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George A. Romero - Seine Karriere im Zensur-Überblick

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Die Nacht der lebenden Toten

1968

Seit seinem College-Abschluss 1960 hielt sich Romero mit Werbespots für das Fernsehen und Kurzfilmen über Wasser. Recht bald entwickelte er jedoch Ambitionen, das Publikum etwas zu schocken und die Idee festigte sich, einen Horrorfilm auf die Beine zu stellen. So gründete er mit neun Freunden die Produktionsfirma Image Ten Productions, wobei jeder 600 US-Dollar Startkapital beisteuerte für das Projekt, welches dann kurz darauf als Night of the Living Dead in die Filmgeschichte eingehen sollte. Letztendlich hatte man $114.000 aufgetrieben und hielt das Budget auch durch die Verwendung von Archivmusik niedrig. Ebenso war die Entscheidung, in Schwarz-Weiß auf 35mm zu drehen, eher den geringen Kosten geschuldet - trug aber gerade durch geschickte Kameraarbeit wesentlich zur eindringlichen Atmosphäre bei.

Bei seiner Premiere in Pittsburgh am 1. Oktober 1968 wurde der Film am Nachmittag gezeigt und die MPAA-Altersfreigaben kamen erst einen Monat später in Einsatz. Entsprechend strömten auch viele junge Kinder in besagte Vorstellung und logischerweise hatte der Film seine erste große Publicity. Obwohl sich die Sehgewohnheiten heute geändert haben, bleibt eine nihilistische Grundstimmung und es ist wohl kein großer Spoiler mehr, dass der als Identifikationsfigur dienende Quasi-Held des Films am Ende stirbt. Zudem war das ganze Zombie-Genre eben noch in den Kinderschuhen und entsprechend beängstigend muss die Darstellung der Untoten auf das Publikum gewirkt haben. Obwohl Romero hier einen Zusammenhang ausschloss, wurde Martin Luther King im gleichen Jahr ermordet, der dunkelhäutige Protagonist hatte somit auch eine politische Schärfe und ohne Frage greift der Film am Rande einige soziale Missstände auf.

Wie bekannte sein dürfte, entwickelte sich die kleine Produktion zu einem weltweiten Kassenschlager und man könnte hier sicher noch zig Hintergründe vertiefen. Was aus unserem Fassungs-Blickwinkel aber gleich hervorsticht: Die Copyright-Problematik. Damals musste man nämlich noch einen klaren Vermerk im Film selbst hinterlassen und in Romeros ursprünglicher Version mit dem Titel "Night of the Flesh Eaters" hatte sich Image Ten Productions auch entsprechend verewigt. Der erste Verleiher The Walter Reade Organization änderte jedoch den Titel zum weltweit bekannt gewordenen und entfernte dabei dummerweise auch genau jenen Copyright-Vermerk, sodass der Film in den USA rechtlich zu einem quasi für jeden frei verfügbaren Public Domain-Werk wurde.

Entsprechend gibt es jedenfalls weltweit zig verschiedene Auswertungen von kleineren Labels und bei manchen Editionen nahm man sich einige kreative Freiheiten. So wurden in einer 30th Anniversary Edition nicht nur diverse Szenen entfernt, sondern auch eine neue Rahmenhandlung ergänzt. Sicher kein Favorit unter Fans. Ebenso fragwürdig ist eine nachträgliche Kolorierung, in dieser Farbfassung fehlt auch ein klein wenig. Interessanter war da schon eine 2018 von Liebhaber-Label Criterion nachgereichte Blu-ray, bei der im Bonusmaterial ein früher Workprint mit dem Titel Night of Anubis abgelegt ist. Letztendlich halten sich die Abweichungen hier aber auch in Grenzen. Darüber hinaus gab es in alten TV-Ausstrahlungen auf WDR und arte diverse Kürzungen, bei letzterer ging dies auf die alte UK-DVD als Masterquelle zurück.

Ein besonders kurioser Umstand muss für Deutschland natürlich noch erwähnt werden. Bekanntermaßen sind die beiden Fortsetzungen und das 1990er Remake in Deutschland nach §131 StGB beschlagnahmt (dazu gleich noch mehr). Doch das Original blieb davon verschont und ist nach ungeprüften VHS-Auflagen auf DVD ungekürzt mit FSK 16 erschienen. Im Jahre 2000 erging ein weiterer Beschlagnahmebeschluss für das gleichnamige Remake, jedoch mit einer falschen Labelangabe, denn Anchor Bay hatte nur das hier vorliegende Original veröffentlicht. Das blieb lange unbemerkt, bis Ende 2009 und 2010 überraschend zwei weitere Veröffentlichungen des Originals wegen Inhaltsgleichheit mit Bezug auf jenen alten Beschluss auf Liste B indiziert wurden. Obwohl die BPjM diesen Fauxpax eingestand, entschied man sich letztendlich, die Indizierungen aufrecht zu halten. Trotz FSK 16-Prüfungen in den Jahren 2005 und 2008 besteht hier also die kuriose Ausnahme, dass der Film aktuell zusätzlich auf dem Index verweilt.

