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Texas Chainsaw Massacre - Die Reihe im Zensur-Überblick

Blutgericht in Texas

1974

Da ist er nun also, der sagenumwobene Urfilm, heiß gehandelt auf Filmbörsen und heimlich auf den Schulhöfen auf abgenudelten VHS-Kassetten weitergegeben. Blutgericht in Texas. Mitte der 70er-Jahre war die kranke Atmosphäre tatsächlich reichlich befremdlich - sowohl für Kinogänger als auch die Prüfer, die den Film vorher zu Gesicht bekamen und entscheiden mussten, wie sie ihn zu klassifizieren hatten. Dabei hatte Regisseur Tobe Hooper ursprünglich eine wesentlich subtilere Vorgehensweise im Sinn und wollte eben nicht mit der Kamera voll draufhalten. Er hoffte sogar auf das milde PG-Rating, indem er die Gewalttaten fast nur im Off stattfinden ließ. Mit den Sehgewohnheiten von heute ist der Film geradezu lachhaft harmlos, nur einmal verletzt die Säge tatsächlich einen Menschen - und dann ist es auch noch die zum massakrierenden Irren hochgehypte Bestie mit der Ledermaske höchstselbst, die durch ihr Werkzeug zu Schaden kommt.

Das Wegblenden machte es in den Augen der amerikanischen Prüfstelle MPAA aber nur noch schlimmer, denn in der Fantasie der Prüfer müssen sich die grausamsten Szenen abgespielt haben, so streng blieben sie beim berüchtigten und kommerziell tödlichen X-Rating - zu Hoopers großer Verwunderung. Es brauchte mehrere Anläufe mit immer neuen Zensuren, um zumindest das R-Rating zu erhalten. In Großbritannien verweigerte die britische Prüfstelle BBFC die Freigabe gleich dreimal - 1975, 1977 und 1984. Erst 1999 und damit fast 25 Jahre nach der ersten Verbannung wurde er ungekürzt freigegeben. In Finnland und Frankreich war man ähnlich streng.

Das Publikum war auch von der scheinbar "ausreichend" entschärften R-Rated-Fassung trotzdem teils sichtlich mitgenommen. Von arglosen Besuchern von Sneak Previews - die zugegebenermaßen nicht mit der Vorführung des Films rechneten - suchten einige das Weite. Diese Mundpropaganda verfing und die Reputation des Films und seiner scheinbaren Gräueltaten stiegen in ungeahnte Höhen. Natürlich und erst recht auch in Deutschland. Schon für die Kinoaufführung um etwa fünf Minuten gekürzt, folgte für die um fast zehn Minuten geschnittene VHS 1982 erst die Indizierung und drei Jahre später die Beschlagnahme (ja, damals war das behördliche Vorgehen noch sehr langsam). Erstmalig komplett ungekürzt erschien er ungeprüft auf LaserDisc, während über die Jahre weitere geschnittene Fassungen mit SPIO/JK- und FSK 16-Freigabe folgen sollten.

Dem Zensurspuk ein zufriedenstellendes Ende bereitete letztlich das Label Turbine Medien, das sich dem juristischen Kampf stellte und eine vollständige Rehabilitierung erwirken konnte. Nach der Aufhebung der Beschlagnahme folgte auch die Listenstreichung vom Index und die Neuprüfung bei der FSK, die die 18er-Freigabe erteilte und das Blutgericht in Texas nun dauerhaft in Deutschlands Handel verfügbar macht.

Kommentare

18.02.2022 00:35 Uhr - BITEmeFANBOY
7x
Vielen herzlichen Dank für dieses tolle Special zu meinem persönlich favorisierten Franchise.
Das original "Blutgericht in Texas" ist für mich einer der fulminantesten Filme überhaupt.
Dieser kleine dreckige Streifen hat es über Generationen geschafft, den Terror und Horror in den Köpfen der Zuschauer stattfinden zu lassen.
Fast jeder der diesen Film sah, ist überzeugt alle möglichen Gräueltaten explizit gesehen zu haben , obwohl diese gar nicht so dargestellt wurden.
Der Horror entsteht unbewusst im Geiste des Zusehers und das ist einfach einzigartig genial.

18.02.2022 09:15 Uhr - Dogger
4x
Schoener Text, musste hier und da etwas lachen.
finde diesen Teil, den Urfilm, relativ langweilig und das overacting ist grauenvoll.
Hab ihn trotzdem in der Sammlung wegen komplett und so.

