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Boston

zur OFDb   OT: Patriots Day

Herstellungsland:USA (2016)
Genre:Biographie, Drama, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,36 (14 Stimmen) Details
11.09.2017
Mike Lowrey
Level 35
XP 41.939
Vergleichsfassungen
Deutsche Kinofassung
Label Studiocanal, Blu-ray
Land Deutschland
Freigabe FSK 12
Originalfassung
Label StudioCanal, 4K UHD
Land Deutschland
Freigabe FSK 12

Reale Katastrophen und ihre filmischen Umsetzungen

Die moderne Gesellschaft von heute hat mehrere Wege gefunden, wie sie mit katastrophalen Ereignissen umgeht. Die Verarbeitung der oft traumatisierenden Geschehnisse beinhaltet fast immer ein demonstratives Zusammenrücken und die Beschwörung gemeinsamer Werte in der Bevölkerung. Das sieht man sowohl nach Naturkatastrophen als auch in der Folge von Terrorangriffen, die mittlerweile leider ein immer wieder auftauchender Begleiter des täglichen Lebens sind.

Die lückenlose mediale Berichterstattung ist ein zentrales Element während der "heißen Phase" des Geschehens, mit etwas Abstand kommen dann Retrospektiven und Dokumentationen ins Spiel. Und oft widmet sich dann auch die Filmindustrie dem Ganzen. Die Liste der Verfilmungen, die mal originalgetreu, mal vor allem fiktiv die Ereignisse rund um eine Katastrophe nachzeichnen, ist sehr lang. Man kann bei solchen Filmen ohnehin relativ wenig falsch machen, denn die Sympathien und der Kontext sind von vornherein klar. Bleibt man bei amerikanischen Tragödien jüngeren Datums, fallen einem sicherlich Oliver Stones World Trade Center und Paul Greengrass' Flug 93 als filmische Verarbeitungen ein. Man kann das exploitativ und kalkulierte Geldmacherei nennen oder den Filmemachern die gute Absicht zuschreiben, dass sie symbolisch zur Heilung und Ehrung der Betroffenen beitragen wollen.

Das Boston-Marathon-Attentat und seine filmische Aufarbeitung

Regisseur Peter Berg (Operation: Kingdom, Lone Survivor) hat sich nacheinander gleich zwei realen Katastrophen gewidmet. In Deepwater Horizon ließ er die Besatzung der zerstörten Ölplattform um ihr Leben kämpfen und mit dem hier besprochenen Boston zeichnet er die Bombenattentate beim Boston-Marathon im Jahr 2013 nach. Auch hier ist Mark Wahlberg in der Hauptrolle (die es so beim realen Ereignis nicht gab), doch zahlreiche echte Figuren werden hier durchaus namhaft besetzt, u.a. durch Kevin Bacon, John Goodman oder J.K. Simmons. Das Werk spannt den Bogen von einem nur kurzen Prolog über die Geschehnisse bis hin zur Ermittlungsarbeit. Die Jagd auf die kurz darauf identifizierten Brüder Dschochar und Tamerlan Zarnajew als Täter wird ebenfalls bis zum Tod des einen (Tamerlan) und der Festnahme des anderen (Dschochar) gezeigt.

Peter Bergs Film, dessen Originaltitel Patriots Day lautet, hat die klare Mission, alle Betroffenen und Ermittler als Helden zu zeigen, deren Gemeinschaft und Unterstützung die schrecklichen Taten überwanden. Das ist an sich nichts Schlimmes, findet aber meistens mehr Anklang in dem Land und bei dem Publikum, an das es sich richtet. Aber selbst in den USA konnte der Film sein 45 Millionen-Dollar-Budget nicht wieder einspielen und versandete bei 31 Millionen. Trotzdem waren die Bekanntheit des Ereignisses und die namhafte Darstellerriege als Parameter wohl ausreichend für den deutschen Rechteinhaber StudioCanal, um eine Kinoauswertung vorzunehmen. Für das Drama Stronger mit Jake Gyllenhaal als einem Marathon-Teilnehmer, der durch den Anschlag beide Beine verliert und sich wieder ins Leben zurückkämpft, fand sich bislang keine Kinoauswertung. Vielleicht auch eine Lehre aus dem eher mauen Einspiel von Boston.