Das 1990er-Remake Die Rückkehr der Untoten von Tom Savini wurde bereits angesprochen und hat unter Fans auch ein gewisses Standing. Das kann man nicht unbedingt behaupten von der 2014er Neuauflage Night of the Living Dead und auch nicht von Night of the Living Dead 3D (2006), der wiederum mit Night of the Living Dead: Re-Animation (2012) auch schon ein eigenes Remake bekam. Bis auf den in gekürzter FSK 18-Fassung existierenden Savini-Streifen hatten all diese Nachzügler aber keine Probleme mit der FSK oder BPjM.

zum Schnittbericht zur 30th Anniversary Version

zum Schnittbericht zur Farbfassung

zum Schnittbericht zum Workprint (Night of Anubis)

zum Schnittbericht zur arte-Fassung / UK-DVD (Contender)

zum Schnittbericht zur WDR-Fassung

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Kommentare

16.07.2018 01:43 Uhr - Romero Morgue
5x
User-Level von Romero Morgue 3
Erfahrungspunkte von Romero Morgue 168
Danke an die Autoren/den Autor für diese wiedermal exzellente Retrospektive eines der besten Regisseure in unserem Lieblingsgenre.
Leider wird die Liste der noch aktiven „Helden“ unserer Zeit immer kleiner...

16.07.2018 09:04 Uhr - alex_wintermute
3x
Romeros weltberühmter Horrorklassiker aus dem Jahre 1968. Ein Meilenstein des modernen Zombiefilms. Romero lenkte das Zombie Subgenre in eine komplett neue Richtung: weg von willenlosen Voodoo Sklaven, hin zu menschenfleisch fressenden Untoten. Der Urvater des modernen Zombiefilms. Leider zu früh verstorben. Er starb 2017 im Alter von 77 Jahren "friedlich" im Schlaf.

16.07.2018 11:33 Uhr - Bossi
1x
Was ich auch super finde ist der trailer zum Film - nur in englischer Original-Fassung! Selten wird man, so wie hier, darauf aufmerksam gemacht, wie der Film heißt - gefühlte 100 Mal, damit du's auch JA NICHT vergißt!!!

"Nait...ohf thä livving deddddd"

16.07.2018 18:55 Uhr - Kaisa81
2x
laut BRD findet doch keine Zensur statt,verlogen

17.07.2018 16:05 Uhr - Ragory
Zu erwähnen bleibt noch, dass bei der 30th Anniversary Edition für den deutschen Markt eine grauenhafte Neusynchro erstellt wurde.

Leider enthalten inzwischen viele Neuauflagen (DVDs und Blu-Rays) diese entsetzliche Amateursynchro, die zudem nicht einmal komplett ist (es fehlen die Szenen aus dem Originalfilm, die für die 30th Anniversary Edition herausgekürzt wurden). Diese sind dann in den Neuauflagen untertitelt worden.

Leider geht aus den meisten Eintragungen in der OFDb nicht hervor, welche Synchro nun verwendet wurde, so dass ich bei einer Blu-Ray auch schon einen Fehlkauf getätigt habe (allerdings zu verschmerzen, da in einem 1 €-Shop gekauft, wo dieses Ding auch hingehört).

21.07.2018 14:01 Uhr - alraune666
1x
16.07.2018 18:55 Uhr schrieb Kaisa81
laut BRD findet doch keine Zensur statt,verlogen


Lese mal genauer ... es heisst in Eurem GG ... Zensur findet nicht statt ... ausser ... siehe Abschnitt 2 mit den Einschraenkungen ... verlogen ist daran nix ... Meinungsfreiheit heisst ja auch nicht dass man alles sagen darf ... vielen geht es letztendlich gar nicht um Zensur und Meinungsfreiheit, sondern nur um Filme oder Games ... 131 geht gar nicht, 184 eher, 86a is ok, 130 is ok etc ... das ist verlogen ... letztendlich ... wenn schon denn schon ...

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