügel nehmen und zieht zudem ihre Jeansjacke aus. Schnitt zu Hanna im Badezimmer als sie in den Spiegel guckt - kurzer Einspieler Clays aus dem Off, dass sie ins Badezimmer ging -. Sie atmet schwer und wirkt vom Grundton her viel aufgeregter, zudem fährt die Kamera hier wesentlich näher an sie bzw. ihr Spiegelbild heran. Anschliessend wird direkt zu Clay im Gespräch mit dem Rektor geschnitten und beide Fassungen laufen wieder parallel.
Länge Netflix alternativ/gekürzt: 34,56 Sek.
Länge ungekürzte Fassung: 136,28 Sek.
Differenz: 101,72 Sek.



38:05 Min.
Die Einstellung als Hannah's Mutter Olivia das Badezimmer betritt und ihre Tochter, leblos in der Badewanne liegend, vorfindet, ist in der zensierten Fassung leicht alternativ und stark gezoomt worden.
keine Zeitdifferenz
Alternative/gekürzte Netflix-FassungUngekürzte Fassung


38:29 Min.
Aus Sicht der Tür heraus gefilmt, versucht Olivia ihre Tochter aus der Badewanne herauszuholen, ruft dabei also schon etwas früher nach ihrem Mann. Diese Einstellung wurde in der zensierten Fassung komplett gekürzt und hat einen enormen Bildsprung zufolge, da die Einstellung von einem Frame auf den anderen eine andere ist.
4,56 Sek.


38:34 Min.
Direkt im Anschluss ist die Einstellung als nun auch Hannah's Vater Andy dazustößt, dann aber von seiner Frau gebeten wird den Notarzt zu rufen und wieder hinausrennt, in beiden Fassungen leicht alternativ voneinander. Die zensierte Fassung ist hier ebenfalls wieder extrem gezoomt worden, die ungekürzte Fassung darf am Ende gar etwas länger auslaufen und Olivia so länger ihrem Mann zurufen er solle einen Krankenwagen holen.
Länge Netflix alternativ/gekürzt:: 17,12 Sek.
Länge ungekürzte Fassung: 18,60 Sek.
Differenz: 1,48 Sek.

Alternative/gekürzte Netflix-FassungUngekürzte Fassung


57:49 Min.
Gemessen ab Einblendung der ersten Creditbenennung, unterscheiden sich auch hier beide Fassungen voneinander: Die ungekürzte Fassung zeigt die Credits in einem Rutsch, zudem laufen am Ende noch diverse Produktionsstudio-Logos, bspw. "Paramount Television" und abschliessend nochmal der "Netflix"- Schriftzug. Die gekürzte/alternative Fassung hingegen bricht ab der Creditnennung von Brian Yorkey ab und schiebt einen Hinweis auf die Serienwebsite mit Hilfestellungen in Notlagen ein. Dann laufen die Credits bis zur Nennung des ausführenden Produzenten Tom Carthy weiter und enden hier abrupt mit der "Netflix"- Logoeinblendung.
Länge Netflix alternativ/gekürzt:: 29,20 Sek.
Länge ungekürzte Fassung: 116,72 Sek.
Differenz: 87,52 Sek.

Alternative/gekürzte Netflix-FassungUngekürzte Fassung

Kommentare

19.07.2019 00:20 Uhr - TheRealAsh
4x
User-Level von TheRealAsh 10
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.399
Ganz hervorragender Schnittbericht und wieder mal ein Chapeau, ein Grund, weshalb ich diese Seite als Dokumentationsnachweis liebe. Toll, dass ihr das so noch festhalten konntet, da der Normalsterbliche diese Kürzung auf Netflix sicher nicht mehr nachvollziehen kann. Ist bei uns ja auch noch nicht als physisches Medium erschienen.

Ja, ich kann den Schnitt auch nachvollziehen, vor allem da dies als Trigger fungiert, aber andererseits muss man auch die abschreckende Wirkung solcher Darstellungen immer wieder anerkennen. Geht immer um psychische Krankheit vs. Gesundheit. Ich finde vor allem, dass man so etwas nicht verdrängen sollte. Suizid existiert nun mal und sollte auch künstlerisch reflektiert werden.