Boston und seine deutsche Fassungssituation

So ganz passend erschien dem Label der Film für den deutschen Markt dann aber nicht. Während man im Hauptfilm keinerlei Änderungen vornahm, entschied man sich, einen Nachklapp zu entfernen, der die realen Personen in kurzen Interviewschnipseln zu Wort kommen lässt. Darin beschwören sie ihre Einheit und insgesamt kommt das Ganze schon etwas patriotisch und pathetisch rüber. In Amerika schwillt dabei vor Nationalstolz die Brust, in Deutschland mag man das womöglich als etwas zu dick aufgetragen empfinden.

Bei den Heimkinomedien gestaltet sich die Situation etwas verzweigter. Auf DVD und Blu-ray findet sich als Hauptfilm die deutsche Kinofassung von Boston. Im Bonusmaterial ist der entfernte Teil des Endes allerdings zu finden. Eine Ausnahme bildet die 4K UHD-Blu-ray, denn hier ist der Film in seiner Originalfassung vorzufinden. Das liegt aber nach Auskunft von StudioCanal nicht an der strategischen Intention, das neuere Medium mit einer vermeintlichen Exklusiv-Version künstlich zu promoten, sondern daran, dass man das 4K-Master so vom Lizenzgeber erhalten habe. Wie unten zu sehen ist, würde sich die zusätzliche Szene aber auch nicht wirklich als Kundenköder eignen.

Verglichen wurde die deutsche Kinofassung (FSK 12, Blu-ray von StudioCanal) mit der Originalfassung (FSK 12, deutsche 4K UHD-Blu-ray von Studiocanal).

1 Schnitt = 283 Sec. bzw. ca. 4 Minuten 23 Sekunden

Weiterer Schnittbericht:

Meldungen:
Boston - Mark Wahlberg-Film mit ungekürztem Ende im Heimkino (16.08.2017)

Vor dem Abspann: Es folgt noch eine Collage, in der einige Bilder und TV-Ausschnitte vom echten Ereignis zu sehen sind. Dazu werden Interviewschnipsel mit den realen Personen eingespielt. Sie berichten, wie sehr sie der Tag geprägt und gefordert hat. Dabei wird auch herausgestellt, dass die Bostoner zusammengestanden und sich gegenseitig unterstützt hätten. Es wird das Leben nach dem Anschlag kurz skizziert, unter anderem die demonstrative Teilnahme an dem Marathon zwei Jahre später mit Prothesen. Keiner der Betroffenen hätte sich davon unterkriegen lassen, selbst, wenn sie Gliedmaßen verloren haben. Ein Polizist wird besonders pathetisch und beschreibt, dass Boston zurückschlägt, wenn es angegriffen wird. Solche Ansagen mögen die Amerikaner, in Deutschland mag man da womöglich verhaltener reagieren.
283 Sec.
Die deutsche Blu-ray wurde uns freundlicherweise von StudioCanal zur Verfügung gestellt.

Kommentare

11.09.2017 00:06 Uhr - Scat
1x
SB.com-Autor
User-Level von Scat 13
Erfahrungspunkte von Scat 2.934
Was im Intro gesagt wird stimmt durchaus. Den waren Personen ist definitiv Tribut zu zollen, aber die dick aufgetragengen Verfilmungen sind manchmal zuviel des Guten. BOSTON fand ich noch "ganz okay" - das Ende war aber in der Tat too much.

11.09.2017 07:02 Uhr - Rayd
1x
User-Level von Rayd 5
Erfahrungspunkte von Rayd 321
Verkraftbar, wenn auch völlig unsinnig.

11.09.2017 07:59 Uhr - TonyJaa
SB.com-Autor
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Erfahrungspunkte von TonyJaa 47.570
Besten Dank für den SB und die Info, dass das erweiterte Ende nicht unbedingt einen UHD Kauf rechtfertigt. Den Film ansich empfand wie ich wie scat als "ganz okay". Wenn auch recht realistisch angehaucht, etwas lang geraten und zum Ende hin mit dem typischen US-Patriotismus versehen. Da gefiel mir Berg's "Deepwater Horizon" ebenfalls mit Wahlberg aus dem gleichen Jahr deutlich besser!

11.09.2017 12:45 Uhr - Tom Cody
2x
DB-Helfer
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Den Film fand ich, trotz ein paar kleinerer Längen, eigentlich recht gut.