18.02.2022 10:39 Uhr - morkmork
2x
Der erste war Ende der 80er als ich ihn sah leider nicht mehr der große Schocker wie einst zum Start für die Menschen. Aber er hat seinen Eindruck hinterlassen. Und auch wenn er nicht das bringt was man bei dem Titel erwartet, so ist es ein echt kranker Scheiß :D

18.02.2022 16:48 Uhr - Dissection78
6x
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Ja, vielen Dank für dieses tolle Spezial! :)

Was mich betrifft, liegt im ganzen TCM-Franchise das Original von '74 unangefochten an der Spitze. Das ist mMn einer der besten Horrorfilme überhaupt. Der Gestank, die Hitze, Blut, Schweiß und Tränen strömen mir als Zuschauer gefühlt direkt aus dem herrlich körnigen Bild entgegen, ohne dass Wogen aus Blut und Eingeweiden über die Leinwand bzw. den Bildschirm donnern. Ja, die Figuren sind nicht sonderlich sympathisch, doch die Darsteller agieren in meinen Augen natürlich (Overacting ist übrigens anders als das zurechtgefeilte Method Acting tatsächlich meist natürlich, wobei das in der Realität klarerweise auch auf das jeweilige Individuum ankommt). Besonders Marilyn Burns bewältigt eine formidable Tour de Force. In ihrer Final-Girl-Rolle gefällt sie mir in der Tat besser als beispielsweise Jamie Lee Curtis in "Halloween". Ich spüre hier förmlich den Terror. "The Texas Chain Saw Massacre" ist quasi ein Glücksfall bzw. ein glücklicher Zufall, vermutlich auch den widrigen Umständen der Low-Budget-Produktion geschuldet, und dabei Tobe Hoopers bestes Werk. 10 Punkte

Und dann bin ich auch schon beim eher nichtssagenden Remake: Eine typische Michael-Bay-Produktion vom Reißbrett, eine typische Marcus-Nispel-Regiearbeit, anscheinend ohne große Inspiration hergestellt, ohne Spannung, ohne Atmosphäre, ohne Zeitkolorit, dafür mit Darstellern, die wie Models einem Hochglanzkatalog entsprungen sein könnten, einem generischen Jablonsky-Score aus der Retorte und noch um einiges unsympathischeren Charakteren als es sie das Original hat. Einzig positiv sticht R. Lee Ermey aus dem ganzen Mittelmaß hervor, ich könnte auch sagen: 'aus dem gelackten Fäkalienhaufen'. Die Kameraarbeit von Daniel Pearl ist noch das Beste an der ganzen Chose. Der gute Mr. Pearl war übrigens ebenfalls DP des Originals, nur liegen zwischen Hoopers und Nispels Streifen etwa eine Million Musikvideos und Werbespots, die Pearl fotografierte, und das merkt man leider auch. Die Rohheit, das ungeschliffene Semidokumentarische, das zur Verstörung / Beklemmung in der Vorlage beiträgt, ist komplett verschwunden. Aber gut, dies ist sicherlich auch dem Budget geschuldet. Handwerklich okay, ansonsten für mich vergessenswert. Banal, belanglos. 4 - 5 Punkte.

Die anderen Filme frühstücke ich lieber kürzer ab: Teil 2 von '86 mag unterhaltsam sein, konnte mich jedoch nie hundertprozentig abholen, weil zu albern; Teil 3 ist ein solider, leicht überdurchschnittlicher (Standard-)Slasher, der hierzulande endlich mal eine vernünftige VÖ erfahren könnte; Teil 4 ist alles andere als gut, also reichlich unterdurchschnittlich, von mir aus auch der Bodensatz der Reihe, jedoch fand ich ihn nie ganz so unerträglich beschissen wie es die Mehrheit der TCM-Fans tut; das Remake-Prequel ist m. E. trotz (fast) gleicher Probleme besser als das Remake, da die Goresau in mir angesprochen wurde, kommt einfach barbarischer und düsterer rüber; "TCM 3D" ist routinierte Durchschnittsslasher-Stangenware (finde ich ebenfalls nicht sooo schlecht), die schnell wieder aus den Hirnwindungen verschwindet; "Leatherface" (2017) schließt sich dem qualitativ in etwa an.

19.02.2022 23:25 Uhr - Karottenapfel
User-Level von Karottenapfel 6
Erfahrungspunkte von Karottenapfel 477
Ein Meisterwerk!

22.02.2022 07:27 Uhr - Ashy Slashy OT
Oh ja ein Meisterwerk! Das Original! Unantastbar! Ich mag den Film sehr!

22.02.2022 07:30 Uhr - Ralle87
Atmo WELTKLASSE, aber ansonsten eher langweilig.

23.02.2022 01:38 Uhr - Octaslasher
Mir grade letztens noch auf Blu Ray geholt. Kann mich erinnern wie ich ihn Anfang der 2000er erstmals gesehen hatte. Tatsächlich habe ich den film noch nie zensiert gesehen. Auch heute ist der Film immer noch rauh, drecking und super böse auch wenn man natürlich merkt das der film ein ziemlicher exploitation Ding war. Diese krassen gefühlt minutenlangen closeups der schreienden Sally gehen da schon sehr an die nervliche Substanz und sind in der Länge heute kaum zu ertragen. Und Leatherface ist in diesem Film gerade gegen Ende ironischerweise schon fast wie eine Parodie seines eigenen Rufes und gar nicht wirklich furchteinflößend (wenn auch ziemlich psycho)

Dennoch ein Klassiker der 70er Jahre der vor allem durch Atmosphäre, Musik und Bildsprache besticht, auch wenn das Ende des Filmes (speziell Drayton und der Hitchhiker) teilweise zu sehr in Black comedy abdriftet und weniger den ernsthaften Terror trip des restlichen Filmes durchzieht. Auch ein grund warum ich TCM 2 nichts abgewinnen kann - zuviel comedy.

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