Der Hinweis auf die Hotline ist super und ich muss auch sagen, dass es hier mal wieder sehr deutlich ist, wie der Umgang mit Buch und Film so gehandhabt wird. Lesen lohnt sich immer wieder und da gibt es mittlerweile ja eigentlich gar keine Zensur mehr. Apropos Werther-Effekt: schon der olle Goethe war ja ein alter Gore-Meister im Werther am Ende. Zitat so aus dem Kopf: "sein Hirn war herausgetrieben..." Das hat mich damals schon schwer geschockt.

Wie dem auch sei: Suizidalität ist und bleibt ein Problem nicht nur unserer Zeit. Das ist nicht nur unter Jugendlichen so und muss Ernst genommen werden. Jeder, der also lebensmüde Gedanken hat, soll sich bitte Hilfe über solche Hotlines holen und nicht nur versuchen, sich über diese Filme zu identifizieren. Es gibt Menschen, die einem helfen können (Therapeuten, Ärzte, etc.).

Die Serie ist trotzdem wert geschaut zu werden.

19.07.2019 00:42 Uhr - Der Dicke
3x
SB.com-Autor
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Erfahrungspunkte von Der Dicke 11.777
Vielen Dank für die Dokumentierung. Das ging ja schnell!

Erinnert sich hier noch jemand an die TV-Serie “Tod eines Schülers” von 1981? Deren Erstausstrahlung folgte eine ganz ähnliche Debatte, natürlich auch unter Namensnennung des “jungen Werthers”.

19.07.2019 00:51 Uhr - TheRealAsh
User-Level von TheRealAsh 10
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.399
19.07.2019 00:42 Uhr schrieb Der Dicke
Vielen Dank für die Dokumentierung. Das ging ja schnell!

Erinnert sich hier noch jemand an die TV-Serie “Tod eines Schülers” von 1981? Deren Erstausstrahlung folgte eine ganz ähnliche Debatte, natürlich auch unter Namensnennung des “jungen Werthers”.


Ebenfalls hervorragende Serie des ZDF mit dem guten alten Günter Strack, wurde glaub ich auch erst seit ein paar Jahren ab 16 freigegeben, auch ein Riesenskandalon damals

19.07.2019 00:53 Uhr - Rigolax
Ich muss sagen, ich bin bei dem Thema etwas skeptisch. Dass es einen gewissen Werther-Effekt gibt, möchte ich keineswegs in Abrede stellen, vor allem bezogen auf den Suizid von prominenten Personen. Plausibel ist sicherlich auch, dass die Art und Weise, wie Medien über Suizidfälle berichten, signifikante Auswirkungen haben können.

Jedoch bin ich nicht überzeugt davon, dass bei mit dem vorliegenden Fall vergleichbare Darstellungen in fiktionalen (Unterhaltungs-)Medien tatsächlich (signifikant) ein Werther-Effekt feststellbar ist. Das "signifikant" mag fragwürdig klingen, doch muss man einen gewissen Maßstab anlegen; sollte beispielsweise eine Einzelperson tatsächlich nachweislich durch Aussetzung von Mediengewalt eine Gewalttat verüben, wäre es nur deswegen nicht plausibel, pauschal diverse Medien zu verbieten, die Gewalt darstellen. Es muss eine gewisse Verhältnismäßigkeit gewahrt werden. Die angeführte Studie belegt, soweit ich das jetzt sehe, auch nur eine Korrelation, keine Kausalität; cum hoc ergo propter hoc?

Kurios ohnehin die späte Entscheidung, es noch zu editieren. Mir scheint fast, dass bei Netflix in den oberen Ebenen ein Umdenken oder Personalwechsel stattgefunden haben könnte (vgl. auch Thema Zigaretten in ihren Produktionen aktuell). Es wirkt auch fast als Promo für S3, aber derartiges will ich nicht unterstellen wollen.