Auch die nachgeschobenen Interview-Brocken fand ich sehr interessant. Bewegend ist auch das Pärchen, wo er einen, sie beide Unterschenkel verlor. Das hat ihn trotzdem nicht davon abgehalten, ein, zwei Jahre später mit einer Prothese erneut am Marathon teilzunehmen. Respekt!
Diese Szenen sind ja auch als Special-Feature auf der normalen Blu-ray enthalten. Da kann dann jeder selbst entscheiden, ob er sie sich anschaut oder nicht.
Was den (mehr oder weniger vorhandenen) Patriotismus angeht - gegen solch ein widerwärtiges und menschenverachtendes Handeln wie das der Terroristen darf man mMn durchaus mal ein wenig Flagge zeigen.

11.09.2017 13:42 Uhr - 573f4n
2x
Ich finde es erstaunlich dass so ein zeitnah erschienener Film überhaupt funktionieren, geschaut, gar geliebt werden kann. Ich meine wer würde bei uns einen "Berliner Weihnachten" "Paris" oder einen "Nizza" Film anschauen, wenn sie dass als Kino- oder Fernsehfilm aufbereiten würden.

12.09.2017 02:10 Uhr - Ned Flanders
2x
11.09.2017 13:42 Uhr schrieb 573f4n
Ich finde es erstaunlich dass so ein zeitnah erschienener Film überhaupt funktionieren, geschaut, gar geliebt werden kann. Ich meine wer würde bei uns einen "Berliner Weihnachten" "Paris" oder einen "Nizza" Film anschauen, wenn sie dass als Kino- oder Fernsehfilm aufbereiten würden.


Naja, mittlerweile liegen da schon 4 Jahre dazwischen und man kann was das Thema betrifft nicht wirklich Amerika mit Deutschland vergleichen.

12.09.2017 11:33 Uhr - FdM
User-Level von FdM 2
Erfahrungspunkte von FdM 54
Nationalstolz muss unterbunden werden,zumindest hier...
Ich gehe davon aus,dass dieser Schnitt nicht zugunsten einer internationalen Version vorgenommen wurde.

12.09.2017 22:16 Uhr - jrtripper
11.09.2017 13:42 Uhr schrieb 573f4n
Ich finde es erstaunlich dass so ein zeitnah erschienener Film überhaupt funktionieren, geschaut, gar geliebt werden kann. Ich meine wer würde bei uns einen "Berliner Weihnachten" "Paris" oder einen "Nizza" Film anschauen, wenn sie dass als Kino- oder Fernsehfilm aufbereiten würden.


ich.

und ich verstehe in keinster weise, warum man die sachen am ende geschnitten hat.

02.06.2018 10:29 Uhr - leproph
Für die Deutschen ist öffentliches Trauern und Erinnern ja quasi medial verboten.
Ich würde mir auf jeden Fall en Actionthriller "Terror on Berlin Christmas Market" ansehen, um die Vorbereitung des Anschlags, das Versagen der Berliner Behörden, die verhaltene mediale Berichterstattung ("Unfall" auf dem Weihanchtsmarkt") und die italienischen Polizisten, die den Attentäter nach seiner Flucht durch Europa stellen konnten.
Das ganze dann bitte ordentlich verwoben mit herzzerreißenden Hintergrundgeschichten der teils internationalen Opfer aus Israel, Italien, Tschechien, der Ukraine und Polen.

25.09.2018 16:55 Uhr - elvis the king
11.09.2017 13:42 Uhr schrieb 573f4n
Ich finde es erstaunlich dass so ein zeitnah erschienener Film überhaupt funktionieren, geschaut, gar geliebt werden kann. Ich meine wer würde bei uns einen "Berliner Weihnachten" "Paris" oder einen "Nizza" Film anschauen, wenn sie dass als Kino- oder Fernsehfilm aufbereiten würden.


Ich finde das Clint Eastwoods 15:17 Paris ganz gut funktioniert hat und das Ereignis fand 2015 statt!
Man hat vielleicht den Werdegang der 3 Freunde gezeigt, die sich ja auch selber gespielt haben, aber nicht verschwiegen das zuerst zwei weitere Person Kontakt mit dem Angreifer hatten und nicht die drei Amerikaner. Hier wurde eben gezeigt das sie dazukamen und nicht die Ersten waren!

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