Interessant wäre auch, wie die FSK oder gar BPjM den Inhalt bewertet.

19.07.2019 06:06 Uhr - Nip-Tuck
Ich kann mir schon vorstellen, dass die Serie (nicht allein diese Szene) Nachahmer findet, wenn ein Mensch sehr labil ist. Das gilt aber fuer viele Sujets und kann nicht bedeuten, dass diese Themen dann ausgespart werden.

Zu glauben, mit diesen Aenderungen waere dieses Risiko abgeschwaecht, halte ich allerding fuer naiv bzw. scheinheilig. Man hat offenbar vor allem rotes Badewasser entfernt. Warum der nun komplett unblutige Tod abschreckender sein soll als der zuvor blutige, schmerzhafte, entzieht sich meiner Vorstellung. Es ist doch sicher etwas vielschichtiger, der Werther-Effekt.
Was bleibt, ist ein Nachgeschmack, dass dieses Thema von 2017 nur aufgewaermt wurde, um Publicity fuer die neue Staffel zu erzeugen.

19.07.2019 06:48 Uhr - Ancient Mariner
1x
Ich kenne nur das Buch (welches ich sehr gut finde). Dort wird der Akt der Selbsttötung überhaupt nicht dargestellt und nur kurz erwähnt, dass sich Hannah mit Tabletten umgebracht hat. Dies tut der Intensität der Geschichte keinen Abbruch. Im Gegenteil, ich finde das passt, denn es geht ja darum, wie es dazu kam. Ich finde es schade, dass sich die Serie hier (sinnloserweise) nicht näher an der Vorlage orientiert.

19.07.2019 07:07 Uhr - FdM
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Erfahrungspunkte von FdM 54
Ich finde die Serie recht eindringlich und sehr gut von allen gespielt,leider spiegelt sie dennoch vieles recht harmlos dar,wenn man manche Nachrichten gelesen hat,ist die Serie immer noch eine recht harmlose,weichgespülte Variante.
Es mag einiges in diesem Bereich im reellen Leben auch vorkommen,allerdings gibt es auch noch um einiges schlimmere Fälle,auch verläuft einiges dort eher nicht nachvollziehbar,aber gut,es ist ja nur ein Drehbuch bzw. Serie,die sich mit Tabuthemen befasst.
Danke für den Sb.

19.07.2019 08:52 Uhr - sonyericssohn
7x
Moderator
User-Level von sonyericssohn 21
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Ich hoffe ich muss nie ein Familienmitglied so in der Badewanne auffinden !
Schon die Bilder allein gehen an die Nieren !

19.07.2019 09:35 Uhr - Kaiser Soze
DB-Co-Admin
User-Level von Kaiser Soze 28
Erfahrungspunkte von Kaiser Soze 19.408
Danke für den Schnittbericht zu DER eindringlichsten Serie, die ich je gesehen habe!
Es ist eine bodenlose Frechheit dieses Finale zu kürzen, wozu gibt es denn Altersfreigaben? Durch sowas werden diese de facto ad absurdum geführt.
Ich hoffe auf eine ungekürzte Heimkinoveröffentlichung mit deutschem Ton, von mir aus ab 18, aber bitt ungekürzt!

19.07.2019 09:47 Uhr - wuv03
1x
User-Level von wuv03 2
Erfahrungspunkte von wuv03 61
Konnte mich bisher nicht aufraffen, diese Serie zu schauen. Wenn Selbstmord in einem Film/Serie passiert, kommt man damit im Kontext klar, aber hier, wo es das zentrale Thema ist. Puh... das geht mir aus persönlichen Gründen zu nah.

Ohne sie gesehen zu haben, kann ich da auch beide Seiten der Diskussion gut verstehen.

19.07.2019 11:07 Uhr - antoniomontana
1x
19.07.2019 08:52 Uhr schrieb sonyericssohn
Ich hoffe ich muss nie ein Familienmitglied so in der Badewanne auffinden !
Schon die Bilder allein gehen an die Nieren !


Bilder sagen mehr als 1000 Worte.. ich hoffe das die Serie kein "Trend" bei etwaige Teenies auslöst, dessen Gefühlslage im pubertierenden Alter Ping Pong spielt! Und nein, ich hoffe auch nicht nochmal diese Situation erleben zu müssen......

19.07.2019 11:57 Uhr - Kerry
Als wesentlich besser (insbesondere bzgl. der schauspielerischen Leistungen und bzgl. des Handlungsaufbaus) und eindringlicher empfinde ich hier die deutsche Serie "Tod eines Schülers". Die Rahmenhandlung von "Tote Mädchen..." (die Kassetten, welche nacheinander gehört werden und insbesondere die Reaktion der männlichen Hauptperson) ist dann doch arg konstruiert.
Die im Original beinahe unerträgliche Selbstmordszene hingegen sehe ich als sehr, sehr zwispältig.

19.07.2019 14:07 Uhr - Hate_Society
19.07.2019 09:35 Uhr schrieb Kaiser Soze
Danke für den Schnittbericht zu DER eindringlichsten Serie, die ich je gesehen habe!
Es ist eine bodenlose Frechheit dieses Finale zu kürzen, wozu gibt es denn Altersfreigaben? Durch sowas werden diese de facto ad absurdum geführt.
Ich hoffe auf eine ungekürzte Heimkinoveröffentlichung mit deutschem Ton, von mir aus ab 18, aber bitt ungekürzt!


Was soll eine Altersfreigabe denn bei so einer Szene bringen? Weil sich nur Leute über 18 selber umbringen?

19.07.2019 16:11 Uhr - Kreator
2x
User-Level von Kreator 2
Erfahrungspunkte von Kreator 40
Selbst wenn es eine Kausalität zwischen Erscheinen der Serie und einer gestiegenen Selbstmordrate gäbe; was würde das heißen? Dass das Thema derart tabuisiert ist, dass es Leute triggert.

Was ist über Suizidraten in der Allgemeinbevölkerung bekannt? Kaum etwas! In Deutschland wird über Selbstmorde aus Angst vor Nachahmung nicht berichtet, das gibt meine ich sogar der Pressekodex her. Weil sich niemand die Schuhe dafür anziehen möchte, wenn es Nachahmungstäter gibt.

Ich erinnere mich noch an eine Reportage auf MTV zu Curt Cobain, und er genannt wurde, dass es dutzende dokumentierte Nachahmungsfälle gebe.

Lange Rede kurzer Sinn: die Frage ist doch, ob man auf ewig die Augen davor verschließen soll, dass sich verdammt viele Menschen das Leben nehmen. Oder man das Thema aus der finsteren Schublade hervorholt und einfach thematisiert. Und Betroffene, wie auch die Allgemeinbevölkerung, über den Umgang mit solchen Taten und Gedanken sensibilisiert, um eine bessere Aufklärung zu betreiben und vielleicht sogar Präventionsangebote in Deutschland weiter auszubauen.

Ob das Ganze von Erfolg gekrönt wäre kann ich nicht beurteilen. Menschen mit psychischen Erkrankungen können den Triggereffekt nun mal erleben. Trotzdem eine Diskussion, die es sich lohnt, geführt zu werden!

Den Schritt der nachträglichen editierung verurteile ich in jedem Falle. Damals hat es schon Diskussionen und Kontroversen gegeben, die hat man aus Gründen des Marketings gerne in Kauf genommen. Zwei Jahre später zurückzurudern ist einfach lächerlich. Jetzt, wo es im Prinzip niemanden mehr interessiert. Aber hey, immerhin gibt's erneut eine mediale Berichterstattung.

19.07.2019 16:51 Uhr - Hate_Society
19.07.2019 16:11 Uhr schrieb KreatorWas ist über Suizidraten in der Allgemeinbevölkerung bekannt? Kaum etwas! In Deutschland wird über Selbstmorde aus Angst vor Nachahmung nicht berichtet, das gibt meine ich sogar der Pressekodex her. Weil sich niemand die Schuhe dafür anziehen möchte, wenn es Nachahmungstäter gibt.


Und dennoch berichtet z.B. die BILD fast täglich darüber. Natürlich immer mit dem Vermerk, dass sie es normalerweise nicht machen. Schön heuchlerisch.

19.07.2019 16:55 Uhr - R4LL3
1x
Hi,

mal eine Frage nebenbei: (Sorry falls ich etwas überlesen haben sollte)

Lief die Serie, bzw diese Folge nicht anfangs ungeschnitten auf Netflix?
Ich war gerade etwas verwundert und habe noch einmal fix reingezappt. Sie fehlt tatsächlich!

Ich habe die Serie schon vor einiger Zeit auf Netflix DE geschaut und die Szenen waren alle vorhanden! (diese vergisst man auch tatsächlich nicht so schnell)

Danke und ein shcönes Wochenende!

EDIT:

Sorry, mein Fehler: :)

"Tote Mädchen lügen nicht - Netflix zensiert Selbstmordszene"

https://www.schnittberichte.com/news.php?ID=14892

19.07.2019 23:55 Uhr - f0rCe
1x
19.07.2019 11:07 Uhr schrieb antoniomontana
19.07.2019 08:52 Uhr schrieb sonyericssohn
Ich hoffe ich muss nie ein Familienmitglied so in der Badewanne auffinden !
Schon die Bilder allein gehen an die Nieren !


Bilder sagen mehr als 1000 Worte.. ich hoffe das die Serie kein "Trend" bei etwaige Teenies auslöst, dessen Gefühlslage im pubertierenden Alter Ping Pong spielt! Und nein, ich hoffe auch nicht nochmal diese Situation erleben zu müssen......


Also ich habe von Studien gelesen, dass direkt nach dem Start der Serie die Selbstmordrate im einstelligen Prozentbereich gestiegen ist. In absoluten Zahlen Hunderte Selbstmorde mehr als sonst. Aber ist immer schwer zu sagen ob die nicht später trotzdem Suizid begangen hätten auch ohne die Serie.

https://taz.de/Teenager-Suizide-nach-13-Reasons-Why/!5593519/?goMobile2=1562976000000

21.07.2019 09:42 Uhr - theultimatguy
1x
Ich finde die Kürzung schade.

Nicht umsonst hat die Serie eine hohe Altersfreigabe und darüber hinaus in vielen FolgenWarnhinweise. Wenn man sich das als Betroffener dann noch anschaut ist man meiner Meinung nach nicht ganz so klug.
Außerdem löst die Entfernung der Szene nicht die Probleme. Wenn sich jemand umbringen will, dann tut er das auch. Leider fast immer still und heimlich ohne das jemand etwss ahnt und helfen könnte.
Ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Und das ist eine einzige Szene. Es gibt genug andere Filme/Serien/Bücher usw. in denen vergleichbares vorkommt wie z.B. beim jungen Werther aber das ist ja leider ein "unantastbarer großer Klassiker" und darf natürlich nicht aus dem Schulkanon entfernt werden geschweige denn zensiert. Abgesehen davon würde es aber ebenfalls nichts ändern.
Grundlegende Änderungen müssen her.
M. M. n. simd viele psyschiche Probleme in jungen Jahren darauf zurückzuführen, dass junge Menschen nicht ernst genommen werden, sich mit ihren Problemen allein fühlen und resultierend daraus Angst haben sich zu öffnen und somit die Chance auf echte Hilfe verpassen.
Was es braucht ist noch viel mehr Thematisierung von Suizidalität und psychischen Erkrankungen und am Ende der Debatte muss stehen, dass es vollkommen okay ist nicht okay zu sein, man damit aber nicht alleine ist, es Leute gibt die einen verstehen bzw. das selbe haben oder gatten und es Leute gibt, welche dazu ausgebildet sind bei diesen Problemem zu helfen und sie gut therapieren zu können.


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